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Jüdische Rundschau · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ד> KfWPp?1 No. 24 die ׳ eine Ecke des zur Aufforstung augekauftcn Landgutes durchschneidet. Wohl kann man sagen, dass Deutschland in bezug auf Spenden für die Oclbaumpflanzungcu an erster Stelle marschiert, und namentlich gilt das für den HcrzKvald, von den! mehr als ein Drittel der Bäume von deutschen Spendern stammen. Aber freilich, allzu stolz dürfen wir doch nicht sein in Anbetracht des Umstandes, dass trotz dreijährigen Sammelns es noch nicht einmal gelungen ist, von je zwei deutschen Zionisten im Durchschnitt einen Oelbaum zu erhalten. Bedenkt man aber, dass viele Zionisten mehr als einen Oelbaum innerhalb der drei Jahre gespendet haben, und dass manche Bäume auch von Nichtzionisten geespendet.worden sind, ja dass sogar vielfach sich Christen an der Sammlung beteiligt haben, so dürfen wir wohl sagen, dass noch nicht der vierte Teil aller deutschen Zionisten seinen Baum zu Ehren unseres grossen Führers gestiftet hat. Es ist diese Tatsache einigermassen beschämend, aber noch ist es Zeit, das Versäumte naclizuholen, und besonders bietet, wie gesagt, der Todestag Herzls am 3'. Juli die beste Gelegenheit zu einer umfassenden Ölbaum- Agitation, z. B. in f'orni einer Gedächtnisfeier, zu welcher der Zutritt von Spenden fiir Oelbüume abhängig gemacht wird. Erfreulich ist cs aber jedenfalls zu sehen, dass die Oelbanmspende sich mehr und mehr einbürgert, und dies wäre schon viel schneller der Ball gewesen, wenn sie nicht aller- Hand Opposition gefunden hätte. Dass die jetzt aui dem Ausstcrbcetat stehenden Nurpolitiker derartige Arbeit verachten, ist ja natürlich, aber auch manche Palästinisteu verhielten sich skeptisch, weil sic der Ansicht waren, die Arbeit Wäre zu kleinlich; einzelne gehen sogar so w eit, die Oelbaumspeudc fiir ein Kinderspiel zu erklären. Ich muss aber dieser Auffassung auf das allercmschiedeuste entgegentreten. So viel ist ja von vornherein klar: mit dieser Spende verhält es sich nicht anders als mit der Sammlung für den Nationalfond. Ist die Oelbaumspcnde י in Kinderspiel, so ist es auch der Nationalfond, und wenn man cs dem Nationalfond gegenüber nicht ausspricht, so ist cs Mangel an Konsequenz. Beide Spenden beruhen au! der Nutzbarmachung vieler kleiner Gaben zu einem grosseren Zweck; mit Nationalfondgcldern soll Land gekauft, mit der Oelbaumspcnde Land bepflanzt werden. Mit einer gleich grossen Summe kann man freilich mindestens viermal so viel Land kaufen als bepflanzen, aber andererseits ist der Ertrag eines bepflanzten Landes um das Vielfache < 10—40 mal) höher als der Ertrag eines gleich grossen unbcpflanztcn Landes. Vom Standpunkt der Bruktifizierung der gesammelten Gelder ist es also weit rationeller. Pflanzungen anzulegen, als Land behufs Verpachtung zu kaufen. Dazu kommt, dass unter den jetzigen türkischen Rechtsverhältnissen der Landkauf sowohl wie die Landver- Pachtung fiir ein Institut, wie der Nationalfond cs ist, die schwersten Bedenken hat, sodass die Leitung des Nationalfonds mit Recht hiervon so gut wie ganz abzusehen genötigt ist. Der Nationalfond bleibt deshalb vorläufig zum allergrössten Teil als sicher anzulegendes Kapital in Verwahrung und kann nur soweit in Palästina als Leihgeld provisorische Verw endung finden, als absolut sichere Institutionen, wie z. B. unsere Bank, dafür die Garantie übernehmen. Natürlich kann sich unter diesen Umständen der Nationalfoud aus sich selbst heraus, d. 11. durch seine eigenen Zinsen und Dividenden, nur wenig vermehren, und da rechtlich die Zinsen und Einnahmen eines Bonds den gleichen Zweckbestimmungen unterliegen wie der Bond, wenn nichts anderes vereinbart wurde, so sind auch die Nationalfondzinsen in keiner anderen Weise für die Bewegung verwendbar. Ganz anders Hegt die Sache bei der Oelbaumspeudc. Einerseits erhalten jüdische Arbeiter schon sofort durch dieselbe Beschäftigung, indem sie die Oelbaurnwälder anlegen. unterhalten und später abernten, andererseits sind später grosse Einkünfte daraus zu erwarten, die nach der Satzung י Seite 225 ..hauptsächlich für Schul-, Erziehungs- und Kulturzwecke in Palästina“ verw׳andt werden sollen. Hier haben wir also eine Basis fiir eine schon in abschbarer Zeit eintretende mächtige Entwicklung, falls cs uns gelir.gt, wirklich eine erhebliche Zahl Oelbaumspenden zu er- Halten. Jeder, der einen Oelbaum spendet, stiftet hierdurch fiir Hunderte von Jahren hinaus einen Jahrsbeitrag von ca. 2,-Kl Mk., wenn also 100 000 Zionisten je einen Oelbaum geben würden, so hätten wir später eine Reineinnahme von jährlich 2401100 Mk. zu erwarten, und damit lässt sich doch eine ganz erhebliche Zahl von Bildungsstätten in Palästina unterhalten, ia sogar eine Hochschule. Aber unser Ehrgeiz geht weiter. Wir sind der festen Uebcrzeugung, dass nicht nur 100 000 Zionisten in ihrem Leben je einen Baum stiften werden, sondern dass ein grosser Teil derselben dem Verein mit dem Jahresbeitrag von zw ei Bäumen beitreten, oder jedes Jahr mindestens einen Baum spenden wird, und dass auch Nichtzionisten in stets wachsender Zahl dem Vereine mit Spenden oder als Mitglieder sich anschliessen werden. So unscheinbar attcli der eine Hcrzlwald als Baumschule vorläufig noch ausselien mag. des mögen Sie versichert sein, die ölbaumspende wird sich dereinst zu einer der allerwichtigsten Institutionen des Zionismus auswachsen. . Es mag zugegeben werden, dass sich durch die Oelbaumspende keine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte gewinnen lässt, wohl aber ist sie berufen, eine solche wertvoll zu machen; sic mag nicht zu den sog. ganz grossen Mitteln des Zionismus gehören, ein Kinderspiel ist sie aber sicherlich nicht. Wenn also die Palästinakommission ausser der Borschungs- und Aufklärungsarbeit etwas geleistet hat, so halte ich die Schaffung der ölbaumspende für eines der wichtigsten Ergcbnissc der organisatorischen Tätigkeit der Kommission. Pflanzungsverein ..Pa Iftstina“. Nicht ganz so leicht zu verstehen ist die Bedeutung einer anderen von der Palästinakommission angeregten resp. ins Leben gerufenen Organisation, nämlich des־ Pflanzungsvcreins ״Palästina“. Ist die Oelbaumspcnde dadurch dauernd mit dem Zionismus verknüpft, dass 4 der 7 vorgesehenen Ausschussniitglieder Inhaber einer Griinderaktie des Jewish Colonial Trust, also auch Mitglieder des Grossen zionistischen Aktions־ Komitees sein müssen, so ist der Pflanzungsverein ohne direkte Beziehungen zum Zionismus. Ist die Oelbaumspcnde eine Synthese nationaler und kultureller Momente, so ist der Pflanzungsverein ״Palästina“ eine Synthese nationaler und religiöser, sich in der Tradition begegnender Anscliauungsweise. Wir haben gehofft, dass gerade die streng religiösen Kreise diesem Vereine ihr Wohlwollen durch Beitritt zeigen würden, und wenn dies bisher leider nur in sehr geringem Masse geschehen ist, so Hegt cs wohl daran, dass noch ein gewisses Misstrauen dagegen obwaltet, weil die Organisatioti von zionistischen und zum Teil wenig religiösen Kreisen aesging. Freilich müssen wir auch gestehen, dass eine rege Agitation dafür bisher nicht entfaltet werden konnte, da die Palästina-Kommission zu sehr durch andere wichtigere Autgaben in Anspruch genommen war. und der Verein selbst seiner Natur nach vorläufig über keine Mittel zur Agitation verfügt. Dass sich aber aus dem Verein etwas machen lässt, w ird schon dadurch bewiesen, dass derselbe ohne Agitation in dem ersten Jahre seines Bestehens fast ebenso viele Gelder für Palästina flüssig gemacht hat wie der Verein ״Esra“ jetzt nach vieljührigcm Bestand und mit teurer Agitation. Aber nicht nur das, auch die Verwendung der Gelder ist eine mühelose: schon erhebt sich in der jüdischen Kolonie Recholmth der erste 15 Hektar grosse Mandelwald des Vereines, das günstige Wetter dieses Frühlings hat bewirkt, dass fast alle Bäume sich bewurzelt haben, und cs ist Hofinung vorhanden. *•*uff*.y״“‘'*״י: JÜDISCHE RUNDSCHAU

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