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Jüdische Rundschau · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 24 1 יי jjJ? 4 i i jl וו i: •**יי* KtC^1 Seite 224 JÜDISCHE RUNDSCHAU weitgehenden Charters. Die Juden sollten in Palästina die Rechte vom Sultan erreichen, welche die britische Südafrika- Chartered-Company von der englischen Regierung für Rhodesia erhalten hatte. Aber wenn man fragte, was sollen diejenigen Zionisten denn tun, die nicht zu der kleinen auserwählten Schar der Politikverständigen gehören, so war und musste die Antwort sein: bereitet euch vor und haltet euch parat, bis das Signal zum Aufbruch ertönt. Das ist nun leichter gesagt als getan. Wir sehen.es schon bei jeder Parade, wie schwer cs ist, stundenlang sich parat zu halten und Gewehr bei Fuss auf das Signal zu warten. Aber jahrelang das zu tun, das hicsse etwas Unniögliches fordern. So wurde man ungeduldig. Die Ungeduld verlangte mit der Zeit gebieterisch beschwichtigende Massregeln. Hierzu gehörte vor allem die schon auf dem II. Kongress 1898 beschlossene Gründung einer jüdischen Kolonialbank, die zwar im wesentlichen nur als finanzielles Instrument zur Frlangung der öffentlich-rechtlichen Sicherung des erstrebten Gemeinwesens gedacht war, die aber doch gleichzeitig auch zur Förderung der Industrie und des Ackerbaues im Orient dienen sollte. Auch die schon auf dem 1. Kongress 1897 angeregte Idee, einen Nationahoud zu schaffen, die auf dem IV. Kongress, im Jahre 1900, zum Beschluss erholen wurde, gal) Gelegenheit zur Arbeit, die das Warten etwas versiisstc. Freilich war der Nationalfond bestimmt, um in Palästina Boden für das Jüdische Volk erst anzukaufen, wenn der Charter erlangt sei; immerhin wurde jedoch, zur Beschwichtigung der Ungeduldigen, gestattet, dass schon vorher, auch ohne öffentlich-rechtliche Sicherung, Boden für einige vorbereitende Arbeiten gekauft werden dürfe, wie z. B. für ein Lehrgut, eine landwirtschaitliehe Versuchsstation und ein genossenschaftliches Out, welchen Käufen sich später solche für das ländliche Schulinternat KIrlath Sefer, für den Bezalel und zuletzt für die Oclbaumspende hinzugcsellten. Die schon auf dem ersten Kongress gebildete Kolonisationskotnmission sollte hingegen nur der Erforschung des Landes dienen, die Anträge zur Errichtung von Musterwirtschaften und Ackerbauschulen, die auf dem II. Kongress gestellt worden waren, w urden pietätvoll durch Ucberwcisung an einen Kolonisationsausschuss begraben. Zwar gestattete man, dass auf den späteren Kongressen allerlei Beschlüsse betreffs der jüdisehen Kolonisation gefasst wurden, aber man wusste im voraus, dass sic aus Mangel an Mitteln und einheitlicher Leitung keinerlei praktischen Erfolg haben konnten. Erst der VI. Kongress 1903 erzielte eine ernst gemeinte und sogar mit Mitteln ausgestattete Palästinakommission zur Erforschung des Landes, zur Errichtung einer Untcrsuchungs- «nd Versuchsstation sowie Herausgabe einer Zeitschrift. Wenngleich freilich nur ein kleiner Teil des bewilligten Jahresbudgets von 15000 Fr. wirklich der Kommission ausgczahlt wurde, so war doch wenigstens jetzt die Möglichkeit einer kräftigen Palästinaagitation gegeben, und die Zeitschrift ALTNEULAND, die 3 Jahre unter diesem Namen und seitdem unter dem Namen PALÄSTINA erscheint, hat sich zur Aufgabe gestellt, den Wahn, dass Palästina gezwungen sei, aui die Ankunft der Juden zu warten, gründlich zu zerstören. Sowohl neue Forschungen als auch die Benutzung der Statistik zeigte deutlich, dass Palästina schon jetzt ein ziemlich schnell aufstrebendes Land ist, dessen Landwirtschaft auch ohne allzu grosse Amcliorationsarbciten noch einer bedeutenden Ausdchnung fähig ist, und dessen mineralische Bodenschätze zwar nicht übermässig gross sind, in Anbetracht der Kleinheit des Landes aber doch als wirtschaftliche Hilfsquellen nicht zu verachten sind. Auch die Möglichkeit des gewinnbringenden Betriebes gewisser Industrien ergab sich mit positiver Gewissheit, und man konnte vor allem auch nicht mehr im Zweitel sein, dass Palästina, sobald nur die Verbindungen und Verkehrsstrassen verbessert sein würden, ein Fremdenland ersten Ranges zu werden bestimmt sei. Dies alles־ sind aber Entwicklungen, die vor sielt gehen müssen, ob w׳ir Juden dabei mitarbeiten oder nicht. Es ergab sich also als Tatsache, dass cs ein grosser Fehler sei, Ocwehr bei Fuss weiter auf das Ertönen des Signals zum Aufbruch zu warten, dass dies vielmehr nichts anderes heissen würde, als Gefahr zu laufen, überhaupt auf Palästina verzichten zu müssen. Man erkannte, dass cs Zeit sei, mit aller Kraft die Besiedelung des Landes vorzunehmen. Unterstützung von Landwirtschaft, Industrie und Handel, das waren die Mittel, mit denen man zum Ziel zu gelangen hoffen durfte. Dies־ war das Ergebnis der Aufklärungsarbeit der Palästina- Kommission während ihrer Tätigkeit zwischen dem VI. und VII. Kongress. Natürlich konnten sich die alten Führer der Bewegung nicht so leicht von dem ihnen in Fleisch und Blut übergegangenen Dogma der Schädlichkeit der Gegenwartsarbeit in Palästina losmachen. Trotzdem gelang es den ״Palästinisten“, wie ich die Förderer der Gegenwartsarbeit in Palästina nennen will, auf dem VII. Kongress 19ü5 den Be- Schluss durchzusetzen: dass parallel mit der politisch-diplomatischen Tätigkeit, als reale Unterlage und zur Stärkung derselben, entsprechend dein Punkt 1 des Baseler Programmes die systematische Ausgestaltung unserer Positionen in Palästina erfolgen müsse, und zwar durch folgende Mittel: 1. Allscitige Friorsvliungsarbeit. 3. Förderung von Agrikultur, Industrie usw. in möglichst demokratischem Geiste. 3. Kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinischen Judcnheit durch Heranziehung von neuen intellektuellen Kräften. •L Frstrebung der für die Hebung Palästinas notwendigen Reform in bezug auf Verwaltung• und Recht. Als versussende Pille für die früheren Machthaber der Kongresse wurde dann freilich noch der Zusatz aufgenommen: ״Der VII. Kongress lehnt jede planlose, unsystematische und philanthropische Klemkolonisation, die nicht in den Rahmen des Punktes 1 des Baseler Programnies fallen würde, ab." Während also bis 1905 nur Vorbereitungsarbeit, speziell Erforschung geduldet wurde, war jetzt auch direkte Förderung der Agrikultur und Industrie Palästinas und sogar die kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinischen Judcnheit freigegeben. Freilich blieb dies alles fürs erste nur Theorie, denn das der Palästinakonmiission bewilligte Budget konnte in den folgenden beiden Jahren gleichfalls nur zum kleinsten Teil aufgebracht werden, und wäre auch, wenn es voll zur Verfügung gestanden hätte, doch viel zu gering gewesen, um etwas erhebliches damit aiisrichten zu können. Immerhin konnte die Grundlage wenigstens zu einer Institution gelegt werden, die für die Zukunft eine grosse Bedeutung zu erlangen verspricht. Oclbaum spende. Auf Antrag der Palästinakonimission wurde auf dem VI. Kongress die Errichtung einer O e 1 h a u tn s p c n d c beschlossen, und die Agitation hierfür und besonders־ für den auf dem Vll. Kongress angeregten Herzlwald, brachte doch in wenigen Jahren die nötigen Mittel, um neben einem kleineren Hain bei Gliedern die Grundlage für einen recht stattlichen Olivemvald zu legen. Bisher ist freilich nur die Baumschule für diesen Wald angelegt, da es sich als vorteilhafter heruusgcstellt hat, die Wildlinge fürs erste in einer Baumschule beisammen zu haben, um sie erst nach der Pfropfung definitiv anzupflanzen. Fs fehlen zwar am Herzlwald noch immer einige 1000 Bäume, aber es ist zu hoffen, dass eine kräftige Agitation am Todestage von Herzl den Rest dieser Bäume schaffen wird. Das Land für den Herzlwähl ist so gelegen, dass Jeder, der mit der Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem fährt, diesen Wald'passiert, da die Bulm 1

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