Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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fHWf No« 24 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 219 massgebend, dass die Segnungen liir das Volk diesem nicht. von aussen her nach fremdcu Überzeugungen aufoktroyfert' werden dürfen. In Palästina lebt machtvoll der Wunsch, nach einer spezifisch jüdischen Kultur, den der Hilisvercin zu realisieren sich vorgestzt hat. Es ist das Verdienst des Hilis* Vereins, dass ,er mit der alten Tradition, jüdische Massen gewaltsam glücklich machen zu wollen, gebrochen, dass er nur aus ihrem (leiste heraus zu wirken sich bemüht und davon vor allem die hebräische Sprache als Hauptinstrument der Jugenderziehung dem Volkswillen gemäss akzeptiert hat. Es liegt hierin ein Siegeszug unserer eignen Ideen, und das gereicht uns zu besonderer Genugtuung. Hier wird gearbeitet, nicht nach Jener philanthropischen Methode, vor der wir immer warnten, sondern im Geiste Theodor H e r z I s, ״dessen grosses Verdienst es gewesen ist, dass er der erste war, der erkannt hatte, dass die indische Krage international (d. h. in unserem Sinne jüdisch-national) und unter grossen politischen Gesichtspunkten augefasst werden müsse.“ wie eine hervorragende Persönlichkeit im Hilisvercin sich ausdrückte. Die ganze Tätigkeit des HiJisveieins ist ein erireuliches Symptom der Zeit. 2. Die deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israölite Universelle. Die Alinuce ist keine iungc Organisation, deshalb stösst eine Aufnahme der übermodernsten Ideen, weil alte Traditionen vorhanden sind, auf Widerstand und doch ist der ursprungliche Gedanke der Alliance eigentlich derselbe gewesen, wie der Urgcdanke des Zionismus, zumindest ist er als ein Vorläufer des Zionismus anzuschcn, da er die ganze jüdische Welt in brüderlichem Zusammengehörigkeitsgefühl umfassen wollte. Ein bedeutsamer Kehler der Alliance liegt in ihrer Zentralisierung in Paris, weil dort kein lebendiges jüdisches Leben vorhanden ist, weil dort kein Zusammenhang' mit der jüdischen Volksseele existiert. Darum kennzeichnen sich häufig Beschlüsse des Zentral-Komitees als solche, die nur aus Unkenntnis der wirklichen Bedürfnisse des jüdischen Volkes entstehen konnten. Ehemals bestand wohl die kulturelle Suprematie Frankreichs in► Orient; als diese aber auf hörte, konnte nicht sogleich ein Umschwung in der Organisierung der Alliance erfolgen, w־eil sie eben mit der früheren Tradition belastet war. Deshalb ist bei aller uneingeschränkter Anerkennung der grandiosen Kulturtätigkeit der Alliance — Und der Zionismus wird diese Anerkennung ihr nie versagen — doch festzustelien, dass die Wirkung dieser Kulturarbeit der Alliance doch mehr in der reinen aufklärerischen erzieherischen Tätigkeit, als in einer Stärkung des jüdischen Gefühls und Bewusstseins liegt. Ein Fehler ist es schon, dass das Seminar zur Ausbildung der Lehrkräfte für die Alliance- Schulen nicht Im Orient stellt, sondern itt einem fremden, völlig andersartigen, gleissenden Milieu, das diejenigen, die es kennen lernjen, später leicht zurücklockt und in ihrer Tätigkeit in den kleinen Orten des Orients später nicht die rechte Btrufsfreudigkcit finden lässt. Das Resultat dieser Arbeit charakterisiert sich also durch Erscheinungen, die nicht auf dem Wege unserer Ziele liegen — die Alliance ist aber äugenblicklich in einer Entwickelung begriffen, deren Ausgang noch nicht abzuschen ist. Vielleicht hört mit der Zeit ein Teil des überragenden Pariser K.influsscs auf, vielleicht diirien wir hoffen, dass auch die Alliance stell überzeugen wird, dass sie nicht mehr die alleinige Repräsentantin der Judenbeit ist. Vielleicht wird es von dieser Seite her künftig nicht mehr allen neuen jüdischen Körperschaften gegenüber heissen: ״Was ihr wollt, das leisten wir schon!“ Denn das trifft heute längs; nicht mehr zu. Wir sind der Meinung, dass bei aller Aner• kennung dessen was geleistet wurde und wird, es doch nötig ist, dass auch in der Alliance neue Münner heute neue Bahnen finden. Vielleicht ist in der Neubildung der deutschen Konfcrenz-Gemeinscliaft hier ein Anfang zu sehen. 3. Der Verband der Deutschen Juden. Die Frage, ob man sich an ihm beteiligen soll, ist falsch gestellt. Er ist die Zusammenfassung sämtlicher Judengemeinden und auf Deutschland beschränkten Verbände. Wir sind also an ihm beteiligt. Es ist ihm oft zum Vorwurf gemacht worden, dass er nichts oder wenig leistet, das erklärt sich daraus, dass sein Ausschuss entsprechend den verschiedenen in Deutschland bestehenden Richtungen aus den heterogensten Elementen zusammengesetzt ist. Es liegt auch in der Natur des Verbandes, dass eine grosse Anzahl seiner Leistungen z. B. die Vorarbeiten für gesetzgeberische Aktionen mehr als diskrete Arbeiten zu betrachten sind. Der zusammenfassende letzte Berich: des Verbandes gibt einen guten Ueber-!,lick über seine Arbeit Da ist die Tätigkeit der Ucbcrlcitungs- Kommission, da ist die Kodifikation des Schulrechtes, die Religionslehrcrfrage. die Schächtfragc, die Enquete wegen Geschwoseitcr, da die inneren Angelegenheiten der Juden in versehiedenen deutschen Ein/clstaatcn, die Vorarbeiten für das Sabbutruhegesetz. die Militär- und Unterrichts-Enquete und endlich die Ostniarkcn-Enuuete. Es ist also tatsächlich ׳ziembell viel gearbeitet worden. Der Verband hat bei seiner Bcgriindung erklärt, dass er sich auf innerdeutsche Dinge bcschränkt, er kam! also keine anderen grossen Aufgaben in sein Gebiet ziehen, höchstens die Frage der Emigration und vor allen Dingen das Auswcisimgsrccht. Wir Zionisten unsererseits müssen ג ui der Wacht stehen, dass in die Delegation des Verbandes, derer so w ichtige Dinge zur Erledigung harren, jüdisch fortgeschrittene Elemente gew ählt werden, und da die Gemeinden die wählenden Instanzen sind, so haben wir in dieser Beziehung eben die Gemeinden zu beeinflussen. 4. Der Zentralere!!! deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Redner ist sich bew usst, atu diesem Gebiete andere Ansiebten zu vertreten, als ein Teil der zionistischen Allgemeinheit Die Begründung* des Zentralvereins war zu ihrer Zeit eine Tat, und zv/ar eine moderne, denn sie folgte aus dem Prinzip der Selbsthilfe. Es heisst zwar im Programm: Die Juden der verschiedenen Länder hätten lediglich das Religiöse gemeinsam, und diesen Punkt können wir Zionisten, für die ein Stammes- und Volksbewusstsein das ausschlaggebende ist, weder billigen noch unterschreiben. Kann uns das aber verhindern, mitzuarbeiten? Wenn auch leider zu konstatieren ist, dass gegenüber wahrhaft fortschrittlichen gut jüdisehen Persönlichkeiten in der Zentral-Leitung in Berlin es auch Ortsgruppen gibt, welche rückschrittlich sind und unsere Ortsgruppen bekämpfen, so ist doch und bleibt der Kampf gegen den Antisemitismus unumgänglich und wertvoll. Neben unserer, der zionistischen Arbeit, die das Uebcl an der Wurzel zu packen sucht, ist auch solche Augcnblicksarbeit notwendig, so notwendig sogar, dass, wenn der Verein nicht existiejte, etwas ähnliches zu schaffen unsere Aufgabe wäre. Er persönlich halle die Unterstützung der Arbeit, des Zentralvereins für nützlich, das einende für wichtiger als das trennende. Die Zionisten haben die Möglichkeit, wenn sie eifrig mitarbcitcii.!!eben dem Abwehrgcdankcti auch dem Gedanken einer Be* eiiiflnssung der deutschen Judenhcit in jüdischem Sinne zu dienen. 5. Die Logen. Ueber die Logen zu sprechen, isi schwierig, weil Logenaugclcgenheiteii grundsätzlich geheimzuhalten sind; aber was allgemein bekannt ist und durch die Presse gegangen ist, dürfte auch hier gesagt werden. Der Redner wisse wohl, dass von den Logen der heftigste Kampf gegen den Zionismus ausgegangen sei, so der Protest gegen einen Kongress m München i ikI so das Vorgehen der Kölner Loge. Auch sei es nicht vergessen, dass einst ein Beschluss gefasst worden ist, der sich gegen den Zionismus wandte. Heute ist die Sache so. dass weder fiir noch gegen den Zionismus in ■den Logen Propaganda 1 I ׳ 1 I ־ , \\ I