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Jüdische Rundschau · 1908-06-05 · Heft 23 (5.6.1908) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 23 (5.6.1908)
Date
1908-06-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 2i Jüdische Rundschau Seite i\\ duktion erheblich verringert, die Zahl der Arbeitstage cingeschränkt worden sei, und dass infolge der grossen Zahl seiner Arbeitskräfte natürlich auch der Lohn entsprechend gesunken sei. Selbstverständlich spiegelt siel» diese traurige Lage auch und ganz besonders in den indischen Vierteln New Yorks wieder, wo ein grosser Teil der Arbeitslosen zu suchen ist. Die Emigration aus Amerika ist infolgedessen neuerdings i nt Wachsen! Die Lage der Einwanderer in Kanada Aus Montreal wird der N. J. K. von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Aus verschiedenen Städten Kanadas kommen Nachrichten Tiber die Not, die dort unter den Emigranten herrscht. In Toronto, wo ungefähr 75(» Kinigrantenfamilien leben, ist die Hungersnot unhesclirciblicli. Den ganzen Winter hindurch quälten sich die Annen ahne Brot und ohne Heizmaterial für ihre elenden Wohnungen. Hilfe gab es von keiner Seite. In Montreal und Q 11 c b c c k ist die Lage nicht besser. Der grösste Teil der Arbeiter ist seit langem arbeitslos. Vor Monaten hatte bereits die Regierung eine Waritung vor der E i 11 w a tt d e r u n g »ach Kanada erlassen, aber die ge- Missenlosen Anpreisungen von Scliiifalirtsagcutcn und die vor längerer Zeit sogar von einer jüdischen Organisation erfolgten Empfehlungen Kanadas haben geradezu verhängnisvoll gewirkt, und erst jetzt beginnt die Einwanderung nadizulassen. vor der gegenwärtig nicht dringend genug gew;tritt werden kann. Amerikanische Wohltätigkeits- Gesellschaften Aus N e w York wird uns von unserem dortigen Korre spundenden geschrieben: Wohl in keinem Lande der Welt sind die jüdischen Wohltigkcits-Orgauisatioucn so zahlreich und so entw ickelt wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika: freilich sind sie auch fast in keinem Lande so notwendig. Denn so grossartig auch die Feistlingen dieser Institutionen sind. — das Elend, das sie mildern sollen, ist noch immer grösser. In New York allein existieren 75 grosse Wohliätigkcitsgesellschaften. Die giösste und bekannteste von ihnen, die *־United Hcbrew Charities“. besitzt ein Haus im Werte von 250 000 Dollars. Das allgemeine Einkommen dieser Gesellschaft beträgt jährlich 320000 Dollars. Der Bau des Krankenhauses “Mount Sinai Hospital“ hat drei Millionen Dollars gekostet, und die jährlichen Einkünfte dieses Krankenhauses belauien sich auf 350 000 Dollars. Die Zahl der Leute, die sich an den Spenden für diese Wohltatigkcitsgesellschatten beteiligen, ist natürlich eine sehr grosse, denn die reichen Juden allein könnten die Riesensummen nicht aufbringeit, die von den verschiedenen Gesellschäften alljährlich eingenommen und ausgegeben werden. Man berechnet, dass die Summe der hier iälirlich fiir wohltätige Zwecke ausgegebenen Gelder in die ZehmniHioncn hineingeht. Die Namen der Spender würden eine kleine Enzyklopädie füllen. — Lustige Ecke — Aus dem bekannten Londoner .Bureau. Eine gleichförmige Mitteilung zu den vielen ähnlichen in die deutschen und englischen Zeitungen lancierten entstellten Nachrichten über den Bank Prozess geht durch viele Blätter. Sie lautet: Jüdische Ansiedelungen In Brldsch-Ostafrlka. Vor einigen Jahren fassten englische Menschernreunde den Plan, den aus Russland flüchtenden Israeliten eine neue Heimat in Afrika zu gründen, und die englische Regierung erteilte ihnen hierzu eine grosse Laudkonzcssion in Ostafrika. Die von dem bekannten Schriftsteller Zangwill lebhaft befürwortete Idee sticss aber auf heftigen Widerspruch in zionistischen Kreisen. Der zionistische Kongress von 1905 protestierte und veranlasste die jüdische Kolouialhank, in deren Hand die Durchführung des ostafrikaniseliei! Unternehmens geelgt werden sollte, die Gerichte anzurufen, um durch eine Statutenänderung derartige Plane künftig unmöglich zu machen. Das Gericht verlangte den Nachweis, dass die Mehrheit der Anteilscheinbesitzer der Bank mit der geplanten Statutenänderung einverstanden sei. Die ßunkleitimg'hat darauf die mehr als 130 000 Aktionäre befragt, von IS 500 eiugcgaugeuen Antw orten w aren 10 (HK) gegen den ostairikanisclien Plan. Jetzt ist das Urteil gefällt worden, der Richter hat den Antrag auf Einschränkung der Ziele: der Bank abgelehnt. Mr. Zangwill und seine Freunde haben gesiegt, und der Inangriffnahme der Besiedelung ßiitlsh-Ostafrikas mit russischen Israeliten steht nichts mehr Im Wege. Die Quelle, aus der diese falsche Mitteilung stammt, hat demnach trotz allem die Hoffnungen auf Ostafrika noch nicht aufgegeben? Uns Solls recht sein. Von zionistischen Geldern und Kräften wird mau für Utopia, nicht das Geringste verschwenden! רו Sprechsaal r~n Fir 4i* Mlttcllunfeh •n dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgeseullche Verantwortlichkeit. I. Zum Delcglcrtentage. Der kommeikle Dclegicrteiuug wird voraussichtlich im Zeichen angestrengter Arbeit und geistiger Anspannung stehen. Da erscheint cs wohl gerechtfertigt, nebenher auch an Geist und Gemüt auffrischend»• Erholuugsmögüchkciten zu denken. Wo wären diese aber besser gegeben, als in der Umgebung der schlesischen Metropole, wo in iast greifbarer Nähe die gewaltige üebirgsinauer der Sudeten aufragt! Am beunernsten und daher am empfehlenswertesten erscheint mir da ein Ausilug nach dem Zobteugehirge. der am Mittwoch nach der Tagung unternommen werden konnte. Der Zobten ist von Breslau aus in einstimdiger Balm fahrt zu erreichen. Seine herrlichsten Partien lassen sich in einer Tages-, wenn nötig. Halbtagstour bequem durchstreifen. Ich hoffe, dass sich recht viele Wanderlustige zusammenlinden, und dass unsere Breslauer Freunde nicht die Mühe scheuen werden (falls sie nicht verhindert sind), die Führung in dem ihnen bekannten Gebiete zu übernehmen. Lehrer Auerbach -Posen. Wir geben dieser Anregung Raun!, da wir hörten, dass auch im V. J. St. Breslau bereits ein ähnlicher Gedanke erwogen wird. Die Redaktion. Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir noch einige Worte aui die Erwiderung des Herrn Dr. Friedemutm in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes. Es werden wohl in dieser Sache meine letzten sein. Denn wenn Herr Dr. Er. nicht neue, sachliche Momente bringt — aui. persönliche Angriffe werde ich nicht mehr antworten. In den früheren Schriftsätzen des Herrn Dr. Fr. fand ich stets eine ruhige und vornehme Schreibweise, um so grösser ist nein Bedauern und Erstaunen, als jetzt plötzlich Herr Assessor Fr. die Taktik jener Advokaten anwendeL die den Gegner zu bespötteln und herahzusetzen versuchen, wenn sic ihn sachlich nicht beikommen können. Jeder, nur einigerniassen aufmerksame Leser musste ja erkennen, dass ich die Redewendungen des Herrn Dr. Fr. nur wiederholt habe, um meine Bemerkungen daran zu knüpfen. Was also veranlasste Herrn Dr. Fr. zu diesem persönlichen Ausfall, wem! nicht die Absicht vom Sachlichen ahznlcnken? Oder irre ich mich? Ist seine Erregung über die Benutzung seiner Ausdrücke echt? Ja, dann muss ich fragen, welche dieser Redewendungen sind .denn so klassisch und originell, dass er amichmen darf, sie ־könnten jemand zur Begehung eines Plagiats verlocken? Auf die Prägung welcher Ausdrücke ist er daun so stolz, dass er um sein Eigentumsrecht daran so besorgt ist? Ich muss ohne v׳citcrcs zugeben, dass Herr Dr. Fr. stilistisch bei weitem gewar.dtcr ist als ich als Kaufmann; aber brauche ich es mir *deshalb zu versagen, meine Ansichten zu äussern. weil cs mir rächt gelingt, sie in ein so gefälliges Gewand zu kleiden, wie Herr Dr. Fr., der Jurist? Und nun zur Sache! Ich bestreite entschieden, dass der Mehrheit nicht schon vor Herrn Dr. Fr. genügend Vorwürfe gemacht worden sind. vor. aui und nach dem letzten Kon- Kresse. Ich bestreite ferner, dass uns allen nicht schon vor Herrn Dr. Er. bekannt war. dass man mit Tatsachen rechnen muss, wenn man ernsthaft arbeiten will“ (Redewendung des Herrn Dr. Er.) oder ..dass Mehrheitsbeschlüsse nicht den Lauf der Dinge aufhalten“ (Redewendung des Herrn Dr. Fr.) Wir wussten das wohl alte! Was wir aber nicht wussten, war. dass Zionisten gegen einen Kongressbeschluss zum Kadi laufen und in hinterhältiger Weise kämpfen würden. Wann und wo hat Herr Dr. Fr. hiergegen seine Stimme erhoben? Wann und wo hat er Herrn Zangwill das Verhängnisvolle seiner Handlungsweise vorgehalten, Wann und wo dessen Helfers* v ״־**, ־־?י7יי?וי'

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