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Jüdische Rundschau · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 22 Seite 196 Sahen die hiesigen Juden mit einiger Besorgnis dem neu zu eriiciinendcn Kaimakani entgegen. Hs stellt sieh aber erfreu• lieherweise mehr und mehr heraus, dass diese Besorgnisse durchaus unbegründet waren. Der neue Kaimakani. der aus einer angesehenen türkischen Familie in Damaskus stammt, eilt als ein Mann von grosser Bildung und vornehmem Charakter. In den letzten Tagen hat er eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde empfangen und hat dieser Deputation die Zusicherung gegeben, dass er alles tun wolle, was die Juden in seinem Bezirk zu fördern geeignet sei. Wenn von seiten der Juden irgendwelche Pläne gehegt würden, so möge man diese ihm stets ohne Besorgnis vorlcgen mul versichert sein, dass er sic immer mit Wohlwollen prüfen würde. Diese überaus freundliche Haltung des neuen Knimakams wird hier mit um so grösserer Befriedigung aufgenommen, als es heisst, der Kaimakani habe auch am Hofe des Sultans grossen Einfloss, und mehrere.seiner Verwandten seien in Konstmtinopcl in IioIicii Stellungen. tEÜ Sprechsaal ~3ך Pftr Mt MStteilnngeh an dieser Stelle übernimm! die Redaktion nur die pressgesetzliche Verantwortlichkeit. Zionismus und Orthodoxie. Wenngleich in verschiedenen Ortsgruppen in der letzten Zeit Vorträge über das Thema ..Zionismus und Orthodoxie“ gehalten wurden, scheint es doch infolge der sattsam bekamttai Vorgänge in der letzten Zeit nicht imatigezeigt auch in diesem Blatte darauf zuntckzukommett. Lauge genug hat. und zwar mit vollem Reell!, die JÜDISCHE KÜNDSCHAU geschwiegen; allein nachdem es eine Zeit zum Schweigen gegeben hat.muss es auch eine solche zum Sprechen geben und diese halten wir jetzt fi:r gekommen. So lange die Polemik nur in den Spalten unserer gesiiimmgsgcnössisclicn Kollegin in F'rauhiurt a. M. giiihrt wurde, konnte man noch Zusehen; nachdem aaber die an'.izinuistischc Presse sich der Sache bemächtigte und Zionisten daselbst das Wort ergreiien. ist es Pflicht das Stillschweigen zu brechen. Was ist nun des Pudels Kern? Im Kölner Bür«» soll die Heiligung des Sabbaths nicht strikte eiiigehalten worden sein und im:HAOLAM sind Artikel erschienen, welche für den ״radikalen Kulturzionismus“ Propaganda gemacht haben sollen. Die erste Anklage gegen das Büro wurde dadurch er- Icdigt. dass Präsident V.ölifsohn eine Erklärung erliess, dass fortan dasselbe an Sabbat- und Feiertagen streng geschlossen bleibt. Mehr kann doch der strengste Orthodoxe nicht verlangen, überall kommen Fehler und Missgrifte vor und wenn solche gerügt sind und das Versprechen abgegeben wird, dass sie nicht mehr Vorkommen werden, sollte das genügen und durften sieh dabei die Gemüter beruhigen. Wie viele orthodoxe Vereinigungen existieren, in denen Leute, welche früher sehr wenige der 613 םצ*ת beobachteten, nach ihrer reuigen Rückkehr als ..BaaJ Theschuwohs“ eine hervorragende Stelle einnehmen! Also mit diesem gesühnten Verbrechen, sollte man zum Schaden des Zionismus als Zionist nicht mehr hausieren gehen. Was nun die Sünden des HAOLAM betrifft, so ist es am besten, wenn man von den vielen erschienenen KvkFinmgeu nur die des Herrn Dr. E. Fink aus Hamburg, eines gewiss orthodoxen Gesinnungsgenossen, hervorliebt. Herr Dr. Fink setzt sieh "des Längeren mit den Gegnern des Herrn Sokolow auseinander, um zum Schluss folgendes zu erklären: ..Anstatt sieh zu entrüsten, sollte mau also lieber widerlegen. Dass HAOLAM auch solchen Widerlegungen seine Spalten öffnet, ist in No. 16 d. BL bereits nachgewiesen worden. . Übrigens hat HAGlLAM auch zahlreiche Arbeiten gebracht, die dem Sinne des traditionellen Judentums durchaus entsprechen. So sehr ich es missbillige dass im offiziellen Büro einer zionistischen Institution das Religionsgesetz, durch Arbeiten am Sabbat verletzt werde, so kann ich doch andererseits einer zionistischen Zeitschrift das Recht nicht absprechen, jede religiöse Anschauung zum Ausdruck zti bringen, wenn es nur in einer angemessenen Form geschieht. In der heutigen Zeit, w der rciigmnsmul traüitionsfeindliclie Lehren durch tausend Kanäle ins Volk strömen und dort in alle Schichten ciiulringen. wäre cs übrigens ganz zwecklos, einen winzigen Zuflussarm abzusclmeidcn. Der Effekt wäre gleich Null. HAOLAM kann übrigens auch schon deswegen keinen Schaden anrichten. weil er nur solchen Lesern zugänglich ist. die die hebräische Sprache verstehen, und mit dem jüdischen Schrifttum vertraut sind. Solche Männer sind aber, sofern sic überhaupt aui dem Boden des traditionellen Judentums stehen, gegen das von einem Epiktiros produzierte Toxin durch ihre Kenntnisse sehr wirkungsvoll immunisiert. Mit vorstehenden Ausführungen glaube ich den Nachweis erbracht zu haben, dass die Behauptung des Herrn Dr. Feuchtweniger, HAOLAM verfolge systematisch die Tendenz, das traditionelle Judentum zu bekämpfen, nicht zutriiit, und dass die mehrfach ausgesprochene Entrüstung über diese Zeitschrift durchaus ungerechtfertigt ist. ■>, Es wäre im höchsten Grade bedauerlich, wenn der So sehr vortrefflich geleitete HAOLAM. dem die Leser eine reiche Fülle von Beleb»uug und Anregung verdanken, durch eine auf falscher Voraussetzung beruhenden Agitation Schaden erlitte." Nachdem nun die Polemik über diese Dinge im zionistischen Misraclii-Organ geschlossen ist, fährt ein orthodoxes Blatt mit den Angriffen fort. Neben den Erklärungen einzelner Zionisten in vorwfiriigei! Angelegenheiten, kommt dies Blatt jetzt auf andere Fragen, wie das Gymnasium in Jafia usw. in angreifender Weise zu sprechen. Es ist merkwürdig, wie kurz die ״Schonzeit“ war. die man uns in diesem Blatte zuhilligtc. Während der Wahl- Periode in Baden, wo mau die Hilfe der bösen Zionisten henötigte, war rur sebr wenig und da zuweilen sogar Gutes von uns. zu lesen, obwohl zu dieser Zeit die Verhältnisse kaum anders geartet waren. Kaum ist diese M ahl erledigt, so wird die erste sich bietende Gelegenheit benützt, um mit Hilfe von Gesinnungsgenossen eine neue Fehde mit dem Zionismus zu beginnen. Wir wollen keinen Kampf mit der offiziellen Oithodoxie. cs sind viele Bcrälumgspiuikte. die gemeinsam sind, die beide zum Heile des Judentums Schulter an Schulter ansieehten könnten. Allein, wenn der Kampf beliebt wird, dann werden orthodoxe Zionisten, wie Schreiber dieses, nicht anstellen unter Hochachtung ihrer orthodoxen Prinzipien mit der ganzen zionistischen Partei liir unsere heilige Sache ciuzutreteu. Möge man im führenden Lager in Frankfurt a. M. den!?•■gen nicht zu straff spannen. J w r i. Bank prezess. ln \o. 21 der RUNDSCHAU beschäftigt sich ein Herr ״$. in S.“ mit meinem Artikel iiher den Bankprozess aus No. 20 Ihres geschätzten Blattes. Er tut dies, indem er sich dauernd meiner Worte und Redewendungen bedient. Da sich in ■dieser Art des Schreibens schwerlich ...heissende Satire" finden lässt, bleibt mir nur die Annahme, dass der anonyme Schreiber mit dem Ausdruck kämpft. Sollte ihm meine Schreibweise dabei Erleichterung bringen, so gestatte ich ihm gern weiter das Aussclirciben meiner Artikel. Im übrigen nur wenige Worte. Herr ..S. in S." ist erstaunt, weshalb ich Herrn Zangwill keine Vorhaltungen mache. Der Grund dafür ist ein sehr einfacher. Es war wellt meine Absicht, alle die Atigrifie zu wiederholen, die seit langer Zeit in endloser Reihe gegen die Prozessgegner erhoben w orden sind und die ohnehin jedermann kennt, sondern einmal der Mehrheit die Wahrheit zu sagen, was bisher unterlassen worden ist. Ich habe zeigen wollen, dass man mit den Tatsachen rechnen muss, wenn man ernsthaft arbeiten will, und zu diesen .Tatsachen gehörte eben das englische Recht und die Gegnerschaft des Herrn Zangwill. ob sic berechtigt war oder nicht. Nicht darauf kam cs mir an. wer im Recht war. sondern auf die Verbreitung der Erkenntnis, dass Mehrheitsbcschliissc den 1-atii der Dinge nicht ändern. Prinzipienreiten ist vielleicht eine angenehme, aber sicherlich nicht eine m litisch-niitzliclie Beschäftigung. Noch ein Mort über den Artikel in THE LAW JOURNAL. Herr ״S. in S." irrt, wenn er aiuiiiiimt, dass jedes gedruckte Wort von Wert ist. Auch in Juristenzeitungeu steht Minderwertiges, und jeder Artikel ist schliesslich nur die Meiiiungsabgabe einer Pctson. Ihr autoritativer Wert ist also sehr verschieden. THE LAW JOURNAL hat sich mm aber gar nicht etwa auf unsere Seite gestellt, sondern lediglich das Urteil Lord Evc's dahin kritisiert, dass es nicht kotisaiuent sei. weil die Folgerung sich nicht logisch ergebe. Sachlich ist der Artikel g;mz irrelevant. Zum Schluss eine Bitte. Fis ist in der Journalistik bisher noch stets Sitte gewesen, dass man nur daun angreift, wenn man sich nicht scheut, den Angriff auch mit dem eigenen Namen zu decken. Weshalb »ollen wir eine schlechtere Leitung ciufiihreti? Was ehrliche Männer sich zu sagen halten, das müssen sie auch׳ vertreten und Gesinnungsgenossen‘ halten wahrlich nicht nötig, einander aus dem Schatten zu bescliiesseu. Dr. Friede tu a 11 n. Sehr geehrter Herr Redakteur! I״ dc.1l Uitart.kcl in N21 .״ Ihres Walles I,״״reel.cn Si,. kurz d.c- Mcll.iiiK der zi.utistfsdicri Orcn..isuti״״ zur Allhtwc israelite universelle, w eisen auf den Gein•״«-.!•/ |.al.,5ti.״.|.l.ilc.1 Alliance der ־.icbzi«״ Jal.rc und d״ an״.

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