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Jüdische Rundschau · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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^-«g.-1 ^י * •ז? ■-י»■* y-r‘f. Ho. 22 . JODlSCHE RUNDSCHAU. Seite 197' palästinischen von heute hin und knüpfen daran die Bemerkung: ״Die Breslauer Versammlung der Alliance hat gezeigt, welche dialektischen Mittel ihrem einstweiligen Vertreter recht sind, wenn er dem Zionismus ein Bein stellen zu können glaubt.“ Den Hinweis aut die Breslauer Versammlung zur Begründüng Ihrer vorausgehenden Behauptung halte ich zwar für berechtigt; doch muss die Begründung ein wenig anders erfolgen, denn der zitierte Satz Ihres Leitartikels Hesse sielt von dem auf diese Weise angegriffenen Sekretär der deutschen Conferenz-Ocmeinschaft der Alliance. Herrn Klausner, mit Recht als nicht den Tatsachen entsprechend zurück weisen. Herr Klausner hielt in der erwähnten Versammlung ein Referat, in dem er vor dem Nationalismus warnte, der sielt allezeit und überall als eine den Juden gefährliche Strömung erwiesen habe; er beklagte, dass sich sogar in den Reihen der deutschen Juden nationale Strömungen bemerkbar machten. Ich habe dann in der Diskussion am Schlüsse meiner Ausftihrungui, in denen ich au dem Schulwerk der Alliance, hesonders in Hinsicht auf die Sprachcnirage. Kritik geübt hatte, die erwähnte Acusscruug des Herrn Klausner, die ich und nienrere andere Herren als־ einen Angriff auf den Zionismus gedeutet hatten, energisch zuriiekgewlesen. Herr Klausner bestritt indes, mit jener nationalen Strömung den Zionismus gemeint zu haben . Die nochmalige Verlesung jener Stelle des Referates bewies tatsächlich, dass hier ein Missverständnis vorlag, da mit den Worten des Referenten bei den deutschen Juden das laute Mervorkehrui ihres Deutschtunis, bei den ungarischen Juden ihres Magvarcutums. 10.i den galizischcn Juden ihres Pulcntmns usw. gcgeisselt werden sollte. Freilich musste nach dieser Version in den Worten des• Referenten dem ganzen Zusammenhänge nach ein deutlicher Hieb gegen den Hilisvereiu der deutschen Juden herausgeiiililt werden. Wie dem auch sei. jedenfalls ist es nicht angebracht. Herrn Klausper. wie das in dem Artikel geschehen ist. vor/uwerfen, er habe sich durch dialektische Kunststücke «aus der Affäre gezogen, nachdem er in einer Alliance-Versammlung den Zionismus angegriffen habe. Trotz dieser Sachlage ist aber dennoch in jener Ver- Sammlung durch einige Acusserungen des Herrn Klausner iiir die so oft bestrittene und von Ihnen wiederholte Behauptung ־ von dem Gegensatz zwischen Linst und Jetzt ein bündiger Beweis erbracht worden. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Besprechung dieser Frage auf dem Delegiertcntage der deutsehen Zionisten möchte ich Veranlassung nehmen, die Acusscrungen des Herrn Klausner hier mitzuteilcn. Herr K• suchte zunächst meine Behauptung, dass das Französische in Palästina an Orten unterrichtet werde, wo die Verwendung dieser Sprache als Umgangssprache zweckwidrig sei. zu widerlegen und fuhr dann ungefähr folgender-!nassen fort: ״Aber seihst wenn der Unterricht im Französischen in den palästinischen Schulen nicht dringend nötig wäre, so muss er schon aus einem anderen Grunde erfolgen. In Palästina ist das Fortkommen sehr erschwert, und es ist auch nicht gerade ein Vergnügen, dort unter der Herrschaft des türkischen Sultans zu leben. Fiir die palästinische Jugend ist Aegypten das gelobte Land, und cs ist das Ideal der Jugend, später dorthin aucmiwandern. Wir haben also dje Pflicht, die Kinder mit den nötigen Spraehkenntnissen auszustatten, die ihnen dann das Fortkommen in den Auswatiderungsludcru. speziell in Aegypten, wo die Kenntnis des Französischen sehr wichtig ist. zu ermöglichen.“ Zunächst ist dagegen zu bemerken, dass Aegypten nicht mehr das gelohte Land iiir die palästinische Jugend ist. dass die Auswanderung dorthin fast völlig zum Stillstand gekommen ist. eine Tatsache, die übrigens• auch in dem vorletzten Alliancebericht ausführlich besprochen und begründet wurden ist. Heute richtet sich die Auswanderung viel mehr nach Kauad 1. Sehr wichtig scheint mir dagegen das Fiugeständnis, dass man die Sprachenfrage unter dem Gesichtswinkel der Hmigration beurteile und dem Interesse der später emigrierenden Elemente geimiss entscheide. Der hei weitem überwiegende Teil aller Kinder, die in den Alliauceschulen in Palästina unterrichtet werden, bleibt im Laude und ist genötigt, sielt dort eine Existenzmüglichkeit zu schaffen, und nur ein verschwindend kleiner Teil wandert ins Ausland. Weil also dieser kleine Prozentsatz von Kindern späterhin angeblich des Französischen bedarf, wird jene überwiegend grosse Zahl von Kindern mit Spraclikemitnisseu vollgepfropft, die sie im Heimatlande In den vielen kleinen Berufsarten, zumal auf dem Dorfe, nie brauchen wird, und die demnach das Gehirn dieser Kinder unnütz belastet — eine Sprache, die höchstens in den höheren Haudelsfäcliern notwendig ist und sieh daher zum Unterricht in Handels- und Mittelschulen — und auch hier I kaum als Umgangssprache — eignet. Aber dieses Programm entspricht ja dem Heil und Frommen der auswar.derunsslustigen Jugend Palästinas, und deren Wphl zu fordern, ihre Auswandcrungslust zu steigern, ist ja, wie wir gehört haben, einer der leitenden Gesichtspunkte des Programms der Alliance. Herr Dr. Nathan hat nach seiner Rückehr von Palästina — auch mir selbst hatte sich diese Anschauung in Palästina als die einzig richtige aufgedrängt — erklärt, dass mau sich im Elementarunterricht in Palästina, besonders in der Dorfschule, auf Arabisch und Hebräisch beschränken müsse, da der Unterricht in einer westeuropäischen Sprache die Lust zur Auswanderung anrege. Herr Dr. Nathan hat also fiir den letzten Teil seiner Acusscruug in dem deutschen Vertreter der Alliance einen Kronzeugen gefunden. Gestatten Sie mir zum Schlüsse die Bemerkung, dass ich Ihnen gänzlich!»eipilichtc. wenn Sic daran die Mahnung knüpfen, ״sich dadurch nicht zu grundsätzlicher Gegnerschaft gegen die gesinuungsverwaudte. Organisation verleiten zu lassen“. Ich habe auch in der erwähnten Versammlung den gleichen Gedanken mehrfach zum Ausdruck gebracht. Ganz ergebenst ' ״ ' Breslau. 25. Mai ns. Dr. Sandler. Kleine Mitteilungen Berlin. Im Fürsorgeheini für liililosc jüdische Kinder heginnt Anfang Mai unter Leitung des Austultsarztes Pr. L. Mendclsohn ein neuer Kursus iiir Frauen und junge Mädchen über Pilcgc und Krnähung der Kinder heziehungsweUs des Säugliugs. Nähere Auskunft und Anmeldungen im Fiirsorgeltcim, Ailiileriestr. 36 b. .1: Lübtheen, über ein Kuriosum aus der Kali-Industrie, das aber charakteristisch ist. wird der B. Z. a. M. geschrieben; Als iast undenkbares Faktum kann die Tatsache mitgetcilt werden, dass das Statut der Kah'gewcrkschaft der Friedrich Franz in Lübtheen (Mecklenburg) eine Bestimmung enthält, dass Kuxe nicht an Besitzer, welche jüdischen Glaubens sind, «eingetragen werden dürfen. — Man w ird ja bei einer derartigen soliden Organisation aut besonders günstige wirtschaftliche Ergebnisse gefasst sein müssen. Bis jetzt freilich sind solche Erfolge nicht erzielt worden. Obwohl im Jahre 1696 gegründet, konnte das Werk den Scbachban erst am 2. August 1906 bcenden. Bonn. Die AKAD. TURNZEITUNG vom 15. Mai meldet aus Bonn: Der Antrag der jüdischen Verbindung Rheiio-Silcsia um Aufnahme in die Vertreterversammhmg wurde wiederum abgefeimt. Die Verbindung ist eine deutschnationale jüdische, die Turncrbriiderung eine detitsclmationalc antijüdische. Glessen. Ein konfessioneller Friedhof soll nach einem Beschluss der ca. 40 Mitglieder zählenden Israelitischen Religiensgesellschait in Giessen angelegt werden. Zwar sind die Mittel, die 20000 Mark betragen sollen, bis jetzt nicht vorhanden, doch wurde eine Kommission gewählt, dieselben zu beschaffen. Die Juden lösen damit ihr Verhältnis zum interkonfessionellen städtischen Friedhof, auf dem ihnen eine eigene Leichenhalle gebaut weiden sollte. Gedern. (Hessen.) Das hiesige Institut zählt zur Zeit nur noch drei Schüler. Der auffallende Rückgang hat darin seinen Grund, dass sämtliche jüdische Schüler ihren Austritt erklärt haben. Kaiserslautern. Die jüdische kultnsgemeinde Ellerstadt־ hat sich wegen zu geringer Zahl der Mitglieder aufgelöst. Bei der Versteigerung der Synagoge mit Hof und geräumigeit Garten wurden — 125 Mark erzielt. München. In München-Schwabing ist der neue jüdische Friedhof in feierlicher Weise eröffnet worden. Es hatten sicli auch dazu Vertreter der jüdischen Kultusgcmcindcn Augsburg (Dr. Epstein) und Nürnberg (Dr. Oberndorfer) cingetunden. Itt einer Ansprache führte der Vorstand jJer Münchener Kultusgemeinde Justizrat Ofner aus. dass die Münchener Juden jahrliuudcrtclang ihre Toten auswärts bestatten mussten und erst IM6 Religionsreehte erlangten. Das Gräberfeld umfasst etwa 15 Tagwerk und ist für WO Jahre berechnet. Die Bauteil sind einfach, aber stilvoll im Geschmack der Münchener Bauweise, mit der Baurat Grassel, auch der Schöpfer dieser Bauliehkeitcu, München eine eigene Friedhofkunst gegeben hat.

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