Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1908)
- Date
- 1908-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- . ־-- -- ■־■: . יי rt ־־. ,— -י■: N0• 22_JÜDISCHE RUNDSCHAU _ Seite 193 zwar die Klassiker, gedenken Jedoch selten des Schillerschen Wortes: ' ״Nicht jeder Stimme ist zu giauben. Uns zu berücken, borgt der Lügengeist Nachahmcnd oft die Stimme von der Wahrheit Und streut bezügliche Orakel aus.“ Solche ,.bezügliche Orakel“ linden oft und leicht einen fruchtbaren Boden. Insbesondere bej wohlhabenden, reichen Juden, die sich geehrt fühlen, mit einem lebendigen Minister am weissen Tisch zu sitzen. Man braucht nur einen Vorwand. Auch dieser ist bald gefunden. Diesmal heisst er Mihaitovits. Er ist der Freund Apponyis, vielleicht weil er just so über die Juden denkt, wie der Herr Minister. Mihailo* vits hat eine Oper — zusammenkomponiert. Ein interessantes Werk. Was man sonst an vielen Abenden zu hören bekommt, in acht Opern von Wagner, Mozart, Oliick und Mcyerbccr, ist alles hier in einem Werk vereint. Ein Opcrn-Potpourri. Anderswo würde man den Schöpfer eines• solchen ״Werkelchens“ geistig steinigen. Bei »ns wird ihm aupplaudicrt. Weil er der Freund Apponyis ist. Aber damit ist die Sache nicht eriedigt. Man veranstaltet dem grossen Komponisten zu Ehren ein Bankett. Nicht im Nationalkasino und nicht im Katholiken- Klub, sondern im Liputvüroscr Kasino. Dort sind zwar nur Juden zu finden, aber den! Oourmand schmeckt unter Um- Ständen auch die jüdische Rcligionskiichc. Alle werden zu dem Bankett kommen. Von Appouyi bis zu Mihaitovits. Apponyi wird eine lange, schone, wirkungsvolle Rede halten. Er wird seinen Bariton erklingen lassen und die l-eutc bezaubern. Man wird sich geehrt fühlen, furchtbar geehrt. A. Mikes. ... ־״ « Ein Briefwechsel über die Palestine Land Development Company Odessa, 30. April <13. Mai) 190$. No. 10J5. Herrn Professor Dr. Ott o \V a r b » r g. Berlin W. 15. Uhlandstr. 175. Sehr geehrter Herr Professor! ln der Frage der Beteiligung unseier Gesellschaft au der Palestine Land Development Company wurde nun, nachdem wir das־ motivierte Gutachten unserer palästinischen Gewährstnäimcr über die Pläne der P.L.D.C. zu Kenntnis genominell haben, in der letzten Sitzung unserer Komitees, an der auch Herr Dizengoff aus Jafia teilgcnoamicu hat, ein endgültiger Beschluss gefasst. Trotzdem in der Debatte von sämtlichen Rednern mit hesoliderem Nachdruck hervorgehoben wurde, dass in allen Fragen der Palästiuaarbeit ein gemeinsames Vorgehen mit dem Palästina-Ressort der zionistischen Organisation soweit wie nur irgend möglich anzustrebcu sei. so vermochte das Komitee doch nicht, sich über die schweren Bedenken prinzipieller und praktischer Natur, die sich ihm gegen den Arbeitsplan der IU-.D.C. aufdrängten, hiuw egziisetzen.!nid so sah *ich denn unser Komitee genötigt, den Antrag auf Beteiligung unserer Gesellschaft an der Company — mit allen Stimmen gegen eine Enthaltung — aus• folgenden Motiven ahxulchncn: 1. Das administrative Bewirtschaitungssystem hat. nach der llcberzcugung des Komitees, die in den Erfahrungen der Rothschildsellen und der Jcaschen Kolonisation ihre Bestütiguug findet, keine Chancen auf Erfolg, zumal im vorliegenden Falle das Unternehmen einen konmicrzielien Charakter tragen und daneben noch Erziehungsplänc hinsichtlich des jüdischen Arhcitcrstaudcv in Palästina verfolgen soll. — Iw Anbetracht des spezifischen Charakters unserer Bewegung, der palästiuisehen Verhältnisse, vor allem aber des gegebenen Menschenmaterials ~ glaubt das Komitee, eine Verantwortung für die administrativen Bewirtschaftuugspiäue der P.L.D.C. nicht übernehmen zu können. 2. Charakter und Anlage des ganzen Unternehmens• setzen, wenn etwas Nennenswertes geleistet werden soll, reichliche Geldmittel voraus, die die Company schwerlich wird auibringen können, so dass schon aus diesem Grunde allein der Erfolg der Gesellschaft sehr zweifelhaft erscheint, 3. Die Gründung der P.L.D.C. und die Arbeit für dieselbe Ist geeignet, die überaus wichtige, ja geradezu brennende Frage des Agrarkredits in den Hintergrund des öffentlichen Interesses zu rücken und sie aus der Tätigkeitssphäre der massgebenden Kolonisationsorgane Palästinas für längere Zeit zu eliminieren. 4. Ueberhaupt ist das Komitee der Ansicht, dass in samtliehen Angelegenheiten der Kolonisatknsarbeit die Initiative immer von nuten, d. 11. von den Kreisen der landwirtscaa»:- liehen Arbeiter und Kolonisten, und nicht von oben, von Kobnisationsgescllschaiten und Vereinen auszugehen hat. Man kann nicht Kolonisation von oben herab, nach theoretischen Prf»- grannnen und Gesichtspunkten treiben. Die Aufgabe der Kolonisationsgcsellschaften kann nur darin bestehen, die Bedingungen zu schafft,», unter welchen eine gesunde Privatinitiative, eine freie, natürliche Sclbsttätigkcit sich entfalten könnte. Aus diesen Gründen - und weniger wegen des pekuniären Risikos -- glaubt das Komitee, die moralische Mitverantwortlichhcit für die Pläne der P.L.D.C. nicht mit gutem Gewissen auf sich nehmen zu können und muss es daher leider ableimen, als Mitbegründer der Company aufzutreten. Das Komitee beschloss indes, von einer Veröffentlichung seines Beschlusses und der Motivierung desselben Abstand zu nehmen, um dm Agitation für die P.L.D.C. nicht zu schaden. Wir glauben. Ihnen nicht erst sagen zu sollen, dass wir uns sehr treuen würden, wenn die Tatsachen uns zu einer •Revision unseres Standpunktes Anlass geben und unsere Be-׳ iiirclitimgen sich als unbegründet herausstelleu werden. An dieser Stelle möchten wir noch unsere Hoiimiug zum Ausdruck bringen, dass uns jedenfalls noch die Gelegenheit geboten sein wird, gemeinsam mit dem Palästina-Ressort der zionistischen Leitung auf den verschiedensten Gebieten der praktischen Paiästinaarbvit zu wirken. Mit vorzüglicher Hochachtung und Ztonsgruss Gesellschaft zur Unterstützung von Ackerbauern und Handwerkern in Syrien und Palästina. gez. Al. Ussischkin. Erwiderung. An das Odessaer Palüstinakomitcc, z. H. des Herrn Ingenieur M. Ussisclikiu, Odessa. Sehr geehrter Herr Ussischkin! Im Besitze Ihres werten Schreibens vorn 13. Mai 1908 tut cs mir leid, dass die Gesellschaft zur Unterstützung von Ackerbauern und Handwerkern Syriens und Palästinas in Odessa sieb veranlasst gesellen hat. eine Beteiligung an der P.L.D.C. abzulehueu. Aus der Begründung ersehe ich zu meinem Bedauern, dass die Gesellschaft die Idee der P.L.D.C. nicht verstanden hat. Denn gerade die Funkte, welche die Gesellschaft für wesentlich für die Kolonisation hält, werden ia durch die P.L.D.C. in vollem Maase erfüllt. Das administrative Bewirtschaitungssystem, welches die Gesellschaft tadelt und für verkehrt hält, tritt bei de« P.L.D.C. doch nur bei dem Lchrgut in Erscheinung, und ein Lchrgut wird immer administrativ verwaltet werden müssen, einerlei ob es einen Nutzen abwirft oder mit einem Defizit arbeitet. Fs ist aber nicht einzusehen, warum ein solches Gut durchaus mit Schaden arbeiten!miss׳: es mögen Ja einmal schlechte Jahre kommen, im Durchschnitt wird sich aber doch aller Voraussicht nach ein Nutzen erzielen lassen. Uebrigcus werden es die meisten Aktionäie schliesslich verschmerzen können, wenn ihre 2(1 Mark betragenden Aktien ihnen nicht gleich in den allerersten Jahren Dividende bringen. Bei der gesamten sonstigen Tätigkeit der P.L.D.C. wird doch gerade das administrative Bew irtscliaituugssvstem mit Ausnahme der eventuell sich als notwendig erweisenden Amclioratioiisarbcitcn aiisgcschaltet. genau so. wie cs hei der •deutschen und polnischeu Kolonisation seitens der preussisciien Ausicdclangskommission seit Jahren bei tausenden von Kolonisten mit dem allergrössten Eriotg geschehen ist. Und gerade die Landbanken pflegen durchaus nicht ertraglos zu arbeiten. Wir schlagen doch nicht neue unerprohte Bahnen ein. sondern folgen \idmchr der bewährten preussisciien Koionisations- •methode der letzten 10 Jahre. Der einzige Unterschied ist der. dass wir, da wir vorläufig noch nicht über genügend geschulte und den palästinischen Verhältnissen augepasste und gleichzeitig ein gewisses Kapital besitzende Ansiedler verfügen, für die erste Zeit jedenfalls eines Lehrgutes kaum werden entraten können. Wird sielt mit der Zeit herausstelleu. dass dieses Gut unnötig ist. so kann es jederzeit parzelliert oder als־ ganzes verpaentet werden. Aber auch zur Ausbildung der ""!ו^י״ו^נ״דיייוי1 I