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Jüdische Rundschau · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f r .■■M No. n JÜDISCHE RUNDSCHAU S eile 11 ,:;;.,.v: ■Zum: Bankprozess 'Es jKibt in dicser schweren Uebergangszeit des Zionismus zu ytele arid zu bedeutende Fragen, die von uns Antwort verlangten,׳ als dass es rätlich erschiene, allzulange bei diesem Bankprozess zu verweilen. Und dass er verloren ist, macht die Diskussion darüber nicht verlockender. Aber schliesslich steckt auch im untergeordneten Detail einer Bewegung eine lehrreiche Beziehung zum Ganzen, und sie hervorzuholen ist in diesem Falle, durchaus nicht wertlos, zumal es den Anschein hat, als strenge man sich systematisch an, dieses bisschen Moral zu verfälschen. . Auch in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU hat die Diskussion begonnen. In ihrem leitenden Artikel vom 8. Mai findet man als Resumö der Betrachtung einige scharfe Sätze, z. B. den gesperrt gedruckten: ״Entweder man ist Zionist und hält die primitivste Disziplin der Partei, oder man ist kein Zionist und zieht die Könscquenzc 11.“ Kein Zweifel, dass sich dieser strenge Satz, dem ein noch strengerer mit der Forderung der Reinigung der Partei folgt, gegen diejenigen Parteigenossen richtet, die die Statutenänderung planmassig entgegen dem Kongressbeschiuss bekämpften. In der folgenden Nummer nimmt Herr Dr. Friedentann das Wort. Er kanzelt in tadelloser Form, inhaltlich aber umso . uneingeschränkter und rücksichtsloser die Kongress m e h r h e i t ab, 'insbesondere deren Führer, denen er geistige und parteiliche Gebrechen schlimmer Art nachsagt: Prinzipienreiterei einerseits und schmeichlerisches Nachgeben der Masse gegenüber andererseits. Und er schlicsst. mit der Hoffnung, dass ״bei verständiger Haltung des obsiegenden Teiles“ jetzt der Weg zur Versöhnung der streitenden Parteien ofien sei. Diametraler (wenn das Wort eine Steigerung gestattet) kann der Gegensatz in der Auffassung der Moral des Prozesses nicht sein, als er uns in diesen beiden Artikeln entgegentritt Wo liegt die Wahrheit? Herr Dr. Friedetnann liebt es. mit dem ״Charakter der Ostjuden“ zu operieren. Versuchen wir es. obwohl es keine Ost- und Westfrage ist, die Sache ein wenig sozusagen Parteipsychologisch zu betrachten. Unsere Jüdische Kolonialbank, das wird jeder zugeben, ist nach dem Sturme des ersten Enthusiasmus für das Institut in der Liebe der Organisation nicht gewachsen — int Gegenteil, sie büsste (im Gegensatz zur A. P. C.) leider mit der Zeit erheblich von dem ein, was man *Popularität“ und ״Vertrauen“ nennen könnte. Nicht Vertrauen in Hinsicht aut die Geschäftsgebarung — dagegen erhob sich 11 i e eine Stimme —, Sendern in Hinsicht auf einen innig-verlässlichen Zusammenhang mit den lebendigsten Bedürfnisse und Acusserungen der Organisation. Der Hauptgrund hierfür war die insbesondere nach Herzls Tode oft und oft beobachtete Zuspitzung des durchaus richtigen Standpunktes, dass ein solches Institut nur von wenigen Verantwortlichen erfolgreich geleitet werden könnte, zu einem Extrem. Jeder, der in Basel oder Haag war, weiss, dass der Kongress infolge einer merkwürdigen, zunächst nur taktischen Eigensinnigkeit der Bankiciter bei den Kongressvcrhandluttgcn immer das Gefühl hatte, nur auf Grund erzwungener Debatten gewissermasseu *gnadenweise“ zur Anteilnahme an den Geschicken der Bank zugelassen zu werden. Diese Taktik, die auch in den Aktionskomitee- Sitzungen oft deutlich wurde (und die übrigens auch den Nationalfonds bedroht — siehe letzte Sitzung des A.-K.) bewirkte trotz aller Generalversammlungen, dass die Bank entfremdet wurde, und dass die Organisation zu ihr sozusagen ein Verhältnis wie zu einer befreundeten Macht mit einer separaten Regierung zu unterhalten gelernt hatte. Diese separate Regierung als entscheidender Faktor, das Ueberwiegen des zufällig Persönlichen über das Sachliche, mussten, als sich das von Herrn Dr. Friedemann so oft gerügte ״Misstrauen“ (natürlich nur gegen die parteiliche, nicht die moralische Solidität einzelner Bankieiter) einstellte, zur Krisis führen, die ״Bankprozess“ und *verlorener Bankprozess“ heisst. War dieses Misstrauen berechtigt? Sofort nach Abfassung des Bank-Memorandums hatten sich Stimmen für die Einschränkung auf unser Gebiet erhoben, bald darauf beschloss es der Kongress. Dessenungeachtet wurde bei der Ostatrika-Verhandlung die Bank als Kontrahent eingeführt. Das war ein schwerer Verstoss. War es zu verwundern, dass sich darum Misstrauen erhob, dass sich dieses steigerte, als die damalige Kongress-Minderheit sah, dass viele mit einer erschreckenden Plötzlichkeit weit über Herzls Pläne hinaus zum Tcrritorialistischen vorstürmten? Herr Dr. Friedemann, sicherlich damals einer der Massigsten, der es aber doch für nötig fand, den Kongress an die historisch durchaus richtige Tatsache zu erinnern, dass die ersten Zionisten cs freilicsscn, ob man Palästina oder ein anderes Land wählen solle, sollte doch dieses Misstrauen begreifen, wenn er erst an die Exaltationen anderer denkt. Wenn die Personen nicht sicher waren, wollte man die Statuten sicher machen ~~ nur zu verständlich! Dann kam der. Ansturm der Territorlalisten und der ihnen Nahestehenden des Kongresses gegen die Statutenänderung. Vielleicht hätte man, da sich die Lager geschieden hatten und bei uns Festigkeit zuriiekkeiirte, auf die Aenderung und den Prozess trotz aller ״Prinzipienreiterei“ verzichtet, — es waren sogar Stimmen und Stimmung dafür vorhanden — wenn nicht wieder von der Bankleitung aus der Gegensatz bis zur Unerträglichkeit verschärit werden wäre. Der Direktor der Bank, Herr C o w e n , stellte sich an die Spitze einer Agitation mit dem erklärten Willen, selbst gegen die von Kongress und Generalversammlung beschlossene Statutenänderung beim Hohen Gericht Protest zu erheben. Eine Ungeheuerlichkeit im Geschäfts- und Parteileben. Der nächstiiegende Appell an ihn, seine Agitation zumindest dadurch loyaler und parteimüssiger zu machen, dass er .das Direktorat zurücklegtc, ein Versuch, ihn der Stellung durch Nicht-Wiederwahl za entkleiden, wurde von seinen Kollegen in der Bankleitung zur Kabinettsfrage für alle gemacht. Also Solidarität mit solchem Verfahren. Man konnte und wollte die leitenden Herren, die unentbehrlich waren, nicht fallen lassen und Herr Ccwcn blieb — musste nicht aber das Misstrauen bei so grotesk-verzerrter Sachlage noch mehr wachsen und damit der Wille, solch unmöglichem Zustand ein Ende zu machen? Dazu kam, dass gerade in England, wo die Bank: ihren Sitz hatte, von einigen Herren eine Schaukelpolitik entriert wurde, ein ״Man schlägt stell, man verträgt sich“ und Direktor und Governor mitten drin. Zangwill konnte sich beim erstinstanzlichen Verfahren mehrfach darauf stützen, vor allem aber auf Direktor Cowen, der ״ihm auch sonst in der Sache zur Seite gestanden habe.“ Und!tat nicht das zweite Verfahren den Misstrauischen recht gegeben? Herr Grecnberg, Herr Kessler (vom Board des Nationalfonds), Herr Goldreich (Mitglied des A.-K.), die gegen die Aenderung agitieren, sind die Kronzeugen Mr. Zangwills. Welches־ Schauspiel! Und Mr. Zangwill verfügt über die Kenntnis von Intimitäten aus dem Ailer-Intcrnsteii unserer Bankleitung, (man lese seine Erklärungen über die Filiale in Konstantinopei), über die bis dahin kein Mitglied des Grossen A.-K., vielleicht auch nicht der Aufsichtsrat verfügte — und auch das ist nicht der erste Fall. Man hat ja kein Recht, es zu behaupten — aber kann man die Vermutung zurückdrängen, dass unter den Stimmen gegen die Abänderung sich aucli solche von leitenden Männern unserer Bank befinden? Ist das nicht tragikomisch? Das genügt wohl — man könnte ja zehnmal soviel schreiben — um zu beweisen, dass psychologisch und parteimoralisch das Verlangen nach Statutenänderung durchaus nicht ״Prinzipienreiterei“ und ״Schmeichelei nach unten“ bedeutete, *uיי׳ "יי• י* "1»וי יי"*

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