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Jüdische Rundschau · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 186 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 2 t bringen nicht imstande ist, mit gemeinsamen Kräften ausführen können. Wieviel Zweige von Handel und Industrie könnten wir selbst, ohne fremde Hilfe, entwickeln! Wie viele Gebrauchsgegenstände könnte man bei uns in solcher Menge produzieren, dass nicht nur unser eigener Bedarf gedeckt würde, sondern dass wir sie auch zu einem Exportartikel machen könnten? Hunderte von Arbeitslosen könnten wir auf diese Weise beschäftigen und ebeasoviclc junge Kräfte, uic keinen Yerdienst hier finden, und ie in fremden Ländern sich herum־ zutreiben gezwungen sind, im Lande festhalten. Werfen wir also, Brüder, unsere ewige Passivität und Niedergedrücktheit von uns! Die Zeit der Tat und Selbsthilfe ist gekommen! . . Man denke, in der Stickluft der Chaluka, in den abgeschtosscncn, vielfach lethargischen, vielfach fanatischen Kreisen der orthodoxen Judcnheit, aus der starren Obstruktionssphärc der Protestrabbiner heraus diesen erquickenden Hauch pulsierenden Lebens, fröhlichen Tätigkeitsdrangs! Wahrlich ein Zeichen der Zeit und ein Moment, das au! eine gesunde Lösung des Chalukaproblems und eine Regeneration der palästinischen Judcnheit selbst ״im Einklang mit den rabbinischen Autoritäten der heiligen Stadt** hohen lässt. Möchten den Worten nun auch die Taten folgen, damit dank der jüdischen Opferfreudigkeit in der Welt und der Liebe zum Lande der Väter die Arbcitsgelcgcnheitcn sich mehren und die Chalukajuden sich mindern, damit die sozialen Verhältnisse gesunden und die Erziehung der Jugend sich bessere! Dann kann die neugestaltete Chaluka wieder das werden, was ihr als leitender Gedanke ursprünglich zu Grunde lag: ״Eine Hilfe zum Wiederaiifbau Zions“. -- ן Rundschau —״-?> Hilfsverein der deutschen Juden $ Der Hilfsvcrcin der deutschen Juden bringt soeben seinen sechsten Geschäftsbericht über das Jahr 1907 zum Versand. Der Bericht, dem ein vollständiges Mitgliederverzcichnis beigeheftet ist, konstatiert ein weiteres erfreuliches Wachstum des Vereins, der im Jahre 1907 wieder 4000 neue Mitglieder gewonnen hat und jetzt insgesamt 1$Ö00 Mitglieder zählt. Die ausführlichen Einzclberichte über das S c 1! u I w e r k des Hiltsvereins in Galizien, Rumänien. Bulgarien, der Türkei geben ein anschauliches Bild von der segensreichen und fruchtbaren Tätigkeit, die der Hillsverein durch Kindergärten. Elementar-, Ackerbau- und Handelsschulen entfaltet. Was die Arbeit des Hilfsvereins, besoudcis im Orient, so vorteilhaft auszeichnet, ist die Erkenntnis, dass man den jüdischen Kiudern im Orient nicht eine europäische Sprache und Kultur künstlich aufpflanzn darf — das macht sie nur zu heimatlosen Wanderern — sondern dass sie die Landessprache erlernen müssen, und dass die natürlich gegebene Umgangsspräche für die Juden im Orient das Heb rutsche ist. Die Kenntnis der Landessprache eröffnet ihnen in der Türkei beispielsweise Tür und Tor zu allen S t a a t s ä m t e rn . ermöglicht ihnen die Ansiedlern! im Innern der Türkei und erschliesst ihnen ganz neue Gebiete und Arbeitsfelder. Die Pflege der hebräischen Sprache andererseits ist das einzige Mittel, die Kinder im Geiste des Judentums zu .erziehen, und sic bietet das einigende Band, das alle die aus verschiedenen Ländern und Sprachgebieten stammenden Kinder ihre Zusammengchörigkcit erkennen und bewahren lässt. — Der über HO Druckseiten umfassende Bericht des Hilfsvereins gibt dem Leser den erfreulichen Eindruck wahrhaft jüdischer Arbeit von Juden für Juden, die letzten Endes auch eine wirkliche Kultur tat dar stellt. Der Bericht ist mit einer Reihe von Bildern, meist aus den Schulen des Hilfsvereins, geschmückt, unter denen auch die Porträts des Cliuclutm Baschy (Oberrabbiner) der Türkei. Moses Halevy, und des Chacham Baschy von Jerusalem. Elialiu Panigel sich befinden. Alliance Israelite Universelle für 1907 Unmittelbar nach der französischen ist jetzt die deutsche Ausgabe des Jahresberichts der Alliance Israelite Universelle für 1907 erschienen. Der Bericht, ein wohlausgestattetcs Bändchen von 232 Seiten Text. legt Rechenschaft ab von der über drei Erdteile sich erstreckenden Tätigkeit der ältesten und grössten jüdischen Hilfsorganisation. Durch Vermittlung der Alliance IsraC-Utc Universelle soll von der Judcnheit fiir die Judcnheit gearbeitet werden. Es wird materielle Hilfe gebracht und geistige Speise durch Unterricht und Erziehung geboten. Auch im Jahre 1907 hat der Wirkungskreis der Alliance Israelite Universelle neue Erweiterung erfahren, und ist in dem früher bereits von ihr beackerten Gebiet die Wohlfalirtstätigkeit intensiver geworden. Der letzte Abschnitt der deutschen Ausgabe des Jahresberichts handelt von der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, der besondere Aufgaben hinsichtlich der rumänischen und russischen Juden zugctcilt sind. In stetig wachsendem Masse hat die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft in Uebereinstinmiung mit dem Zcntral-Komitce in Paris namentlich die Fürsorge fiir die Auswanderer und Rückwanderer russischer und rumänischer Staatszugehörigkeit übernommen lind selbständig organisiert. Zahlreiche Lücken, die in dem Organisationsnet/, vorhanden waren, sind ausgefüllt worden. Die Zustimmung, deren sich die Alliance Israelite Universelle grundsätzlich in Deutschland erfreut, wird durch die stetig wachsende Zahl der Mitglieder bewiesen, die im vergangenen Jahr abermals um 'lausende zugenommen hat. י 1 Ein Streit in der hebräischen Presse Aus Lemberg wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Unter dem Vorsitz Dr. Brandes, des Präsidenten der zionistischen Organisation Galiziens, fand vor einigen lagen in Lemberg ein Schiedsgericht statt über einen Streitfall zwischen dem Schriftsteller Sch. .1. Hurwitz ^und dem Redakteur der Krakauer hebräischen Wneuenschritt IIA.M1CPAH, Lasar. Die Vorgeschichte ist folgcmle: Ende vorigen Jahres veröffentlichte Herr Hurwitz in der Wochenschrift HA’OLAM, dem in Köln erscheinenden hebräisehen Zentralorgan der zionistischen Organisation, einen Artikel gegen die romantische Verherrlichung des Cliassidismus. Dieser Artikel veranlasste Herrn Lasar zu einem Angriff gegen Herrn Hurwitz und gegen den HA'OLAM. In dem Stieit, der sich darauf ,entspann, bezcichnctc Lasar Herrn Hurwitz als ,.Missionar". Herr Hurwitz verlangte für diesen ihn als jüdischen Schriftsteller beleidigenden Ausdruck Satisfaktion, und die Sache kam mit Zustimmung der Parteien vor ein Schiedsgericht. Die Sitzungen des Gerichts, die mehrere Tage währten, waren öffentlich und erregten grosses Interesse bei der gesamten galizisch-jiidischen Intelligenz, da natürlich die verschiedenartigsten Angelegenheiten zur Sprache kamen. Den Verhandlungen wohnte u. a. auch der Grossrabbiner von Bulgarien. Dr. E h r e n p r e i s (Sofia), sowie der österreichische Reichsratabgeordncte Stand (Lemberg) bei. Selbstverständlich wurden die Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt. Es stellte sich schliesslich heraus, dass Herr Lasar für seine Behauptungen keinerlei Beweise Vorbringen konnte; sein llauptzeuge, Dr. Bemield (Charlottenbürg), der speziell telegraphisch nach Lemberg berufen wurde, musste am Schluss der Verhandlungen Herrn Hurwitz offiziell Abbitte leisten. Auch von Herrn Lasar musste dementsprechend dem beleidigten Schriftsteller volle Genugtuung gegeben werden. — Damit dürfte dieser Federkrieg, der die hebräische Presse monatelang beschäftigte, definitiv beendet sein, und es bleibt zu hofien. dass sein Ausgang dazu beitiagen wird, auch in der hebräischen Presse einem weniger engherzigen Geiste die Bahn zu brechen. Jüdische Emigrationsgesellschaft in Petersburg Die vor kurzem neu gegründete Eiuigratiousgesellschaft in Petersburg erhsst folgenden Aufrui: Die anormale Entwicklung, die die jüdische Emigration in den letzten dieissig Jahren genommen fiat, und die traurigen Folgen dieser Entwicklung haben seit langem ein Eingreifen berufener und sachkundiger Persönlichkeiten erfordert. Die Schwierigkeiten, die bisher in Russland jeder gescllschaftliehen systematischen Tätigkeit itu Wege Stauden, verhütderten bis jetzt jede positive Arbeit nach dieser Richtung. Der Verein hat nunmehr aber das Recht erhalten, in allen Städten Russlands Ftnigrationsbureaus zur Information und Unter- Stützung der Auswanderer zu et richten. Damit ist die Grundläge gegeben für eine Vereinigung sämtlicher jüdischen ürganisationcu, die von der Notwendigkeit einer Regulierung der jetzigen planlosen Emigration überzeugt sind. In den letzten Jahren sind die Ziffern der Auswanderung unheimlich ׳gestiegen. Ueber eine halbe Million Juden sind allein im Laufe der letzten fünf Jahre aus Russland ausgewandert. Daraus ergibt sich die Grösse der Aufgabe fiir die Emigrationsvercine und die Unmöglichkeit, dieser gerecht zu

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