Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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: -י -T■ No, 21_JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 185 ״die jungen Leute" hinstellten, im Interesse der Ausbreitung des Liberalismus sich doch schliesslich an die Jugend, und zwar vornehmlich an die jüdische gewandt, in der an sich richtigen Erkenntnis, dass die Erziehung der herangcwachscncn Jugend in ihrem Sinne eine dankbare Arbeit sei. Zwar brauchen uns diese Momente nicht erst unsere Pflicht unserer Jugend gegenüber zu lehren, aber sie sollen uns daran erinnern, dass wir durch Lässigkeit unsere Pflicht verletzt haben und wir viel Versäumtes nachholen müssen. — Die Bestrebungen einzelner junger Zionisten, eine zionistische Jugendorganisation zu gründen, müssen ganz ohne Erfolg bleiben, wenn die Ortsgruppen und besonders die Gesamt- Organisation dieselben gar nicht unterstützen und sich ihnen gegenüber indifferent verhalten. — Herr Rechtsanwalt Grone mann erklärte auf dem letzten Poscner zionistischen I/istriktstage — doch mindestens als Vertreter de» zionistisehen Vereinigung für Deutschland —, dass das Aktions־ Komitee demnächst, der Entfaltung der zionistischen Propaganda unter der Jugend seine ganz besondere Aufmerksamkeit zuwenden werde. Einige Monate sind verstrichen und man sage mir, was vom A.-K. oder vom deutschen Zentralbttreau in dieser Hinsicht geleistet wurde. Die Breslauer Delegierten — an diese ergeht mein besonderes Ersuchen — werden die Pflicht haben, auf die Leitung einzuwirken, dass sie mit der Jugendpropaganda sofort beginne. Ich stelle dieses Thema hiermit zur Diskussion, in der Hoffnung, diese werde den praktischen Eriolg zeitigen, dass sich die zionistische Jugend ihrer hehren Aufgabe wieder in vollem Umfange bewusst werden und sie mit Unterstützung der Organisation auch bestens erfüllen wird. Zum Schlüsse möchte ich einstweilen nochmals darauf hiiiweisen. dass wir den Alten nicht ohne weiteres ein Umdenken zumuten können, wohl aber ist es leicltf möglich, die für!deale empfängliche Jugend für uns zu gewinnen. Denken wir daran, dass die Zukunft unserer Bewegung auf der Jugend beruht und ohne sie wir nie unser Ziel erreichen werden. Drum: ״Auf, auf, zur Tat. Judäas Jugend, Wir haben lang genug gezagt. — Reicht Euch die Hand zum frohen Bunde. Wir wollen weder Ruh noch Rast." Posen, im Jjjär 556$. Menachem beit Schemuel G an - E d e n. Chaluka und Chalukareform Von Rektor Eberhard in Kotelow in M.*) In dem Begleitschreiben zu diesen Orundziigen werden die Vertrauensmänner ersucht, der Chalukaverwaltung bei der Auswahl der geeigneten Beamten zur Seite zu stehen. Es heisst darüber u. a.: ״Es gilt vor allem, als ständige Vertreter der Chaluka- Verwaltung 4m heiligen Lande Beamte hinauszusenden, die schon durch ihre Persönlichkeit, durch die Vereinigung gewissenhafter und aufrichtiger religiöser Pflichttreue mit echter Bildung die westeuropäische Orthodoxie in würdiger Weise repräsentieren, die ferner Erfahrung, Einsicht und Energie genug besitzen, um die ihnen gestellten schwierigen praktisehen Aufgaben so vollkommen wie möglich zu lösen." Das Schreiben schliesst mit folgender Aufforderung: ״Soll das Reorganisationswerk gelingen, so muss eine starke Propaganda einsetzen, um die Einkünfte der Chaluka kräftig zu steigern und allenthalben neue Sympathien für unser Hilfswerk wachzurufeil. Wir behalten uns vor, Ihnen einen speziellen Propagandaplan zu übersenden, möchten Sie aber heute schon bitten, in ihrem Bezirke, unter Hinweis auf die Reorganisation überall zu Sammlungen anzuregen und auf die Werbung neuer Kontribucten bedacht zu sein.. Es wäre im höchsten Grade erwünscht, wenn auf diese Weise schon in» laufenden Jahre (1907) eine wesentliche Er* höhung der Chalukacingängc erzielt und damit eine wirksame und energische Durchführung des Rcorganisationswerkes gesichert werden könnte. Möchte cs den einsichtigen Männern, die an der Spitze der Chalukaverwaltung stehen, gelingen, ihr grosses Werk, dessen #) Mit gütiger Erlaubnis der Schriftleitung aus den MIT- TEILUNGEN und NACHRICHTEN des Deutschen Palästina- Vereins entnommen. Schwierigkeiten sie selbst am wenigsten verkennen, so rasch wie möglich und so gründlich wie möglich zu vollenden.“ Bedenken könnte in diesem Programm der neunte Punkt wachrufen, dessen Gedanken ausgesprochenermasscn auch die Konferenz cinrahmten. Denn die weltfremde, nur-rcligiösc t-'pnüre der jüdischen Orthodorie mehrt ihren Fanatismus gegen Wcllwissen und alle Bildung. Aber nachdem bereits viele Glieder der jüdischen Masse die Chalukasphäre durchbrochen haben und ihre Kinder nur dann, wenn die Chalukainspcktion droht, aus den durch den Bann •verpönten europäischen Bildungsschulci» nelnnen, nachdem sich eine Vereinigung junger Leute in Jerusalem gebildet hat, die das Gnadenbrot zurückweisen und nur durch Arbeit ihr Brot verdienen will, scheint auch die Orthodoxie Jerusalems in ihrem niederzuringenden Bildiingsbcstrcben zu erlahmen und sogar in der eigenen Mitte der Chaehamim progressiven Elementen Raum zu, geben. Dafür drei Symptome: 1. In einem Cheder zu Jaffa wurde 1905 der Handfertig* keitsuntcrrieht cingcführl vor 25 Jahren noch erliessen die Zeloten ein Dekret, in den» aller Unterricht in fremde!» Spraeher», selbst in der arabischen Landessprache, und in nichtjüdischen Gegenständen streng verboten wurde; und diejenigen Eltern, deren Kinder in einer Privatschule nur eine Stunde' täglich deutsch lernten, wurden nicht nur mit geistlichen Strafen, sondern auch mit Entziehung der Chaluka bedroht (I.uncz a. a. 0., S. 19-1). 2. Die im Mai 194)6 gegründete Kunstgewerbeschule ״Bezalel״ steht nicht nur nicht wie sämtliche anderen Bildungsschulen unter dem ״Cherem“ (Bann), sondern sic begegnet einer neugierig-wohhvollendcn Passivität, von der bis zur aktiven Teilnahme nur ein kleiner Schritt ist — manche der alten Rabbinen haben ihn bereits getan, indem sie die Anstalt besuchen und ihr den Segen des Einzig-Eincn wünsehen. Einige Chaehamim, die vor fünf Jahren ein spanisch- Jüdisches Waisenhaus eröffneten, haben den Bczalel um den Entwurf eines Bauplans für ihre Anstalt gebeten; und die Vorstände der grössten Synagoge Jerusalems, der ״Churwa von Rabbi Jehuda Hachassid" ersuchten den Leiter, Professor Boris Schatz, ihr Bethaus zu malen. 3. hi einer der beiden hebräischen Zeitungen Jerusalems, der orthodoxen Chabazeleth —״ ״The Jewish Encyelopaedia“ nennt sie ״ultraorthodox“ — war allerjüngstens ein Artikel zu lesen mit folgenden Ausführungen: ״In unserem Heiligen Lande eröffneten sich In der letzten Zeit neue Lebensquellen. Täglich hören wir von neuen UnternehiiHingcn, Projekten, Vereinen, Organisationen, die alle den» einen Zweck zustreben: Industrie und Handel zu beleben. East alle sind heute zu der Ueberzeugung gelangt, dass nicht durch Agrikultur allein das Land wieder aufzurichten sei, dass vielmehr zu gleicher Zeit auch die Entwicklung von industriellen Unternehmungen sehr energisch betrieben werden müsse. Indem wir aber all diese erfreulichen Erscheinungen walirnehmen, müssen wir auch die für uns beschämende Tat- Sache konstatieren, dass all diese Unternehmungen von den ausländischen Juden ausgehen, während wir die eingeborene Jüdische Bevölkerung, und besonders die von Jerusalem, nach wie vor die Hände in den Schoss legen und eine Hilfe von aussen erwarten. Und da erhebt sich vor uns die Frage: Warum sollen nicht auch wir endlich die Verbesserung unseres Schicksales in die Hände nehmen? Bis zu welchem Zeitpunkt ' werden wir uns in allem auf andere verlassen? Haben denn unsere Feinde wirklich recht, wenn lie sagen, dass die Jerusalemer Juden hoffnungsvoll demoralisiert und zu keiner produktiven Arbeit befähigt sind? Wohlan denn, Brüder, wachet auf! Denken wir endlich an unsere Rehabilitierung! Es ist die Zeit gekommen, wo auch wir uns organisieren müssen, um an dem Aufblühen von Handel und Wa!»del »1» unserer Stadt aktiv mitzuwirken. Vereinigen wir uns, und wir werden das, was ein einziger zu voll- ■׳«*•״׳״■«״* •״ ■׳*•""■*יייוז1 "*»•ייי^זי *M'jö.*י׳י?ייין w p*1wfy׳r!,p׳