Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651573--05638-2662674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 21 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite. 10ל werden, wenn sie nicht in den breitesten Volksschichten die nötige Unterstützung finden. Wir sind *fest überzeugt, dass die Regelung der Auswanderung zu den bedeutungsvollsten Fragen des gegenwärtigen jüdischen Lebens gehört, und fordern alle Juden, denen die Leiden des Volkes nahe gehen, auf, uns ihre Mithilfe zu gewähren, indem sie unserer Gesellschaft als Mitglieder beitreten. An alle einfiussrciclten Persenlichkciten innerhalb der Judcnheit richten wir die Bitte, neue Abteilungen unseres Vereines zu begründen und für unsere Bestrebungen Propaganda zu machen. Das Zentralkomitee befindet sich in Petersburg, Jamskaja 32. Der Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 2 Rubel jfthrlich. Die Vercinsstatuten und das Arbeitsprogramm sind in russischer und jüdischer Sprache kostenlos erhältlich. Fs ist zweifellos eine der dringendsten Pflichten der Juden, die Regelung der Fmigrationsfrage endlich einmal, nach so vielen .kleinen Ansätzen dazu, ernstlich in Angriff zu nehmen. Deshalb kann man der neuen Gesellschaft nur Erfolg wiinscheu und hoffen, dass sie auch im Auslande den entsprechenden Resonanzboden findet. Die Kolonie Sichron Jaakob Aus Sichron Jaakob (Palästina) erhalten wir von unserem Jaffaer Korrespondenten einen Bericht über di Entwicklung der Kolonie, dem wir das Folgende entnehmen: Die Kolonie Sichron Jaakob gehört gegenwärtig zu den gesichertsten und leistungsfähigsten Kolonien von Palästina. Die Kolonie nimmt ihren Anfang bereits an der Landstrasse, die von Chcderah nach Sichron Jaakob führt. Zu beiden Seiten dieser Strasse ziehen sich auf dem von der Jewish Colonisation Association fiir die Kolonie angekauften Boden Getreidefelder von grosser Fruchtbarkeit hin. Die Kolonie selbst ist ־ auf einem Berge gelegen, von dem aus sich eine w undervolle Aussicht auf das Karmelgebirge, und aui die Ephraim-Hügel) eröffnet. Die Kolonisten, die bis vor kurzem noch für wenig wirtschaftlich galten, haben sich in den letzten Jahren ausserordentlich zu ihren Gunsten geändert. Im ganzen zählt die Kolonie gegenwärtig 52 Kolonistenfamiücn und 80 fremde Familien. Jeder Kolonist verfügt über etwa 200 Dunam Saatland, 20 Dunam Weingärten und 20 Dunam Mandel- und Oliven-Pilanzungen. Die Viehzucht hat sich sehr erfreulich und einträglich entwickelt. Jeder Kolonist hat 10—20 Stück Grossvieh, 15—10 Ziegen und 2 Pferde bezw. Kamele oder Esel. Viele Kolonisten beackern bereits den Boden mit Ochsen, die sie selbst gezüchtet haben, und manche andere sind sogar bereits in der Lage, selbst gezüchtetes Vieh zum Verkauf zu bringen. Die Felder werden nach einem gemischteil europäisch-arabischen System bewirtschaftet. Wenn auch die Bodenkultur nicht so intensiv wie z. B. in Chcderah betiiebcn wird, so geht doch das Streben der Kolonisten nach möglichst rationellem Wirtschaitsbetricbc. Der Bruttoertrag mancher Kolonisten beläuft sich auf 7000 Franken jährlich, wobei der Nettoertrag sich auf etwa 3500 Franken stellt. Im Durchschnitt kann der Nettoertrag des Feldbaus (mit Ausnahme der Gartenwirtschaft) fiir den einzelnen Kolonisten auf etwa 1500 Franken berechnet werden. Da die Kolonie Sichron Jaakob zum grössten Teile Bergland darstellt, so sucht man hauptsächlich Olbatimpflanziingcn anzulegen. In der letzten Zeit ist man auch bestrebt. Fahrwege und Cliausseen und sonstige Verkehrswege zu schaffen, zu welchem Zwecke die Kolonie von der Anglo-Palestine-Compaiiy ein Darlehen \011 12 000 Franken aufgenommen hat. Ferner haben die Kolonisten mit Hilfe der A.P.C. eine genossenschaftliche Leihkasse begründet, die etwa 100 Mitglieder zählt. Das Vcrhältnis der Kolonie zur Regierung ist ein sehr gutes. Pa die Kolonisten bloss amerikanische Gärten besitzen, brauchen sie für die Gärten den Zehnten nicht zu entrichten, weil die Regierung fiir diese Anlagen auf die Dauer von zehn Jahren den Zehnten erlassen hat. Vom Getreidebau beläuft sieh der Zehnte mit allen Nebenabgaben auf etwa 13 Prozent. Die Schule der Kolonie zählt jetzt etwa 200 Schüler. Eine Schule für die Falaschas Aus Florenz wird uns von einem gelegentlichen Mita!heiter geschrieben: Das italienische ..Pro-Falascha‘‘־Komitcc beschäftigt stell seit längerer Zeit mit dem Plane, in der italienischen Kolonie Erythrca für die abessvnischen Juden, die Falaschas, eine Schule zu gründen. Die Anregung dazu stammt von dem verdienten Falascha-Forseher Dr. F a i 11 o w i t s e h. durch dessen ohne sein Verschulden eingetretenen Konflikt mit der Alliance IsratHitc Universelle die zugunsten der Falaschas beabsichtigten Aktionen leider eine schädliche Zersplitterung erfahren luxbeii. Nun wurde Oberrabbiner Dr. Margulies dieser Tage von König Viktor E m a n u e 1 in Audienz empfangen, dem er über die geplante Schuigrüiidur.g ausführlich Bericht ei stattete. Der König brachte der Sache reges Interesse entgegen und unterhielt sich längere Zeit mit Herrn Rabbiner Dr. Margulies. Dabei nahm der König auch Gelegenheit, sich über den Stand des Zionismus zu erkundigen und sich in warmen Worten über Dr. Theodor H e r 7.1 zu äussern, dessen plötzlicher Tod ihn damals mit grossen! Schmerze erfüllt habe. (Herzl war vor einigen Jahren selbst einmal vom König Viktor Emanucl empfangen worden.) — Das ״Pro-Falascha"- Komitee hat ausser der Schulgriirdung noch einige weitere Pläne zur Besserung der Lage der Falaschas in Vorbereitung, ' über die demnächst Näheres bekannt gegeben werden wird. “EÜ Sprechsaal r~E Flr AI« Mittcllonfeh an dieser Stelle Qbernlmmt die ledaktlon nur die pressgesetillche Verantwortlichkeit Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sic mir auf die Ausführungen des Herrn Dr. Fricdcinann in No. 20 Ihres geschätzten Blattes einige Worte der Erwiderung: Herr Dr. Fr. zählt die Verluste auf. die der Kolonialbuuk durch den verlorenen Prozess erwachsen sind. Welcher Schaden aber dem Zionismus überhaupt durch das Vorgehen des Dr. Zaugwill und seiner Getreuen zugeiiigt worden ist. davon schweigt des Herrn Dr. Fr.s Höflichkeit. —• Herr Dr. Fr. iragt: War das wirklich nötig? Auch ich und wohl noch viele andere möchten diese Frage stellen — an Herrn Zaugwill und all die Herren, die diesen Sieg gegen einen Kongressbeschluss auf ihre!*ahne schreiben. Auch möchte ich diese Herren bitten, reiflich zu überlegen, ob ihre Handlungswcise wirklich klug gewesen ist. ob dadurch dem Zionismus nicht ein Schaden entstanden ist. demgegenüber der Verlust an Geld und die Einbusse an kaufmännischem Prestige nur gering ins Gewicht fällt Dass das englische Gericht die Statuten-iAiiderung ablchncn musste, scheint doch nicht jedem nüchtern Denkenden klar zu sein; wenigstns das Juristcnblatt THE LAW JOURNAL ist anderer Meinung, und ich wage nicht anzunehmen, dass der diesbezügliche Artikel aus der Feder eines nicht nüchtern Denkenden herrührt. Es sind die Groschen kleiner Leute. Hätte Z. und sein Gefolge dies nicht auch bedenken sollen? Ich bin unbedingt der Ansichi und war es stets, dass der Prozess hätte vermieden resp. bcigclegt werden müssen, und wenn Herr Z. nach der Sitzung des grossen A.-K.s vom Januar zur übernähme der Kosten bereit war, so war es sicher ein Fehler, nicht Frieden geschlossen zu haben. Aber Herr Dr. Fr. entschuldigt das A.-K.: also wird es zu entschuldigen sein. Wer aber entschuldigt Herrn Z.? Herr Dr. Fr. hat bisher aus Gründen der Disziplin geschwiegen, weiss sic also, wie jeder nüchtern denkende Mensch, zu würdigen. Trotzdem aber kein Wort des Tadels gegen Z. und seine Helfer! Treffend sagt Herr Dr. Fr.J ״Auch wenn das Billet zur Fahrt Umwege zulässt, fährt mau den nächsten zum Ziel, vorausgesetzt, dass die Strecke sicher lind frei ist." Aber das allein genügt nicht. Das Fahrpersonal muss den Anordnungen der Leitung gehorchen, soll eine ans Ziel führende Fahrt überhaupt möglich sein. Wir hoffen, dass der Weg zur Versöhnung jetzt fei ist: wir wollen aber ferner hoffen, dass den Gegnern jetzt zum Bewusstsein kommen wird, was sie mit ihrer Auflehnung gegen einen Majoritäts-Beschluss des Kongresses, unserer selbstgcwähltcn. obersten Verwaltungsbehörde angericlitet haben. Mochte fürderhin jeder ehrlich denkende Zionist darauf bedacht sein, dass nicht an uns das Prophetenwort in Erfüihmg gehen מהריסך ובחריביך בוק־ יצאו Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss S. In S. Jüdische Antisemiten! Die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU dürften sich noch der in diesem Blatte seinerzeit erschienenen Mitteilung .erinnern, dass zu den Inserenten der antisemitischen STAATS- BÜRGER-ZEITUNG auch jüdische Firmen gehören. Infolge dieser Feststellung hat das Warenhaus A. J. & Co. erfreulicherweise aufgehört. die autijiidiselie Hetzpresse durch Inserate zu unterstützen. Leider hält cs aber seit einiger Zeit ein jüdisches Konfektionshaus im Zentrum für unbedingt erforderlich, in der STAATSBÜRGER-ZEITUNG zu annoncieren. Warum dies geschieht, ist uns nicht recht klar. Denn, was ein richtiger Antisemit ist. kauft doch nicht bei Juden und dass die betreffende Firma eine jüdische ist. erfährt der Zeitimgsleser durch den Briefkasten des antisemitischen Blattes. Aehnlich. aber noch schlimmer liegt die Sache beim DEUTSCHEN GENERALANZEIGER, ein zweimal wöchentlich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.