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Jüdische Rundschau · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nd. 21 Seite 184 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Arbeit für unser Ziel kreuzt sich in keiner Weise mit der für das Wohl des Deutschen Reiches und des ׳ Preussischen Staates. I Viel wichtiger Ist für uns die Stellungnahme zu tLn grossen Verbünden innerhalb der Judenheik Da ist vor allem die Alliance Israelite Universelle, die in ihrer GrUndung und ihren Grundprinzipien jiidischuat'cnal ist, dfp vor drei Jahrzehnten bewusst mittätig war für die Wiedererwerbung des Landes Israel und die jetzt ihrer. Statuten zuwider in fhren Schulen in assimilatorischem Sinne wirkt. Die Breslauer Versammlung der Alliance hat gezeigt, welche dialektischen Mittel ihrem cinstweiii. gen Vertreter recht sind, wenn er dem Zicnsmus ein Bein stellen zu können glaubt. Das darf uns nicht zu grundsätzlicher Gegnerschaft gegen die gesinnungsverwandte Organisation verleiten, die doch das Zeug dazu hat, noch einmal wirksam für die Ideale tuitzuarheaen, für die sic jetzt zu w enig Verständnis zeigt. Da ist dann der Hilfsvcrein der deutschen Juden, der uns bei se.ncr Gründung befürchten liess, dass er um des Lc'itschtmns willen unsere I1ebrä:sci!c Kultur in Palästina gefährde ) würde, und der seitdem gezeigt hat, dass er in der Ausfiihrung uns "viel näher stellt, als die äl’ere Organisation, die i!n Schulwesen von dem £ .־samt jüdisch m Charakter immer mehr zu einem nachgeahmten branzoseuimu abgekommen ist. Oer Hilfsverein ist der Nerhand, mit dem wir in der nächsten Zeit am meisten parallel zu arbeiten haben. Unsere wohlwollende Kritik wird da nicht grur.dsätzlich abgelehnt werden können, wie seitens der Alliance und wird geeignet sein, Früchte zu tragen. Pie innere deutsche Politik würde uns zu einem möglichen Zusammengehen mit dem Zcntralvcrein deutscher Staatsbürget־, jüdischen Glaubens führen können, wenn der Zcntralvercin sich entschliesst, energisch gegen die Judentaufen und gegen die Rcchtlosigker't unserer ־ Stanmiesgenossen cinzutreten, die ii! deutschen Landen wohnen, aber nicht die Staatsbiirgerrcchtc gemessen. Diese Rechtlosigkeit ist uns erst jüngst zum Bewusstsein gekommen, als dieselbe Badische Lar.dcssyrode, d e den neumodischen Gebetbuchentwurf abgclehut hat, gleichzeitig den entwürdigenden Beschluss fasste, den in Baden ansässigen Juden ,die nicht im Besitz der Staatsbürgerrechte sind, auch die SFmmbercchtiguug bei den jiiöisehen Wahlen zu entziehen. Das ist ein viel ärgerer Faustschlag ins Gesicht der jüdischen Nation und unserer Idee, als wenn der Gebctbuchcntwurf, der ja ausserdem nur fakultativ war, angenommen w äre. Auf dem Dclegiertentage werden wir darüber Aufklärung bekommen wie so cs kam, dass ziorrstisclic Synodale für di.‘ Fntreclitung von Juden in jüdischen Dingen stimmten. Dieselbe engere Landsmannschaft, die an diesem Beschlüsse durch ihre Gewählten Anteil hat. kam in ihrer letzten Landestagung auch dazu, uns anzuraten, mit den Orthodoxen Hand in Hand zu gehen. Fs w ird Sache des Delegiertentages so:n, festzustellen, dass der Zionismus als solcher sich in die religiösen Angelegenheiten der Gemeinden soweit rFcht hiueinzumisehen hat, als kein Angriff auf nationalen Kulturbe^tz vorlieg,•. Wir haben unter uns Orthodoxe und Liberale und das breite Fundament des Zionismus ist die bed'nguugslose Vereinigung aller religiösen und auch der unrcligiösen Parteien und Ansehammgen in dem einen jiidiselinat'onalen Gedanken zu dein einen Ziele der Wiedergewinnung des Landes Israel. Die Zionistische Idee ist ven radikalen Freidenkern itn Judentum zu einem System gedacht, die zionistische Organisation von repgiös freisirmigen Juden geschaffen worden. Gleichwohl haben sie mit Recht nie daran gedacht, ihre Anschauung zur herrschenden ihn Zionismus zu machen. Sic iiberltessen cs jedem bei seiner Facon selig zu werden, wenn er nur an der nationalen Arbeit sich beteiligen wollte. Auf dieser das gesamte Judentum und die ganze Judenhcit umfassenden Grundlage wollen und müssen wir das Erbe Thecdor Hcrzls erhalten. Die Organisation bedarf aber ebenso sehr der baren M'ttcl w ie der einmütigen Gesinnung und der Hingebung an die einigende Idee. Die Arbeit für unsere Parteifiiianzcn wird daher den Dclegiertentag ebenfalls bcschuftigen müssen und insbesondere die Arbeit für den Parteifond. Dazu kommen noch viele chizclne Fragen, di;* sieh aus der jüdisch *nationalen Idee ebenso wie aus der jetzigen Lage ergeben. Und das sind ebenso viele Punkte, über die man disputieren wird. Poch diese Debatten sollen ein u umoß/jtif , kein miMi׳ bedeuten. Ober allen Differenzen und allen Streitpunkten schwebt uns als einziges Patr'er die eine grosse und einigende Idee voran, du;eh die und iiir die w ir uns zusamiiieiigeitindcn haben. Wir können und wir werden in Finzellie’ten das Fine oder das Andere für geebneter mischen, aber wir alle werden alles mir nach dem einer, Gesichtspunkt beurteilen, wie es auf die Erreichung unseres Endzieles w irkt, wie es dazu beitragen kann, dass *:ל־ונ בדרדה כירי: im Lande Israel ein Volk Israel wohnt und ein •üd'sclrcs Kulturleben schafft. In diesem Zeichen der Einigkeit werden wir siegen. Heinrich Locwe. Jüdische Jugendorganisation Ein Mahnruf an den II. deutschen zionistischen Dclegiertentag. Noch wenige Wochen und die Stadt Breslau wird einen Teil der jüdischen Volksvertreter einige Tage beherbergen. Nichtzionisten und auch viele Zionisten werden fragen: Was iiir einen praktischen Zweck wird dieser Delegiertentag der deutschen Zionisten zeitigen? Werden die Delegierten zusammentreten und wieder auseinandergehen, ohne zu einem Ergebnis gelangt zu sein, was nun zu tun sei? Gar zu lange haben die zionistisch-territorialistischen Debatten die Gemüter erregt, und leider vergassen wir dabei allzusehr, wie wir unsere Pflicht zu erfüllen haben. Nachdem die Differenzen offiziell scheinbar beigelcgt waren und die zioiie-zionisiische Richtung wieder die Oberhand gewonnen hatte, machte sich unter Hintansetzung aller kulturellen Autgaben die einseitige Palüstinakolonisationshcwegung— um jeden Preis — bemerkbar. Es soll hier durchaus nicht untersucht werden, ob diese .Politik“ richtig ist, — wie denn überhaupt diese Ausführungen nicht ״Sezessions-. sondern lediglich Einigimgsbestrebimgen dienen sollen: aber das wird man nicht leugnen können, dass diese Politik in der Praxis einscitig wurde, weil, wie erwähnt, die zionistische Bewegung — in Deutschland wenigstens -• eine ihrer hehrsten Aufgalxm ausser Acht gelassen hat — die zionistische Propag a n d a unter der J ti g e n d. Es braucht hier nicht erst näher ausgciiihrt zu werden, von welch׳ eminenter Bedeutung die Gewinnung der Jugend für uns ist. Blicken wir nur auf den Werdegang des jüdischen Volkes von seinem Auszuge aus Mizrajiiti an zurück. Wir mögen es von welchem religiösen oder auch nichtreligiösen Standpunkte aus auch immer bctrachten. — war es eine göttliche «)der eine Schicksalsfügung oder brachte es die staatsmännische Klugheit unseres grossen ,Moses fertig. — unsere Vorfahren, unter denen ein Teil — der älteren Leute wohl — sich kurz nach dem Auszuge aus Mizrajim nach dessen Fleischtöpfen zuriickschnte. — unsere Vorfahren mussten -0 Jahre in der Wüste bleiben, damit ein neues Geschlecht herauwaehse, das reif für die nationalen Aufgaben Israels diesem das Land Kanaan erringe. Es lassen sich noch sehr viele Beispiele aus unserer und auch aus der Weltgeschichte anfiihren dafür, dass der Wert der Mitarbeit der Jugend nicht zu unterschätzen ist. Begannen doch wohl sämtliche Befreiungskrieg^• unter Heranziehung und Ausbildung derselben; die politischen Parteien versuchen es. allenthalben die jungen Leute für ihre Ideen zu interessieren. So haben auch freisinnige jüdische Führer, welche die Zionisten als

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