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Jüdische Rundschau · 1908-05-22 · Heft 21 (22.5.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Der elfte Delegiertentag Der Zionismus, der als jiidisehnationale Idee seine Berechtigung hat and als solche in die Erscheinung trat, ist das Ergebnis des geistigen Freiheitskampfes, den das europäische Judutum gegen die mittelalterlichen Hesseln führte, die ihm das Ghettoleben und die Jahrhunderte lange Unfreiheit und Unterdrückung bereitet haben. Der Zionismus hat also seine Anfänge dort, wo de bürgerliche und geistige Freiheit der europäischen, insbesondere der deutschen Juden cinsctzt. Viel später aber trat die zionistische Orga!1isat;011 auf. Sic ist das Ergebnis des ersten Baseler Kongresses und wurde weiter durch den Schöpfer dieses Kongresses und seine Mitarbeiter ausgebaut. Der Zionismus ist eine Geistesrichtung, die zionistische Partei ein Bund von Männern, die diesem Gedankenreiche eine WirkFchkcit bereiten wollen. In der Ideenwelt sind Gedanken massgebend, in der Welt der Wirklichkeit Willensakte und Taten. Die Organisation der Zioirsfen ist dazu bestimmt, den kürzesten und sichersten Weg zu finden und zu beschreiten, der das Ziel der jüdischnationalen Partei herbeiführt. ln diesem Sinne wurde die Monistische Vereinigung für Deutschland gegründet, die vor zwölf Jahren als Nationaljiidische Vereinigung für Deutschland ins Leben trat. Ihr Delegiertentag ist die höchste Instanz ihrer Organisation und hat als solcher entzig das eine Ziel, die Mittel zu erwägen, durch die die deutschen Zionisten am tatkräftigsten an der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das Jiidisehe Volk in Palästina mitwirken können. .Wenn auch die Verhandlungen des Parteitages in Breslau andere Gegenstände in ihren Kreis ziehen sollten, so haben diese nur dann die Berechtigung; dort besprochen zu werden, wenn sie mittelbar oder unmittelbar dazu angetan sind, die jüd:schttationale Arbeit in und für das Land Israel zu verlangsamen oder zu beschleunigen. Darum hatten wir die Auseinandersetzungen mit dem Landsuchen eines Zangwill auf früheren Parteitagen, die jetzt bereits gegenstandslos geworden sind. Darum aber ist die Besprechung, die auf diesem Zionistentag am meisten diskutiert werden dürfte, die Frage unserer Steilung zu den innerpolitischen Verhältnissen in Deutschland, nur dann von Wert,* wenn man sich über das Grundsätzliche so weit im Klaren hl, dass wir zwar keineswegs verpflichtet sind, abseits zu stehen, wenn die Verhältnisse im Mcimatsstaatc erörtert werden, dass der Zionismus aber als solcher kaum irgend ein bestämntes Interesse an der einen oder anderen Richtung im Staate hat. so weit nicht das Judentum oder die Judenhcit direkt berührt werden. Das Interesse des Einzelnen und der Partei sind sorgsam zu scheiden. Wir werden als Partei im Allgemeinen nur negative Parolen auszug-eben haben, בצו.*/ לא תעעת woran wir uns nicht beteiligen dürfen* Um zu verstehen, was hier in Betracht kommt, braucht man gar mebt auf Einzel-!leiten cinziigchcn. Es genügt darauf hinzu weisen, dass die Mischehen und noch viel mehr die Judentaufen die Existcuz des Judentums untergraben und tinterspülen, dass selbst ein so für die äusserste Assimilaron eintretendes Blatt wie die Abwehr-MITTEILUNGEN in dbr letzten Woche einen Artikel gebracht haben, in dem die Auflösung der deutschen Judenschaft auf diesem Wege zahlejimäss'g dargelegt wird. Der systematische Kampf gegen de Judentaufen ist als notwendiges Mittel zur Erhaltung der deutschen Judcnheit ein Mittel zur Errcichung des zionistischen F.ndzieles. Wenn wir uns auch keinen Augenblick und keinen Fingerbreit von der absoluten Parteilos;gkeit in allen religiösen Fragen abdrängen lassen dürfen, so ist es doch notwendig festztistellen, dass wir uns mit keiner Partei und auch nicht mit irgend erner freisinnigen Partei identifizieren wollen und dürfen, die das Unrecht mittut, die ungetauften Juden als sozial tmd menschlich minderwertig gegenüber den getauften Juden anzuselien. Wir dürfen uns d:r Tatsaclic gegenüber nicht vcrschli’essen, dass getaufte Juden wie Arendt, Hcckschcr, Mugdan, früher auch Blumenthal. Reichstagsabgeordnete für Parteien sind, die urigetaufte Juden seit langem nicht mehr als Mitgleder des Reichstags kennen. Wir müssen ausserdem unsere Pflicht dahin erfüllen, dass wir immer und immer w ieder feststellen, dass es ein Fleck der Ehre ist, aus einem andern Grunde als dem tiefer Religiosität ein fremdes Bekenntiius anzunelmien. Die Frage, dass Juden Keine Reserve- Offiziere werden, ist trotz ihrer rechtlichen Wichtigkeit gering gegenüber der Frage, dass getaufte Juden in dieseit Stand aufgenommen w erden der doch nach preussisehen Begriffen eine ganz besondere Standesehre noch über die Mannesehre hinaus beobachten soll. So wenig wir für Antisemiten und Judenfeinde aller Art oder für getaufte Juden als ParlamentskancFdaten eintreten können, so sehr muss sich die Zionistische Partei hüten, als solche Direktiven fiir das politische Verhalten' ihrer Mitglieder in innerdeutscher Poi'tik zu geben. Die ״p»' י^וי־" ״־PT

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