Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 178 No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Erfordernisse sein werden, die das Gedeihen eines grossen Vfdkes verlangt, um ihm in manchen Teilen der Erde die willkommene Existenz zu ermöglichen. Ich denke, wenn ich diese Abänderung genehmigen würde, würde ich sehr wenig für diejenigen tun. die sic verlangen, und eine unbillige Beschränkung, möglicherweise auch eine Ungerechtigkeit an denen begehen, die ihr widerstreben, und uemgemüss verwerfe ich das Gesuch und bestimme, dass die Gesellschaft die Kosten derjenigen bezahlen soll, die erschienen sind, um das Gesuch zu bekämpfen. Nachdem das englische Gericht die Abänderung des dVlcrnoranct.uns abgrelehm hat. behalt das Engere Aktious- Komitee sich vor. mit Rücksicht auf den zweiten Teil der vom VIII. Kongress in der Bankstatuteniragc angenommenen Resolution die zu deren Durchführung erforderlichen Massnahmen vorziibei eiten. Dieser Teil der Resolution lautet bekanntlich folgenderrnassen: Eur alle Fülle soll das Engere Aktions• k o mi t e e durch E r g ä n z 1111 g der Statut e u Vorsorge dafür treffen, dass der J. C. T. nirgends in der ganzen Welt, mit A 11 s ־ 11 a hm c von Palästina. S y r i e 11 u 11 d d c 11 Nachbarländern, kolonisatorische Tätigk c i t vornehmen dar f. )Mi Rundschau Jüdische Kolonialbank Aus London wird der NEUEN JÜDISCHEN KOR- RESPONÖENZ unter dem A. Mai geschrieben: «Heute bat liier das Chancery-Gericlit den Antrag auf Ab- Milderung der Statuten der Jüdischen Kolonialbank abgelebt!? und die Gesellschaft zur Tragung der Kosten des Rechtsstreites verurteilt. Damit ist eine Streitfrage entschieden, die ausserhalb und innerhalb der zionistischen Bewc״״ng grosses Aufsehen erregt hat. und deren Ausgang man mit Spannung erwartete. Obwohl mehrere Beschlüsse des Zionistcukongresses sich für die Abänderung aussprachen. und obgleich bei der vom Gericht angeordneten Abstimmung der Aktionäre eine fünff^rhe Mehrheit für die Abänderung votiert hatte, glaubte der Richter doch angesichts der grossen Zahl von Aktionären, die sich an der Abstimmung gar nicht beteiligt hatten, die Änderung nicht genehmigen zu sollen. In dem Memorandum der Gesellschaft ist als deren Zweck bezeichnet, Industrien. Unternehmungen und Kolonisationsarbeitcn in Palästina. Syrien oder in irgend einem anderen Teile dc& Welt zu betreiben. Der Antrag des Jewish Colonial Trust ging nun dahin, die Worte ״in irgend einem anderen Teile der Welt“ zu streichen, die bei der Begründung des Trusts ohnedies nur aus juristisehen Gründen aufgciiommcn worden war. Gegen diese Änderung protestierte unter Führung des englischen Schriit- Stellers Israel Zangwill eine Anzahl von Aktionären, und infolge dieses Profites kommt nun die Abänderung nicht zu- Stande. Sachlich war dieser ganze Streit eigentlich von vornherein ohne jede Bedeutung, da die Jüdische Kolonialbank nach ihrer Verfassung vollständig unter dem Einflusse des vom Zionistenkongress gewählten Aktions-Komitees steht und somit in ihrer praktischen Tätigkeit in jedem Falle an dessen Beschlüsse gebunden l leibt.'* Diese Zuschrift der NEUEN JÜDISCHEN KORRESPON- DENZ bemüht sich ebenso wie unser Londoner Leitartikel in voriger Woche den Ausgang des Bankprozesscs so ruhig und objektiv als möglich zu beurteilen. Sie vermag aber nicht die; Tatsache ans der Welt zu schaffen, dass der Protest Zangwills gegen eine formale Änderung dem Jüdischen Volke eine grosse Einbussc an Geld und ideellen Werten gekostet hat. Keine ITiediertigkeit unsererseits wird die Tat- Sache aufheben können. dass ein Mann dem im Kongress zum Ausdruck gebrachten Volkswillen seinen Eigenwillen und Eigensinn entgegengesetzt und damit das Volk geschädigt, hat. Auch die Entscheidung des englischen ZivilricUters lenkt den Willen des Volkes Israel nicht einen Augenblick vom Lande Israel ab. i ' i ' Die Judenfrage in Finnland Aus Fl c 1 s i n g f 0 r s w ird uns von einem gelegentlichen Mitarbeiter geschrieben: Mit der Auflösung des demokratischen Landtags hat liier von neuem eine r c a k t i 11 <׳ ä r - a n t i s e m i t i s c h c J 11 d e 11hetze• nach dem Vorbild der kaiserlich privilegierten ״echten Russen“ eingesetzt Am dritten Mai fand in Heising- fürs eine Delcgicrtenvcrsammlung des f i n n l ä n d i s c h c n bi a n d e I s s t a n d c s statt, die sich ausschliesslich mit der Frage beschäftigte, wie man der angeblichen .ludengcfahr hcsegnen und diese abwenden solle. Besonders wurden strenge Massnahmen gegen der. jüdischen Handel und das jüdische Gewerbe geiordert. In unerhörten Sclimälircdcn versuchten die bestellten Referenten das finnländischc Volk gegen die Juden zu verhetzen. Die Gefahren des jüdischen Kapitals wurden in der verlogensten Weise geschildert. Tatsächlich leben die finnländischcn Juden aber bekanntlich büchst arm und bedrückt. Bloss in den Städten sind luden vorhanden: in Hclsingiors Wihorg mul Abo. und •n keiner der drei Städte besitzt ein Jude ein Haus « der ein Grundstück. Die für die Juden hestehenden Bescliränkiuigsgcsetze sind aus den Zeiten des dun- Leisten Mittelalters herübcrgeiionnnen. So z. B. dürfen die Juden in Finnland nach dem Gesetze vom Jahre 1S8J nicht mehr als 3 Kilometer von ihrem Wohnort sich entfernen. Den Repräsentanten des fmnlündischen HundcUstandcs jedoch sind die bestehenden Gesetze noch viel zu jiiJetifrcutullicIi! Nach stundenlanger Verhandlung hat der Dclegicrtentag einstimmig folguide Resolution beschlossen: ..ln Anbetracht der grossen Gefahr. die dem Volke und der Industrie von den Juden droht, ist die administrative Laudesbehürde zu ersuchen, mit mierbittlicher Strenge gegen diejenigen Juden vor/.iigcheii. die nicht die ihnen vorgeschriebeiicn Gesetze genau beachten.“ Ferne« wird von der Regierung die Einsetzung einer Kommission von! landcisfachlctitcn gefordert, die für •len nächsten Landtag ein. Gesetzesprojekt ausarbeiteii soll, um neue Beschränkungen der Juden in ihren Handelsrcchteil ausziiarbeiteii. Schliesslich wurde beschlossen, die gciaitencü Reden zu drucken, und sie massenhaft unter dem Volke zu verbreiten. Sollte es den Reaktionären gelingen, auf den neuen Landtag Einfluss zu gew innen, so ist der Wirtschaftiiciic Ruin der Juden von vornherein besiegelt. -- Trotzdem geht aber das ״unterdrückte Finnland* bei dem übrigen Europa um Sympathien betteln! In den letzten Tagen des April fand hier eine grosse Ver- Sammlung der jüdischen Studenten statt, die über die Anteilnahme au dem alljährlich von der Stadt veranstalteten Mai icst zu beraten iiatte. Nach längerer Diskussion wurde folgende itir die Lage der Juden in Finnland sehr bezeichnende Resolution angenommen: ״In Anbetracht der mcnschenunwürdigen Behandlung, der die Juden in Finnland ausgesetzt sind, t nil der Intcrissenlosigkeit. mit der die f i n n 1 ä n d i s c 11 c Intelligenz an der Judcnfragc vorbeigellt, und in Anbetraebt der Tatsache, dass die Regierung anstatt eine Besserung der Lage der Juden anzustreben, alle diejenigen Be- Strebungen zu fördern scheint, welche auf eine Verschlechterung ihrer Lage hinzielen, beschiiesst die Versammlung als Zeichen des Protestes von dem bevorstehenden städtischen M a i f e s t fcrnzublciben. ״Echtrussische“ Politik Aus Petersburg wird uns von unserem dortigen K ״rrcspoiulentcn geschrieben: So unsinnig die Sache ist. und so unmöglich sic den ernst-!*alten Politikern — gleichviel welcher Richtung — schien, so ist cs doch nun Tatsache geworden: die ״Gossudarstwcnnaja Duma“, eie dritte ihres Zeichens, hat sich am Freitag mit dem Anträge des antisemitischen Herrn Kr upenski bcfassen müssen, die Juden aus dem russischen Heere auszusehliessen und sie dafür mit einer Wchrstcucr zu belegen. Herr Krupcnski. der sich mir um einige Nuancen von dem antisemitischen Harlekin P 11 r i s e h k c w׳ i t sc 11 unterscheidet, licss sieh die Gelegenheit natürlich nicht entgehen, eine B e ־ grüiulu'iig zu seinem Anträge zu •geben, die diesen auch den anderen nicht ganz an tiseniitisclica Parteien annehmbar 1׳ neben sollte. Dazu mussten erstens die religiösen Gebräuche und Sitten der luden!!erhalten, die sie angeblich gerade in Russland zum Militärdienst untauglich machen, und sodann die allgemeine Schädlichkeit des jüdischen Einflusses auf die Armee. (Als ob Kuropatkin infoige des Einflusses seiner jiidisehen Soldaten davongel.uifeii wäre!) Für die Befreiung von der Wehrpflicht sollen die Juden eine Steuer von 10 Rubeln jährlich zahlen. Da das den anderen rechtsstehenden Partuen aber zu weuig Gubürnü. so haben sie so getan, als wollten sie den Juden die Pille versiissen. indem sic beantragten, eine a 11 g e ni e i 11 0 W elirstcucr von 10 Rubeln jährlich cinziü'ühren. — Der Abgeordnete Roditschcw Iiatte die Aufgabe übernommen, gegen diesen unerhörten An- * trag einzntreten. Interessant ist aus der Rede Roditschcws ‘ vor allem die zwar auch bisher nicht unbekannte Tatsache. f dass die angeblich hohe Ziffer jüdischer D e s e r - ' teure nur dadurch zustande kommt, dass die Aushebungsregister In einer imglaiiblich liederlichen Weise geführt werden. So werden V erstorbene und seit Jahren A u s g c - - w a 11 d e r t e . die zum grossen Teil als kleine Kinder