Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 173 c * 1881 1898 Motikin: 1905 1907 Gruppe* * Z Kolel Lunez: OrOnhut*): Trietsch: Bemerkungen?2 ב Seelenzahl Seelenzahl Jahresgeld pr. Kopf In Franken Seelenzahl Chaluka* summcinFr. Sepharilim . . 1 Selardim, Jemeniten, Perser, Buctiarer, Marokkaner (ders. Ritus f. alte). Von Aegypten 6000 Fr.; von Tripolis, Tunis, — 13038 — 12000 126 000 Marokko, Algier 120 000 Fr. Aschenazim . 2 Chabad. 380 910 33 1673 125000 Sekte der russischen Chassidim, meist aus Weissrussland. 3 Suwalk . 275 616 31 800 125000 Bezirk in Polen. S. und Lomz umfassend, 4 Warschau .. 500 1340 26-130 1030 260000 Peruschim und Chassidim von ganz Poien, S Pinsk . 530 700 ל׳6 400 8000 ausser den Bezirken von Suwalk u.Lomza. 6 Kartin. 138 365 6 1800!5000 Die Chassidim von der Stadt Karlin im Gouvernement Minsk. 7 Wolhynien. 770 >160 16 1 160 50000 Die Chassidim in ganz Westrussland. 8 Rassen (Kowno). — — — — 13009 Bezirk in Lithaucn, vgi. Nr. 10. 9 Slonim * * « « *!40 130 23-28 70 20000 Distrikt des Gouvernement Wilna.!0 Wilna und Samut ...... 1173 213) 23 3200 125000 Umfasst Kurland, L'viand, Esthland und die Gouvernements von \Vima und Kowno (vgl. Nr. 8) in Lithaucn. 1! Grodno . 635 1650 21 1800!03000 Bezirk in Lithaucn. 12 Minsk . 300 975 16-*) 600 900«) Gouvernement Minsk in Liihauen, 13 Oesterreich (Lemberg usw.) . 470 1!90 32 2000 350000 Chassidim. Nach Grünhut in Galizien 1300, in Bukowina 700. 14 Ungarn . . . . •. 410 980 110’) 1 100 800 000 Peruschim und Chassidim, IS Weissrussland (=Reussen). . . 3S0 650 16 550 _ Die Weissrussen wohnec südwestlich von 16 Bcssarabien. — 180 11 390 — de.ו Grossrussen. 17 Holland und (=we-) Deutschland 100 170 160») 150 — Nach demAnfangsbuchstabcn Hod genannt 18 Moldau. 330 5C0!3 590 — 1858 waren es nach Frankl 60 Seelen. 19 Waiifcichili ■ ••a> 120!3 2600 — 20 Kiew. — — — 3275 _ 21 Schltomir. — — — 1665 _ Hauptstadt von Wolhynien (vgl. N’r. 7). 22 Kossow. — — — 800 —? 23 Wisnice. — — — 70 —? 24a Wad kol hakolclim') .׳.... 235 600 31 — 300 030 24b Kolcl Amerika. . 75 300 — Summa: 6796 | 24 479 | _ ( 37993 23*1000 So gewiss diese Gemcindeteilung materiell einige Vorteile bietet, so hat sie doch den schweren Schaden im Gcioige gehabt, dass das Band der Einheit um die palästinische Juden- Schaft völlig zerrissen ist; und es bleibt fraglich, ob die hebräische Muttersprache, die sich bekanntlich immer mehr zur Hauptumgangssprache des Jüdischen Orients entwickelt, imstande sein wird, die zerklüftete Masse wieder zusammenzubringen and dem Spiel der Intriguen zu wehren. Das gilt vornehmlich von der Gruppe der Aschkcnazim, bei denen das Kolelsystem in der obigen Weise ausgcbildet und streng durchgeführt ist, während die auch im Ritus übereinstimmenden Scfardim zusammen nur einen Kolcl bilden. Die Zahl der Aschkcnazim hat sich Ja durch die Einwanderung der letzten Jahrzehnte bezvv. Jahre ungeheuer vermehrt, und man darf wohl annehmen, dass neben anderen Motiven auch der Reiz der Chaluka nicht gering angeschlagen werden darf. — Davis Trietsch hält es für offenkundig, dass ohne Chaluka heute keine 20000 Juden (statt •10—50pOO) in Jerusalem sein würden’). *) Dr. Grünhut-Ierusalcm (..Die jüdischen Wohltätigkeitsanstaiten Jerusalems*‘ in ..Altneuland** 1905. S. 135 ff.) rechnet die Zuständigen aus Jafa und Hebron mit. *) Grünhut bemerkt: ..Am ärgsten gestellt sind die Angehörigen der Gemeinden Minsk und Pinsk. Sie erhalten nicht mehr I— also 1905 —J als etwa 20 Fr. Chaluka Jährlich pro Seele.״ *) Nach Grünhuts Bemerkung: ..Nächst dem ungarischen gilt der deutsch-holländische als der zweitbeste Kolel“ stellte sich 1905 das Verhältnis der beiden anders als oben. *) Die vornehmlich aus Amerika gespeiste Zentralkasse, die einzige gemeinsame Institution. Sie wird von den Vor- Stehern sämtlicher Kolelim. mit Ausnahme der Scfardim und Ungarn, verwaltet und dient in erster Linie zur Deckung gemcinsamer Ausgaben,, daneben zur Unterstützung der keinem Kolel angehörigen Personen. Aus dieser Kasse beziehen auch die Rabbiner ihre Gehälter. Ueber eine durch eingewanderte amerikanische Juden 1896/97 veraniasste Krisis vgl. Grünhut a. a. O.. S. 136. Sie endete damit, dass der neu gegründete Kolel Amerika seine Chaluka durch diese Kasse bezieht. ז) D. Trietsch. Jerusalem. In DIE WELT (das zionistische Zentralorgan) 1906, No. 26. I I 1 Auf der anderen Seite muss freilich anerkannt werden, dass die Chaluka an Plätzen wie Jaffa und den jüdischen Kolonien, wo Junge und arbeitsfreudige Elemente cingewandert sind und eine gesunde Atmosphäre geschaffen haben, weit weniger in Anspruch genommen wird als sonst üblich. In Jana z. B. beträgt die Zahl der Berufslosen und Almosenempfänger nach einer Statistik vom Jahre 1905’) nur 4,67 Prozent aller Jüdisehen Erwerbstätigen; und in Haifa empfängt von den 1500 Juden niemand Chaluka. In den althciligen Judenstädten, vornehmlich Jerusalem, hat sich durch den aschkenazischen Zufluss das Chalukabild in seinen Einzelzügen und in seinen Folgewirkungen erheblich — und nicht zu seinem Vorteil — verschoben. Während bei den Scfardim an der ursprünglichen Idee des Almosens festgehalten wird, neben den religiösen Institutionen nur die Gelehrten (Chacliatnitn), die dem Gesetzesstudium und dem Gebet leben, und die Armen oder Acrmsten 2u unterstützen — jene erhalten nach Mozkin’) offiziell eine Jahresunterstützung von 7—55 Franken pro Seele, wozu aber noch Einkünfte aus den Lchrhausstiitungen kommen, diese 311* Fr. —, wird hier die Chaluka wahllos ohne Unterschied und Ausnahme an Jeden• verteilt. Nach einer eigens für diese Zwecke angefertigten Statistik (Mozkin S. 12 f.) waren 1S9S von den in Jerusalem befindlichen 15 216 Aschkcnazim nur etwa 775 von dem Empfang der Unterstützung auszunehmen; im Anfang der achtziger Jahre galt es (nach Lunez) auch bei den Gutsituierten nicht als Sitte, ihrem Anteil an der Chaluka zu entsagen. Von den im Jahre 1S9S Unterstützten erhielten 4650 (32.2 Prozent) eine Jahrcssubvention von 6—16 Fr., 8430 (58 Prozent) eine solche von 6—23 Fr. Nur die 980 Seelen aus Ungarn und die 170 aus Holland-Deutschland, welche 110 bezw. 160 Fr. pro Kopf empfingen, bekamen eine namhaftere Unterstützung, welche die Existenz der Chaluka ermöglichte, obwohl auch für ') W. Smelianskv. Die Jüdische Bevölkerung in Jaffa, in ..Palästina1907 ״. Heft 1/2. *) Leo Mozkin. Die Juden in Palästina. Nach einem 1S93 auf dem zweiten Zionistenkongress gehaltenen Vortrag. S, 13.