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Jüdische Rundschau · 1908-05-15 · Heft 20 (15.5.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 172 JÜDISCHE RUNDSCHAU .No. 20 Natürlich wird auch Jetzt unsere Tätigkeit nur auf Palästina beschränkt bleiben. Wie das Memorandum lautet, ist gSeichgiltig. Auch wenn das Billet zur Fahrt Umwege zuüässt, fährt man den nächsten Weg zum Ziel, vorausgesetzt, dass die Strecke sicher und frei ist. Es wird gut sein, wenn wir gemeinsam die Hindernisse beseitigen, statt über den Aufdruck d:r Fahrkarte zu hadern. Dies vorausgeschickt ein Wort zum Schlüsse־, i Vielleicht ist jetzt der Weg zur Versöhnung mit I einem Teil der Ausgeschicdenen frei. Hoffen wir, dass auf beiden Seiten der gute Wille herrscht, lin zu tetreten. Ein verstand ges Verhalten auf Seiten des obsiegenden Teils könnte den Frieden erleichtern. Wir sind noch nicht stark genug, um uns den Luxus des ßrudcrzw'sts zu kömven, und darum hoffen wir von Herzen, dass dem beendeten Kriege eine fscnndliche Annäherung aller ehrlich Meinenden folgen möge. Dr. A d o 1!'־ F r i c d e m a n n. Chaluka und Chalukareform Von Pastor Eberhard in Kotelow in M.*) Chaluka ist der Terminus fiir die Aufteilung der Almosengelder, die in der Judenhcit der gesamten Welt für die Glau• bensgenossen in Palästina gesammelt werden. Der Anteil, den der einzelne Jude des heiligen Landes an diesen Gaben empfängt, ist seine ״chaläka“. Diese Sammlungen fiir Erez-Israel reichen bis in die talmudischc Zeit zurück. Auch das ganze Mittelalter hindurch durchziehen palästinische Sendboten den Golus, um für die Hungernden und Betenden zu sammeln, und überall werden sie als ״Brüder aus dem fernen gemeinsamen Vaterhause“ mit offenen Armen aufgenommen und mit reichen Spenden ent• lassen. Dies Sendbotensystem ist besonders unter den Sciardim, den spanisch-portugiesischen Juden ausgebreitet, die bis 7um Beginn des verflossenen Jahrhunderts fast ausschliesslich Palästina bewohnten; vier solcher Boten sind fortgesetzt beschäftigt, in Asien und Afrika die Spenden für die allgemeine Chaluka, ״Tifereth Jisrael“ (Herrlichkeit Israels) genannt, zu sammeln, während andere, je nach Bedürfnis, die gesamte Jüdische Welt mit Ausnahme von Russland und Polen bereisen, וחם für bestimmte Unterstützungszweckc Almosen zu erbitten. Die Sendbotenschaft ist recht begehrt. Denn so willkommen ein sephardischer Scheliach ist, an dessen Kleid noch der Staub der heiligen Erde haftet — und ״auch der Staub Jerusalems ist heilig!“ —־, so einträglich ist auch in der Regel sein Geschäft für ihn selber. Es wird daher, wie Frankl berichtet‘), an den Meistbietenden abgegeben, der zugleich auch ein angesehener und unterstützungswürdiger Chacham (Gelehrter) oder Rabbiner ist. Dieser ist aber nicht verpflichtet, seine Koliektenreise sofort anzutreten, er kann sie sogar Jahre hinausschieben, wenn er nur die Zinsen seines Ersteigerungs- Preises regelmässig an die Gemeinde bezahlt. Nach seiner Rückkehr erhält er den dritten Teil der von ihm gesammelten Gelder — und wie reich diese fliessen können, zeigt das Beispiel des Rabbi Rachmim Franko, der 1S69 nach Frankreich und England geschickt wurde, um die zur Auslösung eines versetzten Grundstücks erforderlichen 25 000 Franken zusammenzubringen und diese Summe alsbald nach seiner Ankunft in Paris aufbrachte״). Das Einlagekapital wird dem Sendboten nicht zurückgezahlt; er pflegt es daher stillschweigend vorweg von dem zu überbringenden Ertrage abzuzichcn. Dieser Unredlichkeit beugt man neuerdings (Luncz a. a. 0., S. 37 f.) dadurch vor, dass der Sendbote die Ablieferung der gesamten ihm anvertrauten Summe eidlich zu erhärten hat, *) Mit freundlicher Erlaubnis der Schriftleitung aus den MITTEILUNGEN und NACHRICHTEN des Deutschen Pa- Iästinavereins abgedruckt. ... 0 ״ ״) Dr. L A. Frankl. Nach Jerusalem! Teil II. 1803, S. 60. *) Vgl. A. M. Luncz. Jerusalem. I. Jahrgang 1882. S. 37. wogegen ihm eine Provisoii von 30—50'Prozent des gesammelten Geldes nach Abzug der Reisekosten gewährt wird. Ausserdem erhalt seine Familie während seiner Abwesenheit den ihm zukommenden Anteil an der allgemeinen Chaluka, während von der aus seiner Lehrhausstiitung ihm zufallendcn Chaluka (״Kadima“) der Stellvertreter die Hälfte bezieht. ’ Dies System verursacht natürlich unnötige und unverliältnismässige Kosten, die den Absichten der Spender oft nicht entsprechen. Aus dieser Einsicht übertrug die Verwaltung der im Jahre 1809 zu Amsterdam gestifteten sogenannten Amsterdamer Chaluka, welche die Spenden aus Deutschland und Holland sammelt, die Einziehung und Verwaltung der Almoscngclder einem dreigliedcrigen Komitee angesehener Amsterdamer Juden. Die Verteilung bot damals keine Schwierigke.ten, weil es in Jerusalem nur eine kleine Gerucindc gab, die fast ausschliesslich aus Sefardiai bestand. Aber der Zuzug aus .,aschkcnasischen“ Ländern, d. h. aus Westeuropa und Russland, erfuhr sehr bald eine Verstärkung, so dass schon 182-1 ein wesentlicher Teil der Amsterdamer Chaluka aus Billigkeitsgriinden den eingewanderten deutschholländischen und osteuropäischen Juden, die dort allmählich zu Gemeinden licranw uchsen, zugewiesen werden mussten. Zu Frankls Zeit sind denn auch die Arische Hod (die deutschholländische Gemeinde, vgl. die Tabelle), bereits am besten, fast reichlich versorgt; ihre Gemeinde, obwohl erst 6- 7 Jahre alt, ist die einzige, die keine Arme zählt. Aber mit diesem Zufluss verschiedenartiger Elemente gestaltete sich das Problem der Verteilung immer verwickelter und schwieriger. Fiir das Amsterdamer Komitee stand z. B. auf der einen Seite das historisch gewachsene und traditionelle Recht der Scfardim. die gerade im Hinblick aui den Ainstcrdamer Verwaltungsmudus ihr Sendbotenwesen eingeschränkt hatten; auf der anderen Seite stand die Not des russischjüdischen Einwanderungsstroms, die durch die eigene Chaluka nicht gekehrt wurde; im Vordergründe aber stand doch das moralische Recht der ausgcwanderteri Landsleute, der deutschholländischen Gemeinde, zumal ihr von keiner anderen Chaluka, sei es der russischen oder der ungarischen oder der galizisehen, Unterstützung zufliesst. Einen Ausweg aus diesem Dilemma fanden die Amsterdamer in dem sogenannten ״Peschcr“, d. h. Schlüssel, nach dem die Eingänge auf die einzelne Gemeinden oder ״Kolelim“ verteilt wurden. Dieser ״Schlüssel" w׳urde wiederholt den Zeit Verhältnissen entsprechend revidiert; seine letzte Fest- Setzung stammt von 1S96. Danach entfallen von den Einkünften •15—-18 Prozent aut die eigene, ca. 55 Prozent auf die fremden Chalukagemeinden. 'י• Diese Gemeinden oder Kolelim sind eigens mit Rücksicht auf die Chaluka gebildet worden und sollen den schon erwähnteil Schwierigkeiten und Ungleichheiten möglichst abhelfen indem das aus einem Lande oder einem Bezirke eingehende Geld auch nur an die Glieder der aus diesem Lande oder Bezirke stammenden Gemeinde verteilt wird; und einer Gemeinde wird jemand zugezählt, wenn er die letzten zehn Jahre in ihr gelebt hat. Nur seitens der Amsterdamer Verwaltung wird mit Rücksicht auf die kleine Seelenzahl der deutschholländischen Gemeinde und die verhältnismässig •reichen Ein• kaufte die obige Ausnahme gemacht. Man zählte 1874 16, heute 21־ Kolelim in Jerusalem, von denen allerdings der jüngste, der Kolel Amerika, nur mit teilweiser Autonomie ausgestattet ist (vgl. die Tabelle, Note 6). In Safed existieren heute 13 Kolelim; über die dritte der ״heiligen" und ״Chaluka"־ Städte, Tiberias, scheint Genaueres nicht bekannt zu sein. Mit wie gutem Grunde wir uns übrigens im folgenden wesentlich auf Jerusalem beschränken, erhellt daraus, dass diese Stadt allein mehr als die Hälfte der jüdischen Einwohner ganz Palästinas zählt (ca. 45 000 gegen 84 000); mit Safed und Tiberias (zusammen 20000) macht es über dreiviertel der gesamten palästinischen' Judenheit aus! ‘**r*r~*• י1*׳.*•7״די«*!im mt״״«1׳ "ין ןן#ןוןו1ייי»וו״ןן4י.ןן^ויזירי?«|1,|^^/וי^מ1'״י'ו:'|^ן!^ יייי

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