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Jüdische Rundschau · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 168 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 19 und Hoffnung, flicht zu den Feinden. Man wird sagen, dass es auch vielleicht Taufen aus Uebcrzcugung gibt, was man aber bezweifeln darf. Denn wenn man günstigenfalls den Täuflingen gar keine unlauteren Motive nachsagen möchte, sie ist doch weiter nichts als die Nachahmung und Anpassung des Einzelnen an die umgebende Masse, wie an irgend eine andere Mode. Mir ist zwar ein Fall bekannt, wo e׳n Jude, der sich taufen liess. ein edles Motiv hatte. Das wa; aber in dem von den Antisemiten so viel gepriesenen unterdriiekungsfrohen Russland. Der Mann, der seinen Beruf in einer ausserhalb des Ansiedlungsrayons gelegenen Stadt und nur dort ausüben konnte, liess sich taufen, ui.1 seine Mutter und Oeschwister. die Juden blieben, zu ernähren, nachdem.er sich einige Jahre vergebens im Ausland hcrumgequäit und man ihn bei seiner Rückkehr seine Konkurrenz denunziert hatte. Als aber das Verbot des Rücktritts vom Christentum zum Judentum aufgehoben wurde., wurde er freiwillig wieder Jude, obwohl er dadurch manche Schikanicrungcn des russischen Bureaukratismus zu erdulden hat. Um wieviel höher steht ein solcher einfacher Mann aus dem Volke gegenüber den Intellektuellendie in freien Staaten mit moderner Kultur ohne den .gewalttätigen russischen Zwang und ohne irgend welche edlen Motive ihr Judentum verschachern, tun etwas zu ergattern. «Entferne alles Böse aus deiner Mitte" ובערת הרע 0 מקרבך. hätten wir doch die Möglichkeit, alles, was faul und schlecht ist, von uns abzustossen! P~P. II. Das Vorkommnis mit Herrn Prof. Feilbogen in Rom. das so viel Staub aufwirbelt und Entrüstungen auslöst, ist durchaus nicht so einzig in seiner Art. wie man nach dem Gelesenen denken sollte. Der gleiche Fall, aber deutlicher und viel krasser, kam auch schon im Dome in Speyer vor. Aber es wurde kein Botschafter nt>ch ein auswärtiges Amt davon in Kenntnis gesetzt. Der (Jvmnasiast. der die Hostie in den Dom spuckte, war auch kein Jude und brauchte zur Versöhnung der so leicht erregbaren Gemüter auch keiner zu werden, denn er war ein katholischer Müllcrssohn aus der Rheinpfalz und es geschah ihm weiter nichts, als dass ihm gedroht wurde, vom Gvmnasium!ortgejagt zu werden. Verschiedcne katholische Gymnasiasten lachten hierüber. Herr Dr. Hugo Sohn (streng kathnl.). prakt. Arzt in Rülzheim. Pialz. kann es wohl bestätigen, denn er war. so viel ich weiss. mit anwesend. Allerdings: Wenn zwei dasselbe tun. ist es doch nicht dasselbe, sagt efn uraltes Sprichwort. Besonders aber dann nicht, wenn diese zwei ein Jude und ein Nichtjude sind. Der Jude muss so schon ewig auf der Anklagebank sitzen. Frau Minna Goldscbeider. L Allerlei Gelb ״Wie die Farbe der Dirnen ist Gel b auch die Farbe anderer sozial tiefstehender Menschenrassen, der sog. ,11 nchrlichcn Leute‘‘. z. B. der Bettler. Henkersfrauen, Ketzer und vor allem der Juden. Die letzteren mussten entweder einen besonderen Hut oder einen Ring auf ihren Kleidern tragen. Der ..Judenhut war meistens gelb, der aufgenähte Ring desgleichen. Daher sagt das Sprichwort der Russen: ..Gelb ist des Juden Leibfarbe‘‘ und ״Der Jude lässt seine Haut gelb sein, damit cs ihn an Gelb gemahne..‘ (In Nürnberg war der Judcnhcit des 13. Jh’s rot. — Mit den; Judenhute hängt es zusammen, wenn der bankerott gewordene Kaufmann ..zum gelben Hut" verurteilt wurde.) In: Dr. Walther Glcth: Das Spiel von den sieben Farben. Königsberg i. Pr. 1902. Seite 82. Jüdische Kultus-Kunstausstellung in Düsseldorf Am kommenden Sonntag wird in Düsseldorf in den schönen Räumen des Kunstgew erbemuseums die Ausstellung von Gegenständen der jüdisch-religiösen Kunst erüfinet werden, die der geschäftsführende Vorsitzende der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler. Herr Direktor Frauberger, in langen Jahren mühseliger Sammclarbeit zusammengebracht hat. Schon jetzt kann man feststellen, dass die Ausstellung epoche machend wirken wird. Eine derartige Sammlung, ebenso vollständig w׳ie künstlerisch bemerkenswert, ist bisher kaum jemals der grösseren Ocffentlichkcit gezeigt worden. Die Sammlung des Direktors Frauberger genoss zwar in Fachkreisen schon lange eines guten Rufes, indessen wird erst diese Ausstellung die ganze Grösse und Bedeutung der Saturn• lung zur Geltung bringen. Aus allen Gebieten des jüdischen Kultus, des Glaubens und des Aberglaubens, sind hier Ritualgegenstände und Symbole in teilweise ganz vorzüglichen Exemplaren gesammelt, und für die jüdische Volkskunde bietet sich hier eine ganz neue und noch gar nicht ausgebeutete Quelle! Der Katalog der Ausstellung wurde unter der Aufsicht des •Herrn Sokolow׳ aufgestellt und zum grössten Teile von ihm 'selbst bearbeitet. Der Besuch der Ausstellung wird sich für jeden reichlich lohnen, dem jüdischen Volksturn und jüdische Geschichte am Herzen liegen. Vereine und Gesellschaften Berlin. Vor kurzem fand im Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde ein Delegiertcntag der deutschen Krankenpflegerinncnvercme statt, der eine grose Anzahl von Teilnehmern versammelte. Vertreten waren folgende Vereine, die sich mit der Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen befassen: Grossloge für Deutschland VIII U. O. B. B.. Berlin, ferner die Vereine: Berlin. Beutheu (O.-SchU. Breslau, Hambürg. Köln. Mannheim. Metz. München. Nürnberg. Stuttgart. Frankfurt a. M.. Metz. München, Nürnberg. Stuttgart. Frankfurt a. M. Ein erfreuliches Einverständnis wurde namentlich in Bezug auf die gründliche Ausbildung der Schwestern erzielt, welche künftig mindestens eine 1 ,-iahrige Lehrzeit zu absolvieren haben werden: die Ausbildung der Schwestern erfolgt kostenlos. Die staatliche Prüfung der Schwestern wurde als obligatotisch festgesetzt. Eine Anzahl von Be- Stimmungen zugunsten der Schwestern und Schülerinnen wurde getroffen. Vom 1. Januar 1909 an erhalte:! die älteren Schülerinnen ein erhöhtes Taschengeld und die Schwestern bei völlig freier Station und Dienstkleidung ein Anfangsgehalt von 360 Mark, das mit de!! w eiteren Dienstjahren steigt. Auch die Pensionsverhältnissc sollen eine Aulbesserung erfahren, doeh soll diese Frage erst au! dem nächsten Verbandstage geregelt werden. Berlin wurde zum Verbandsvorort bestimmt. Berlin. Der Fürsorgeverein für hilflose jüdische Kinder. E. V. hatte am 26. März d. J. seine Generalversammlung in dem Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde. Nach dem Berichte des Vorstandes ist das abgclaufene Geschäftsjahr iiir den Verein recht günstig gewesen. Die Zahl der Gesuche um Unterstützung wächst freilich schnell an. aber auch die Mitgliederzahl und die Summe der Beiträge wird immer grösser. Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden in dem Kinderheim des Vereins (Artillericstrasse 36a) 48 Kinder verpflegt; die meisten noch im Säuglingsalter, davon 4 mit ihren Müttern. Ausserdem befinden sieh mit Unterstützung des Vereins noch 18 junge Kinder in Aussenpilcge.. Auch wurden Unterstützungen au hilfsbedürftige Mutter gewährt. Die Räume des Kinderheims sinJ zu eng geworden: sie sind deshalb gekündigt und im Laufe des Sommers wird das Heim verlegt und erweitert werden. Zu Revisoren wurden die Herren Hermann Aron und Max Mecklenburg gewählt. Lustige Ecke V Die ״gesctzestreucn“ Fcllbogen. Die Turiuer LA STA MPA veröffentlichte am 28. v. M. eine römische Korrespondenz, die eine komische Note zum bekannten Vorfall in der Sixtina bildet. ״Es ist auzutielimen — sagt das genannte Blatt —. dass die drei Israeliten die Hostie deshalb nicht verschlucken wollten, weil es gerade jüdische Ostern waren, an welchen hckauntcrwcisc nur der Genuss ungesäuerten Brotes erlaubt ist. Wie verlautet, soll Frau Feil• bogen eine treue Anhängern» des mosaischen Gesetzes sein." Wenn Feilbogen seine Absicht der Redaktion der STA MPA vorher mitgcteilt hätte, hätte sie sich fürn^C gesorgt. Eine alte jüdische Redensart besagt: ..In Prag wird’s ein Jahrl“ *füPpfi

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