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Jüdische Rundschau · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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יי*—־־־“***יין No. 19 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 169 Kleine Mitteilungen Jüdisches Handwerk in Russland Der durch die ״Jüdische Volksgruppe" begründete Verband zur Hebung des jüdischen Handwerker- und Bauern- Standes hat am 21. und 22. März 190$ in Petersburg eine Versammlung ahgelultcn unter dem Vorsitz des ehemaligen Dumadeputierten Winnwcr, eines Führers der Kadetten- Partei. Die Versammlung war auch aus dem ganzen Ansiedlungsrayon zahlreich besucht. Nach eingehender Besprechung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in den westlichen Gouvernements wurde u. a. beschlossen, eine Aktiengesellschaft zur Förderung der jüdischen Handwerker und der Kleinindustrie zu gründen. Hin genauer Arbeitsplan für diese Gesellschaft soll noch ausgearbeitet werden. Kiew. Der Hilfsverein der deutschen Juden erhält folgendes Telegramm: ..Die städtischen Behörden in Kiew haben ein städtisches Gebäude für die Opfer der Uehcrschwcmmung zur Verfügung gestellt. Den Juden, die durch die lieberschwcnimung gelitten haben, wird die Aufnahme in dieses Gebüude verweigert mit der Motivierung, das Gebäude läge in einem Stadtteil, in dem die Juden kein Wohnrecht haben." Aus der Tätigkeit des Senats. Der Senat hat nunmehr die Erinnerung an die alte Be- Stimmung, die vom Jahre 1818־ datiert, aufgcirischt, wonach es den jüdischen Kauflcutcn erster Gilde, die ausserhalb des Ansicdlungsrayons wohnen dürfen, nur dann zu gestatten sei. uugetaufte Juden anzustellen, wenn diese ursprünglich mit den Kaufleutcn zusammen aus dem früheren Wohnort in das ihnen verbotene Gebiet übergesiedelt sind. Praktisch bedeutet dies, dass ein jüdischer Kaufmann einen neuen Angestellten überhaupt nicht engagieren darf, wenn er nicht einen Christen, was oft zu Unzuträglichkeiten fiir ihn führt, oder einen Juden, der selbständig das Wohnrecht besitzt, anstcllen will oder kann. Jüdische Bewerber mit selbständigem Wohnrecht sind für kleinere Stellungen nur schwer zu haben, während man sic im Ansiedlungsrayon im Ucbcrmass für ein Spottgeld haben kann. So sind die Kauflcutc ausserhalb des ..Rayons“ aui ihre jüdischen Angestellten sozusagen lebenslänglich angewiesen. Jeder Wechsel ist mit ganz besonderen Schwierigkeiten verknüpft. Die Praxis hat einen modus vivendi^ in der Weise geschaffen, dass jüdische Angestellte zu einer Erwerbsquelle für die überwachenden Beamten wurden. Der jetzige Ukas des Senats würde nun die Unkosten für die einen und den Gewinn der anderen noch erhöhen. So hat auclt diese staatsrettendc Massnahme ihre guten Seiten — für die Ordnungshüter. Angei Pulidos Aktion für die Sefardim. Der spanische Senator und Akademiker Professor Dr. Angel Pulido ist unermüdlich in seiner Propaganda für Repatriierung der spaniolischen Juden. Pulido unterhält zu diesem Zwecke eine ausgedehnte Korrespondenz mit den in allen Weltteilen zerstreut lebenden sefardischen Juden. Dieser Propaganda ist auch die vor kurzem im Vereine mit Scnnora Carmen de Burgos begründete, spanische Zeitschrift REVISTA CRITICA in Madrid gewidmet. Diese literarisch Wissenschaftliehe Revue enthält eine eigene Rubrik über das Leben der Sefardim im .,Auslande". In den ersten Nummern veroffent■ licht Dr. Pulido die Briefe, die er von spaniolischen Juden seit dem Erscheinen seines grossen Buches über ״Die Sefardim in der ganzen Welt" erhalten hat. Die Sefardim stehen zu den Spaniern in genau demselben Verhältnis wie die jüdischdeutsch sprechenden Juden Russlands usw. zu den Deutschen. Wir wissen .sehr wohl, dass Pulido ein weisser Rabe unter den Spaniern ist. aber nicht־ einmal ein einziger Deutscher nimmt auch nur eine ähnlich freundliche Stellung zu den ehemals deutschen Juden ein wie Pulido zu den ehemals spanischen. ״Palästinische Bibliothek“ Aufruf! Die jüdischen Institute Palästinas sind im Begriff, etwas Neues zu schaffen, und zwar eine wissenschaftliche Bibliothek, deren Gründung von den Vorstehern der verschiedenen zionistischcn und anderen in Jaffa befindlichen Organisationen beschlossen worden ist. Die neue Einrichtung führt den Namen ..Palästinische Bibliothek“ und bezweckt in erster Reihe die Anschaffung wissenschaftlicher Bücher über Palästina und auch solcher Werke, die auf die jüdische Tätigkeit in Palästina direkt Bezug nehmen. Die besten Werke, die dem Studium Palästinas gewidmet sind, vom Standpunkte seiner natürlichen, juridischen. Ökonomischen kommerziellen, historischen und archäologischen Bedingungen und auch inbezug auf das wissenschaftliche Studium über die Kolonisation im allgemeinen, die Kooperation. Hygiene. Pädagogik und verschiedene ׳technische Fragen, sollen in dieser neuen Bibliothek zu finden sein. Die Notwendigkeit einer solchen Bibliothek machte sich schon seit langem fühlbar, aber es bedurfte erst der entschicdencn Rückkehr zu der Idee der realen Arbeit in Palästina, um uns zu belehren, dass diese vernünftigerweise unmöglich ist ohne die Unterstützung durch eine gute Bibliothek. Daher wurde denn auch einstimmig von den Vorstehern der Organisationen und Anstalten in Jaffa, dem jeweiligen jüdischen Tätigkeitszentrum Palästinas, beschlossen, eine solche Bibliothek zu schaffen. Sämtliche Institute haben moralisch und materiell so viel wie irgend möglich zur Verwirklichung des Bibliothek- Projektes beigesteuert. Mit diesem Aufruf wenden wir uns an alle Freunde der jüdischen Sache in Palästina, indem wir sic bitten, die palästinische Bibliothek mit Geld und־ Büchern unterstützen zu wollen. י Die palästinische Bibliothek befindet sich im Hause der israelitischen Bibliothek ״Schaare-Zion". Das Komitee der palästinischen Bibliothek: 0. Bouchmil. Doktor der Rechte. J. O s e r k o w s k y. Lehrer an der israelitischen Schule in Jaffa. E. Saphir. Subdircktor der Anglo-Palestine Cie. I. Adresse für ß ii c h c r und Korrespondenz: Jaffa. Palcstine. Bibliothcque ..Chaarce Zion" pour la Bibliothcque palestiniennc. Adresse für eingeschriebene Briefe md Geldsendungen: Jaffa, Palcstine. Anglo-Palcstinc Cie. pour la Bibliothcque palestiniennc. Literarische und geschäftliche Mitteilungen Meyers Grosses Konversations-Lexikon. Ein Xachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als HS 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 210־ Seiten Text mit mehr als II000 Abbildungen. Karten und Plänen Irti Text und auf über H00 Illustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Tertbeilagcn. 20 Bände in Halblcder gebunden zu je 10 Mark oder in Prachtband zu je 12 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Ein monumentales Zeugnis deutscher Geistesarbeit geht wieder einmal seiner Vollendung entgegen: Von Meyers Grossem Konversations-Lexikon, das gegenwärtig in sechster Auflage erscheint, liegt uns bereits der 19. Band vor. Wie jeder ihm vorausgegangenc Band, so legt auch dieser Zeugnis davon ab. dass der Verlag bestrebt ist nicht nur Veraltetes nach dem Stande der Gegenwart zu verbessern, sondern auch den Inhalt zu bereichern und zu vertiefen. Für die gewissenhafte Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Redaktion und die treffliche Disposition in der Verteilung des Stoffes, die geschickte Auswahl des Illustrationsmaterials spricht jede Seite, die man nur aufs Geratewohl aufschlägt. Der ״Grosse Meyer“ ist stets aktuell; das zeigen die Artikel ״Schulgcsurtdheitspflege", ..Sozialdemokratie". ״Sozialismus“, umfassende, bis in die Gegenwart reichende Darstellungen u. v. a. Der ״Grosse Meyer" ist genugsam bekannt fiir seine besondere Sorgfalt auf dem Gebiete der Naturwissenschaften und der Technik, und so beschränken wir uns darauf, als neu zu registrieren die Beilagen und Abbildungen .,Schuhfabrikation". ,,Segler", ״Speicher". ״Sporozoen". ״Stadtbahnen“. (Ansichten der Bcrliner und Pariser Stadtbahnen). ״Schutzeinrichtungen" ״Schwimmvögel". ..Seidenspinner". ״Setzmaschinen". ״Skelett“, ..Sonne", ״Spektralanalyse", ״Sperlingsvögel״ ,״Spinnereimaschincn". .,Spiritusfabrikationen“, als erneuert und erweitert die Tafeln ״Schwämme". ״Schweine". ״Spitzen", ״Steinkohlen“, ״Steinkohlenformationen". ״Kultur der Steinzeit", zu denen aus andern Gebieten noch die Karten von Schottland, der Schweiz und ״Seglerwege" und die Beilagen ״Schreibkunst". ״Statistische Darstellungsmcthoden" und ..Stenographie" neu oder in neuem Gewände hinzukommen. Sogar acht der bekanntesten nicht mehr lebenden Sozialisten haben hier ihr Konterfei erhalten. Der neueren Weltgeschichte wird das Lexikon gerecht im Artikel ״Schw׳edisch-noru־cgischc Union", der uns den Bruch Norwegens mit Schweden in knappen, aber klaren Zügen vor Augen führt. , Aus einer dauernden Benutzung dieses fiir jeden nach Bildung Strebenden unentbehrlich gewordenen Ratgebers wird ein Band treuer Freundschaft zwischen dem Leser und dem ״Grossen Meyer" hergcstellt. die gegründet ist auf dem Drange nach gediegenem. erschöpfendem Wissen. J נ

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