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Jüdische Rundschau · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 18 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 157 um ein tür die Juden günstiges Resultat reifen zu lassen. Chomlakow glaubt auch keinesfalls, dass die Duma sich für die volle Gleichberechtigung der Juden aussprechen werde. Man könne stets nur eine ganz allmähliche Durchführung der Gleichberechtigung erwarten. Wahrscheinlich würden auch die Juden zunächst noch nicht das Wohnr.echt in ganz Russland erhalten können, nur der Ansiedlungsrayon würde voraussichtlich etwas er- \\ eitert werden, und vielleicht könnte auch eine Erhöhung der Prozentziffer durchgesetzt werden, gemäss weicher die Juden zu den höheren Schulen und den Universitäten bisher zugelassen wenden. Aber auch diese verschiedenen Reformen, die ernsthaft nicht einmal als der erste Schritt zur Gleichbercchtiguug. sondern nur als eine kleine Milderung der gegenwärtigen drückenden Lage auigerasst werden können, werden nach der Meinung des Dumapräsidcnten kaum noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden. Die Antworten der von Nissclowitsch befragten Partei- •:•hrer lauten nicht viel günstiger. Ani zweifelhaitesten ist die Haltung der ausschlaggebenden Fraktion der Oktob r i s t e 11, deren Führer, Alexander U u t s c h k o w . dem Abgeordneten Nissclowitsch auf seine Frage, wie er sich in der Di.ma zur Aufhebung verschiedener Beschränkungen der Juden stellen würde, die Gegenfrage vorlcgte: ״Wollen mc Pogroms heraufbescliwörcn?** Der Führer der gemässigten Rechten. Graf Wladimir Bobrinskj. erklärte, dass seine Fraktion wahrscheinlich nichts gegen die Einsetzung einer hesonderen Kommission zur Beratung der Jtideufrage einwciiden würde, und sogar der Führer der extremen Rechten. Grat A. Bobrinski. erklärte, dass seine Partei zwar nicht fiir die Gleichberechtigung der Juden, wohl aber iiir die Aufhebung einer Reihe von Beschränkungen zu haben sein werde. In einer Audienz, die der Abgeordnete Nissclowitsch beim Premierminister Stolypiu haue, erklärte dieser zunächst, dass er irgend welche Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerurig keinesfalls zulassen werde, dagegen waren die Versprechungen, die SioB'piti für eine Besserung der Lage der Juden machte, sehr wenig befriedigend. Er beschränkte sich darauf, zu sagen, dass die Regierung, wenn die Duma in dieser Hinsicht irgend weiche Beschlüsse fasse, diesen so weit als irgend möglich zusammen werde. Aber diese Zustimmung l>önne nur Bezug haben auf die Hebung der ärmsten Schichten der Juden im Ansicdlungsrayon. Wie man sieht, ist Herr« Nissclowitsch wenig genug ver- Sprüchen worden, und wenn selbst diese Versprechungen in vollem Umiangc realisiert werden sollten, so wäre es doch allzu optimistisch, in solchen Massnahmen wirklich den Anfang zur Besserung erblicken zu wollen. Gewiss kann die Judenfrage in Russland nicht mit einem Schlage gelöst werden — in diesem Schneckentempo wird sie es aber sicher erst recht nicht. Aus Petersburg wird uns dazu von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Bei dem jüdischen Dumadeputicrteu J. W. Nisselow itsch liefen eine ganze Anzahl von Telegrammen und Briden aus verschiedenen Provinzstädten ein. die seine Hilfe gegen die Pog r oin agi tato reu aurufeti und berichten, dass die scheusslichsten Verbrechen von der schwarzen Bande verübt werden, um nur ja an den Ostertagen Pogrome hervorrufen zu können. Besonders im jüdischen Attsicdelungsrayon ist die Lage sehr bedrohlich. Nisselow itsch erbat und erhielt eine Audienz beim Ministerpräsidenten. Dieser erklarte, von dem groben Unfug der ..Verbändler** bereits Kenntnis zu haben und versicherte dem Deputierten, alle Schutzmassualimcn zu ergreifen, um den wilden Hetzen entgegen zu arbeiten, in diesem Sinne sind an die Provinzbchörden Anweisungen ergangen. Kaiserliche Huld Es lässt sich nicht leugnen, dass die Odessaer Pogromisten sich als getreue Stützen des Thrones gezeigt haben. Der Idee der blutigen Antirevolution haben sie treu gedient. Unzählige jüdische Opfer sind durch Hirt־ Hand auf den Strassen von Odessa durch Meuchelmord gefallen. Dem Verbände des russischen Volkes zu Odessa wurde nunmehr vom Kaiser sein Porträt übersandt! Am Tage der Uebcrgabc des Porträts wird eine ieierl'che patriotische Manifestation statuinden. an weicher die (aistlichkcit und Militärvertreter teünehmen werden. Eine jüdische Kolonie in Süd-Jersery Aus New York schreibt man uns: Der Frühling von 1908 wird ein wichtiges Datum für die russisch-jüdischen Emigranten sein, welche in Süd-Jersey Farmer zu werden wünschen. An der Millvill-Höhe. ungefähr auf dem halben Wege zwischen Millville und Bridgeton. wird eine jüdische Kolonie von der Jüdischen Ackerbau-Gesellschaft in New York eingerichtet. Diese Gesellschaft hat vor einiger Zeit bereits Land für diese Ansiedelung gekauft. Mehrere grosse Farmen sind in den Vertrag eingeschlossen, und versehiedene andere Käufe sollen noch gemacht werden. Dieser Teil des Landes ist seit langem für den Anbau von geringeren Getreidefrüchten als geeignet erkannt worden, und es sind bereits verschiedene Ansiedelungen von russischen Juden eingerichtet, die sich längs der Richtung der New-Jersev- Southern-Eiseiibah» hinziehen, in der Richtung von Bridgeton. Millville und Vineland. Es hat sich dort der Anbau von W ein hurge n und g e r i n g e r e n G e t r e i d e 1' r ü c h t e n als äusserst erfolgreich erwiesen, trotz des ziemlich geringen Bodens. Die neue Ansiedelung wird sielt von den anderen darin unterscheiden, dass sie unter der Oberhoheit, der Ackerbatigtscllschaft steht. Dadurch wird sie mehr mit der Jiidisehen Ackerbauschule in W ס o d b i n e . in der Grafschaft Cape May. in Berührung kommen, was für die junge Kolonie nur von ullergrössten: Vorteil sein kann. Denn Woodbinc ist bekanntlich die am weitesten entwickelte indische Siedcltmg von ganz Amerika. Die jüdische Emigration aus Amerika Die offizielle Statistik über die Auswanderung der Juden, die infolge der im letzten Jahre in Amerika entstandenen wirt* schaltlichcn Krisis Amerika verlassen haben, ist iiir die fünf Monate von Juli bis einschliesslich November 1907 jetzt erschienen. Bemerkenswert ist Jabci die relativ geringe A »teil» a h »1 e der Jude 11 an dieser Auswanderung, w ic iolgcnde Zahlen beweisen. Es scrliessen in diesem Zeitraum Amerika: Insgesamt davon Juden im Juli 25 859 Personen 593 .. August 22 246 .. 651 .. September 21 199 .. 232 .. Oktober 25 38*1 .. 524 ,. November 45 762 - 438 Zusammen 140 450 Personen 243S Wie mau sieht, sind gerade im November, wo die Aus- Wanderung am .stärksten war. die Juden nur mit einem sehr geringen Prozentsatz dabei beteiligt gewesen. Ueber die Aus- Wanderung in den folgenden Monaten gibt die offizielle Statistik noch keinen Aufschluss. Von den 2438 Juden, die Amerika in diesen fünf Monaten verlassen haben, sind 1907 Personen nach Russland. 344 Personen nach Oesterreich zurückgekehrt. Internationales jüdisches Komitee Aus New York wird uns geschrieben: Vor einigen Tagen fand hier eine Sitzung statt, an der ausser hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten Amerikas auch Vertreter verschiedener jüdischer Organisationen Europas teilgcnonimcn haben. Es wurde beschlösset^ ein internationales jüdisches Komitee mit dem Sitze in New׳ York zu begründen, das die allgemeinen Interessen der Juden aus aller Welt wahrnehmen soll. Mit der Ausführung der vorbereiteuden Arbeiten wurde das American Jewish Committee betraut, ^f1~־ Sprechsaal E1j Pt* «fc MitteUangeh an dieser Stelle übernlmmi die Redaktion nur dl« pressgesetzliche Verantwortlichkeit. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie sprechen gern selbst ein oiiencs Wort. gestatten Sic darum auch einem Ihrer Leser ein paar offene Fragen und die Bitte um Lösung einiger Widersprüche: Sie empfehle« in einem Artikel über die bevorstehenden Landtagswahlcn aufs dringendste, keinem getaufte 11 Juden eine Stirn m e zu geben. Sie haben aber andererseits des öfteren in Ihrem geschätzten Blatte die Person Jesu -*- wie dies jetzt überhaupt in der neuen jüdischen Literatur ein origineller Usus zu w erden scheint —als eines der hervorragendsten jüdischen Propheten glorifiziert! Nun ־ Jesus war doch wohl ein getaufter Jude?! Das werden Sie doch trotz H. St. Chanibcrlaitt und seinem neuesten Apostel Otto Hauser nicht bestreiten? . . . Apropos, was geht es Sie. der Sie das religiöse Empfinden s«• fein von Ihren! nationalen Bewusstsein zu sondern wissen. T* י« ***ץ! -y׳:׳i y **f•«■!,!, 1 /

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