Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 153 No. 18 JÜDISCHE RUNDSCHAU kein Zweifel ist, so fügt er freilieli zu der Emwolnmg des einen Sakraments noch die weitere des Sakramente* der Taufe hinzu. Doch das mag er mit dem Priester abntachcn. der *Inn das Sakrament reiche:; wird. Das ist eine itptvre Angelegenheit■ der Kirche, 11׳ die wir uns zu mengen keine Lust und keinen Grund haben. Wir bedauern nur die Kirche, dass sie sich diesen Zuwachs gefallen hisst, weil wir trotz!,!!er Gegnerschaft die Achtung vor ihr habe:(, von der wir wünschten, dass sie uns zu teil würde. Wenn studentische Verbindungen ein Mitglied nicht mehr' haben wollen, und wenn sie sich scheuen, aus gewiss:!! äusseren Grindet! es als ,.infam“ keunszttwerfen, so haben sie den schönen tcchn schen Ausdruck : ״Er wird als unbrauchbar abgegeben.“ Herr Prof. Fcilbog.cn wird zur Zeit von der Judenhcit als uiibrauclibar abgegeben. Wir können der n.iicn Gesellschaft die ihn anfrieluuei sollte, unser Beileid nicht vorentlialtcu. Die ganze Affäre ist wieder •j'n neuer Beweis dafür, dass das Judentum keinen schlimmeren Feind hat. als jene Kreise, die in ihrer individuellen Ehre zu wachsen glauben, wenn sic die Ehre der jüdischen Gesamtheit mit Fiisscn treten. Die Judcntaufe ist aber in den allerwenigsten Fällen eine Frage der religiösen Obcrzeugütig, sondern eine des Mehr oder Weniger an Ehrgefühl und Anstand. Heinrich Sachse. Das einigende Prinzip in der jüdischen Studentenschaft Von Dr. med. Carl Kassel, Posen. F.s gehört zu den schönsten Ruhmestiteln der deutschen Studentenschaft, dass sie noch stets für alle das Volk bewcgenden Fragen den Resonanzboden gebildet har. Dass sic!׳och niemals pfadfindcrisch sich gezeigt, ist nicht wunderbar Student sein heisst ia erst Lehrling sein. Oh die Sache eine gute, für w׳clche sic jeweils eintritt, das zu entscheiden war und bleibt Aufgabe der Geschichte. Eben deshalb sollten diejenigen, welche einen gewissen Einfluss auf die Studenten haben, dafür sorgen, dass derlei Fragen niemals. zu Spaltungen und Verbitterungen innerhalb engerer Gemeinschaften!!ihren. Das audiatur et altera pars, welches die Grundlage für gesunde Toleranz ist. ergibt sieh ja aus den! akademischen!■eilige״ Grundgesetze der Lehr- und Lernfrcihcit von selbst. Au ihm zu tasten liegt nicht im Interesse der geistigen und sittlichen Entwickelung unserer akademischen Jugend. Von diesen! Gesichtspunkte aus soll wieder einmal die Stellung der jüdischen Studentenschaft geprüft werden. Trotz der ständigen Betonung iinscus untrennbaren Zusammenbanges mit dem deutschen Kulturkürpcr, dürfen wir uns der Wirklichkeit nicht verschlicsser־. dass, wie lieut der katliolische Student sich absondert und mit seinen Glaubensbriidern imposante Gefiigc der katholischen Korporation bildet, wie die Protestanten sieb ir den verschiedenen Verbänden mit den verschiedensten Tendenzen Zusammenschlüssen, wie alle mit \crschwindend wenigen Ausnahmen die Juden von sich fern halten, dass so das Recht des jüdischen Zusammenschlusses allem je nach Bedarf zurechtgelegtem liberalen Empfinden zum Tintz tatsächlich besteht. Wir können natürlich nicht mit den Aussenseitcrn rechnen, welche entgegen allen separatistischen Strömungen um sie 11er noch nacii brüderlicher Verkettung der drei Ringe lechzen, müssen vielmehr auf Grund bestehender Verhältnisse die Aufgaben der jüdischen Studentenscliaft abgrenzen. Es muss zunächst hervorgehoben werden, dass die immer wieder ein- und fast aufdringliche Betonung der deutschvaterländischen Gesinnung, weil sie doch bei jedem deutschen Staatsbürger etwas Selbstverständliches ist, endlich einmal J üii Ende finden sollte. L'nsere Kinderstube, unsere Schule j ist eine deutsche: auf dieser Grundlage werden wir zu Deutsehen erzogen. Es klingt sogar wie eine Anklage, w׳enn ein- /eine jüdische Verbände* in falscher Auffassung zionistischer Tuidcn/cn, gerade Ihr deutsches Fühlen, Ihr deutsches Denken, ihre deutsche Mannheit und Ihr deutsches Judentum paragiaphkrcn. Diesem Gcbahrcn sollte doch wohl eine kleine Portion von Selbstbewusstsein, mit welcher man sich so viel feeh brüstet, ein Ende machen.. Es schädigt uns alle. In der Auffassung der Pflichten, ich möchte sie natürliche Pflichten von Juden gegenüber den» Vaterlande nennen, gibt es keinen Unterschied: zu allerletzt aber sollte ein solcher itt der Studentenschaft sich breit machen, welche gerade in den lütficilcn Dingen vaterländischer Betätigung, den politischen Partcitragcn, in welchen der Bcgriff Patriotismus nicht selten gemissbranclif wird, noch eine ganze Reihe von Jahren zu eigener innerer Befestigung brauchen. Als Juden »nässen wir gegenüber den von allen Seiten auf uns cinstiirnicnden Feinden die Fläche suchen, au! welcher wir uns einigen können. Wir werden niemand irgend welche Neigung zu körperlicher oder geistiger Beschäftigung bcstimmtcr Art autdrängen könnet». Diese werden Gruppen zusarmnenführen und eine Cjrnppc rein üusserlich von der anderen trennen. Im Phili.sterlande verwischen sich doch auclt die Trcnmmgslmieti, welche durch sie geschaffen sind, von selbst, es sei denn, dass Unverstand und blöde Selbstübcrhebung dauernde Risse durch gegenseitige Kränkung geschaffen. Mögen daher die einen singen, die anderen turnen, wieder andere int Zeichen des medizinischen oder juristischen Vereins sich zusammenfinden, ja — mögen die einzelnen zur Satisfaktionsfrage stehen w ie sie wollen, nichts von alledem kann die einigende Fläche verwischen, aut welche jeder einzclne jüdische Student in seinen» Charakter so gestählt w׳erden soll, in seinem rein äusset liehen Auftreten, in der Korrektheit seiner Verkehrslärmen so gedrillt wird, dass er dann im Leben draussen keinen Anlass zu speziell antisemitischen Augriffen gibt. Ich beobachte das studentische Leben schon lange genug, um zu dem Urteile berechtigt zu sein, dass in der jüdisehen Studentenschaft gar manches sich gebessert hat. wenn auch vieles nocli zu bessern ist Wir sollen uns daher nicht vor den» sarkastischen Urteil über Nachäfferei und ״Patenterei" fürchten, es steckt in ihr eilt trefflicher Kern, an welchem die Subordination nicht der schlechteste Teil ist. Der Ueberschuss verliert sich von selbst und das Gute bleibt. Aber hüten sollen wir uns davor, immer Selbstbewusstsein zu predigen und dabei in Leistungen, Benehmen und sittlichem Wert AngrifispuoKte über Angriffspunkte zu geben. Das Selbstbewusstsein der Euxctt wirkt als Arroganz. Zwischen üuti künstlich gezüchteten Selbstbewusstsein und dem natürliehen ist und bleibt eilt himmelweiter .Unterschied. So konnte denn wohl mit einigem Recht vor einer Reihe von Jahren ein Lniversitütsrieluer einen unserer Makkabäer, der gerade die Schulbank verlassen hatte, bei Ueberrcichung der Vereins- Statuten mit dem bekannten Selhsthcwusstsoitsptlcgeparagruphen sagen; In, Selbstbewusstsein das haben Sie ja. Sie nennen es doch wohl CI1utzp׳\ Auch die Vorbedingungen der ״Sehueidigkcit" haben sieh in den letzten Jahren wesentlich geändert: Nichtjudcn geben uns gar keinen Anlass mehr, sie zu iihen. sie weichen jeder Möglichkeit aus. die Korporativen tun cs durch den Verrui und die nicht Knrporiertc» sind froh, wenn sie vom Fechten nichts hören. Es müsste eine Kleinigkeit sein, festzusieUen, wie viele Säbel- und Pistolenmuisureu in den letzten Jahren aus antisemitischen Ursachen ausgetragen wurden. Sicher verschwindend wenig! Volltönend, für Stiftungsteste passend, aber nicht für das Leben draussen, die Phrasen Gut und Blut, rot tot, Bläue ־־ Treue, und was die gepressten Farbeiipoesien alles zeitigen mögen, ausgerüstet mit allen den Waffen, welche uns fähig machen, dem Antisemitismus die Spitze zu bieten — und so