Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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"'״״ |%ליד*י1'^> ,״־י׳ ־?tr׳ י I ו J 1 -* I;; I Seite 152 ״Das Sakrileg erregte bcsreiflicherwcisc die Erbitterung der Anwesenden. Als der k. n. k. Botschafter Graf S z c c s e n von dem Vorgänge Kenntnis erhielt, sprach er sogleich im Vatikan Seine Entrüstung über das Geschehene aus. Nachdem er den Zwischenfall dem Auswärtigen Amte mitgeteilt hatte, ־wurde er angewiesen, dem Kardinal-Staatssekretär auch das tiefe Bedauern und die Entrüstung des Freiherrn von Aehrenthal zum Ausdrucke zu bringen.“ Der römische Korrespondent des ״VATERLAND“ erzählt über die Szene unter dem Titel ,,Irrtümlicher Empfang der heiligen Kommunion" und sagt: ״Die drei Israeliten befanden sich den ganzen Tag über in grösster seelischer Aufregung und Professor Dr. Feilbogen erklärte wiederholt seine Neigung zur Konvertierun g.“ Durch das schwere, der gesamten Christenheit bereitete Ärgernis haben die Schuldtragenden zu den Grundlchrcn des jüdischen Moralgcsetzes sich in Gegensatz gestellt. Beim Schlussgottcsdienst vom 23. d. M. sagte Oberrabbiner Dr. Güdema 11 n in Wien: ״Für uns Juden ist die Verpflichtung gegeben, den gottesdienstlichen Handlungen eines jeden Kultus Ehriur 11; entgegenzubringen. Wir müssen daher auch vom Stand- Punkt unserer Religion jenen ehriurelitswidrgen Vorgang nicht bloss auf das Feiste beklagen, sondern auch a u ו das schärfste-verurteilen. Diese Erklärung gebe ich hier von derKanzel an IieiligerStätte i!11N a tu e n des Vorstandes und sämtlicher Rabbiner unserer Ku 11usgem-eindc ab ** Es ist zun! mindesten ungehörig und verietz» das jüdische wie das christliche Empfinden, wenn c:r. Ji de. und überdies ein Intellektueller, zur Teilnahme an einer so spezifisch christlichen Religionsliandfung. wie die Sakramentsspendung, sich drängt. Seine Teilnahme an der Kommunion muss unbedingt zu Konflikten führen, entweder mit seiner Umgebung, mit der Gesellschaft, deren Gast er ist, oder mit den! eigenen Gewissen, indem er die eigene innere Überzeugung prostituiert. Vor allem aber ist die Sakramentsspendung, auf welchem Standpunkte wir auch stehen, eine Handlung, die die Ehrfurcht, aber nicht die Neugierde und perverse Sensationssucht herausfordert. Im DEUTSCHEN VOLKSBLATT vom Donnerstag, 23. d. M. liest man: ״Hostienschändungeu waren von jeher eine jüdische Spezialität und sogar die christliche Kunst hat sich einzelner der historisch beglaubigten Vorkommnisse dieser Art bemächtigt. Es sei hier zum Beispiele nur an den Zyklus der in der Brüsseler Kathedrale Sainte-Guduic in den weitberühmten Glasfenstcrn so meisterhaft verewigten Hostien- Schändung durch Brabanter Juden erinnert." Die katholische MÄRKISCHE VOLKSZEITUNG m Berlin schreibt dazu in einem ״Der Gottesraub bei der päpstlichen Ostermesse*־, übcrschr'cbenen Artikel: Wien. 23. April. Ober-Rabbiner Güdemann gab heute während des feierlichen Gottesdienstes im Tempel namens des Kultusvorstandcs und sämtlicher Wiener Rabbiner die Erklärung ab, dass sie den Vorfall Feilbogen in der Peterskircltc aufs tiefste bedauern und verurteilen. Die-Erklärung macht tiefen Eindruck. Inzwischen sucht sich Professor Dr. Siegmund Feilbogen aus der skandalösen Affäre herauszuwinden. Seit drei Tagen zieht er in Wien von Redaktion zu Redaktion, um sich reinzuwaschen. In der REICHSPOST sagt der Mann: ״Durch Empfehlungen von angesehener Seite haue ich für mich und meine Frau Eintrittskarten zu der Papstmcsse in der Slxtina erhalten. Es schloss sich auch Frau Eduard Zwack an. Die Einladung lautete auf Vi8 Uhr und da ich es vermeiden wollte, der Ausspenduug der Kommunion beizuwohnen, und mir nur daran lag. eine gr&Ssarcige Feierlichkeit der katliofischen Kirche, uie Papstmesse in der Sixtina. in ihrer er- Krertenden Schönheit selbst verfolgen zu können, erschien ich mit den beiden Damen erst um 9 Uhr. Als wir eintraten, bewegte sich eben der Zug aller in der Kapelle Anwesenden zwischen den Bankreihen nach vorne und in der Meinung, einem Zeremoniell folgen zu müssen, schritten auch wir in dem No. IS Zuge mit. der uns plötzlich unter die vorne Knienden iiihrtc. Einen Augenblick später sah ich mich unmittelbar vor dem Papste, der die Kommunion ausspendete! Ich weiss jetzt, dass ich unbedingt hätte aufstchcn und zuriiektreteu solle״. Doch der Glanz der Umgebung, die Feicilichkcit des Augenblicks verwirrten mich, ich erkannte, dass ich mir unter grossem Aufsehen mich mehr entfernen konnte, und so zog ich vor. ehrfurchtsvoll zu bleiben und. wie es mir schien, das kleinere Unrecht zu tun. Ich empfing die Hostie, ebenso meine Frau, doch Frau Zwack scheint bei der Darreichung eine Bewegung gemacht zu haben oder es entglitt ihr vielleicht sonst irgendwie die Hostie, obwohl sie weinend das Gegenteil beteuerte. Ihr Verhalten konnte ich nicht selbst vertoigen, man fand die Hostie, nach der man suchte. Jedoch nicht auf dem Boden. Ich wollte, fügte Professor Dr. Feilbogen bei. keine Unelirerbictigkeit begehen, cs schmerzte mich tief, die Gefühle meiner katliofischen Mitbürger durch unser Verhalten gekränkt zu haben wider Willen, und ich wäre glücklich, wenn ich den Voriall ungeschehen machen könnte." Man muss das lesen, um die Empörung ganz verstellen zu können, welche alle ergriff, welche Zeugen des unerhörten Vorganges waren. Wenn jemand so wenig Bildung besitzt, dass er nicht einsehen will, dass er durch eine solche Herabwürdigung des heiligen Sakramentes die ganze katholische Weit hescltinipft. soll er von dem Lehrstuhl lierimterstcigcu. Feitbogeu ist aus Rom Hals über K״nf verschwunden. Möge er auch von der Universität verseil winden. In dein sakrilegischeii Vorgänge hei der päpstlichen Ostermesse erblickt das BERLINER TAGEBLATT einen ..belanglosen Vorgang". Natürlich! Das TAGEBLATT kann doch den Dr. Feilbogen nicht preisgebni. Das BERLINER TAGEBLATT, das in seiner Nuiumer vom 19. April eine Anweisung gab, wie man es praktisch anzuiangen hat, um das Judentum zu verlassen und zum evangelischen Glauben übcrzutrelen, lässt sich über d:esc Angelegenheit, die es sonst iür belanglos zu erachten behaupten, wenigstens das folgende Telegramm schicken: Professor F e i I b o g e 11. dessen Name infolge des Zwischenfalles während der Messe des Papstes in der Si\- tinischen Kapelle in letzter Zeit wiederholt genannt wurde, lässt sich mit seiner Familie in den nächsten Tagen tauten. Ein Verwandter Feilbogens ist bereits seit längerer Zeit getauft und als katholischer Geistlicher in der Nähe Wiens tätig. Selbstverständlich hat für das BERLINER TAGE- BLATT, das das Organ der getauften Juden ist, diese Nachricht besonderen Wert, dass es sie sogar telegraphisch sich melden!lässt, denn an und für sich und ohne diese hässliche Affäre ist der Professor Fcilbogeu, der keineswegs Universitätslehrer ist. viel zu unbedeutend, als dass man seinetw egen zu telegraphieren hätte. Aber die Psychologie Feilbogens ist für d:c Juden, so sich tauten lassen, recht bezeichnend. Der ganze Grund, der zu der Störung des Gottesdienstes an heiligstcr Stelle der katholischen Kirche in ihrem weihevollsten Akte geführt hat, war die krankhafte Sucht ,,dabei gewesen zu sein“, jene perverse Sensationslust, die einen andern bereits getauften Juden sich aufspiclen lässt als den deutschen Vaterlands- und Sittlichkeitsretter. wobei er den ganzen Hass, den seine unsympathische Persönlichkeit erregt, seinem Stamme zuführt, den er nicht aus religiöser Überzeugung verlassen und den er seitdem oft genug mit vergifteten Waffen angegriffen hat. Und auch das ist recht bezeichnend, was der Professor Feilbogen tut. um sich dem Hasse zu entziehen, den er erregt und den er der Gesamtheit der Juden als seine Hinterlassenschaft vermacht, er erklärt, dass er sich mit seiner Familie taufen lässt. Er geht damit den Weg, den viele der Wiener Rasseantisemiten vor ihm gegangen sind. Wäre er vom Katholizismus, zu dem er doch offenbar sich flüchten \v?ll, überzeugt, so würde er — ebenso wenig wie als überzeugter Jude — niemals diese schmachvolle Störung und Verhöhnung des katholischen Gottesdienstes begangen haben. Wenn er jetzt zum Christentum Übertritt, woran glücklicherweise JÜDISCHE RUNDSCHAU יוייימי1 *י ייי