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Jüdische Rundschau · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Noch nicht getauft- Dass die getauften Juden und solche, die es werden vollen, dem Judentumc viel ärgere Feinde s:nd, als die ärgsten Judenfeinde aus fremdem Stamme, kann mir den überraschen, der die Psychologie dieser Krankheitser- 'Scheidungen am jüdischen Volkskörper nicht kennt. Eine perverse Lust, etwas sein oder vielmehr für etwas gehalten sein wollen, nicht irgend welche riinerc Überzeugung ist die Wurzel des Übertrittes ebenso wie der ganzen Richtung, die aus dem Judentum hinausführt, ob sie sich nun ein religiös-liberales Mäntelchen umhängt oder nach e'ner jüdisch-kosmopolitischen antireligiösen Vergangenheit mit vollen Segeln in die bigotte und nationale Richtung; einer herrschenden. Kirche und Nation hineinsteuert. Dem Judentum tun sie besonders den Schaden, dass sie noch allzulauge zu uns gehören. Wir .wissen ja, aus welchen Krcscn sich diese Täuflinge in erster Linie rekrutieren. Es sind vielfach die Nachkommen einer Klasse von Juden, die infolge eines Berufes, der der Gesamtheit der Juden den Hass zuzog, den diese einzelne nährten, recht reich geworden sind. Man darf s/ch nicht wundern, wenn die Nachkommen dieser Kreise ebenfalls die Ehre recht gering achten. Und cs ist wirklich eine recht ehrlose Tat, aus Gründen des Vorteils und der Eitelkeit eine Religion sich anzuheucheln oder, wenn man selbst zur Taufe zu feige r'st, die Kinder einer Religion zuzuführen, an die man nicht glaubt. Aber diese Kreise, die keineswegs irgend welche Ehre dem Judentum machen, die, wenn sie es zu äusseren Ehren gebracht haben, damit andern Nationen, mellt ihrem eigenen Stamme Ehre machen, sind auch heute noch wie vor Jahrhunderten die eigentlichen Erreger des Juden- Hasses. Denn so lange sie äussertich in bürgerlichen Ehren sich befinden, hüten s;e sich, sich als ״Juden zu erkennen zu geben. Wenn sie sich etwas zu Schulden kommen lassen, so mögen sie bereits im fünften Geschlecht getauft sein, so wird ihre Sünde heimgesucht an dem jüdischen Volke, zu dessen gehässigsten Feinden sic schon aus dem Grunde gehören, ״um sich nicht zu erkennen zu geben". Nicht immer ist es die Karriere, die allein zur Taufe führt. Vielmehr fst es eine gewisse dumme Eitelkeit, die ans Perverse grenzt, die häufig genug für diese kranken Glieder unseres Voükcs die Ursache ihres Abfalles ist. Es .!st das dieselbe naturwidrige Anlage, die die Frauen aus diesen Kreisen mit den auffallenden Kleidern und protzenhaftem Schmuck d:e Aufmerksamkeit fesseln lässt, die sich bewundert glauben, die vermeinen, dass sc so gar nicht jüdisch aussähen und die den jüdischen Frauen, unter denen sie eine kleine verschwindende Minderheit der Zahl nach sind, einen recht unverdienten Ruf der Gefallsucht und der eiteln Putzsucht eingebracht haben. Diese Kreise sind überall dort, ״wo etwas les ist" und sie halten cs für vornehin — und sie wollen eben durchaus ״vornehm“ sein, ״dabei gewesen zu sein“! So bilden sic das beste Mr'tte!, den Witzzeitungen dauernd reichlichen Stoff zu liefern, um die Juden und das Judentum herabzusetzen, ״mit denen sie gar nichts zu tun haben". In diesem Sinne will eine Affäre aufgefasst sein, die augenblickjxh mit Recht die Gemüter der Katholiken und der Juden Wiens in Aufregung versetzt und die ganz natürlich ist, wenn man sich die Psychologie dieser minderwetrtigen Kreise vergegenwärtigt, dw vom Staate und der Gesellschaft bevorzugt werden, wer! sie sich gelegentlich zu dem ehrlosen Annehmen einer Religion verstehen, an die sie nicht glauben. Und es ist kein Wunder, dass aus Wien die Juden sind, die den Anlass zu der hierauf auibauenden Judenhetze geben, aus jenem selben Wien, das allwöchentlich nach Hunderten Juden zum kathoFschcn Glauben als der ״herrschenden Staatsreligion" feige übergehen sieht. Über den Vorgang wird Folgendes berichtet: Während der Papst cn der Sixtinischen Kapelle am Ostersonntag die Kommunion spendete, waren der Prot'cssor an der ״Wiener Exportakademic" Dr. S i e g m u n d F e i I b 0 g e n, dessen Frau und eine Schwägerin während der Spendung des Sakraments in der Kapelle anwesend, trotzdem die drei Personen nur über zwei Eintrittskarten verfügten. Der Geheimkämmcrer Ciambcllam wollte nun bemerkt haben, dass eine der beiden Damen die Hostie aus dem Munde genommen und sie wegzuwerfen versucht habe. Sofort entstand unter dein Publikum eine allgemeine Bewegung. Die drei Personen wurden umringt und genötigt, die Capelia sixt'na zu verlassen. Man unterwarf sie einem Verhör, unter der Be- Häuptling, es liege ein Akt öffentlicher Sakramcntsverletzung vor. Dann hat auch die österreichisch-ungarische Botschaft, die den Professor an den Vatikan empfohlen hatte, den Oelchrtcn und seine Gattin einem Verhör unterzogen. Die ״POLITISCHE CORRESPONDENZ" berichtet über den Vorfall Folgendes:

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