Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16/1 ד ן33ד!ןעי■?: '•y-'&vrUfir&r.r- ״■;י ־;יי־ ׳־ר^ז^ידי״ז* > \ s eite 146 JÜDISCHE RUNDSCHAU. chen auf lösen will, während doch diese jüdischen Schulen eben in den kleinen, von der Landesregierung ganz vernachlässigten Ortschaften unentbehrlich sind. Insbesondere aber protestieren jüdische Lehrer dieser Schulen gegen die Wiener Administration, welche jetzt nach den politischen Oesinnungen der Lehrer riecht und auf Qrund von Denunziationen alle Zionisten aus den Schulen verdrängen will. Die Herren aus der Verwaltung der Baron Hirsch-Stiitung zeigen sich nämlich den Weisungen der Assilimantcnpartei sehr folgsam, und erst vor einigen Wochen wurden zwei jüdische Lehrer nur deshalb entlassen, weil sie Zionisten sind. Wir glauben uns berechtigt zu fühlen, die Wiener Administration darauf aufmerksam zu machen, dass ein solches Vorgehen nicht geeignet ist, der jüdischen Bevölkerung Galiziens Vertrauen zu diesen Schulen einzuflössen. und dass es gar nicht in den Intentionen des sei. Baren Hirsch gelegen haben konnte, jüdische Schulen zwecks Bekämpfung des Zionismus zu gründen. M,« * Schauturnen in Lemberg Lemberg. Der jüdische Turnverein in Lemberg veranstaltete vor kurzem das erste jüdische Schauturnen in Galizien im grösseren Massstabc. Es nahmen daran ausser den lokalen Kiaften auch eilige Vertreter aus Tarnopol und ein• Delegiertcr aus Wien in der Person des Herrn Dr. Katz teil. Ausserdem waren noch anwesend Delegierte aus Krakau, Stanislau. Berlin und Biclitz-Biala. Bcgrtissungsteleg'auiinc langten ein von den jüdischen Turnvereinen in Prossnitz. Graz. Berlin (Dr. Zirker) und Biclitz-Biala »Dr. Julius Werner). Ein sehr vornehmes und überaus zahlreiches Publikum füllte den grossen Saal und die Galerie des Vereins ״Jad Charuzim" bis auf «las letzte Plätzchen. Den Abend eröffnete der Obmann des Vereins üg. Israel Zinn, dessen aufopferungsvoller und unermüdlicher Tätigkeit der Verein seinen jetzigen Blüte• stand vorzugsweise verdankt, ln einer markigen und kraftvoll gehaltenen Rede schilderte er die Bedeutung der phj'sisehen KörperÜbungen für die Regeneration des jüdischen Volkes. Er lichtete an die Anwesenden einen warmen Appell, dieser lebem notwendigen Institution des jüdischen Volkes mehr Aufmerksamkeit zu schenken• Der Verein hat drei Turnabteilungen, eine für junge Mädchen, eine für Mittelschüler und eine für Orthodoxe, Arbeiter und Handelsangestellte. Alle Abteilungen entwickeln sich ausgezeichnet und dass dem so ist, konnte man aus den nachiolgenden Uebungen sehen. Zum Schluss begrüsste der Redner die erschienenen Delegierten, welche aufs herzlichste akklamiert wurden. Mit Begeisterung wurden dann die Turner vom anwesenden Publikum empfangen, als sie unter den Marsch- .klängen einer .Militärniusikkapelle auf die Estrade aufmanschierten. Zum ersten Male sah man in Lemberg die jüdische Jugend stramm vor unseren Augen einhermarschieren und verschiedene Uebungen auf dem Barren, auf dem Pferde und dem Re.k exakt ausführen. Auch die Freiübungen der Mädchenriege wurden beifällig aufgenommen. Dieser Beifall galt in erster Linie der Leiterin dieses Kursus. Erl. Majulik. Und als das Schauturnen zu Ende war. da trat der Inspektor aller polnischen ״Sokol“-Vcreine in Galizien und das Mitglied der k. k. Prüfungskommission für Turnlehrer. Herr Cenar, auf dea Obmann des Vereins und den Leiter des Turnunterrichts, Gg. Zinn, zu, und sprach seine vollste Anerkennung für die gebotenen Leistungen aus. Gg. Zinn hat das Lob redlich verdient, denn in erster Linie ist ihm der Erfolg des Abends zu verdanken. Erste jüd. Turnerkonferenz in Galizien Lmbcrg. Sonntag, den 22. Mürz. 3 Uhr nachmittags, wurde im Lokale des galizischcn Z.-K. der zionistischen Partei eine Besprechung der zum Schauturnen nach Lemberg gekommenen Delegierten aus Tarnopol, Krakau, Stanislau und Lernberg, Gg. Israel Zinn, eröffnet. In seiner Ansprache teilte er mit, dass in Galizien bereits 7 Turnvereine existieren, von deuen sich leider nur 4 gut entwickeln. Hierauf schilderte er die Lage des Lemberger Vereines. Gg. Dr. Israel Waldmann, Obmann des Tamopolcr jüdischen Turnvereins, entwarf ein Bild der gedeihlichen und erfreulichen Entwicklung des Turn- Vereins in Tat nopol, deT bereits 7 Abteilungen zählt und in der Lage ist, einen bezahlten Lehrer anzustellcn. Dr. Waldmann plädierte dann für den Zusammenschluss aller jüdischen Turnvereine in Galizien zu einem Verband, um eine intensive Propaganda in Galizien entwickeln zu können. Eine der unerlässlichstcn Bedingungen zur Hebung der jüdischen Turnvereine sei auch die Heranbildung von geprüften Turnlehrern, Eerner wünschte er die Einführung eines hebräischen Kornmandos. An die Ausführungen des Redners knüpfte sich eine längere Debatte und schliesslich wurde folgender Antrag des Gg. Dr• Waldmann einstimmig angenommen: Der Ausschuss des jüdischen Turnvereins in Lemberg wird beauftragt, in engere Fühlung mit den jüdischen Turnvereinen Galiziens zwecks Gründung eines Verbandes zu treten; Vertrauensniäuner in allen grösseren Städten ausziifimleii und auf diese• Weise die Einberufung eines Turnertages, verbunden mit einem grossen Schauturnen, vorzubereiten. Am geeignetsten hierfür erscheint ihm die Stadt Tarnopol, welche jede Gewähr für das Gelingen eines solchen Unternehmens leistet. Wahrscheinlieh dürfte auch der Turntag im Monate Juni in Tarnopol statt- Enden. Eine blutige Statistik (Vom I. Januar bis zum 29. Februar.) Man schreibt der RUSS. KORR, aus Petersburg: Das statistische Bild der Gcrichtsrepressalien in Prozessen gegen Revolutionäre und Opposition sieht - nach tclegraphisehen Berichten und Korrespondenzen der Resideuzpresse - für die ersten zwei Monate des neuen Jahres wie folgt aus: Zur Todesstrafe sind in diesen zwei Monaten -- 507 Persolle verurteilt worden, im Januar — 179. im Februar — 328 Personen. Hingerichtet wurden während dieser Zeit — 198 Personen: 84־ Personen im Januar und IN im Februar. Die Todesstrafe wurde im Januar und Februar nur 41 Persimen erlassen und in andere Strafen umgewaiidelt. und zwar erhielten im Januar lebenslänglich Zuchthaus — 11 Personen. insgesamt 4U3 Jahre Zuchthaus -- 24 Personen: im Februar wurden 0 Personen zu längeren Zuchthausstrafen ver• urteilt. Ausserdem wurden während dieser zwei Monate 1184 Personen zu anderen harten Straicu verurteilt. 477 im Januar und 7**7 im Februar. Redakteure der oppositionellen Piesse w urden im Januar 16. im l'ehruar 12 zur gerichtlichen Verantwortung gezogen. Auf administrativem Wege wurden 24 oppositionelle periodische Schriften• unterdrückt. In verschiedcnen politischen Prozessen wurden 13 Deputierte der ersten und zweiten Duma zu 11 Jahren 8 Monaten Gefängnis und Festung verurteilt. — Gerichtsurteile in Prozessen der schwarzen Hundertschaften usw. sind wie folgt ergangen: In 7 Pogroniprozessen. welche in Kiew und anderen Städten stattfanden, .wurden zu Zuchthaus 40 Personen verurteilt: zu Gefängnis 65 Personen aut 4S Jahre: freigesprochen wurden 95 Personen. — Auf Fürbitte des ״Verbandes des russischen Volkes“ wurden ISS Personen, welche in früheren Pogromprozessen verurteilt waren, durch allerhöchster. Befehl völlig begnadigt. Durnowo und Witte Die Frage der Gleichberechtigung der Nationalitäten in Russland war wiederum Gegenstand der Reichsratsverhandlungern Die leitenden Staatsmänner benutzten den Anlass, um über diese Kardinaltrage der russischen Politik ihre Ansichten kundzugeben. Von allgemeinerem Interesse sind dabei die Auslassungen der beiden Prätendenten auf die Nachfolge Stoiypins. Der ehemalige Minister des Innern. Duriio wo. der Schüler und Nacheiferer Pich wes. verteidigt noch heute dessen sonst allgemein für unheilvoll erkannte Politik und erwartet von ihrer Anwendung die Beruhigung und Regenerierung Russlands. Durnowo gehört bekanntlich auch zu denjenigen, die sich am intensivsten und erfolgreichsten mit der Pogromtätigkeit und ähnlichen echt-russischen Regierungsmassnahmeti befasst haben. Nationale Politik, sagte Durnowo. heisse, nicht darauf sehen, dass nur ja jeder polnische Jüngling auch seinem Unterricht in seiner Muttersprache folgen kann, sondern unbekümmert u 111 a 11 c nationalen Ansprüche der kleinen Völker auf die v o 11 k 0 m in e n e Russin zicru n g aller fremden Elemente hinzuarheitea. Alle Hindernisse auf dem Wege zu diesem Ziel müssten o 11 n e feige Sch w ä che und G e i ii h 1 s s c h w ankun״cn rücksichtslos beseitigt werden. Unerschütterliche Festigkeit sei die Grundlage solcher Politik. Man kann aber unmöglich fest bleiben, meint dieser ..starke Mann“, wenn man auf die einzelnen Nationalitäten bei jeder Massnahme Rücksicht nehmen will. Alles, was in Russland ist. muss russisch werden, es koste, was es wolle! Es muss uus gleichgültig sein, ob wir unsere Politik vor den anderen Nationalitäten verantworten können, wenn nur die Interessen ן des russischen Volkes (wie ein Durnowo sie versteht!) dabei gesichert sind, — Dieses echt-russisch robuste Programm war 1 cs. das Durnowo während seiner Regicrungszcit befolgte, und dem er jetzt wieder zum Siege verhelfen möchte. Dass dieses Programm aber auch jetzt durchaus zeitgemäss und aktuell ist. beweist das Verhalten seines Rivalen, des schlauen Opportunistcu Witte. Dieser ehemals ..liberale“ Politiker machte wohl einige nebensächliche Ennwände geltend, um schliesslich einzugesteheu. dass er mit dem Programm Dur-