Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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י«•«*« י"'. Seite 144 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 16 JM nommen worden sind, um den Beschluss, in Palästina praktische Arbeit zu vollführen, zu verwirklichen und verpflichtet sich, den Parteifond wie auch die Einrichtungen zu unterstützen und zu stärken, die unternommen worden sind, um die Kräfte aller Gesinnungsgenossen auf das Ziel des Zionismus, der Erlangung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, zu konzentrieren." Die Resolution wurde von Herrn Herbert Ben twich in englischer und von Herrn M. Shire in jüdischer Sprache begründet• Unter lautem Beifall der Versammlung erfolgte sodann die einstimmige Annahme der .JResot i o n. Auf Antrag des Sir Francis Mont cf io re. Ehren- Präsident der English Zionist Federation, wurde dem Prasidenten Wolffsohn der Dank der Versammlung für seine Rede ausgesprochen. Es sprachen noch die Herren Dr. Samuel Daichcs. Rechtsanwalt Abrahams und S. G o I d r e'ic 11. Um U Uhr war die Versammlung zu Ende. B. J. C. Der die neun ״Vereine jüdischer Studenten־‘ an deutschen Hochschulen umfassende Bund Jüdischer Korporationen kann mit der verflossenen Wintersemester wiederum auf ein recht erfolgreiches Semester zurückblicken. Jeder nlit den Yerhältnisscn an den deutschen Hochschulen Vertraute weiss, welche Stellung sich dieser. Bund schon erworben hat durch sein Auftreten nach aussen im Kampfe gegen den Antisemitismus und durch seine Arbeit nach innen in der Erziehung seiner Mitglieder zum bewussten Judentum. Und so ist auch das verflossene Semester in gesunder Vereinsarbeit verlaufen. Ein Beweis für die innere Einigkeit unseres Bundes und gleichzeitig für die Grösse und Bedeutung seiner Organisation bildete der diesjährige Kartelltag, der im Januar in Königsberg stattfand, und der wie alljährlich den Höhepunkt unseres Vereinslebens darstellte. Aus Berlin. Charlotteiiburg. München. Freiburg. Strassburg. Breslau und Marburg waren die Bundesbruder gekommen, um fünf Tage der Beratung über den inneren und äusseren Ausbau des Bundes zu widmen. Den Schluss des Kartelltages. der auch in seinen Beratungen alle Teilnehmer in höchstem Grade befriedigte, bildete ein Festkommers, der von allen jüdischen Organisationen Königsbergs beschickt war. und der ein deutliches Bild daiür war. wie. der V. J. St. Königsberg das jüdische Leben der Stadt in sich konzentriert. Alle Redner, des Abends, unter denen wir nur den leider allzu früh verstorbenen Herrn Stadtrat Magnus erw’ähnen. beteuerten dem Vereine ihre wärmsten Sympathien, und. die Vertreter aller Organisationen versicherten ihre hohe Freude und Genugtuung darüber, wie der V. J. St. jüdische Arbeit leiste. . . Wenn nun auch ein Kartclltag jährlich nur einmal stattfindet, so Ist doch das Band, das die Vereine Jüdischer Studenten das ganze Jahr hindurch umsehliesst, nicht weniger fest. Das ständig in Berlin tagende, aus sieben Mitgliedern bestehende Bundesprasidlnm hält ständig die Beziehungen mit den einzelnen Kartellvcrcincn auirccht. und durch die Herausgäbe unseres inneren Vcreinsorgancs unter dem Namen DER JÜDISCHE STUDENT ist den Bundesbrüdern aller Kartellvereine ständig Gelegenheit geboten, ihre Gedanken über Ziel und Zweck des V. J. St., über Juden und Judentum, aber auch über alle anderen Themata gegenseitig auszutauschen. (Anlässlich des Kartelltages hat das Bundespräsidium eine einmalige gxterne Nummer der Zeitschrift erscheinen lassen, die Interessenten gern zur Verfügung steht.) Was nun das Auftreten des Bundes nach aussen betrifft, so haben wir gerade im letzten Semester einige Gelegenheiten gehabt, unser entschiedenes Auftreten gegen jede Art von Antismitismus deutlich zu beweisen. In Berlin stand, wie In jedem Wintersemester, so auch in diesem, anlässlich der Lcschallcnwahl die Judenfrage zur Diskussion. Wenn wir auch auf dem Standounkt stehen, dass die hierbei verschwendeten Kräfte den Erfolg kaum lohnen, so halten wir es doch für notwendig, den Kami hierum so lange zu führen, als er von unseren antisemitischen Gegnern begonnen wird. Die hauptsächlich zum Zwecke des Lesehallenuahlkamofes im vorigen Jahre begründete ..Vereinigung Jüdischer Korporationen", von der die drei Vereine Jüdisch <־r Studenten (Berlin. Charlottenburg und Maccabäa) allein die Hälfte ausmachen, hat zwar in diesem Semester einen Kandidaten verloren, ist aber jetzt zur zweitstärksten Partei herangew׳achsen. Interessanter und von grösserer prinzipieller Bedeutung Ist ein antisemitischer Kampf, den der V. J. St. Strassburg Im letzten Semester bei der Begründung des dortigen Studentenausschusses zu führet! hatte. Es sollte nämlich der Studentenausschuss der Universität Strassburg, der vor einiger Zeit aufgelöst war. im vorigen Jahre neu begründet werden, und zu diesem Zwecke sollten sich sämtliche Korporationen in verschiedene Parteien teilen, deren jede sich durch eine durch das Los zu bestimmende Korporation vertreten lassen sollte. Als nun eine Korporation der Partei, zu der der V. J. St. gehörte, erklärte, sie würde sich, falis das Los auf diesen falle, durch Juden nicht vertreten lassen, und diese Mitteilung nicht die gebührende Zurückweisung seitens der anderen Korporationen erfuhr, schied der V. J. St. aus dem Ausschüsse aus und brachte ihn dadurch zum Scheitern. Da nämlich der Rektor erklärt hatte, den Ausschuss nur bestäticen zu wollen, falls sich alle Korporationen daran beteiligten, der V. J. St. aber eine Beteiligung unter den obwaltenden Umständen rundweg ablchntc. so ist an ein Zustandekommen des ganzen Ausschusses so lange nicht zu denken, als sich die bewusst; Korporation picht bereit erklärt, ihre antisemitischen Gelüste bei dieser Gelegenheit zu unterdrücken, was bisher nicht geschehen ist. Daher konnte sich auch der V. J. St. an allen gemeinsamen Feiern des provisorischen Ausschusses nicht beteiligen und musste z. B. aus Veranlassung von Kaisers Geburtstag einen eigenen Kaiscrkommers veranstalten, zu dem der Rektor zwar nicht erschien, bei welcher Gelegenheit er aber in einem Briefe versicherte, dass er nur darum fernbleibc. weil er separate Veranstaltungen prinzipiell nicht besuche. Uebcrhaunt muss mit Freude konstatiert werden, dass Rektor und Behörden ein volles Verständnis iiir diese Wahrung unserer FJire haben und ganz aui unserer Seite stehen. Diese Angelegenheit ist von umso grösserer Bedeutung, als auf vielen deutschen Hochschulen augenblicklich von der Begründung von Studentenausschüssen die Rede ist. und es ist selbstverständlich, dass alle ״Vereine Jüdischer Studenten“ auf eine eventuelle antisemitische Stellungnahme derselben, ebenso mit der Hintertreibung antworten würden, wie es der V. J. St. Strassburg hier getan hat. Wichtiger jedoch, als dieses Auftreten nach aussen war uns die Ausbildung unserer Bundesbrüder, und die Erziehung unserer Fiixe. Und auch in dieser Beziehung kann das verflosscne Semester als recht zufriedenstellend bezeichnet werden. Neben den in allen neun Vereinen stattfindenden Fuxenstundcn. in denen hauptsächlich jüdische Geschichte. Geschichte des Antisemitismus und jüdische Gegenwartsfragen besprochen werden, fanden in allen Vereinen eine grosse Anzahl von Vorträgen mit anschliessenden Diskussionen statt, in der alle Gebiete des Judentums behandelt wurden. Den Hauptwert legten wir jedoch auf die in allen Vereinen stattfindenden wissenschaftlichen Kurse, von denen wir nur den Kurs über ״Fragen der jüdischen Ethik" im V. J. St. Mt'inchen bei A. H. Br. Eli Strauss. den Gcschichtskurs im V. J. St. Königsberg bei A. H. Rabbiner Dr. Pcrles und den Palästinakurs der drei Berliner V. J. St. bei A'. H. Dr. Soskin erwähnen. Hand in Hand mit dieser wissenschaftlichen Ausbildung unserer Mitglieder ging die körperliche, die durch regelmassiges Turnen und Fechten in allen Vereinen gepflegt wurde. Hier mag auch besonders die Ruderabteilung der drei Berliner Vereine erwähnt werden, die itn letzten Semester begründet wurde, und itn kommenden Sommer zum ersten Mal in Aktion treten soll. Da wir zwei eigene Boote bcsitzen, die uns naturgemäss ständig zur Verfügung stehen, so ist allen Mitgliedern reichlich Gelegenheit geboten, sich zu beteiligen. Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass natürlich auch in allen V. J. St. die Geselligkeit zu ihren! Rechte gekommen ist. Durch Kneipen. Ausflüge. Kaiices. Bälle usw. wurde der gesellige Zusammenschluss der Bundesbrüder aufrecht erhalten, und cs zeigte sich die Erfahrung bestätigt, dass Freundschaften, die bei ernster Arbeit und nicht lediglieh bei Kneipen geschlossen werden, die festesten sind. Wenn wir nun in das kommende Semester sehen, so hoffen wir. dass recht viele iungc Studenten sich uns anschUessen mögen, nicht nur in unserem eigenen Interesse, damit wir einen Nachwuchs für unsere Bestrebungen bckommen, sondern auch in ihrem eigenen, damit wir •ihnen von der Schönheit unseres Vereins abgehen können. Jegliche Auskunft erteilt bereitwilligst der Schriftführer des Bundes-Präsidiums. cand. chcm. Arnold Hildesh e i m e r״ Berlin N. 24, Friedrichstr. 130. Das Präsidium des Bundes Jüdischer Korporationen. ייומייייייי*