Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 143 No. 16/17 betrachtet wird, ist ja das auch in erster und letzter Linie die Arbeit des J. .CT., ihm kommen auch diese Verdienste?|נ. Die A.P.C, hat sich ausgezeichnet gut entwickelt, ich habe es bereits voriges Jahr einmal hier gesagt, und ich kann Jetzt noch hinzufiigen, dass die A.P.C. sogar die Anerkennung unserer Gegner gefunden hat. und dass heute nur eine Stimme hierüber in Palästina existiert, dass sic ausgezeichnet gut arbeite und segensreich iiir das Land wirke. Einige Zählen will ich Ihnen nur anführen und Sie werden daraus ersehen, was die A.P.C. in kurzer Zeit dort geleistet hat. An Anleihen an Kolonien und Pflanzungen insgesamt ha tdic A.P.C. . . . . 900000, ~ Fr.cs. verliehen gehabt, an jüdische Industrielle, PabriKen und dergl. 500000,- ״ an jüdische Kauitcute.2450000־,— Ausserdem arbeitet die A.P.C. natürlich auch mit einer ganz schönen arabischen und christlichen Kundschaft, und wir haben die Genugtuung, dass in letzter Zelt sich auch die J.C. A. für kleinere Geschäfte,der A.P.C. bedient. Ein Hauptverdienst hat die A. P. C. sich dadurch erworben, dass sic die לופת מלוה geschaffen hat. kleine Vorschiiss- und Sparkasssen. kleine Gesellschaften, die auf Gegenseitigkeit beruhen, um kleinen Kauilcuten. Handwerkern und Ackerbauern zu billigen Zinsen Darlehen zu gewähren. Ib solcher Gesellschaften sind in den letzten zwei bis drei Jahren entstanden, die bereits 700 Mitglieder haben. Von diesen Gesellschaften sind M landwirtschaftliche Vereine. 2 Konsumvereine in den Kolonien. I Tischlerverein in Jaffa. I Leihkassenverein in Jaffa. Diese Vereine haben im ganzen 5(10 non Franken entliehen und im vorigen Jahre schon die Hälfte zurückbczahlt. Wie Htrr Direktor Levontin, der vor einigen Wochen bei mir war. erklärt hat, haben wir bis jetzt nock nicht 1 Franken Schaden gehabt. Alles wird zurückbczahlt. (Heiterkeit und Beifall.) Meine Damen und Herren. Es ist nicht besonders, wenn man seine Schulden bezahlt, das soll jeder. Aber wenn Sie bedenken, dass die jüdische Bevölkerung jn Palästina jahrelang dazu gross gezogen worden ist. nur Gelder anzunehmen und niemals zurückzugeben (grosser Beifall und Heiterkeit), dann haben Sie wohl ein Recht zu Heiterkeit und applaudieren, dass diese Leute jetzt nach kaufmännischen Prinzipien, nach dem Prinzip der Selbsthilfe ilire Schulden prompt bezahlen. (Heiterkeit und Beifall.) Eine ganzi Reihe anderer Institute und Vereine, wie z. B. ..Bezaiel“. ״Agudath Netajim' und viele andere mehr, haben ihre Entstehung und die Möglichkeit ihres Bestehens der A. P. C. zu verdanken, und wenn Sie bedenken, dass die A. P. C. erst am Anfänge ihrer Tätigkeit steht, so werden Sie wohl mit mir einverstanden sein, wenn ich sage: diese Arbeit Ist g1׳t! Und nun möchte ich noch zwei Dinge erwähnen, die sieh in Palästina abgespielt haben. Die eine Sache ist leider traurig, die andere mehr komischer Natur. Sie werden schon darüber gehört haben. — vielleicht sogar zu viel. — dass sich In Jaffa leider ein Zwischenfall zugetragen hat, der unser tieistes Bedauern he tvorrufen muss. So tiaurig aber dieser Pall ist. so handelt es sich doch einzig und allein darum, dass ein Polizeibeamter sich dort eine Roheit hat zu schulden kommen lassen, wie sie in Palästina in dem letzten Jahrhundert nicht vergekommen ist. Unschuldige russische Juden wurden von dem dortigen Kaintakam in Beglcitung eines russischen Konsuiarheamtcn überfallen und deraitig misshandelt, dass es 13 Verwundete und darunter zwei lebensgefährlich Verwundete gal». Es wurde nach berühmten Mustern geschossen und gemordet, aber von Pogromen zu sprechen, wie dies manche Zeitungen tun. ist eine Ubertreibung. die wohl anderen Gründen entspringen dürfte. Die Sache seihst, so traurig sie auch ist. ist und bleibt lediglich ein Übergriff eines verrückten Polizisten. Die beste Polizei in der ganzen Welt ist bekanntlich die englische. Aber ohne irgendwie darüber speziell unterrichtet zu sein, darf ich wohl behaupten, dass auch in der englischen Polizei wohl schon einmal ein Missgriff vorgekommen ist. Und es darf uns nicht wundcruchmen. dass so etwas auch in der Türkei Vorkommen konnte. Das Unangenehme an der Sache, — was uns aber auch zugleich ein Trost sein kann. ־ - ist da$s tatsächlich seit Jahrhunderten in der Türkei ein Jude nie deswegen verfolgt worden ist. dass die türkische Zentralregierung, die frei von ledern Antisemitismus Ist, den Beamten gebührend bestrafen und das Verbrechen, das an Unschuldigen begangen wurde, sühnen wird. Die letzte Nachricht, die ich erhalten habe, lautet, dass der Kainukam nach Konstantinopel berufen worden ist. um Rechenschaft abzulcgcn. Der zweite Pall, der aber nur komischer Natur ist, bctrifft unsere A.P.C. in Pailstina, die einen r egelrechten Run hatte. In Jerusalem erscheint eine hebräische Zeitung (Lachen), das ist ganz natürlich. Natürlich ist nur nicht, dass der Herausgeber dieser Zeitung über Dinge schreibt, über die er nicht kompetent Ist. Eine Woche, nachdem die grosse Krisis in Ncw-York ausgebrochen war. brachte er einen Artikel mit der Ueherschritt: ״New-York und Jerusalem“. In Jerusalem waren damals nämlich einige kleine Fallissements vorgekommen, und bei einem derselben war die A.P.C. auch mit einer kleinen Stimme beteiligt. Die HASCHKAFAH schrieb nun nach dem Muster eines New-Yorkcr Kollegen einen grossen Pinanzartikel über den Krach in New-York und Jerusalcm und sagte dabei: ״Leider Gottes ist unsere Bank, die A. P. C.. auch dabei hereingefallen.“ Das war an einem Freitag, und am Sonntagmorgen in aller Frühe wurde unsere Bank bestürmt. Jeder wollte seine Einlage haben, und ich muss sagen, ich hatte damals, als ich die telegraphischen Nachrichten erhielt, doch eine gewisse Angst, nicht davor, dass wir etwa nicht zahlen könnten, aber weil eine rasche Ooldbcsciiafhmg in Palästina mit grossen Schwierigkeiten verkniipit ist. Es gibt dort keine Banken wie hier, so dass man unvorbereitet jeden Augenblick Geld bekommen kann. Wenn aber unsere Bank nur einen Augenblick den Aiistürmern nicht gezahlt hätte, dann hätte die Sache wirklich unangenehm werden können.. Aber ausser dir unnützen Auireguug haben alle Beteiligten selbstverständlich keinen Schaden erlitten. L'ebcr unsere Arbeit in Palästina nur noch einige Worte. Der Streit, der früher, in unserer Bewegung über praktische und politische Arbeit war. hat Gott sei Dank aufgehört. Die Leitung der zionistischen Organisation steht noch heute, wie irüher auf dem Standpunkte, den Herzl so klar und deutlich zum Ausdruck gebracht hat. dass wir uns nicht bei Nacht und Nebel in Palästina einschleichcn wollen. Das. was wir in Palästina wollen, muss öffentlich sein und auf Recht basieren. Auf diesem Standnunkt stehen wir noch heute. Aber, meine Damen und Herren, ebenso, wie wir die türkische Regierung aut unsere Pliine vorbereiten müssen, und wie wir das Volk durch kulturelle Arbeit, durch Verbreitung der hebräisehen Sprache usw. 1ü׳• unsere zionistische Zukunft vorberciten müssen, ebenso und vielleicht noch viel mehr müssen wir 'as Land vorbereiten und kennen lernen. Für diese Arbeit haben wir jetzt das Palästinaamt eingerichtet, das sämtlich»' zionistischen und füdischen Interessen in Palästina vertreten soll, das meinem Kollegen im engeren Aktionskomitee. Herrn Professor Dr. Warburg. unterstellt ist. Wir haben ferner mit Genehmigung des Aktionskomitees eine Land Development Company gegründet, die aus privatem Vermögen, aus privaten Anteilen der A.P.C. geschaffen werden soll, wobei der Natio«alfond unter absoluter Sicherheit sich mit einen! gleichen Kapital beteiligt. Diese ,Land Development Cnmoany soll eben einen Versuch machen. Juden in Palästina für die landwirtschaftliche Tätigkeit vorniberelten. Bei der vorgerückten Zeit kann ich über die Einzelheiten nicht mehr sorechen. Ich bitte Sie. darüber die Veröffentlichungen nachzulesen, und Sie werden Pi.den. dass dies eine Sache Ist. die unsere Unterstützung verdient. Wir haben ferne־׳ Häuserbaugenossen schäften, die sich jetzt in Palästina bilden, ebenfalls aus den Mitteln des J. N. P. unter absoluter Sicherheit und Garantie der A. P. C ein Darlehen gewährt, kurzum, wir können auf Schritt und Tritt scheu, wie die kleinen Samenkörner, die wir vor 10 Jahren ausccsfcut haben, allmählich au.keimcn und hervorspricssen. Wollen wir aber, dass unsere Arbeit gute Früchte, trägt, dann müssen w ir keine Anstrengung scheuen und unsere Pflicht und Schuldigkeit tun. Als ich in diesem Jahre in einem Massenmeeting in Berlin meine Rede mit den Worten geschlossen hab•־: ..Wenn wir alle unsere Pflicht tun. dann hcHe Ich. wir mit unseren eigenen Augen die Rückkehr nach Zion spt־en werden.“ wurde mir besonders von einigen iiidisehen Zeitungen der Vorwurf gemacht, dass icli unberechtigt Hoffnungen erwecke. Die Herren Redakteure mögen mir verzeihen, sie scheinen eben gar nicht zu wissen, dass die frontmen Juden bis auf den heutigen Tag dasselbe Wo׳»t dreimal täglich sagen. Und auch ich werde meine Vorträge mit diesem Worte sJiliessen und es immer wiederholen, bis wir wirklich mit unseren eigenen Augen die Rückkehr nach Zion sehen werden. (Lang anhaltender Beifall.) Nachdem der Beifallssturm, der der einstiindigen Rede des Präsidenten Wolffsohn folgte, sich gelegt hatte, brachte Di». Gaste r folgende Resolution ein: ״Die Massenversammlung, die die Gesamtheit der englisehen Zionisten repräsentiert, begrlisst die Schritte, die unter-