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Jüdische Rundschau · 1908-04-15 · Heft 16-17 (15.4.1908) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 16-17 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 142 No. 16/17 ״Ff ״f JÜDISCHE RUNDSCUAU die noch Sinn und Herz sür das Judentum haben, die auch eine grosse Reihe von Zionisten sofort beim ersten Aufruf Herzls gestellt haben, und wo die Not unmöglich so gross sein kann,, wie in Russland und Galizien, hier dürfen Sie diese Pflicht nicht vernachlässigen, hier dürfen Sie nicht so lange warten, bis Sie gemahnt werden, bis es zu spät werden kann. Meine Damen und Herren. Wenn die zionistische Organisation ihre Aufgaben erfüllen soll, wenn wir das leisten sollen, was von uns erwartet wird, so kann das nur sein, wenn wir das demokratische Prinzip heilig halten und alle mitarbeiten.־ Einige oder wenige können das nicht leisten. Meine Damen und Herren! ln früheren Jahren hat man es als eine grosse Dunnnheit betrachtet t.ud es für ein Unrecht gehalten, wenn wir über unsere eigenen Fehler, über die Nach- If’ssigkeiten, die wir begehen, über unsere kleinen Sünden öffentlich gesprochen haben, weil man fürchtete, dadurch unserer Bewegung zu schaden. Heute aber haben wir es Gott sei Dank nicht mehr nötig. Wir können heute auch öffentlich über unsere eigenen Fehler sprechen, heute, nachdem wir die Feuerprobe schon bestanden haben, nachdem wir ans dem Kampf rnit unseren eigenen Brüdern - mit den anderen Parteien siegreich hervorgegangen sind, heute, nachdem wir schon etwas geleistet haben, nachdem w ir das grosse Unglück, das unsere Bewegung mit dem jähen Tod D־. Herzls getroffen hat, nachdem wir diesen kolossalen Verlust wenigstens so weit überwunden haben, dass wir sein Werk weiter führen können und der Bestand unserer Bewegung gesichert ist. heute, nachdein in Russland, wo alle jüdischen Organisationen zerschmcttert sind, unsere Organisation als die einzige sich doch noch ei halten hat. heute haben \\ \- derartige kleine Befürchtungen nicht mehr zu hegen, wir dürfen auch öffentlich über unsere Fehler sprechen, ohne Schaden zu nehmen. . Und noch eines. Ich sprach von dem Segen der öffentliehkeit. Auch darin sehe ich das Gute, denn ich hofie, dass, nachdem die Fehler in der Öffentlichkeit gerügt werden, eine rasche Abhilie nicht lange auf sich warten lassen wird. Mit dem. was der־ Zionismus bis jetzt geleistet bat. dürfen wir zufrieden sein. Unserer Bewegung ist es zu verdanken, dass jetzt ein ganz anderer Geist über den Juden der ganzen Welt schwebt. Die Gegnerschaft gegen den Zionismus ist nicht mehr wie vor 10 und 12 Jahren. Heute haben schon alle angefangen, zu begreifen und einzusehen, dass die Idee doch etwas Gutes in sich l'irgt. Das jüdische Selbstbew usstsein ist gewachsen und gestiegen, und mau spricht heute üher jüdische Angelegenheiten ganz anders als von uns. Allerdings sagen die Leute, dass wir Zionisten inzwischen gescheiter, klüger und ruhiger geworden sind. Ich akzeptiere dieses Kompliment ganz gern und freue mich, es den andern zurückgeben zu können. Gott sei Dank sind jene auch klüger geworden (Heiterkeit und Beifall.) Dass das Interesse für Palästina in unserer heutigen Zelt so gross und sfark ist. wie cs noch niemals zuvor gewesen, Ist unser Verdienst und zeigt uns. dass wir aut־ de.n tichtigen Wege sind. Mit Befriedigung sehen wir. wie grosse Organisationen, die früher, — ich will nicht sagen gegen uns gekämpft haben, — aber jedenfalls nicht viel für uns übrig , hatten, heute nach Palästina gehen und dort Arbeiten verlichten, die w׳ir früher gefordert haben und worüber man uns i ausgelacht hat. Wenn der deutsche Hilfsvcrciu heute | nach Palästina geht und sein Leiter und Führer Dr. Nathan I zu'.ückkommt und mit Beigeistcrung eine intensive Arbeit für! Palästina verlangt und für unsere Schulen daselbst die j hebräische Sprache als die beste und geeignetste empfiehlt. ׳ wenn das der Leiter einer deutsch-jii-lischcu Organisation tut. dann können wir wirklich mit Befriedigung ausrufen: רוץ.; D'Dy Ww‘C(Grosser Beifall.) Zwölf Jahre früher würde wahrscheinlich der deutsche l)r. Paul Nathan fiir die deutsche Sprache in Palästina ebenso gckänipit haben, wie mancher; französische Jude früher für die französische gekämpft hat. 1 Heute aber kämpft mail für das Hebräische. Das Inte־csse wächst allgemein, und man sicht allmählich ein. dass der aus-! wandernde Jude, der nach Palästina kommt, dort besser unter- gebracht ist als irgendwo anders in der Welt. Der Jude in 1 Palästina wird ein echter Jude, aber er sieht schöne־ aus als die andern, die nicht ganz echt sind. (Beifall.) Es war ein; Güiuss für mich, aus dem Bericht Dr. Nathans zu entnehmen.! dass Palästina doch ein ganz.( ausgezeichnetes Territorium für ' die Juden zu sein scheine. (Lang anhaltender Beifall.) Und j wenn derselbe Dr. Nathan in einem Vortrage in Frankfurt am; Main am Schlüsse seiner Rede, nachdem er so begeistert über ן Palästina gesprochen hat, sagt: ..Aber meine Damen unJ j Herren. Zionismus ist das nicht.“ nun. auch das will ich gern ' akzeptieren (Lachen), denn ich betrachte es als einen grossen j Segen für uns :נזלאנתבם נעשה ע/ יד‘אחרים. Eure Arbeit Wird I durch andere Hände getan. Es kann uns wirklich gleich sein, ob : wir es machen oder andere, wenn es mir richtig und gut gemacht wird. Wir können zuirieden sein mit dem. was wir bis . jetzt geschahen haben, mit unseren Institutionen, die den Verliältnisseii entsprechend sich ganz gut entwickelt haben. Der Jcwish Colonial Trust. — Her Dr. Gaster. Ihr ver- Girier Vorsitzender, hat bereits zu Anfang gesagt, dass es selbstverständlich sei, dass man über den einen Punkt, über den Prozess*). nachdem übermorgen ein ordentliches englisches Gericht das Urteil fällen wird, nicht vorgreifen und sprechen soll, insbesondere nicht in einer öffentlichen Versammlung. — das werde ich selbstverständlich auch nicht tun. Ich möchte nur davon reden, dass der J. C. T. seine Auigabe trotz der kleinen Dividenden, die bis jetzt verteilt sind, gut erfüllt.; Bei der Begründung unserer Jüdischen Kolonialbank haben die Fachleute hier wie anderswo prozhezcit: Diese Sache werdet Ihr nicht halten können. Ich freue mich, dass die Herren sich geirrt haben. Nur ein Verdienst der Jüdischen Kctoniathaiik möchte ich hier hervorheben: wenn von allen Seiten die A.P.C. als ein segensreiches We־k für Palästina Ich, der Ihnen gelobt hatte, den Kampf der Religronen und Nationalitäten zu meiden, hörte meine Brüder und Schwestern weinen und wehklagen, sah meine Volksgenossen seufzen unter dem Drucke der Fesseln, sah sie dahinsterben des Hungers, sah sie dahingetnordet werden! um ihres Fcstlialtens willen am Judenvolke, am Juden- \ tunte-. Und da schalt ich sie, dass s:e Juden wär?n j und nicht nur Menschen, schalt ich sie, bis ich erwachte, bis man mich selbst verfolgte, weil ich — Jude wäre, und ich, der ich doch nur Mensch sein wollte und nur Ihren Idealen leben wollte, wurd e Jude-•. Passah war es, ein Fest, das fch gehasst hatte, weil mit ihm gefeiert wird das Erwachen Judas zum Volk.* und das ich nun so liehe, weil in ihm erzogen wird zum Erwachen Judas - —. Passah war es und ich hörte die uralten Gesänge, die am Szeder die Taten unserer Ahnen priesen, und hörte die hoffenden, sehnenden Worte, d־'e meine Brüder so leise, so inbrünstig flehen, die meine Schwestern mit tränenerstickter Stimme flüstern: teschanah habaah biruschalaiim — ־ - . Da wurde in mir, ein neues Sehnen geboren, heisser, tiefer. Marga, ein Sehnen, das auch mein Denken, mein Verstehen gezeugt, das Sehnen: zu helfen uns Juden ~ -־, dass die Zeit nahe leselianah habaah biruschalaiim -—. Auch Sic sind Jüdin, und wenn Ihr Vater das Band zu zerreisseu glaubte, indem er sich und Sie den Lehren Christi in die Arme führte, so sind Sie dennoch Jüdin ’ geblieben, und gerade Ihre Liebe zu allen Menschen, Ihre unbegrenzte Sehnsucht nach reinem, grossen Menschentum ist jüdisch empfunden, jüdisch gefühlt. Und auch ich liebe alle Menschen und trotzdem helfe i.11 vor allem meinen Brüdern und Schwestern und bin mir bewusst, der ganzen Menschheit zu denen. U1׳d dann, wenn einst das Passah gekommen, wo die Jubelfeier itn eigenen Lande vom wieder vereinten Juda gefeiert wird, dann, wenn um Judas Glück und Einheit und Frieden der Kampf zu Ende geführt, dann, Marga, Können wir uns wieder zusammenfinden im Sehnen, im Träumen, im Ideale des Menschentums- - . Solange aber werde rch arbeiten und kämpfen als Jude und hoffe Ihnen hier zu begegnen, in diesem Kampfe, in dieser Arbeit, in diesem Sehnen, in diesem Ideale Mein Herz, mein jüdisch Herz, sehnt sich Ihrer Worte, sehnt sielt, auch aus Ihrem Munde zu hören Judas Sehnsucht, Judas Gebet, Judas Trost: לשנה הבאה בירושלם Efra. Während des Druckes erhalten wir heute am Dienstag die telegraphische Mitteilung, dass das Urteil im Prozess der Bank heute nicht mehr gefällt wird.

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