Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16/17 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 141 der Basis von Selbsthilfe, auf dem Gedanken, dass wir uns selbst helfen sollen, aufgebaut. die anderen auf Philanthropie, auf Wohltätigkeit. — Also alle müssen mitarbeiten, alle ihre Pflicht tun. Natürlich müssen diejenigen, die wir uns als Führer gewählt haben, mehr leisten. Die Führer müssen in erster Linie ihre!*flicht tun, müssen als Muster für die Massen gelten, denn sie sind die ersten Diener der Organisation Von ihnen muss man mehr als von den anderen verlangen. Als ein Muster können wir uns Dr. Herzl nehmen. Er hat seine Pflicht getan! »m vollsten Sinne des Wortes kann man von ihm sagen, dass er בב; לבבו בבל נפשו ובכל מאודו mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele und mit seinem ganzen Vermögen und Können seine Pflicht getan, bis er unter der Last der Arbeit zusammengebrochen ist. Er gilt daher auch bei uns als die grösste Autorität, und alle berufen sich auf ihn. Von dem Zionisten, der die ganze Arbeit nur auf politischen Gebiete sehen möchte, bis zu dem Zionisten, der das ganze Heil in praktischer Arbeit in Palästina sicht, und bis zu dem Territoriafistcn, der von Palästina nichts wissen will, vom freiesten Atheisten, der von der Religion nichts wissen will, der die Nationalität an Stelle der Religion setzen möchte, bis >11 dem orthodoxesten Misrachisten. fiir den die Religion allein die Hauptsache ist und der es als ein nationales Unglück betrachtet, wenn in einem zionistischen Bureau die Sabbatruhe nicht ganz nach dem Schulchan Arueh cingehaUen wird: alle ohne Ausnahme berufen sich auf Herzl. jeder von ihnen gibt au. er tue. was Herzl gewollt habe. Jeder von ihnen bebanntet, dass er der Volstreckcr des Hcrzlsdien Willens ist. Ja. mancher• nennt sich sogar sein Nachfolger. Nun. dagegen wäre gewiss nichts einzuwenden. Sie haben alle wirklich ein Recht dazu. Denn das, was Herzl geschaffen hat. ist nicht eine Partei, ist nicht ein Teil des Judentums, sondern es umfasst alles, was mit dein Judentum zusammeniu'ingt, es umfasst das ganze jüdische Volk mit allen seinen Interessen, in der zionistischen Bewegung ist tatsächlich Raum und Platz für alle Richtungen und alle Parteien. Die Leute haben tatsächlich ein volles Recht dazu, sich auf Herzl zu berufen und anzugeben, dass sie alle im Sinne Herzls arbeiten. Aber, meine verehrteu Damen und Herren, sich auf Herzl berufen und sein Werk zu zerstören suchen, wie man das In Einklang bringen kann, das welss Ich nicht! Was Dr. Herzl Praktisches geschahen hat, was Dr. Herzl uns Praktisches!unterlassen hat. das ist die zionistische Orv ganisation, das sind die mannigfachen zionistischen Institutionen, das ist der Zionistenkongress. Wer aus der Organisation ausscheidet, der schädigt unsere Organisation: wer unsere Institutionen nicht unterstützt oder sie gar bekämpft, der sucht uns Schaden zuzuftigen; wer dem Kongresse fernbleibt oder die Beschlüsse des Kongresses nicht respektiert, der schädigt unsere Bewegung. (Beifall.) Es nutzt nichts, wenn man den Spiess umdreht und sagt: ״Ihr macht cs Ja verkehrt: das. was ihr tut. ist nicht im Sinne Herzls. Ihr seid es. die die Bewegung schädigen.“ Nein, meine Damen und Herren, die Erbschaft Herzls haben wir, der offizielle Zionismus, angetreten und kein anderer. (Beifall.) Die legitimen Erben Herzls sind nicht diejenigen, die angeben, es zu sein, sondern diejenigen, die das, was Herzl geschaffen hat, erhalten und weiter auszubauen suchen. Die legitimen Erben Herzls sind wir und kein anderer. Allerdings gibt es auch kleine illegitime Ideen, die Herzl momentan und vorübergehend ausgesprochen, — diese können die illegitimen Erben fiir sich in Anspruch nehmen, — für den Zionismus, den Herzl geschaffen, sind wir die wirklichen Erben. Wenn wir aber» die Erbschaft mit allen Rechten angetreten haben, dann sind uns aber auch grosse Pflichten daraus erwachsen, denn Rechte ohne Pflichten gibt es nicht. Unsere Pflicht ist es nun, das. was Herzl geschaffen hat. fortzufiihren und auszubaucn. und nun möchte ich die Frage an unsere Führer richten, ob sie bis Jetzt ihre übe*nommenen I’ilichten erfüllt haben, ob sie rieht durch Nichtigkeiten und Kleinigkeiten, durch Streitigkeiten und durch persön'iche Dinge, die hincingetragcn wurden, die Organisation geschädigt haben? (Grosser Beifall.) Ich muss aber noch weiter fragen, ich muss auch die Frage an die Masse richten: Habt ihr eure Pflicht getan? Habt ihr eure Pflichten getan, die Jeder, der der Bewegung angehört, erfüllen muss? Der VII. Kongress hat einen Parteifcnd geschaffen, zu dem jeder Zionist mindestens 5 Frauken oder 4 Schilling einmal beitragen soll. Das Aktionskomitee hat wiederholt erklärt und bekanntgegeben, dass dieser Parteifond geschahen werden muss, wenn die Leitung fnrtbcstehcn soll und in der Lage sein soll, die Geschäfte fortzuführen. Ich frage Sic, meine verehrten Damen und Herren, haben Sie diese Pflicht erfüllt? Haben Sio diese 4 Schilling schon bezahlt? Haben Sie jährlich den Schekel bezahlt? Haben Sie bei unsern Bankanstalten, die nichts geschenkt haben wollen, sich im entsprechenden Verhältnis zu Ihrem Vermögen beteiligt? Haben Sie für den Nationalfond gespendet? Haben Sie Ihre Pflicht getan? Dass in Russland und Österreich für den Parteifond noch nichts getan worden ist, lässt sich zwar mit der Not; die dort unter den Juden herrscht, erklären, aber nicht entschuldigen. Sind unter den Zionisten wirklich so arme Leute, dass sie •inmöglich die 5 Franken aufbringen können, so haben wir doch Gott sein Dank Wohlhabende und Reiche genug, die imstande sind, die ärmeren Gesinnungsgenossen auszulösen, indem sic höhere Beträge zahlen. Es gibt dafür keine Entschuldigung und speziell Österreich und Russland, die die grössten Anforderungen und Ansprüche an die Leitung gestellt haben, praktische Arbeit zu leisten, die immer zu kritisieren und auszusetzen haben, die hätten in erster Reihe die Pflicht, die Parteisteucr mit allen Mitteln durchzuführen. Aber hier, in England, in Amerika, wo Gott sei Dank Juden leben. liehen Rom in heissen, herrlichen Worten geschworenen? Nur diese eine Antwort noch, Efra, damit ich erkennen kann, ob auch Ihre Worte logen, so hässlich, so weh, als ob ern heuchelnder, schmeichelnder Piaffenmund sie gesprochen-;in meiner Seele sehnt die grosse Liebe nach der Wahrheit Ihrer tiefen, schwarzen Augen. Marga. * % Nichts vergass ich, nicht, dass in den Tageen meines Weheseins ein Gott mir gesandt Sie, meine Göttin, die Sie mir Liebe spendeten, nicht, dass ich voll tiefer Empfindung ehrlich und wahr diese Liebe erwidert. Nicht vergass ich, dass ich mich berauscht an Ihren Idealen, dass ich jubelnd zugestimmt der hohen Reinheit Ihrer Worte: vielleicht auch, dass ich geschworen, ergeben zu sein dem Menschentume und nur dem Menschentume. Was war ich gewesen, als in Rom Sie inich kennen lernten? Ein blutjunger Künstler, der gehungert nach Schönheit, der sich beraubte, als er nun in der Stadt ewiger Schönheit Sie sah, 0 Göttin, die Sie die Schönheit selbst zu sein schienen. Jedes Ihrer Worte w׳ar dem des Lebens und der Kämpfe des Tages Unkundigen Erfüllung seines Traumes, denn Sie kündeten Schönheit und kündeten es in in Schönheit. Alles gelobte ich, weil nichts ich verstand. Nicht, weil ich den Sinn, nicht, weil ich die hehre Bedeutung Ihrer Ideale würdigte, nicht weil Ich Ihre Lehr(en als richtig erkaffnt, .Ihre Gründe. Ihre Beweise gew׳ogen gegen die der Anderslehrenden, nein, w׳ei! Sie Schönheit gekündet in Schönheit, deswegen jauchzte ich Urnen zu, glaubte ich mit Ihnen eins zu sein: denn Schönheit, nicht Wahrheit wrar meiner Seele Sehnen-. Und es nahte die grosse, schmerzensreiche Stande, da unsere Seelen noch einmal einander zuiubeKen, da unsere Augen noch einmal so heiss, so mild tranken der Schönheft unendliches Erfüllen, und dann reichten wir uns die Hände, und Sie blieben in Rom, blieben in Ihrem Landhause, dort, wo das Leben der Menschen nicht hindrang und nicht der Lärm des Tages, wo Sic Schönheit, grosse, heilige Schönhc't genossen, und ich fuhr hinaus In die rauhen, ungastlichen Lande meines Geburtslandes, heim nach — Russland. Und da, als ich sah, wie der Kampf um das Menschenrecht geführt werden musste, wie meine Brüder und Schwestern litten, wie sie bedrängt wurden von den Menschenbrüdern, gepeinigt und gequält, |a, wie sic die Greise nicht schonten und die Jungfrauen entehrten, die Häuser verbrannten und das Brot ihnen stahlen, die Luft ihnen sperrten und von ״Menschentum“, von ״Kultur“, von ״Zivilisation“ dabei sprachen, als ob sie höhnen und spotten wollten der Armen, die da ״Juden“ sind, da, Marga, erwachte plötzlich und ungestüm, aber empfundener als das Ideal, das Sie mir gekündet, ein neues, grosses, heiliges Ideal: Jude sein! ,"1**»■»»*mtreiw! ״1!!;!ן**,-׳׳ ü!.״««n׳*n»,**f״,»w*׳w»P י** mm1