Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU, No, 16/17 Seite 140 - «י - 0«schenk gemacht hat, der dem jüdischen Volke eine Erbschaft hinterlassen hat, wie ihresgleichen in der Qeschichte nicht vorkommt, für alle Zeiten ein בי צריל, לביבה? nachzurufen. Wir haben volle Ursache, auch den Männern, die aas jüdische Volksvermögen — denn Baron Hirsch hat das Vermögen für das jüdische Volk hinterlassen — selbstlos verwalten, und der schwierigen und verantwortungsvollen Aufgäbe sich unterzogen haben, dankbar zu sein. Win haben volle Ursache, auf Edmund Rothschild stolz zu sein, der die jüdischen Kolonien in Palästina gegründet und geschaffen hat. Wir müssen auch den Begründern und Leitern des Hilfsvercins, der ״Alliance IsraC-Ilte Universelle“, der ״Anglo Jewisti \ssociation“ und aller anderen Vereine, die für das jüdische Volkswohl und für die jüdische Allgemeinheit arbeiten, auch unsern Philanthropen wie Lord Rothschild und Jakob Schiit dankbar sein. Aber diese Dankbarkeit darf uns nicht davon zurückhalten, eine gerechte Kritik zu üben und die frage aufzuwerfen: Was würden alle diese Organisationen und diese Männer erst schaffen können, wenn sie nach einem bestimmten Plane Hand in Hand arbeiten würden, anstatt, wie cs leider verkommt, einer gegen den andern? Wir haben oas Recht und sogar die Pflicht, diese frage zu stellen. Meine verehrten Damen und Herren! Die zionistische Organisation hat vor den anderen jüdischen Organisationen das voraus, dass sie auf einem demokratischen Prinzip auigebaut ist, während die andern jüdischen Hiliso־>ganis tii:men nach dem alten System der Wohltätigkeit, der Philanthropie, auf dem System des Autokratisnms eingerichtet sind. Das demokratische System bei uns hat den grossen Vorteil, dass wir stets in Kühlung mit den Volksmassen stehen, und das Volk selbst weiss am besten, was ihm not tut. v.׳o ihm der Schuh drückt: es hat ferner den grossen Vorzug, j die Öffentlichkeit für sich zu haben und der öffentlichen! Kontrolle unterstellt zu sein. Bei den andern Hilisorganisationen arbeitet meistens einer, ein einzelner, von dem die Ideen ausgehen. ein einzelner, der die Arbeiten machen muss, und manchesmal ist dieser einzelne nur der angcstellte Sekretär, der die Richtungslinie vorzeichnet Bei der zionistischen Organisation jedoch arbeiten alfe mit. Wir haben die Kongresse, die die Meinung des Volkes vertreten und die auch die Öffentlichkeit bilden und die öffentliche Kontrolle ausüben. Gewiss gebe ich gern zu. dass wir Juden noch nicht genügend politisch geschult sind, dass die Disziplin bei uns noch nicht so gut ist wie bei andern Völkern, die auf eigener Scholle, im eigenen Lande leben. Ich weiss es am besten, wie es noch bei uns damit hapert, denn ich selbst habe, seitdem ich die Leitung der zionistischen Bewegung übernommen habe, genug darunter zu leiden. Und dennoch, meine verehrten Damen und Herren, ist meine Position noch viel beneidenswerter als die der. anderen, die nur von einigen wenigen gewählt worden sind oder die sich gar selbst zu Vorstehern ernannt haben. Gern nehme ich die Schattenseiten mit in den Kauf, die eine übermässige Kritik mit sich bringt, denn wir haben dadurch auch den grossen Vorteil, dass wir Mitarbeiter haben, die mithelfen und!Mitarbeiten und die Verantwortung mit uns teilen. Mit einem kleinen Beispiel möchte ich Ihnen die Sache näher erklären: Vergleichen Sie einmal selbst ein Land, das demokratisch regiert wird, mit einem Land, wo die Autokratie herrscht und beantworten Sie sich selbst die Frage, in wclchem Lande besser regiert wird und wo die Bürger von den niedrigsten bis zu den allerhöchsten es besser haben, zum Beispiel in England oder in Russland. Und noch eines hat die zionistische Organisation den anderen voraus: Wir Zionisten wissen, was wir wollen und wohin wir wollen. (Orosser Beifall.) Und wir haben den festen Glauben, dass mit der Erreichung unsc es Zieles die Judenfrage im besten Sinne des Wortes gut und glücklich fiir alle Teile gelost sein wird. (Beifall.) Nun bleibt die Frage, die man schon sc! oft an uns gerichtet hat. zu beantworten. Die Frage: ״Ist denn der zionistische Plan durchführbar? Ist denn das. was dir Zionisten wollen, möglich? , Wird die Türkei, von der ja in erster und letzter Linie alles abhängt, ihre Einwilligtmg geben?“ Auf diese Frage haben wir schon oft die Antwort gegeben, heute aber kann ich mit viel grosserer Bestimmtlieit als früher darauf mic ״ja“ antworten. (Stürmischer Beifall.) Ja. es ist möglich, wenn Ihr wollt. Wenn das Jüdische Volk den ernsten Willen dazu und wenn es bereit ist. die Mittel, die dazu notwendig sind, hcrzugcbcii. Und die Mittel, die dazu notwendig sind, die können leicht atifgcbracnt werden, wenn es ernstlich will und wenn wir alle zusammen Hand in Hand gehen. (Orosser Beifall.) Ich habe es bereits verkündet und wiederhole cs mit voller Bestimmtheit, dass die türkische Regierung und die massgebenden Kreise in Konstantinopel immer mehr und mehr zur Cberzeugimg kommen, dass die Besiedelung Palästinas mit Juden nicht nur Iiir die Juden allein, dass sie auch für die Türkei die grössten Vorteile bringt. Von uns allen hängt es jetzt ab; wird das jüdische Volk jetzt seine Pilicht tun, dann wird, wie Herzl gesagt hat, cs kein Märchen sein. (Stürmischer Beifall.) Meine verehrten Damen und Heurcn! Ich sagte vorher, dass die zionistische Organisation das Glück hat, demokratisch eingerichtet zu sein. Das ganze Volk hat die Möglichkeit, mitzuarbeiten, seinem Wilien den nötigen Nachdruck zu geben und ihn in die Tat umzusetzen, und der. Wille eines Volkes ist eine Macht, denn das. was ein Volk ernstlich will, muss endlich in Erfüllung gehen. (Grosser Beifall.) Aber, meine Damen und Herren, Demokratie besteht nicht nur im Kritisieren, Das Kritisieren ist allerdings auch ein Bestandteil der Demokratie, aber nur ein kleiner. Die Hauptsache ist, dass alle mitarbeiten und dass ein jeder seine Pflicht tut. dass man nicht darauf wartet, dass die Führer alles schaffen sollen, dass sie allein alles tun. Das ist ja der Unterschied zwischen uns und den anderen Organisationen. Unsere Organisation ist auf Fremde . . . herumgehetzt von Land zu Land, und dir nrcht gönnend einen Ruheplatz für deine totmßden Glieder .... Deine Seele ist zerrissen und dein Körper blutet aus tausend tiefen Wunden . . . Wird nie wiederkommen für dich ein Pessach, wird sie nie wicderkcliren, <Be heilige Stunde, wo du die Lenden gürtest, den Wanderstab ergreifst und, einmütig geschart um de.'n altes Banner, auszichst nach deinem Lande, das dir zugeschworen von Anbeginn? Wird sic nie wiederkehren?.Und wann?. Briefe Von Gerhard Stein. Efra, in meiner Seele weint das grosse Sehnen nach Ihren tiefen, sclnvarzeu Augen. Das Glück, von dem einst Sie mir gekündet, als Sie sterbenskrank in Rom gewesen und ich Sie pflegen durfte, Sie selbst haben hartnäckig es von m!r, von sich gestossen, haben meine jubelnden Lippen verstummen lassen, mein fröhliches Auge mit Tränen gefüllt. Wie diese Wandlung? Vergessen, dass ich Ihnen treue Freundschaft gehalten, dass treue Freundschaft Sie mir gelobt? Vergessen, dass in schwülen Sommernächten meine blutroten Lippen Ihre schwarzen Locken in glühendem Sehnen mit leidenschaftlichen Küssen bedeckt-? Vergessen, dass Ihre wccsscn, schmalen Hände dankbar gestreichelt meine heissen Wangen, beruhigend, beseligend, vertröstend auf die Tage völliger Genesung? Und sprachen nicht auch Sie es dereinst aus, dass dann die Zeit des erfüllten Glückes gekommen, für mich, für Sie, dass wir hintreten würden vor d:e Menschenbrüder und sprechen: sehet, in Liebe gefunden, unsere Seelen geeint, unsere Herzen ineinanderscMagcnd, segnet unsere Liebe, dass es ein Bund sei für die Zeit unseres Lebens, ein Bund des Segen- * spendens, dcsGliickempfindens. Und wenn Ihre schwarzen Sehusuehtsaugen hinschauten in ferne Zukunftslande, sprachen Sie nicht alsdann, und unsere Kinder werden wir lehren: die Liebe, die einzige, unendliche Liebe zu allem, was lebt, zu allem, was gut und schön ist; dass die Seelen einander nur verstehen, dass die Herzen einander nur schlagen müssen und dass all das Andere nur! Böses und Garstiges sei; erfunden von denen, die das Hässliche suchen, all das Hässliche: die Feindschaft, den Kampf. Und fern von Religion und fern vom Kampf der Nattoiicn wollten wir Menschen schaffen, Menschen, fröhlich und lauter, reinen Herzens und tief an Seelen- Verständnis-. Vergessen, Eira, vergessen? Oder lächeln Ihre blassen Lippen über den Tränen Ihrer Jugend oder spotten Ihre Jetzigen Ideale den früheren, den im gött-