Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 138 No, 16/17 JOD ISCHE das nicht scsagthabe. so zeigt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte doch, dass er es gesagt haben könnte!“. Und wenn sich das die grosse KREUZ- ZEITUNG,gestattete, als man ihr nachwies, dass weder Montefiore jemals in Krakau, noch dass dort jemals ein Sanhcdrn stattgefunden habe, so darf cs nicht Wunder nehmen, wenn die kleinen Kläffer immer und immer wieder diese Lüge mit der den Retdifischen Schauer• romanen entnommenen und erlegenen Grossrabbinerreden als wirksamste Wafien in ihrem Streite gebrauchen. So wiederholten jetzt die DEUTSCHSOZIALEN BLATTER, denen gegenüber oft genug von Abwehrse'te die Lügenhaftigkeit dieser Behauptung uacligewiesen wurde, so dass sie Unkenntnis nicht vorschützen können, in einem ״Internationale Berichtersattung“ überschritte־ nen Artikel über die japanische Presse diese Lüge: ״Wer die Worte d:s englischen Hebräers Moses Montefiore kennt: ״Solange wir nicht die Zeitungen der ganzen Welt besitzen, 11 tu die Völker zu täuschen und zu betäuben, bleibt unsere Herrscheft ein HTngespinnst*', den nimmt dieser internationale Schwindel nicht weiter Wunder.“ Wir gehören keineswegs zu den Leuten, die in der Abwehr des Antisemisnius ihre Aufgabe erblicken. Wir haben wichtigere für das Judentum notwendigere posit:ve Arbeiten zu leisten. Aber cs Ist gut. dass die Juden sich auch einmal ein Bild davon machen, wie s'e jaliraus jahrein von Tausenden von grossen und kleinen Zeitungen und von Zehntausenden gewissenlos.r Ag:־ tatoren verleumdet und in den Schmutz gezogen werden. Und es gehört zu den obligat:» Pessachvorbercitungcn der antisemlrscheii Presse, solche Verleumdungen und Blutlügen in die Welt zu setzen. Und das ist es, was das Pessaeh des Galuth am schärfsten vom Pessach Im •eigenen Lande unterscheidet, als wir noch iiichtFrcmdlinge gescholten wurden in e:nem Lande, in dem unsere Väter vor zwei lahrtause.nden sieh 110irisch machte 11. Und wenn wir am Pessachabende, wo wir das Brot essen, das uns als Brot der Armut gilt, den hurgrigen Fremdling eingeladen haben und unser Fest d im begim c.1 mit der kindlichen Frage: ..Mali nisclitamiah liallajlöh hasseh mikkol hallclöt", wollen w ir uns erinnern, dass RUNDSCHAU unser Pessach im Galuth sich vom Pessacii der Freiheit unterscheidet, wie das sieghafte Volk im höchsten Aufstieg der Kultur von dem Nachkommen, der im Exile zittert, wenn ein Blatt vom Baume fällt. Und wir deutsehen Juden, die wir in einem Lande leben, in dem die Latt- und Licbermämier bezeichnende Persönlichkeiten der einflussreichsten Gruppe sind, dürfen r.oeh uns andern Stammesbrüdern gegenüber am allerwenigsten beklagen. Neun Zehntel unseres Stammes leben in solchen srzialen und politischen Verhältnissen, dass ein grösseres Elend nicht denkbar :st und dass nur noch der Hass der Judenieinde ebenso gross ist, wie das Elend der Juden. Das Judcncleiid, das Galuth, wie es auf hebräisch heisst, ist die Kraft, die dahin w irkt, dass auch einmal das Pessach der Zukunft kommen muss. Und wenn dann das Pessach der Zukunft פסה עתיד לפדיון שבויים ויצא יי ונלחם נמים zur Lösung der Gefnngciun geführt hat, dann werden wir wieder wie ehedem auf eigenem Boden singen das Lied Moses, unseres Lehrers: אשירה ליי בי נאה גאה כוס ורכבו רבה בים Das ist es, was uns das Pcssaehiest ausklinge» lässt in den ernsten und begeisterte׳! Ruf: לשנה הבאה בירושלם H c in r i e h S a c 11 s c. Präsident Wolffsohn in London Die Masscnvcrsa ni in 111 n g. die anlässlich der An- Wesenheit des Präsidenten W o 11 f s o 11 n in London a.n vorverik.ssenen Sonntagabend stattfand, nahm einen ebenso iniposauten, wie würdigen Verlauf. Die grosse Holborn Town Hall, die für die Versammlung genommen worden war. war schon lange vor Eröffnung übcriiillt. Und es waren nicht nur Londone־. Zionisten anwesend, sondern, auch die Provinzvereine hatten in grosser Anzahl ihre Delegierten zur Versammlung entsandt. Der Versammlungsraum war mit zionistischen Emblemen geschmückt, eine besondere Verkaufsstelle für zionistische Liiciatiir war errichtet, und die jungen Leute waren unermüdlich im Verkaufe •von Nationalfondmarken. Von den bekannteren Zionisten waren anwesend: Rev. Dr. Gaste r. Vorsitzender der English Zionist Federation, der Passah Skizze von Hans Goslar. Schwer liegt d:c Nacht auf Ägyptens Fluren . . .! dumpf brütend . . und mit schwerer Haud festhaJund alles Leben in ihrem mächtigen Banne. . . . Schwer ׳ sie, drückend schwer, . . unheimlich schweigend . . so drückend schwer und still, dass man fürchtet, dass die Natur sie länger nicht ertragen und, sich aufbäumend, dieser Stille Schauer verwandeln würde;11 donnerndes Getöse, durchbraust vom Aufruhr aller Elemente^.... Doch nichts gschieht; kein Flüstern nur oder Säuseln unterbricht mit rauhem Klang der Stille heilige Schauer.. und immer drückender und schwerer w ird die Nacht, . . es ist, als läge in der Luft ein Ahne״, Sehnen, Schauern . . c!11 Ahnen von etwas unend'ich Grossem, Erhabenem . . . Göttlichem. — Nicht ein Sandkorn regt sLh in der Wüste, . . erstarrt zu Stein liegt die gewalt ge Fläche. : — Und dort in der Pharaonenstadt, die sich emparhebt j schwarz und massig aus der schweigenden Nacht, hegt! es wie ein beängstigender Druck, wie ein schwerer Alp; auf den Schläfern5 . . stöhnend wälzen sie sich au! den Lagern, gequält von schweren, unheildrohenden I räumen. Es fiebert der Puls der Schlafenden, aufs Äusserste angespannt sind die Nerven ... sie bcbe.1 in wahnsinnige!, verzehrender Angst vor dem Unnatürlichen, Furchtbaren, das 1'm Anzug ist und das das schlafende Hirn kaum zu ahnen wagt.-— — Noch beängstigender, noch drückender wird das unheimliche Schweigen . . . die Schläfer krümmen sich zusammen in zäher, atetnraubender Angst vor dem Entsetzlichen, das kommen muss . . . jetzt kommen muss. Aus den Poren tritt der kalte Schweiss und das Herz krampft sich zusammen in fiebernder Erwartung. ... Und es kommt! . . . Ein leichtes Schwingen nur . . kaum vernehmbar . . . Vse rauschend . . durch Hiittcu, durch Paläste, mit eisig kaltem Hauch die Schläfer streifend, dass sie emporfahren mit gellendem Schrei . . . ״Das ist der Tod!“ —. Und dort drüben, wo das Elend in Hütten und Erdhäufen wohnt, wo Hunger und Not unter zerfTcnen Strohdächern hausen, ein Wispern und Raunen . . . Jue herzbeklemmende, atemlose Erwartung, ein sehnendes, heisses Hoffen und Verlangen und doch zuglei 11 Leben und Furcht vor dem U11fasslicl1*M1. Grossen und Neuen, was diese hv-'lige Nacht bringen soll . . . Und zitternd schmiegt sich in jeder Hütte das Kind an den Vater und flüstert: ״Sag doch, was ist es, was er. Mose, der Gewaltige, der Mann mit den Feuerungen, uns bringen will .was ist das nur: ,.die Freiheit?“ Und versonnen erw'dert der Vater: ,Ich!:em־e sie nicht,