Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Pessachvorbereitungen Zum Feste der Freiheit bereiten sich die Juden vor, indem sic aus ihrem Besitze in Anlehnung an uralten historischen Brauch alles Gesäuerte entfernen und v;r- Dichten. 11s ist das Fest, das an die schönste Jugend Isra^.s erinnert, a»1 d:e Zeit, .בצאת ישראל ממצריס בית יעקב מעש לע? wo Israel aus Ägypten zog und Jakobs Volk aus dem Stamme fremder Zunge. Es ist das Grund- und Nationalicst des hebräischen Stammes, bei dem alles Grosse und Erhabene an den Auszug aus dem Lande der Knechtschaft anknüpft; cs!ist das Fest des nationalen Mosaismus. In einem wunderbaren Wcchselgcsang des Josef bar Jaakob, der in einem nicht minder schönen!Jede von Rabbi JckuEcI bar Josef nachgedichtet wurde, wird das erste Pcssach des jüdischen Volkes, der Auszug aus Ägypten dcm dereinstigen Pcssach der Befreiung aus dem Galuth entgegengestcllt. Mit leuchtenden Färben wird die Freude an.der Freiheit beim Auszüge aus Ägypten gemalt, aber weit übertroffen und überstrahlt von dem Freudenglanze des Pessach der Zukunft. ״Am Pcssach der Zukunft, da werden heimkehren ihre Gefangenen aus Chamath und von den äussersten Inseln, Pcssach der Zukunft!“ und פסח בציו. ישודרו לגאלם: 'מלך יי לעולם ״Am Pessach in Zion werden sie singen ihrem Retter, und der Ewige wird König sem für Ewigkeit, Pessach der Zukunft". Für ein Freudenfest, an dem man nicht trauern soll, haben diese Sänger ihre tiefempfundenen Lieder gedichtet, und deshalb mussten s'c das Zwischenglied zwischen dem Freiheitsfest im Lande der einstigen Freiheit und dem Freiheitsfest im Lande zukünftiger Selbstständigkeit fortlassen, das Pessachfest in den Zeiten und Ländern der Verbannung. Und das ist trotz alles angeborenen und anerzogenen jüdischen Optimismus weniger fröhlich. Zu viele sind cs, die in feiger Fahnenflucht das Banner des alten Stammes verlassen haben und die die jüdische Ehre auf d'ese Weise in den Staub treten. Ganz besonders aber war es seit den Tagen, wo das Judenvolk aus der Heimat vertrieben . wurde, das Pessachfest, das von den gewissenlosen Feinden unseres Stammes dazu ausersehen wurde, die allergemeinsten Beschuldigungen und Beschimpfungen uns anzuhängen. Was hat man nicht in den Jahrhunderten, sc!t denen die Gerechtigkeit gegenüber der alles beherrsehenden Liebe veraltet sein soll, an Taten der Ungerechtigkeit und des Hasses an uns:1m Stamme geübt! ״Furchtbar haben sie Isreal bediängt, seit den Tagen seiner Jugend. Mit Pflügen haben r’e am* seinem Rucken hcrumgeackert“, und doch triüt dieses Psalmen 011 יי noch lange nicht den geringsten Teil der schmachvollen Unterdrückung und der schimpflichen Gewalttaten, die־ man seit zwei Jahrtausenden an unserin Volke geübt hat. Gleichwohl sind der Mord und die Vergewaltigung, die Bluttaten und die Plünderungen ein Kinderspiel, dagegen, wie man die Ehre des jüdischen Volkes in freventlichen Verleumdungen dauernd ■;n den Kot zieht. Hat doch eine gewissenlose Presse, die, wie das so zum Handwerk gehört, die Vertretung der Sittlichkeit und moralischen Weltregierung mit besonderem Eifer für ihre Aufgahe ausgibt, noch heute den traurigen Mut, unserem FreTieitsfest die aus ihrem eigenen den Juden völlig fremden Aberglauben stammende Beschuldigung anzudichten, dass sic des Blutes Ermordeter zu ihren Bräuchen bedürfen. In dem Augenblick, wo ein jüdischer Knabe bestialisch ermordert aufgefunden wird, benutzen diese Blätter der gutgesinnten Presse selbst die Mitteilung, wonach der Knabe unzweifelhaft erwüngt ist, zu der versteckten aber nicht minder deutlichen Wiederholung der infamen Liigc, dass der in Könitz totgeschlagene Gymnasiast, einem jüdischen Ritualmorde zum Opfer gefallen sei. Dass die Kriminalpolizei von so vielen Seiten Briefe erhält, dass es sich um die ״Schüchtung“ eines Christenknaben handele, konnte uns keinen Augenblick zweifelhaft sein. Wir wissen ja, w'e die antisemitischen Lügen von Damaskus und Xanten, von Pol na und Könitz fabriziert worden sind. Die Judenfeinde stehen eben auf dem Standpunkt, den s:e den Jesuiten andichten, dass der Zweck der Mittel heiligt. Und in welcher Weise sie diese Lügen immer und immer wieder auffrischcn, dafür ist ja die bekannte Verleumdung recht beze:chnend, die sie an den Namen des grossen Zionisten Moses Montefiore anknüpften. In dem Theodor Fritscheschen Antisemitenkatechismus wurde zu der Lüge des erdichteten Major Osman Bcy, dass auf einem-übrigens niemals stattgefundenen Sanhcdrin in Krakau ein ״hervorragender Jude“ im Jahre 1840 gesagt habe: So lange wir nicht die Zeitungen der ganzen Welt in den Hunden haben, um die Völker zu täuschen und zu betäuben, bleibt unsere Herrschaft ein Hirngespinst“, die weitere Lüge hinzugefügt,dass Moses Montefiore diesen Ausspruch getan habe. Als nachgewesen wurde, dass es sich um eine nichtswürdige Verleumdung handele, schrieb die tugendreine KREUZ- ZEITUNG in ihrer Nummer 6S vom 10. Februar 1891: ״Nehmen wir aber auch an, dass Sir Moses Montefiore