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Jüdische Rundschau · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 15 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 133 erfindlich« db sic einen so entwürdigenden und der Lage der \ Sache nach völlig nutzlosen Schritt wirklich unter-! nehmen sollen. Neue Repressalien Aus Warschau wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Die hiesigen ebenso wie die ausländischen Zeitungen biachten am I. April ein Telegramm aus Petersburg, wonach aui Anordnung des Ministers des Innern die Filialen der jüdischen AnsicdlungsgcSeilschaft, die in Warschau ihren Hauptsitz habe, in allen Gressstädten Polens und Russlands geschlossen worden seien. Es handelt sich hier um die vor zwei Jahren in Polen und Russland gegründete und legalisierte ״Jüdische I territorialistischc Gesellschaft‘‘ (Jcwish Tcrritorial Organisation ,.JTO‘•). deren Hauptsitz aber 11 i c h t, wie irrtümlicherweise im Telegramm angegeben, in Warschau, soudern in Kiew sich befindet. Der Warschauer Filiale ist bis jetzt noch immer kein direkter Auflösungsbefehl zugegangen, trotzdem steht aber die gemeldete Tatsache ausser jedem Zweifel. Der Grund dieser strengen Massnahme ist der hiesigen Filiale aber nicht bekannt. Die Nachrichten aus der Zentrale in Kiew lassen vermuten, dass hier wieder einmal das ..schwarze Hundert" die Hand im Spiel haben könnte. Und zwar soll es der Gehilfe des Kiewcr Generalgouverneurs sein, der die Abwesenheit seines judcnireiindlichcn Chefs benutzt haben soll, um eine Denunziation gegen die genannte Gesellschaft in Petersburg zu erstatten. Der finnische Landtag aufgelöst Aus Petersburg wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Seit der Einberufung des gegenwärtigen Landtages herrscht bereits ein zäher Kampf des zu einem grossen Teil oppositionellen Landtages gegen den mit dem russischen Regimc liebäugelnden Senat. Vor einigen Tagen war nun der erst vor kurzem berufene G e n e r a I g o u v e r 11 e u r von Finnland nach Petersburg gekommen, um dem Zaren das Riicktrittsgcsueli des Senates zu unterbreiten, das dieser infolge eines Misstrauensvotums des Landtages eiiizureichen beschlossen hatte. Nach'einer soeben bekannt gewordene:! Meldüng hat nun der Zar ■dieses Gesuch ahgelelmt uu den iinnisehen Landtag aufgelöst. Da die russische Regierung natürlich alles daran setzen wird, einen ihr gefügigen Landtag zu hekommen, so ist die Frage der Gleichberechtigung der timtischen Juden abermals hinausgeschoben worden, die in dem auigelösten Landtag wenigstens ernsthaft behandelt worden wäre, wenngleich ihre positive Lösung auch dort keineswegs sicher war. Vom rumänischen Antisemitismus Aus Bukarest wird u:1s von unserem dortigen -i-Korrespondeuteu geschrieben: Ein interessantes Vorkommnis bot die Kummersitzimg vom Freilag, den 20. März. Gelegentlich der zweiten Lesung des neuen Militürgesctzcs, das ln seinem ersten Artikel die M i I i - t ä r p f 1 i c 111 sämtlicher E i 1» w o h 11 e r R u m ä n i e 11 s fcststelh. hielt der berüchtigte antisemitische Universitüts- Professor Jorga eine Hetzrede gegen die Juden, die selbst liier, wo mau doch r.n vieles gewöhnt ist. noch ein gewisses Aufsehen erregte. Jorga verlangte, dass die Juden prinzipiell nicht in die Armee aufgenommen würden, damit sie nicht daraus das Recht hcrleitetcn. iiir sich •bürgerliche Rechte zu verlangen! Abgesehen \on den moralischen Schädigungen, die von den Juden der Armee zugefiigt würden, bedeuteten sie auch eine gesundheitliche Gefahr, da sie mit einer ansteckenden A ti g e n k r a n k 11 e i t behaftet seien. ( Wie unverschämt diese Behauptung generalisiert, zeigt die statistisch fcstgcstellte Tatsache, dass kaum ein Promille der jüdischen Soldaten an dieser Krankheit leiden!) Weiter tischte Herr Professor Jorga natürlich die alte Behauptung am, die Juden hätten im russisch-japanischen Kriege sieh grobe Pflichtverletzungen zu Schulden kommen lassen und hätten dort überhaupt gezeigt, dass sic Schädlinge ieder Armee seien. (Bekanntlieh wurde erst vor kurzem in der russischen Duma durch das Zeugnis, antisemitischer Kricgs-Schriitsteller das gerade Gegenteil erwiesen! Natürlich erwähnte der Herr Professor auch nicht dass die Juden in den Jahren Is7778׳ tapfer für die Unabhängigkeit Rumäniens in Bulgarien kämpften.) Schliesslich verlangte Jorga, man solle den Juden statt der Militärpiiieht eine hohe Militürstcucr auferlegen. Sogar die gewiss nicht jiidenfreundliche rumänische Kammer hörte mit grosser Ungeduld die lügenhafte Hetzrede dieses Demagogen an. und es fand sieh kaum eine zustimmende Acusserung von anderer Seite. Nun folgt aber die Komik dieser Geschichte. Herr Professor Jorga war in seinem blinden Judenhass so weit gegangen dass sogar der doch ebenfalls gut antisemitische Minister-Präsident Sturdza darauf hinweisen musste, welche Gefahr für Rumänien die Demagogie dieses Fanatikers hcraufbesehwören kamt. Der tapfere Professor. der sonst immer bereit ist, den Juden Feigheit vorztiwerfen, vcrlicss gleich zu Anfang der Rede des Minister- Präsidenten die Kammer. Sturdzas Rede wurde übrigens mit grossem Beifall aufgctiomtnen und findet in der ganzen Presse eine sehr wohlwollende Beurteilung. Man kann ans diesem Vorkommnis aber entnehmen, w ie weit wir in Rumänien bereits sind, wenn cs möglich ist. dass ein antisemitischer Minister-Präsident vor den Gefahren warnen muss, die ein antisemitischer Universitäts-Professor durch seine masslosut Hetzereien hervor rufen könnte! ׳י Polizeiübergriffe in Jaffa In Ergänzung unserer durch Spezialausgabe vom 31. März verbreiteten Meldung geben wir nachstehendes Telegramm des Miifsvereins der Deutschen Juden aus Kons t a n t i n op e 1 wieder: Die Ucbergriffe des Kaimakam von Jaifa haben sehr schnell ihre Sühne gefunden. Die bereits gemeldete Absetzung des schuldigen Kaimakam bestätigt sich. Am Donnerstag erhielt der Chacham Basel!v vom Hoie Sr. Mai. des Sultans die offizielle Mitteilung von der Absetzung. Der Sultan entbietet gleichzeitig den Juden seinen (iruss und drückt ihnen seine Sympathie aus. Dieses Verhalten des Suhans beweist, wie wir von vornherein betont haben, dass die Juden in der Türkei, und speziell in Palästina .des absoluten Schutzes der türkischen Regierung sicher sein können und dass trotz der bedauernswerten Vorfälle in Jaifa kein Grund zu irgendwelcher Beunruhigung vorüegt. Amerika Aus Washington wird gemeldet: Der Senat beschloss eine vom Senator aus Illinois vorgeschlagene Resolution, in welcher die Vorgänge in Russland schari verurteilt werden. Die Resolution weist zunächst daraui hin. dass der Kaiser von Russland der Anreger der Haager Friedenskongresse ist. woiür ihm die zivilisierte Welt den Dank und die Anerkennung nicht verweigert habe. Dann setzt die Resolution iort: ״Mit Rücksicht darauf, dass dem Kongresse der Vereinigten Staaten eine von zahlreichen, angesehenen amerikanischen Bürgern unterzeichnete Petition zugegangen sei. in welcher aui Grund offizieller, russischer Daten nachgewiesen wird, dass Frauen und Kinder. Greise und Krüppel — Menschen, die mit den Un- . ruhen in keinem Zusammenhänge stehen — verfolgt und gemordet werden, dass Gefangene in den Festungen und Geiängnissen gefoltert und gemartert werden, um aus ihnen Geständnisse und Denunziationen zu erpressen, dass ierner von der Polizei und Militär Pogrome angezettelt werden, um die Bevölkerung einzuscluichtern; mit Rücksicht weiter darauf, dass die Witwen und Waisen der Ermordeten, sowie in Armut geratene Opfer der Plünderungen in grosser Zahl in dieses Land ausgewandert sind und hier oft ihrer natürlichen Erm'ihrcr und Brotgeber beraubt — in grosser Not leben, wird beschlossen, dass der Kongress der Vereinigten Staaten sein Bedauern aiissmicht über derartige Gewalttaten und Unmenschliehkeiten. welche das Schaudern der zivilisierten Welt erwecken und den allgemeinen Fortschritt hemmen!" Kleine Mitteilungen Berlin. Das Jüdische Mädchenstiit. Lothringerstr. 16, gewährt nach seinem eben erschienenen 18. Jahresbericht in einen! besonderen, von der Hausmutter Frau Henriette Baer geleiteten Heim 15 unbemittelten jüdischen Mädchen vollständig \\u:utReUUehsn Unterhalt und hausw irtsehaftliehe Aushildung. Von den in: ganzen bisher in den Dienst entlassenen 97 Mädchen, im abgelaui'cuen Jahre waren cs wieder 5. sind weitaus die meisten ihrem Beruf treu geblieben und halfen bereits 19 für längeren, 2— II jährigen Dienst hei derselben Herrschaft eine Prämie von je *U> Mk. erhalten. Zur Fortführung seiner verdienstlichen Wirksamkeit bedarf das Stift, das int ganzen 990!'. d. 11. pro Kopf 669 Mk. ausgegcbcu hat (iiir Verpflegung 778 Mk. mehr als im Vorjahr) und ein Vermögen von 52 890 Mk. amweist, dringend grösserer Mittel. Vorsitzender sind Waisenhaus-Direktor Dr. Strclitz und Frau l*7r »swHEgyf

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