Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 15 ״ 1'y ד׳ י 11!fl rf I 1 .1;i '( t * \;! z;1 ז* I I I ו;; f ' k ׳* '*1 I * * J ׳ ׳1 ׳ 1 .! Seile 134 Julie Neumami. Die Generalversammlung. zu welcher auch Gäste willkommen sind, findet Dienstag. 24. d. Mts.. 6 Uhr. Schadowstr. 6 statt. Berlin. Der hebräische Sprachverein ״Sapha Bcrura** hielt am Montag, den 23. März in Simons Restaurant, Gips- Strasse 12a, eine Purimfeier ab. Zu Beginn gedachte der stellvertretende Vorsitzende der jüngst verstorbenen hebräisehen Schriftsteller J. Be׳schadzky und Jeh. Steinberg. Die Versammlung ehrte deren Andenken durch Erheben von den Plätzen. — Den Festvortrag des Abends hielt Herr Judejowitsch, während Herr Lcckscliin einige humoristische Kleinigkeiten unter grossem Beifall zum Besten gab. Da־auf folgten musikalische Darbietungen, an denen sich mit grossem Erfolge die Herren Cantor und Zaludkowski beteiligten. Besonderen Beifall fand das Morris Rosenfeldsche ..Das Jüngcle" (gesungen von Herrn Zaludkowski) in der Vertonung von J. Dymont, der in gefälliger Meise die Begleitung zu den Liedern übernommen hatte. Hannover. An der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer fand am 30. und 31. März die Aufnahmeprüfung statt. Vier Prüflinge. die in dieselbe cingetreten waren, bestanden. Posen. Die hiesige Israelitische Knaben-'Waiscu-Anstalt. hat in diesen Tagen ihren Freunden und Gönnern den Bericht über das 71. Jahr ihres Bestehens zugehen lassen. Mit besonderer Freude ist die fortschreitende Entwickelung der segensreich wirkenden Anstalt zu begriissen. die. ohne Unter- Stützung von Staat. Stadt oder Gemeinde, nur auf private Wohltätigkeit angewiesen, im vergangenen Jahre in der Lage war, 28 Knaben ein freundliches IHm. gesunde körperliche Verpflegung, Gelegenheit zu einer guten Schulbildung und alle Erfordernisse einer gedeihlicher, Entwickelung zu gewähren. Ausserdem hatte sie 4 ehemalige Zöglinge als Lehrlinge in ihre־• Abhut und bestritt die Kesten ihrer Ausbildung. Nur durch sparsamste Wirtschaftsführung war es bei der allgemeinen Preissteigerung aller Lebeiisdcfiirinisse möglich, mit den für die laufenden Ausgaben zur Vertilgung stehenden Mitteln den Ford_e־ungcn der modernen Waisenpflege nahe zu kommen. Der tägliche Satz für die Mundvcrpflcgung betrug pro Kopf 55 Pf. Dabei war die Verpflegung gut. wie der günstige Gesundheitszustand und die stetig fortschreitende körperliche Entwickelung der Knaben zeigt. Die für das häusliche Leben und für/ die Unterbringung in den einzelnen Schulen dargclcgten Grundsätze und Erwägungen lassen erkennen, dass die Verwaltung mit ernstem Eifer bemüht ist ihren Pfleglingen ein möglichst günstiges und glückliches Elternhaus zu ersetzen, sie für einen geeigneten Berui vorzubereiten und auch später noch mit väterlichem Rate zu unterstützen. — Der Kassenabschluss zeigt nur einen geringen Überschuss der laufenden Einnahmen gegenüber den Ausgaben so dass eine Erweiterung der Fürsorge, wie sie die Waisenpflege nach den Anforderungen unserer Zeit verlangt, nur bei gesteigerten Zuwendungen zu ermöglichen ist. Wir wünschen, dass dem segensreichen Streben die Gönner nicht fehlen möchten, die das schöne Werk der Menschenliebe zu fördern bereit sind. In Kastei gibt es eine alte Synagoge, die aber das Jahr über geschlossen bleibt, da in Kastei nur 10 Juden leben, bei über 9000 Einwohnern. Nur an den hohen Feiertagen öffnet man das Gotteshaus, das kostbare Tliorarollen birgt, nachdem man sich den Vorbeter und Syumrogenlwsticher aus Mainz hat kommen lassen. Unter diesen Umständen wird jetzt nach der Eingemeindung voraussichtlich die israelitische Filialgetneindc aufgehoben werden. Wien. Die Funktionäre des ..Israel. Humuititütsvcreiiies zur Ausstattung heiratsfähiger Töchter‘־, der auch in Prag eine Filiale hat. wurden heute in Hait genommen, und zwar: der Obmann Isak Gelber. Sekretär Markus Kozel und Buchhalter Wesseli. — ln der letzten Generalversammlung war den Funktionären vorgeworieu worden, dass sie mit den Geldern des Vereines statutenwidrig umgegangen und dieselben zu ihren eigenen Zwecken verwendeten. Die Polizei schritt ein und nahm heute die Verhaltungen vor. Der Obmannstell- Vertreter wurde mit der Weiterleitung des Vereines betraut. Ausweisungen aus Kiew Aus Kiew erhält der Hilisverein der Deutschen Juden folgendes Telegramm: Die Ausweisungen derjenigen Juden, die ihr Wohnrecht nicht nachw׳eisen können, werden immer umfangreicher. Freitag Nacht nahm die Polizei in Kiew wieder massenhafte Haussuchungen vor. bei denen 84 Juden verhaftet und aus der Stadt verwiesen wurden. | Nächstenliebe — nicht Gerechtigkeit Aus Moskau wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: , . Der hiesige Stadthauptmann hat jüngst abermals einen Beweis seines echt russischen Empfindens der ganzen ztvilisierten Welt geliefert. In einem den örtlichen Polizeirevieren zugestellten Erlass wird von diesem Menschenfreund folgende Verordnung getroffen: , ״In vielen privaten Krankenhäuser» befinden stell kranke Juden, deren Wohnrecht für Moskau zweifelhaft Ist. Die Quartieraufscher werden daher aufs nachdrücklichste angewiesen, von allen Besitzern der privaten Krankenhäuser die schriftliche Verpflichtung cinzufordern, dass sie unter keinen Umständen einem krank e 11 Juden An!'nah nie gewähren, der sich über sein Wohnrecht für Moskau nicht ausweisen kann.“ Diese unmenschlich grausame Verordnung verdient wahrlieh die Elirenmedaillc des echt russischen Verbandes! ״Na wyjesd!“ Aus Petersburg wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Auf den hiesigen Polizeirevieren wird das W o 11 n r 0-c 111 der hier ansässigen Juden von neuem einer strengen Nach- Prüfung unterworfen. Vjt*!e jüdische Handwerker haben Bereits ihre Pässe zugcslellt erhalten mit dem üblichen Vermerk, dass sie innerIiall) bestimmter Frist Petersburg zu verlassen hätten, wie es auf *russisch lakonisch heisst: ״Na wyjesd!“— Die ärmeren jüdischen Volksschichten werden von dieser allen elementaren Menschenrechten hohnsprcchendcn. Behandlung natii licli auis schwerste getroffen. Moskau. Die Verwaltung der Moskauer Techmselien Schule hat vom Ministerium für Volksaufklärung die Anfrage bekommen, wie gross die Prozcntnorm der jüdischen Studenten im Verhältnis zu der Zahl übriger Studenten der Hochschule ist. Wie bereits uiitgeteilt worden ist. wird allgemein darüber gesprochen, dass.der neue Bildungsminister Schwarz die Prozentnorm bei Aufnahme der Juden in höhere Lehranstalten bcibehalten will Zionistisches Palästina-Amt Wir werden um Veröffentlichung der folgenden Mitteilung ersucht: Das Palästina-Ressort des Zionistenkongresses richtet an die jüdischen Zeitungen die Bitte, Freiexemplare ihrer Publikationen dem neu eingerichteten Palästina- Amt, p. Adr. Herrn D r. Arthur R11 p p i n, Jaffa (Palästina), übersenden zu wollen. Zur Beachtung. Herr Dr. L 0 e \v c teilt uns mit, dass er einen Brief von Herrn Rabbiner Dr. S a I o Stein. Rabbiner des Berliner Synagogenvcrcins Aliawas Scholaum erhalten hat. worin Herr Rabbiner Dr. Salo Stein unter Bezugnahmc aui den Artikel der JÜDISCHEN RUNDSCHAU ..Kreppchen nach Purim" ihm mitteilt, dass er im Sanatorium ..Kurhaus Schlachtensee mit ritueller Küche“ wohne und die rituelle Küche unter seiner dauernden Aufsicht habe. Dass rierr Dr. Siegfried Placzek evangelischer Konftssion und Kircheiivorstandsmitglied der Zwölfapostelgenieinüe. und dass der andere dirigierende Arzt Dissident und dessen Frau Christin ist. ist von keiner Seite bestritten worden. Wir müssen es Herrü Rabbiner Dr. Stein überlassen, in dem Gemisch der Religionen im Kurhaus Schlachtensee den richtigen Weg 7.11 finden. Persönliches. Unsere Gesimmgsgenosscn Rechtsanwalt Dr. Leo Landau und Fräulein Charlotte Mühsam, beide in Lübeck, haben sich verlobt. Unser Gesinnungsgenosse Samuel Goldrelel» in Trier bat sich mit Fräulein Else Treu, der Tochter unseres Freundes Daniel Treu, in Essen vermählt. __ ( Unser Gesinnugsgenosse Dr. jur. Bruno Blau hat sieh in Berlin als Rechtsanwalt niedergelassen. Sein Bureau befindet sich vorläufig NW. 23. Fiensburgcrstr. 8. Sein 25jal1riges Dienstjubiläum begeht am 14. April der Ober-Postschaffner Joel Ktrchheim beim Kaiserlichen Briefpostamt. wohnhaft Blankeufclderstr. 3. Ihnen allen unsere besten Glückwünsche. :*1 1 «(!,!׳■1״ um.׳«!.! ««י *י־?" חיי T ^י*!יו*ייו?ו,^ י■ vrfjffipn 1וי % 4'