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Jüdische Rundschau · 1908-04-10 · Heft 15 (10.4.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ני:1 No. 15 dürfen. Auch wurde ihnen gestattet, bei besonders wichtigen Beratungen die Gemcinde-Acltesten durch eine daselbst angebrachte Glocke zusammen zu beruien. Das alte Gebäude brannte im Jahre 16S9 nieder, ein zweitcsmal irn Jahre 1754. Das gegenwärtige Gebäude wurde im Jahre 1765 aufgeführt. Es ist ein langes, schmales, zweistöckiges Gebäude, dessen Fassade Lisenen beleben, die korinthische Kapitale tragen. Das Mansardendach trägt in der Mitte einen kupiergedeckten Turm von schönen Formen, in seinem unteren, mit einem Gitter versehenen Teile die bekannten Zifferblätter mit arabischen und den verkehrt zeigenden hebräischen Ziffern. Ueber dem Portal, welches fetzt vermauert werden wird, findet sich die Jahreszahl 1765. da dieser hervorragende Barockbau aufgeführt wurde und ein Schwedenhut, den im Schilde zu führen den Juden von Ferdinand III. gestattet worden war. Das Gcdcnkbucli der Prager Maurergenossen־ Schaft führt als Erbauer des Rathauses in seiner gegenwärtigen Form Josef Schlesinger an, der. in Breslau geboren, sich später in Prag niedergelassen hat. Auch die an den Hintertrakt des Rathauses stossendc Hochsvnagogc wird erhalten bleiben. Durch die Demolierung der alten ..Schnupiengassc“ musste der Zugang zu ihr in das gegenüber der Altneusynagoge gelegene Gässchen verlegt werden. Aus welchem Jahre die Hoch- Synagoge stammt, wurde bisher nicht festgcstellt. Der Prager Archivar Dr. Feige fand deren Erwähnung im Jahre 159.1, da der Name gelegentlich eines Prozesses vorkonunt. Reaktio ו in Galizien « Wenn wir uns noch vor kurzem mit der Hoffnung trugen, dass in Galizien bessere Zeiten cintrctcn werden, wenn wir damals noch glaubten, dass ein demokratisches Regime Platz greifen wird, haben uns die Ereignisse der letzten Zeit klar bewiesen, dass von alledem keine Spur vorhanden und dass in Galizien kein Boden für eine wahrhaft demokratische Politik ist. Zuerst haben in Galizien die ״Fortschrittlichen Demokraten“ die Rolle von wahren Freiheitskämpfern gespielt. Sie haben wirklich eine Zeitlang, besonders zu Lebzeiten ihres Führers Rotter. eine wahrhaft demokratische Politik getrieben, sie sind für das allgemeine Wahlrecht cingetreten und haben viel zu dessen Durchführung beigetragen. Während der letzten Reichsratswahlen aber verschwand diese Partei vom politischen Schauplatze. Sie war — um der Wahrheit Raum zu geben — dazu gezwungen, denn sie musste einsehen. dass im polnischen Volke kein Sinn für wahren Demokratismus zu finden sei. Deshalb gab diese Partei ihre Parteiprinzipien auf. vereinigte sich mit den übrigen polnischen Parteien, suchte sich mit allen galizischen Mitteln Mandate zu sichern und eroberte trotz aller Ucbcrgriffc bloss drei Wahlbezirke. Bis auf den Namen also war diese Partei verloren gegangen. Zur selben Zeit, als die Fortschrittlichen Demokraten zu leben aufhörten, trat die polnische ״Volkspartei" auf. übernahm das Ruder und die Leitung der polnischen Demokratie in Galizien. Diese Partei schien anfangs eine ehrliche aufrichtige und demokratische Politik treiben zu wollen. Mutig trat sie gegen die Schlachta auf und bekämpfte rücksichtslos ihren Wahlschwindel, ln Galizien und in parlamentarischen Kreisen war man von dieser Partei begeistert, man bewunderte ihren Wahlschwindel. In Galizien und in parlamentarischen Kreisen war man von dieser Partei begeistert, man bewunderte ihren Radikalismus und glaubte, mit ihrer Hilfe der Schlachtawirtschaft ein Ende bereiten zu können. Sogar unser Abg. Stand äusserte sich einem Interviewer gegenüber, dass er eine Stütze iti den Sozialdemokraten und der polnischen Volkspartei suchen werde. Aber nicht lange war es den Oaliziancrn gegönnt, diese Hoffnungen in! Herzen zu tragen. Als die Volkspartei die Schwelle des Parlaments übertrat, legte sie die radikale Maske ab. Von allen Seiten kamen Gerüchte über intime Beziehungen der Volkspartei zum Polenklub. In Galizien wollte man aber diesen Gerüchten keinen Glauben schenken, man vertrabte der Volkspartei und sträubte sich, diesen Glauben fallen zu lassen. Tatsachen sollten uns aber von der Wahrheit dieser Gerüchte überzeugen. Es kamen die Landtagswahleu in Galizien und die Volks- Partei schloss einen offenen Wahlkompromiss mit den Konservativen, mit der so verhassten Schlachta. die sic früher unter dem Vorwände des Demokratismus bekämpfte. Der Glaube war erschüttert; inan begann zu misstrauen. Doch die Optimisten wollten noch immer nicht verzweifeln, sie meinten, der Wahikompromiss werde ohne jeden Einfluss auf die Stellung der Volkspartei bleiben, sie werde auch weiterhin wie bisher JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 131 eine unabhängige demokratische Politik führen. Doch es kam anders. Auf dem Kongress der Volkspartei in Rzcszöw, der am 5. März stattfand, beschloss sie — wenn auch noch nicht formell — dem Polenklub beizutreten. Uns kam diese Nachrieht nicht unerwartet, wir waren darauf gefasst, denn sie war nur die logische Konsequenz der Wahlvercinigung. Es liegt nun klar zu Tage, dass die Volkspartei sich mit der Schlachta vereinigte, um im Lande wie auch im Parlamente gemeinsam mit den Schlachzizen reaktionäre Politik zu betreiben. Aber auch dieses Ereignis hätte nicht so sehr irritiert, wenn sich nicht ein anderer wichtiger Umstand zugescllt hätte. Es ist doch klar und selbstverständlich, dass die Volks- Partei Jetzt nicht mehr den Wahlschwindel bekämpfen kann. Die Schlachta wird also keine ernste Opposition zu fürchten haben und wird daher wieder die frühere Wirtschaft einführen, sie wird wieder ihre alten Hilfsorganc. wie das gutbekannte galizische Zentralwalilkomitee und andere ähnliche Maschinen in Bewegung setzen, um jeden freien Gedanken zu unterdrücken. Jede demokratische Betätigung wird lahm gelegt werden. Einen Beweis dafür hatten wir schon während der Landtagswaliien. als die Schlachta sich im Vorgefühl ihrer Sicherheit bestrebte, alle freiheitlichen Elemente zu verdrängen. In Ostgaliz'ien benützte sie alle Wahlkünste, um die ruthenischen Demokraten an die Wand zu pressen und verhalt den rutlienischcn Konservativen, den Russophilen zum Siege. Diese politische Acndcruug wird die galizischen Juden sehr hart treffen, die Schlachta wird mit doppelter Macht den Kampf gegen die Nationaljuden aufnehmen. Und gegen uns stehen jetzt alle polnische Parteien und der mächtige, reaktionäre. rücksichtslose Polenklub. Wir Juden müssen Jetzt zu einem harten Kampfe vorbereitet sein, wir müssen alle unsere Kräfte sammeln, um in diesem Kampfe die Oberhand zu behalten. Rzöszow. W i e s e n f e I d. Aus der Prager SELBSTWEHR. Kroatien Kroatien geht stürmischen Zeiten entgegen. Der oppositionelle Landtag wurde vertagt. Die Strassendcmonstrationen nehmen kein Ende. Aut dem aufloderndcn Feuer scheinen Antisemiten ihr Süppchen kochen zu wollen.’ Wie Pilze schicssen in Agram antisemitische neugegriindete Blätter aus dem Boden. J. Kannengiesser. der seiner Q?־ sinnung nach zu den Christlich.Sozialen gezählt werden darf, gründete eine Wochenschrift ANTISEMITA. Obradovic gibt zwei Blätter antisemitischer Richtung heraus: PUTNIK (Wanderer) und REBACH. Das Organ der fortschrittlichen Volkspartei — POKRET ist ebenfalls antisemitischer Couleur. Man sieht, eine stattliche Anzahl von Neugründungen, samtlieh in kroatischer Sprache. Dafür beginnt in nächster Zeit im benachbarten Belgrad ein zionistisches Organ in serbischer Sprache — EVREJSKI GLETNIK, Jüdischer Bote— zu erscheinen. , _ ci■': Zur Aktion Hilsne׳' Wien. Bekanntlich hat der letzte Distriktstag eine Resohition gegen die Begnadigungsaktion Hilsner und fiir die Wiederaufnahme des Prozesses einhellig angenommen und dem ncugewäliltcn D. K. die Ausführung dieses Beschlusses übertragen. Das D. K• hat sohin dem Vereine zur Abwehr des Aiitiscmitsmiis als dem Veranstalter der Elbogcn-Vcrsamtnhmg im Soficnsaale die Resolution des Distriktstages brieflich bekaiintgcecbeit und ersucht festzustellcii. dass die BcguadigungsaUtion nicht als solche des Judentums ausgegeben werden dürfe. Zugleich w׳urde Herr Rcichsratsahgcordncter Dozent Dr. Mahler designiert, wenn es nach der Situation nötig sein sollte, im Sofiensaale selbst die Resolution mit einer kurzen Begründung vorzutragen. Die Herren Dr. Mahler und Dr. Zweig suchten Herrn Dr. Eibogen am Tage der Versammlung auf und dieser sagte zu, dass er gleich am Anfänge seiner Rede mit allem Nachdruck betonen werde, ausschliesslich namens Hilsners und seiner Mutter und nicht namens irgend einer Korporation, am wenigsten der Judenschaft, zu sprechen, dass ferner eine Resolution bei der Abstimmung nicht vorgelegt w׳erde und dass eine Diskussion mit Zulassung von Rednern aus der Mitte der Versammlung überhaupt nicht beabsichtigt sei. übrigens werde er den Rechtsstandpunkt in seiner Rede auf das schiifste betonen, wie er ja überhaupt das Gnadengesuch nur als eine Form betrachte, dem Kaiser auf das Vorliegen eines Justizmordes aufmerksam zu machen. Wenn die Zionisten dennoch das Wort wünschen sollten, müssen sie es am Abend selbst von dem Einberufer der Ver-

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