Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 113 No. 12 Am 7. Dezember' 1907 beging 4er Verein sein IV. Stiftungsfest, das besonders durch die Festrede des Herrn Dr. Ed. Bibe־tcld: ״Die Forderung des Tages“' verä schönt: wurde. Die Fuxensfunde, die sich immer mehr als segensreiche Einführung erweist, leitete in vortrefflicher Weise Herr cand. phil. M. Munk. Der ncugewäliltc Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren: cand. phil. M. Munk, 1. Vorsitzender.* Dr. Meier Hildesheimer, 2. Vorsitzender; stud. ehern. W. Halberstadt. 1. Schriftführer; stud. phil. Hartwig Carlebach, 2. Schriftführer; stud. med. Ivan Haarburger, Kassierer. Alle Zuschriften, Anfragen. Beitrittserklärungen bitten wir an den 1. Schriftführer stud. chcm. W. Halbers ׳t a d t, Berlin SW. 19, L i n d e n s t r. 60/61, zu richten. Berlin. 10. März 190s. Israelitischer Fortbildungsverein Montefiore. Letzten Mittwoch fand wie alljährlich die ordentliehe Generalversammlung des Israelitischen Fortbiidungsvereins ״Montefiore“ statt. Die überaus rege Beteiligung lieferte einen neuen Beweis für das Interesse, dessen sich der Verein in weiten Kreisen zu erfreuen fiat. Nach Kr- Öffnung der Versammlung gab der Vorsitzende an der Hand des gedruckt vorliegenden Jahresberichts einen Ueberblick über das abgelaufene Vercinsjahr. Als besonders bemerkenswert sei nochmals die bedeutende Vergrösserung der Vereinsrfuimc und die Einrichtung neuer Schiurim erwähnt. An den Bericht des Vorstandes schloss sich unter starker Beteiligung der Mitglieder eine lebhafte Diskussion, die dem neuen Vorstände eine Fülle von Wünschen und Anregungen brachte. Den Schluss der Versammlung bildeten die Neuwahlen des Vor* Standes. Es wurden gewählt zutu: 1. Vorsitzenden Herr Ed-!!•und Lev y. 2. Vorsitzenden Herr James Halbcrstadt. Schriftführer Herr Jacob Kcmpc. Kassierer Herr David G I ü c k s t a d t. Bibliothekar Herr Pr. ־ James Ellen- I) o g e n. zu Beisitzern die Herren Adolf Rcnzcr und Heinrieh Frei rieh. Auch das Jahr 1907/OS hat von neuem gezeitigt, dass der Montefiorc-Vcrein ein Faktor im Leben der gesetzestreuen jüdischen Jugend Berlins geworden ist, und wir wünschen ihm von Herzen auch für das kommende Jahr den vollsten Erfolg für seine Ziele und Bestrebungen. Der SCHLEMIEL, die ebenso illustrc wie illustrierte Zeitschrjft für jüdische Politik, Kunst, und überhaupt für jüdischen Witz und Humor, ist zum Purimfest wieder erschienen und darf sich einer ebenso freudigen wie warmherzigen Aufnahme ireuen. Es sind die alten wackeren Mitarbeiter dem Blatte treu geblieben, von denen wir ausser dem Herausgeber Max Jungmann noch Emil Simonson und Theodor Zlocisti nennen. Alle haben wiederum Vorzügliches geleistet. Das Einleitungsgedicht behandelt dei Enteignung der Polen. Dann folgt ein hochinteressanter und dbciaus witziger Brief unseres lieben schwarzen ehemaligen Gesinnungsgenossen Mbwapma Jumbo, der aus West-Marokko über das neueste Land jüdischer Kolonisationsträume berichtet. Das Judenaiifbeiss für den jüdischen Konfirmandenunterricht ist ebenfalls recht witzig. Von hervorragender Wirkung ist die Komik in den Rosenthalschen Zeichnungen. Uebcr die Koufirmandenfeier selbst berichtet der Wittenauer Korrespondent des SCHLEMIEL. Doch es Ist ausgeschlossen, in einem kurzen Referat^ den vortrefflichen Inhalt auch nur andeutungsweise zu verzeichnen und da wir keine Absicht haben, unsere Leser auf die Folter zu ,spannen ,zumal nicht am heutigen Schuschan- Purim, so getxen wir ihnen nur den wohlgemeinten Rat, sien schleunigst in deu Besitz einer SCHLEMIEL-Nummer zu setzen, ehe die Auflage des hochinteressanten neuen Jahrgangs, der, so wie er vorliegt, nur 30 Pfennig kostet, völlig vergriffen ist. Kleine Mitteilungen Neuwied a. Rh. Am Dienstag, dem 10. d. Mts. fand in unserer .Gemeinde die Repruscntintcnwahl statt. Fast zwei Drittel der Gemeinde schritten an die Wahlurne. Besonders bemerkbar machte sich der Modus der geheimen Wahl. Fast sämtliche von der Opposition aufgestcllten Kandidaten wurden gewählt, u. a. auch ein Schweinemctzger und ein zweiter, der fünf Jahre an die katholische Kirche Neuwieds Steuern gezahlt hat. Die Wahl ist wohl als musterhaft zu betrachten, da es schwerlich in Deutschland eine zweite Gemeinde gehen wird, die derartige Fortschritte aufweisen kann. Hoffentlich findet dieses Muster keine allzu eifrige Nachahmung. J—n. Rheda (Wcstf.) Das Kollegium der Stadtverordneten stimmte der (von der Synagogcngcmcinde bei der Regierung beantragten) Umwandlung der jüdischen Privatschule in eine öffentliche Schule zu und beschloss zugleich, der Jüdischen Gemeinde Rheda den ihr durch die Uebernahme der evangelischen und katholischen Schulen auf den Kommunal- ־ etat erwachsenden Mehrertrag an Gemeindesteuern (für 1908 sind es 9*11 Mk.) alljährlich zu erstatten resp. als Beihilfe zu zahlen. Seit über HK) Jahren bilden die jüdischen Gemeinden Rheda, Wiedenbrück und Herzebrock (in der Landgemeinde Nord-Rheda und Ems Imt nie ein Jude gewohnt) einen gemein* sanier! Schulverband. Die Stadtverordneten erklärten, dass sie gegen die Fortsetzung dieses althergebrachten Verhältnisscs nichts cinzuwendcn hätten, falls der politischen Gcmcindc Rheda dadurch keine Mehrkosten erwüchsen. — Wenn die bisherige Privatschule den Charakter einer öffentlichen Schule erhält, woran nicht zu zweifeln ist. wird die Regierung wohl zunächst ein neues Schulgebäude fordern. Dahingegen würde fortan ein Staatszuschuss von 500 Mk. gewährt werden, und der jüdische Lehrer erhielte Pensionsberechtigung. München. Das antisemitische DEUTSCHE VOLKSBLATT in München, dessen Herausgeber. Wcnng. Geschäftsführer des B u ird e s d e r Landwirte für Bayern ist. schreibt in seiner Nummer vom I. März: ״Wem! man gegen die Polen Ausnahmegesetze machen kann, kann man sic auch gegen die Juden schaffen. Vielleicht wird von antisemitischer Seite einmal der Antrag eingebracht, das Vermögen unserer jüdischen Banken. Millionäre und Milliardäre zu expropriieren. Ein nationales Interesse läge dafür unstreitig in weit höherem Masse als bei dem Anti- Polengesetze vor.‘ Er hätte sich auch das Q c w 0 h n 11 e i t srecht, Juden zu expropriieren, berufen können. Zuriickgewiesene Einwanderer. in England sind im Jahre 1907 allein 802 Einwanderer zurückgewicse» worden, weil sie die verlangten 5 Pfund Sterling (101 Mark) nicht als ״Vermögen*־ nachwcisen konnten. Ungeiähr die doppelte Zahl ist aus anderen Gründen (Krankheit usw.) zurüekgcwieseu worden. Der staats״efahrliche Dialekt Die von der zionistischen Gruppe veranstaltete Versamm* lang zur Feier des 25 jährigen Bestehens der ersten zionistisehen Gruppe in Russland wurde von der Polizei ge* schlossen, da ein Redner in jüdischer Mundart sprechen wollte. — Seit Jahrhunderten sprechen die Juten in Russland ihren Dialekt, für den viele sogar den Namen einer .Sprache‘ beanspruchen, und nun plötzlich •st er staatsgefährlich geworden. Persönliches Der Verein Jüdischer Studenten In Königsberg i. Pr. erfüllt die traurige Pflicht, seine lieben A.H. A.H. und i cl B. i. a. B. von dem am 11. März in Königsberg criolgten Hinscheiden seines lieben Aktiven stud. med. Bernhard Rubinstein (V. J. Stk. XX, V. J. Stf.) geziemend in Kenntnis zu setzen. Er verliert mit dem zu früh Verschiedenen einen eiirigen, pflichtbewussten und pflichtgetreuen lieben Freund und Bundcsbiudcr, der für das Wachsen und Gedeihen unseres Vereins unablässig bemüht gewesen, einen hoffnungsvollen, von heisser Liebe zum Judcntume erfüllten Mitstreiter, in unserem Kampfe. Sein Andenken wird nicht verlöschen in unserem Kreise Unser Gg. Hof- und Ge*ichts-Advokat Dr. Egon Zweig hat seine Kanzlei in Wien I, Schulerstr. 18, eröffnet. Unser alter Gesinnungsgenosse Dr. Alfred Klee hat sich in Berlin als Rechtsanwalt niedergelassen. Er übt die Praxis in Gemeinschaft mit unserem Gg. Rechtsanwalt Gronemann aus.__1!!ן : Literarische und geschäftliche Mitteilungen Die Haniburg-Amerlka-Llnle meldet: Nordamerika: D. ßadenia, nach Boston und Baltimore. 13. März 3 Uhr morgens Cuxhaven passiert. D. Bcthanla,!2. März 5 Uhr morgens von Boston nach Baltimore. D. Bosnla, von Baltimore konmieiul. 12. März 12 Uhr 10 Min. mittags Lizard passiert. D. Hamburg, von Genua nach New York, 12. März 11 Uhr morgens in Neapel angekommen und 7 Uhr 15 Min. abends weitergegangen. D. Mecklenburg (Chartcrdampier). 11. März 7 Uhr abends in Ncworleans. D. Pallanza. nach Philadelphia, 12. März ll Uhr 25 Min. morgens Lizard passiert. D. Pretoria, von New York kommend. 12. März 11 Uhr 30 Min. morgens Dover passiert. Westindiern Mexico. Südamerika: D. Fürst Bismarck, 12. März von Tampico nach Vera Cruz. D. Granada, 12. März 2 Uhr morgens von Buenos Aires direkt nach Hamburg. D. König Wilhelm 11״ nach dem La Plata, 12. März 1 Uhr nachm, von Vigo. D. Nlearla, von der Westküste Amerikas kommend. 11. März in Montevideo. D. Niederwald. 12. März in St. Thomas. D. Pisa, nach dem La Plata. 12. Marz 4 Uhr nachm, in Cadiz. D. Westphalia. nach Westindien, 12. März 1 Uhr nachm, von Grimsby. '*יו י*'*y?*»