Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651565--05525-2662553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 114 JÜDISCHE RUNDSCHAU. - - — ־ ־ - 4 ־ ־ ־ - No. 12 Ostasien: D. Arabla, 10. März von Hongkong nach Japan. D. Rhenanla, auf der Heimreise von Ostasien. 10. März in Colombo angekommcn und am 12. März weitergegangen. D. Sambia, auf der Ausreise nach Ostasien. 12. Marz von Shanghai nach Kobe. D. Segovla. auf der Ausreise nach Ostasien. 12. März 8 Uhr morgens von Antwerpen. D. Slavonla. auf der Heimreise von Ostasien. 12. Mürz morgens in Singapore. Verschiedene Fahrten: Vergniigungsdampfer Meteor, auf der Mittelmeerfahrt, 12. März 8 Uhr morgens in Palermo angekommen und wird 6 Uhr nachm, weitergehen. , Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach New York: 25. 3. Postd. Amerika. 4. 4. Postd. President Lincoln. 8. 4. Postd. Kaiserin Auguste Victoria. 11. 4. Postd. President Orant. 16. 4. Schnellpostd. Deutschland. 18. 4. Postd. Pennsylvania. 23. 4. Postd. Amerika. Nach Boston: 26. 3. Postd. Bosnia. 9. 4. Postd. Ariadia. Nach Baltimore: 26. 3. Postd. Bosnia. 9. 4. Postd. Arcadia. Nach Philadelphia: 3. 4. Postd. Armenia. Nach Westindien: 24. 3. Postd. Mecklenburg. 25. 3. Postd. Altenburg. 1. 4. Postd. Patagonia. Nach Mexico: 28. 3. Postd. Albingia. Nach Ostaslen: 30. 3. Postd. Andalusia. 10. 4. Postd. Dortmund. ״Allwissend bin Ich nicht, doch viel ist mir bewusst.“ Wo lässt sich wohl das stolze Wort des Mephistopheles passender anwenden als aui ein modernes Konversationslexikon? auf jene, alle Gebiete menschlichen Wissens umfassenden Nachschlagewerke, die heute jedem, der mit seiner Zeit leben will, unentbehrlich sind? Stösst doch selbst der Gebildete bei seiner Lektüre, insbesondere bei der Zeitungslektüre. Tag für Tag aui Dinge aus den verschiedensten Gebieten, über di ecr nicht oder nicht genug unterrichtet ist. Wo liegt z. B. Schloss Balmoral. Sandringham. Windsor? Wer ist Oscar Wilde? Was hat er ausser der Salome geschrieben? Was ist Programmusik, was eine Fuge? Was hat Siegiricd Wagner bisher komponiert? Bald gelangen aui politischem Gebiet weniger bekannte Begriffe (vgl. oPluralsystem, Proporz u. a.) in den Vordergrund der Erörterung u. a. m. Die Zeitungen setzen solche Begriffe als bekannt voraus, Fachliteratur ist meistens nicht vorhanden — man müsste auch über eine recht umfangreiche und teure Bücherei veriügen. wollte man für all die Wissensgebiete orientierende Fachwerke haben. Und selbst wenn man sic hat. wird das Auffinden der gerade gewünschten Auskunft oft schwierig und zeitraubend sein. In wenigen Augenblicken hat .man dagegen die Auskunft, wenn man ein Konversationslexikon besitzt. Unter diesen modernen Sammelbecken alles menschlichen Wissens kommt nunmehr das eben vollendete Herdcrsche Konversationslexikon*) mit in erster Linie in Betracht Mit seinen 8 Bänden hält es die Mitte zwischen den grossen 17 bis 20bändigen und den kleinen 2- und .!bändigen Werken, an Umfang wie im Preis (100 Mark). Man muss sich w'undern über das redaktionelle Geschick, mit dem es!trotz dieser starken Herabsetzung des Umfangs ermöglicht worden ist, aJem Aufnahme zu gewähren, was man berechtigterweise zu finden erwarten kann. Erreicht ist dies worden durch eine ausserordentliche Präzision des Ausdrucks und ein System von Kürzungen, das Raum gewinnen . lässt, ohne undeutlich zu werden. Es sind eben nur bekannte, sonst übliche oder leicht verständliche Kürzungen angewandt worden. Dabei ist grosser Wert auf die Gleiclinuissigkeit in der Raumvertcilung gelegt; weder findet sich in den ersten Bänden eine grössere Breite der Darstellung als in den letzten, noch umgekehrt. Jedes Stichwort erhält, was ihn! zukoinmt. Abbildungen sind überall, wo sie dem schnelleren und leichteren Verständnis Dienste leisten. Iierangezogcn worden. Das ganze Werk enthält über .6500 Bilder. Aetisserst zahlreich sind die Beilagen. Von Band zu Band steigt deren Zahl, so dass der VIII. Baud etwa 80 enthält. Wo die Farbe eine. Rolle spielt, wie z. B. bei den Tafeln. Flaggen, Kolibris. Marmor. Ordcnszcichcri, Rosen. Schmetterlinge. Trachten. Uniformen usw.. ist auch zu farbiger Darstellung gegrieffn worden, und man muss sagen, dass aucli diese farbigen Tafeln mit vollendeter Technik hcrgcstcllt sind, wie überhaupt das ganze Werk typographisch auf der Höhe der Zeit stellt. Dasselbe gilt von den Karten, deren Auswahl so getroffen ist, dass sic einen Atlas ersetzen, dem nicht bloss eine Darstelung des Planetensystem. Mondkarte. Sternkarten. *) Dritte Auflage. Reich illustriert durch Text- Abbildungen, Tafeln und Karten. 8 Bände.־ Lex.-8". (LXIV Seiten und 14454. Spalten Text. 73 durchweg neu hergestellte Karten. 189 zum Teil in reichstem Farbendruck ausgefiihrte Tafeln, 132 Textbeilagen. 6540 Abbildungen im Text und aui Tafeln.) Freiburg. i. B.. Herderschc Verlagshandlung. Geb. 100 Mark. Klimakarten. Karte der Pflanzenverbreitung. Tierverbreitung usw׳. nicht fehlen würden, sondern der auch noch eine Anzahl GcSchichtskarten enthalten würde. Hier wären auch zu erwähnen die Pläne (mit Strasscnverzeichnissen) der wichtigsten Weltstädte. Sehr dankenswert ist die Aufnahme der Angaben von Aussprache und Betonung, und dies nicht nur bei Fremdwörtern, sondern auch bei rein deutschen Wörtern dort, wo ein Zweifel bestehen kann. Ebenso erfreulich ist, dass der Etymologie grosse Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Man macht da nicht selten interessante Funde. Wer zweifelt wohl daran, dass man mit ..Vielfrass“ ein Tier hat bezeichnen wollen, das viel frisst! Hier aber werden wir belehrt, dass Vielfrass eine Verdeutschung aus dem altnordischen fjallfress ist. was Felsenkatze oder Fclscnbär heisst. Bei Friedhof erfahren wir. dass dies Wort im Mittelhochdeutschen vrtthof, im Althochdeutschen fritliof lautet, was den eingefriedigten Raum um eine Kirche bezeichnet. Bekannter ist ja schon, dass Siindflut eine Umdcutung von sinvluot =־ grosse Flut ist. Das ist ja auch ein Vorteil, den der Besitz eines Konvcrsationslexikons bietet, dass inan oft. sehr oft, entweder wälirend man einen anderen Artikel aufschlägt, oder wenn man. um eine freie Viertelstunde aiiszufüllen, darin herumbiättert. auf dies und jenes stösst. was einem neu und interessant ist. Nicht selten wird auf diese Weise auch ein Irrtum berichtigt, dem man sonst nicht auf die Sour gekommen wäre, weil man eben gar keinen Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Mcititmg hatte. Diese kleinen Nehengewiiine summieren sich mit der Zeit zu einem ansehnlichen Vorteil. Ais ein Vorzug des Hcrderschcn Lexikons ist auch das zu bezeichnen, dass bei den Biographien einzelner Dichter und Schriftsteller sich kurze,;treuliche C h a r a k t e r i s i e r 1111 - gen finden, die der schnellen Orientierung ungemein dienlich sind. So heisst es z. B. von Wilhelm Raabc: .,eine Jean Paul verwandte Natur, der klassische Schilderer des deutschen Mittelstandes; seine Schöpfungen ragen durch Reichtum an originellen Charakteren. Tiefe des Gemüts und Reife der Welt* atischauung hervor. Hoher, oft erschütternder Ernst verbindet sich mit sonnigem, das Weltleid siegreich überwindendein Humor zu wunderbarer Wirkung“. Ferner von Friedrich Spielhagen: ״Vertreter des kulturpolitischen Zeitromans von blendendem Schüderungstalent und spannender geistvoller Erfindung. jedoch ohne lebendige Gestaltungskraft und innere Wärme. Er hat die Tendenzen des demokratischen Liberalismus der 1860er und 1870er Jahre verherrlicht, und mit den Modeschlagworten seiner Zeit operiert; wo diese heute veraitet sind, erscheinen seine Romane verstaubt und verblichen.* Die geographischen Artikel berücksichtigen stets auch die geologischer. Verhältnisse und bieten bei ihrer gedrängetn Fassung selbst bei geringem Umfang eine grosse Menge tatsächlicher Angaben, die sich auf das neueste, zuverlässigste Material stützen. Bei grösseren oder sehr alten oder sonst in der Geschichte bekannt gewordenen Orten schlossen sich an die geographischen g e s c ii i c 1111 i c 11 e Angaben. Ausserordentlich zahlreich sind die Biographien vertreten. Wer von Staatsmännern, Gelehrten. Schriftstellern. Dichtern. Künstlern usw׳. sich einen Namen gemacht hat. ist ausgenommen worden, so dass man selten vergeblich suchen wird. Aucii hier steht das Herdcrsche Konversationslexikon in der Vollständigkeit den anderen grossen Enzyklopädien nicht nach, übertrifft sic sogar noch, indem es auch den sonst meist recht stiefmütterlich behandelten Katholiken ihr Recht /!!kommen lässt, ohne dafür im mindesten eine andere Konfession oder irgend ein anderes Gebiet zu vernachlässigen. Mit grosser Liebe ist auch das heute so im Vordergründe des Interesses stellende Gebiet der Volkswirtschaft und Sozialw1sscnscl1a.it behandelt worden. Die zahlreichen, klar gehaltenen Artikel geben in Verbindung mit vielen statistischen Tabellen gute Auskunft über die oft so komplizierten Verhältnisse, insbesondere auch über unsere soziale Gesetzgebung und die aus ihr entstehenden Rechte und Pflichten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dieselbe Aufmerksamkeit ist dem Verkehrswesen geschenkt. Eisen* bahn. Post, Telegraphie und Fernsprechwesen haben zwecks ausführlicherer Behandlung Beilagen erhalten. Doclt damit sei genug. Wie schon oben bemerkt, kommt kein Wissenszweig zu kurz. Allwissend freilich ist cs nicht, doch vjel. sehr viel weiss es und teilt es denen mit, die es befragen. Es ist eine reichflicssende Wisscnsyuelle. und der Preis von 100 Mark für die acht elegant und dauerhaft gebundenen Bände darf als wohlfeil bezeichnet werden. Die Anschaffung wird noch erleichtert dadurch, dass die meisten Buchhandlungen bequeme Teilzahlungen gestatten. Für viele Gelegenheiten ist es ein schönes Geschenk, an dem die ganze Familie Nutz und Freude für lange Zelt haben wird. ־