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Jüdische Rundschau · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JOD ISCHE RUNDSCHAU Seite III No■ 12 Broschüre ״Eine Jüdische Hochschule“, Berlin 1902), den dann auch, unabhängig davon, Prof. Martin Phllippson in <£er ALLGEMEINEN ZEITUNG DES JUDENTUMS propagiert hatte, taucht nun wieder einmal auf. Der Dozent an der Universitä t Cambridge. Mr. Israel Abrahams, tritt im JEWISH CHRONICLE für die Schaffung einer jüdischen Universität in Jerusalem ein und schreibt da unter anderem: ״Jerusalem ist ein idealer Platz für eine jüdische Universität. Wie immer die politische Meinung des Sultans der Türkei ist. er ist durch Tradition ein Freund des Unterrichts. Der Muhammcdanismus ist allzeit für das Lernen eingetreten. Darum würde unter einer muhatiimedanischen Regierung eine jüdische Universität jede Unterstützung erfahren und jedenfalls nicht in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Und obgleich der Jude eigentlich kein Orientale ist. ist doch seine Religion semitisch, und es wurde sich vielleicht herausstellen, dass jüdisches Lernen am bestc 11 in einer semitischen Umgebung gedeiht. Aber Jerusalem hat noch andere Vorzüge. Die Schwierigkeit, eine grosse jüdische Lehranstalt in Europa zu gründen, ist unzweifelhaft nationaler Art. Juden sind immer patriotisch, und in ihren Lehriiäuscrn sind sic gar eifrig national. Keine einzige Hauptstadt Europas könnte hoffen, Juden aus einer anderen Hauptstadt zu erhalten: die deutschen Juden würden für Berlin, die ungarischen für Budapest stimmen und so fort. Aber alle Juden würden ohne weiteres die Vorzüge Jerusalems zugeben. Mit der nationalen Verschiedenheit geht Hand in Hand die sprachliche. Französisch. Englisch. Deutsch. Ungarisch und Italienisch sind die Sprachen, die an den verschiedenen Seminaren gebraucht werden. In Jerusalem würde natürlich die Unterrichtssprache hebräisch sein. Das allein würde einen grossen Gewinn bedeuten. Es würde nicht nur der Wiederbclcbung des Hebräischen dienen, cs würde auch um die Studenten der verschiedenen Länder ein brüderliches Band schlingen, wie heute nichts Achniiches besteht. Es würde nicht bedeuten, dass ein Ausländer die Sprache der Eingeborenen aunimmt. wie wenn ein Engländer nach Berlin geht: alle wurden eine Sprache annchmcn. die zwar nicht ihre eigene Sprache wäre, die indessen die allgemeine zweite Sprache aller Juden sein sollte.“ Mr. Abrahams meint, dass die Beschaffung der Geldmittel nicht alzu schwierig sein könne: auch will er klein anfangen im Sinne Dr. Paul Nathans, der in Jerusalem zunächst ein Institut ähnlich den amerikanischen Colleges in Beirut und Konstantinopel errichtet sehen möchte. Und am Schlüsse schreibt Mr. Abrahams. Indem er einen der am häufigsten zu erwartenden Einwändc vorwegnimmt: ..Manche mögen mir sagen, das sich einen z i 0 n istlsehen Plan vortragc, und mögen sich wundern, dass ich etwas derartiges unterstütze. Vielleicht ist er zionistisch, aber wenn dem so ist, dann ist er zionistisch in dem Sinne, wie wir alle Zionisten sein sollten. Und eine Universität in Jerusalem würde das Wort der Erfüllung näher bringen: ״Von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem.“ Sind wir nicht angesichts dieser glorreichen Hoffnung ailc Zionisten? Ich gehe freimütig zu, dass Ich dazu gehöre.“ Wir möchten angesichts dieses Planes des Mr. Abrahams auf den Verein .,ölbaumspendc“ in Berlin (W. 15. Uhlaudstr. 175) aufmerksam machen und betonen, dass ein Wald von 100000 Oclbüumeu — abgesehen von allen anderen Vorteilen! •— nach zehn Jahren reichlich die Unterhaitungskosten einer ganzen Universität auf ein Jahrhundert und länger zu decken vermag! Ucber zehntausend Bäume sind bereits beisammen. Sagen wir, dass cs bald hunderttausend sind! Vom HHfsverein Wir erhalten vom H i! f s verein der Deutschen Juden die folgende Zuschriit: Als Herr Nr. Nathan In Jerusalem war. hat er hi Überclnstinmumg mit dem geschäftsführeudeu Ausschuss des Hilfs- Vereins der Deutschen luden zu ־׳Linderung der bestehenden Not sowohl der sephardischen wie der aschkenasisclicn Gen einde Beträge überwiesen. Uber die Verwendung der Itir diese Zwecke gespendeten Gelder erhielt nunmehr der Hillsverein der Deutschen Juden den nachstehenden Briet aus Jerusalem: ״Indem wir Ihnen für die erwiesene Wohltat unseren tiefsten Dank aussprechen, gestatten wir uns. Ihnen Bericht über Verwendung des Geldes zu erstatten. In anbetraoht der bevorstehenden Teuerung beschlossen wir. von auswärts Mehl zu beziehen und in ausreichendem‘ Masse Weizen zu kaufen, uni dem Notstand, soweit uns dies möglich, vorzubeugen. Wir trafen daher ein entsprechendes Abkommen mit der Anglo-Palcstine-Company, die uns die nötigen Sumrrkm vorstreckte. Die dafür gekaufte Ware sollte zur Verfügung der Anglo-Palestine-Company stehen: wir garantierten ihr für 25 % des eventuellen Verlustes. Es ist uns auf diese Weise gelungen, bis 250 000 Kilo Mehl und 63000 Kilo Weizen in! Werte von 150000 Erancs auzuschaffen. Durcn dieses Verfahren hatten wir den doppelten Vorteil, dass wir das Meltf unter c$en Marktpreisen verkaufen konnten, der Weizen aber blieb uns für den Pessach-Bedarf: wäre dies nicht de־׳. Pall gewesen, so hätte sich unsere Gemeinde gezwungen gesehen, wenigstens das Zweifache für Mazzotli zu bezahlen. Der Schaden, der uns durch diesen billigen Verkauf erwuchs, konnte nur durch die uns zugegangenen Zu- Wendungen und Spenden gedeckt werden. Die ganze Stadt ist uns jetzt sehr dankbar, di wir durcli unser Eingreifen die Möglichkeit eines PrOisauisehiages auf Lebensmittel verhindert buben. Besonders sind uns die Ärmsten unserer Stadt sehr dankbar, da sie zum Teil, wo es nötig war, Lebensmittel ganz umsonst erhielten.“ Der ehrwürdige Rabbiner Saum 01־ Sa laut fügt dcr.1 Schreiben noch das Folgende hinzu: ..Auch ich spreche Ew. Hochwohlgeboren für die grosse Wohltat im Namen meiner bedrückten Glaubensgenossen meinen tiefsten Dank aus. Nach Telegrammen, die der Hilisdercin der Deutschen Juden erhalten hat. ist Huskieu, eine der Vorstädte Konstaitiuopels. zum grossen Teil abgebrannt. Fünfhundert Hause,: sind in Asche gelegt, viertausend Personell sind ohne Obdach. Auf (J'und dieser Nachrichten hat der Hiiisverein der Deutschen Juden seinem dortigen Komitee für erste Hilfeleistuug einen Betrag von tausend Francs telegraphisch zur Verfügung gestellt. Eine neue Industrie-Schule in Aeeyoten Der PHARE ALEXANDRIE teilt folgende Details mit.über die neue Industrie-Schule Muhammad Ali. die von dm muselmanischen Wohltätigkeitsverein ,.AI Urwa al Wuska“ cinge-ichtet und nunmehr bereits so weit fertig gestellt wurde, dass sie letzt ihrer Bestimmung übergehen werden kann. Dieses Institut befindet sich in Cliatbi. nicht weit von dem Rosittentore und bedeckt eine Fläche von 12 6(10 am. Die Schule umfasst 17־ gross»; Räume, die für die verschiedenen Ateliers bestimmt sind. Die Zöglinge haben in dieser Schule Gelegenheit. Tischlerei. Mechanik. Buchbinderei. Setzerei und Druckerei: Färberei. Schlosserei ebenso wie Bildhauerei. Kunsttischlere! und Einlegearbeiten etc. praktisch und theoretisch zu erlernen. Der Einweihung dieses nach seiner Anlage wie nach seinen Einrichtungen grossartigen Werkes wohnten der Khcdive und die Vertreter aller Nationen, die Patriarchen und der Grossrabbiner bei. Wann werden endlich einmal die jüdischen Vereine eine solche Schule für die hiesigen Juden errichten? Ein wichtiger Fund in Aleppo In Aleppo hat man in einer Bibliothek zwei Bände der grossen arabischen Enzyklopaedie Sehibäb-ud-Din Aclunad Ihn Abdul Wahftb al-Kurdi entdeckt. Es ist dies die älteste Enzyklopaedie. die man kennt: sic stammt aus der Zeit des Näsir Muhammad Ihn Talaümi als») etwa aus dem Jahre 732. Das Werk, welches im ganzen 30 Bände hatte, findet sich nirgends vollständig. Eine Bibliothek in Kairo besitzt 22 Bände, und ein Band »•xistiert in Konstantinonel. Ausserdem befinden sich noch Fragmente iu Medina. Der erste und der 17. Band dieser Enzyklopaedie sind nun in Alepnn gefunden worden. Der erste Band behandelt in einem Teil die Wissenschaften, in einen! anderen Teil die Entdeckungen. Der andere Band erzählt von den grossen Taten des Kalifen Raschid Tschahariän. Liebermann von Sonnenberg Herr Licbermaim von Soiiuenberg. der antisemitische Reichstagsabgeordnete, der sich, mit Recht »)der Unrecht, für dv.w getreuesten Interpreten der ..Blockpolitik“ des Fürsten Bitlow hält, gibt iu seinem Blatte einem angeblichen portugiesischeu Vikomt«; das Wort, der lang und breit aiiscinanderset/.t. dass der portugiesische Künigsniord nur ein W'erk der Juden sei und eine Etaouc auf dem W;ege der Juden zur Welt- Herrschaft! In den׳ Brief heisst es 11. a.: ..Der eine der ..portugiesischen Handlungsgehilfen“ heisst nämlich Dacosta. Wenn die Herrschaften zu Ihnen nach Deutschland Kommen, heissen sie natürlich ..d*Ac«>sta“. Wer denkt da nicht an »len ״berühmten“ Juden .Uriel Acosta? Acostas, alte portugiesische Juden, gibt es w ie Sand am Meer. So wissen w ir nun, wie die Firma M a 11 d e I s t a m ni hier

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