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Jüdische Rundschau · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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No. 12 Seite;06ו_ , . Jüdische wiese, das eine solche Menge nicht iassen oder uiitcnhalten könnte, so würde es seinen Gesetzen an dem allgemeinsten Menschenverstände mangeln, sonderlich da eine der Hauptabsichtcn seines Gesetzes ani die noch weitere Vermehrung des Volkes ging, und er dabey seinen Staat dergestalt auf den Ackerbau gründete, dass Jeder Bürger seinen eigenen und erbliehen Acker unveräusserlich besitzen sollte. In einem Staate, der durch Handlung oder Manufakturen blühen soll, ist nichts daran gelegen, ob genug Land da ist, alle Finwohncr von seinen Früchten zu erhalten; (Holland nvag das grösscste Bcyspiel scyn) allein von der Handlung sollten die Israeliten nicht leben, sondern vom Ackerbau, und dies erforderte notliwendig eine richtige Verhältnis* de! Accker gegen die Anzahl der Einwohner. Moses hat uns genaue Zählungen des Volks hinterlassen. Die streitbaren Männer beliefen sich etwas über sechsmahlhundcrttauscnd, und die Leviten mit eingerechnet fast auf sechshundert und zwanzigrausend. Wenn wir, wie mau bcy ohngciährlicher Berechnung zu tluui pflegt, annehmen, dass das ganze Volk, Weiber und Kinder mitgezählt, viermahl so viel Köpfe gebäht habe, so würden 2,500,000 Köpfe herauskommen; das wäre um iiinfmahlhundert mehr, als Herr Dr. Hiiscliing dem Königreich Schweden giebt. l'nu doch muss mau wegen der Yielweibcrcy und Leibeigenscliait diese Zahl 1,oc!1 vermehren, obgleich beyde nur in den Familien der Wohlhabenden stattäuden möchte. Ich sollte doch wenigstens denken, dass in diesem Betracht die Anzahl aller Kopie, die Moses nach Palästina führen wollte, drey Millionen betragen haben könnte. Ein ansehnliches Volk! War cs möglich, dieses in Palästina beerbt zu machen, und vom Ackerbau zu nähren? Freilich, wenn wir alle Länder jenseits des Jordans bis an den Euphrat dazu rechnen, so batten drey Millionen Platz genug. Allein Mosis erste Absicht war, das ganze Volk in das!.and disseits des Jordans zu führen, und die Volker aui der arabischen Seite des Jordans erst unangegrinen zu lassen, wenn sie ihm den Durchzug verstauet hätten. Die Israeliten sollten nicht herumziehend׳.• Hirten bleiben, sondern ein jeder einen angestammten eigenen Acker lieben lernen. Und selbst nach Eroberung einiger Arabischen Königreiche bekamen nur drittehalb Stämme, die nicht völlig 120,000 Mann ausgemacht haben können, ihre Wohnung jenseits des Jordans; also sollten doch fiinfmalhundcrttanseiid streitbare Männer, oder ohngefähr drittehalb Millionen Seelen, sich mit dem kleinen Lündchen disseits des Jordans behelfen. War das möglich? Palästina ist nach seiner Grösse und Gränzen nicht so völlig bekannt, dass ich eine genaue Aiissmcssung nach Deutschen Quadratlueileu wagen kann. Allein das wird ein jeder, der die Charte nur cinigermasscn abmisst, mir eingestchcn, dass das Lan-l disseits des Jordans nicht weniger als 300, und nicht mehr als •100 Deutsche Quadratmeilen haben konnte. Sollten sich hierin 500,000 streitbare Männer, oder 2,500,000 Seelen teilen, so wird etwan eine Quadratmcilc auf 15,00 Männer, oder sechs- bis siebentausend Köpfe, Kommen. Dis scheint zuviel zu scyn; denn wenn man mir gleich ausreclmet, das alsdann auf jeden Mann über 20 Morgen Land kämen, wovon er sich nähren könne, so giebt cs doch in jedem Laude Plätze, die man nicht nutzen kann, und man!)raucht auch mehr, als Brodkörn. Die sämtlichen PreusSischcn Länder, das überaus stark bewohnte Schlesien mitgereclmct, hatten vor dem letzten Kriege im Jahr 1750 etwan d,700,000 Köpfe, und also, wenn ich die auswärtig geworbenen Soldaten nicht mitrechne, an Landeskindern 1,175,000 streitbare Männer. Sic betragen nach Herrn Dr. Biischings Rechnung 3000 Quadratmcileu; Es ist wahr, sic könnten noch viel mehr Einwohner nähren, obgleich in manchen Gegenden die Accker nicht ergiebig sind; denn sie führen doch noch Korn aus; die Accker sind auch noch ciner besseren Kultur und manche Plätze, auf die der König Fremde zu ziehen suchet, der Urbarmachung fähig; allein was für ein Unterschied, wenn auf 3000 Quadratineilen RUNDSCHAU zwölfmaliuinderttausend, lind auf 300 bis •100 iünfnialhunderttausend streitbare Männer wohnen? Wird sich jemand eine solche Cultur der Preussischen Länder vorstellen, bey der nach der Proportion von 1500 Mann auf eine Quadratmeile, das ganze Land fünftehalb Millionen streitbare Männer, und also Weiber und Kinder mitgcrcchnct, 18 Millionen ernähren sollte? Gesetzt ich hätte auch hier in der Meilcnzahl ־einen Fehler begangen, und das Preussische Land hätte nicht völlig 3000 Quadratmcilen, so bleibt doch der Zweifel wichtig. Diesen Einwurf gegen die Möglichkeit der Ausführung dos vornehmsten Gesetzes Mosis zu heben, muss ich verschiedene Anmerkungen machen. Erstlich ergiebt sich aus dem vorhingesagten, dass das eigentlich sogenannte gelobte Land grösser war, als man cs auf den Landcharten macht. Ein guter Teil des Libanons, mit dazwischen laufenden fruchtbaren Tlifilcrn, gehören dazu; und selbst die zehntehalb Stämme disseits des Jordans besassen südwärts manches in Arabien. Zum andern wird uns Palästina von Mose als ein überaus fruchtbares Land vorgcstellt, womit aucli die besten Reisebeschreiben, sonderlich Shaw übcrcinstimmten. In den hierüber geführten Streit kann ich mich nicht einlassen; indessen scheint es, man könne Mosis Zeugnisse billig gelten lassen. Er hatte selbst Kundschafter nach Palästina geschickt, n.iü sich bemühet, von der Beschaffenheit des Landes zuverlässige Nachricht zu erhalten; und diese Kundschafter, die nicht aus* genommen, die das Volk gegen ihn aufrührerisch machten, gaben doch dem Lande das Zeugnis einer ausnehmenden Fruchtbarkeit. Wäre alles dis unwahr, und Palästina so unfruchtbar gewesen, als einige neuere es uns abmahlen wollen, so müsste Mose, der ein so grosses Volk hineinführen, und dabei den Staat aui den Ackerbau gründen wollte, nicht bloss ein Verführer, sondern ein blödsinniger gewesen seyn und dafür pflegen ihn doch selbst seine Feinde nicht auszugeben. Die Palästina als unfruchtbar beschreiben, berufen sich aui das Zeugnis Griechischer und Lateinischer Schriftsteller; allein die angeführten Stellen handeln bloss von der Gegend um Jerusalem, und welches Land ist, das gar keine unfruchtbare Gegend hätte? Von den! ganzen Lande hingegen sagt der zuverlässigste unter den dassischen Schriftstellern, Tacitus, es sey so fruchtbar, als Italien.*) Das ist denn doch, sonderlieh zu jener Zeit ein ziemlich vorteilhaftes Zeugniss. Die Gegend um Jerusalem war freilich zum Ackerbau nicht tauglieh, allein wegen des Oel- und Weinbaues desto ergiebiger. Wäre sie aber auch schlechthin unfruchtbar gewesen, so war sic nicht ganz Palästina. Von dem jetzigen Zustande, da Palästina nun über tausend Jahre lang durch Kriege, oder durch barbarische Herrschaft verwüstet ist, muss man keinen Schluss auf die Zeit der Kultur machen. Ein Land, das grosseritheils nach Gartenart gcbauct ward, und in dem nach Maundicls Anmerkung der Fleiss selbst die kahlen Felsen mit Erde belegte, und sie fruchtbar machte, muss sich freilich nach siebcnzchnlnindertjährigcr Verwüstung sehr ungleich ge•-' worden scyn; und wenn der Wein eins der vohrnclunstcn Geschenke• war, die ihm die Natur gegeben hatte, so hat cs noch vorzüglich in tausend Jahren unter der Herrschaft der Muhamedaiier verlieren müssen. Doch diese Umstände nicht einmal .mitgcrcchnct, denke mau nur au Deutschland zur jetzigen Zeit der Cultur, tim! au die Beschreibungen, die Cäsar und Tacitus ven diesem jetzt so überaus fruchtbaren Lande machen. So wenig mm aus jenen beweisen wirJ, dass Deutschland durch Cultur nie habe werden können, was es jetzt ist, eben so wenig muss mau von Beschreibungen des verwüsteten Palästinas auf seine ehemalige Gestalt, zu einer Zeit, wo cs mit Fleiss gcbauct ward, zurückschlicssen. Zum dritten, da jeder Israelite seinen Acker völlig eigen hatte, und ihn eiuschliessen und nutzen konnte, wie er selbst #) Histor. I. V. c. 6. rari imbr'es, über solum. Exuberant fruges, nostrum ad morern, praeterqn'c eas balsamum et palma. «ןו^1«וי1ו<י-«י«’״^י*ן^יי^:-1ו1ן f*?if*f*•*«

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