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Jüdische Rundschau · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kulturarbeit im Orient Die Heimat der alten und ältesten Kultur im Orient ist in den Zeiten der Kreuzfahrer und der Mongolenstürme von der einstigen Höhe herabgesunken und ist zu einer Trümmerstätte geworden, auf der der forschende Menschen• geist das Material eines historischen Wiederaufbaues in müh* seligen Ausgrabungen sammelt. Gleichzeitig aber mit den Trümmern, die als ruinenhafte Denksteine einer alten ent• schwundenen Epoche wieder zu neuem Leben aufzuerstehen scheinen, blüht und keimt überall neues Leben an den Stätten, wo seit einem Jahrtausend nur noch Trümmer und Schutthügel von der einstigen hohen, jetzt* verschwundenen Landeskultur beredtes Zeugnis ablegen. Der vordere Orient, das Mutterland der Kultur und Zivilisation Europas, beginnt sich aus dem Todesschlummer loszureissen, in den er versunken war. Die orientalischen Völker besinnen sich und erwachen zu neuem Leben. Eine neue Kultur bereitet sich langsam im Orient vor und nur der Uneingeweihte kann glauben, dass diese neue Zivilisatlon eine Nachahmung Europas ist, dem die äusseren Mittel der neuen Kultur entnommen werden. Die innere geistige Wiederbelebung hängt aufs innigste mit dem Nationalgeiste der Völker Im vorderen Orient zusammen. Die neue Kultur, die dort erblüht, wird trotz aller äusseren Anlehnung an europäische Technik eine echt orientalische sein. Und die Juden werden als Söhne des Orients, die im Abendland gelernt haben, die europäische Technik mit echt orientalischem Geiste verbinden müssen, wenn sie in diesem Milieu weiter an der Spitze der Kultur schreiten wollten. Gewiss steht auch heute noch ein grosser Teil der einheimischen Juden auf keiner höheren Stufe der Zivilisation als die nicht gerade sehr gebildeten arabischen und nicht• arabischen Bewohner des Landes Daran ,hat vor allem ausser die* Armut der Fanatismus und die Inquisition der palästinischen Dunkelmänner schuld, die in der Chalukah- Verteilung ein kräftiges Mittel der Aufrechterhaltung ihrer Herrschgelüste fanden und von ihr auch heute noch immer einen intensiven Gebrauch machen Sie haben, dort wo sie sich ausleben können, ihrer Feindseligkeit gegen Kultur und Bildung, gegen Wissenschaft und lebendiges Volks- Judentum“ kräftigen Ausdruck verlehenen. Aber auch im Orient hat ihre unbestrittene Macht bereits eine bedenkliche Lücke erhalten, eine Bresche, durch welche die Strahlen des hellen Tages bereits hereinfallen, die die Eulenbrut schrecken. Dagegen hat die neue arbeitende Judenschaft der Dörfer und Städte mit so frischer Kulturarbeit begonnen, dass sie 2u den ersten und wichtigsten Kulturträgern im ganzen türkischen Orient zu zählen sind. Die neue hebräische Kultur ist zum mindesten ein gleicher lebendiger Erfolg, wie die werktätige Arbeit in der Ackerbau- und gewerbliehen Kolonisation. Sie ist nicht mehr fremd im orientalischen Milieu, in dem das Judendeutsch oder Juden* spanisch mit ihren Literaturen keineswegs Wurzel zu schlagen vermögen. Die hebräische Sprache, die den Juden kulturell selbständig macht, nähert ihn zugleich den selbständigen Kulturen des Orients. Sie trägt am meisten dazu bei, dass die Juden In Palästina und den angrenzenden Länderu echte Orientalen mit europäischer Technik und ganzer Kultur werden. Darum darf man die Bedeutung der hebräischen Sprache, die von den angeblich ״Frommen0 in Jerusalem noch immer geächtet ist, für die Bildung der Juden und die Neuerweckung des ganzen Orients nicht unterschätzen. Die hebräische Sprache, dieses schönste Kind des alten Orients wird mächtig dazu beitragen, dass Kultur und Schönheit von neuem auf den Trümmerstätten des Alten Orients erblühen. Unsere Aufgabe ist es im einzelnen Mittel und Wege zu finden und vorzubereiten, um die hebräische Sprache noch mehr als bisher zu einem mächtigen Kulturmittel im Orient zu machen. Ibri. Konnte Palästina so viel Einwohner fassen, als Moses hineinzusetzen vorhatte? Aus Johann David Michaelis: Mosaisches Recht. Teil 1. Frankfurt a. M. 1770. Seite 104—112. Die Anzahl eines Volkes gehört zwar nicht mit zu dem Staatsrecht, weit ein Gesetzgeber sic nicht durch Gesetze bcstimmen kan«, sondern zur historisch-politischen Beschreibung desselben. Man wird aber doch hier nicht ungern etwas von dieser Materie als einen Anhang zum Vorhergehenden lesen, sonderlich da in der Israelitischen Geschichte so viel Zweiicl über die bisweilen angegebenen Zahlen der Bürger dieses Staats entstanden sind. Und doch gehört die Zahl, die uns Moses selbst von den streitbaren Männern seines Volkes aufbehalten hat, noch näher hierher; denn wenn er diesen ein in gewisse Gränzen eingeschlossenes Land zur Wohnung an-

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