Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 61 angehören, um sich später zu einer selbständigen Gruppe zusanmicnzusehh'cssen. Ratibor. Am letzten Mittwoch sprach in unserer Orts- «ruppc Gg. Arnold Wiener- Kattowitz über die ״Ent- Wicklung des Zionismus“, die er bis zur jüngsten Gegenwart darstellte. Die gehaltvollen und lehrreichen Ausfiihrungen des Referenten, der den Zionisten eine lebhafte Propaganda in allen jüdischen Kreisen zur werktätigen Unter- Stützung unserer gesamten Palästinabestrehungen dringend ans Herz legte, ernteten reichen Beiiall. C. B. Rosdzin-Sclioppinftz (O.-S.). Am Sonnabend, dem 7. d. M.. abends, iand hier ein Vortrag des Herrn Dr. Stahl aus Tarnowitz statt. Der Herr sprach über das Thema «Mo d c r n c s Judentum“. In seiner zirka l'l* Stunden währenden Rede, die in wunderbaren, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten gehalten wurde, erntete der Herr direkt tosenden Beifall. Nach Schluss meldeten sich sofort einige neue Mitglieder, und es ist zu hoffen, dass bc• ferneren Vorträgen sich der Rest unserer hiesigen Glaubensgenossen auch um die zionistische Palmen scharen wird, so dass wir dann eine selbständige Ortsgruppe bilden werden! Kattowitz (O.-S.). Am 1. März fand in dem bis auf den letzten Platz gefüllten, über 25(1 Personen .fassenden Stadthaussaal (Sitzungssaal der Stadtverordneten), der vom Magistrat zur Veifiigung gestellt worden war. der angekündigte Vortrag von Dr. Emil Margulies-Trautenau statt. Die einständigen, bedeutsamen Ausführungen des Redners, teils in graziösem Plaudertou. teils mit faszinierender Verve vorgetragen, inhaltlich auch nur anzudeuten, verbietet der. Raiimca dieses Berichts. Es sei nur konstatiert, dass das mit gespanutestcr Aufmerksamkeit lauschende Publikum dem Vortragenden durch minutenlange, sielt immer erneuernde Bcifallsstürnic lohnte. In der nun folgenden Debatte wurde von Herrn Lehrer Jakobsohn-Gleiwitz in gedrängter Kürze der antizionistische Fragenkomplex aufgeworfen. Dem besonders unterstrichenen Etnwand. dass das Judentum lediglich eine Religionsgemeinschait bilde, begegnete zunächst in wirkungsvollen, von reichem Tatsachenmaterial unterstützten Ausführungen der Leiter der Versammlung, Herr Arnold Wiener. Nachdem sich an der weiteren Debatte noch die Herren Hor;witz und Sussmann beteiligt hatten, gab Dr. Margulies in seinem Schlusswort mit hinreissender Beredsamkeit eine Widerlegung der Argumente unserer Gegner. Der positive Erfolg der Voranstaltung!)׳.'Stand nicht mir in einer Anzahl Ncuafnahmen. sondern vor allem in einer überaus günstigen Beeinflussung der Stimmung des hiesigen Publikums gegenüber unseren Be- Strebungen. Posen. In einer von der zionistischen Vereinigung nach den» Zoologischen Garten einherufenen Versammlung sprach am 26. Februar Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee aus Berlin über ..Gegenwartsarbeit der deutschen Judenheit“. Er erörterte zunächst die Stellung der Juden als Staatsbürger und führte u. a. aus. dass es in keiner Weise den Intentionen der deutschen Judenheit entspräche, etwa in Deutschland eine jüdische Sonderpolitik irgend welcher Art zu betreiben. Je nach Weltanschauung, wirtschaftlichem und politischem Interessc habe der einzelne Jude ebenso wie der Nichtjude diejenige politische Partei auszuwählen, die seinen Anschauungen entspricht, selbstverständlich aus Ehrgefühl und wohl verstandenetn Selbsterhaltungstrieb nur eine solche Partei, die nicht etwa eine, wie auch immer geartete antisemitische Haitung einnimmt. Er betonte weiter mit Nachdruck die Zugehörigkeit der jüdischen Bevölkerung Deutschlands, in der Ostmark zumal, zum Deutschtum und wies auf die Ausführungen in dem Werk der Ansiedelungskommission hin. die in jeder Schwächung des ostdeutschen Judentums zugleich eine Schwächung des Deutschtums in den Ostmarken sieht. Er verbreitete sich dann weiter über eine Reihe von Forderungen politischer Art, die die Juden zu stellen hätten, so neben der absoluten Durchführung der Gleichberechtigung vor allem eine gründliche Revision des Judengesetzes von 1847. dessen Rückständigkeit an einigen in der Tat beinahe mittelalterlich anmutenden Beispielen nachgewiesen wurde. Die rückständigen Vorschriften dieses Gesetzes wären einer grösseren Ocfientlichkcit in df־n letzten Tagen wieder so recht zum Bewusstsein gekommen bei der Erörterung der Acusserungen des Freiherrn von Aehrcnthal in Wien über die Ausweisung osterreichisclier .luden aus Deutschland. Erforderlich sei aber als Vorbedingung * für die Durchführung der Gleichberechtigung der Juden und der Gleichberechtigung des Judentums die endliche Herbeiführung einer wirklichen Einigkeit unter den deutschen Juden, die noch immer trotz des Gewaltigen, was sic gemeinsam haben und des relativ Geringen, was sie trennt, wenigstens in den Lokalinstan7.cn sich beiehde». während die Zentralen längst zu gemeinsamer fruchtbarer Arbeit sieh zusammengeschlosesn haben. Herr Dr. Klee ging dann weiter auf eine Reihe von Aufgaben ein, die den Juden als Gliedern der grossen jüdischen Gesamtheit obliegen und gab dabei der Ueberzciigiing Ausdruck, dass jede Unterdrückung von Juden aui der Welt auch auf die staatbürgerliehe Stellung und die gesellschaftliche Stellung der deutschen Juden zurückwirkc. Es müsse daher, obwohl er überzeugt sei. dass dieses egoistische Motiv keinen der Anwesenden bestimme, darauf hingewiesen werden, dass schon aus wohlverstandenen» eigenen» Interesse es Pflicht aller deutschen Juden sei. für die notleidende Judenheit aller Länder einzutreten. Vorbedingung für eine wirksame Arbeit sei aber auch hier ein Zusammenschluss und zwar der Zusammenschluss aller grossen jüdischen Organisationen, wie er auf der Brüsseler Konferenz von 1906 durch Wolftsohn angeregt sei »md wie er. wenn auch noch unvollkommen und rieht recht ausgebaut, bei den Massnahmen für die marokkanisehen Juden anlässlich der Konferenz von Algeciras und weiter bei der Ablenkung der jüdischen Auswanderer von den Nord- Staaten der Union nach öalveston durch die tcrritorialistische Organisation unter Israel Zangwills Leitung in die Erscheinung getreten sei. Im Anschluss daran erörterte der Vortragende die bisherigen Arbeiten der tcrritorialistischen Organisatiou, ankniipfend an die grosse Rede Zangwills in Manehester. Aufgabe des Territorialismus sei. die wandernden osteuropäischen Massen in autonome Siedlungen zusani.nenzufassen. Die geographische Kommission der Organisation, die über die Auswahl des Landes zu entscheiden huoc. bestelle aus einer Reihe der massgebeiulstcn Juden der ganzen Welt, wie z. B. der Herren Lord Rothschild in London, des amerikanischen Handelsrninisters Oskar Strauss in Washington, des Vorsitzenden des hiiisvercins der deutsche!' Juden. James Simon in Berliii. u. a. Auch Dr. Paul Nathan in Berlin gehöre dieser Kommission an. der vor kurzem eine Informationsreise in den Orient gemacht habe und der Auiiassung Ausdruck gcgeben habe, dass nach Herbeiführung der politisch administrativen Vorbedingungen vielen Tausenden von Juden in Palästina eine Heimstätte bereitet werden könnte, ein Plan, der die Grundlage der von Dr. Theodor Herzl inaugurierten zionistischen Bewegung bilde, die nach den eingehend motivierten Darlegungen des Redners die Möglichkeit einer endgültigen Lösung der Judeufrage biete. — Die nach vielen Hunderten zählenden Erschienenen, die der gewaltige Saal des Etablissements kaum zu fassen vermochte, folgten mit angcspanntester Aufmerksamkeit und dankten mit begeistertem Beiiall. Nach kurzer Diskussion und einem ebenfalls mit reichem Beifall der Versammlung angenommenen Schlusswort des Referenten schloss der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Kollenscher-Posen die erlichend verlaufene Veranstaltung. Der Vorstand der Zionistischen Ortsgruppe Posen sendet uns folgende Erklärung an die Posener Ortsgruppe des Z e n t r a I v e r c i 11 s Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: ״Nachdem die hiesige Vertretung des Zentralvcreius Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in allen öffentlichen Versammlungen jede Auseinandersetzung über den Zionismus vennieden bat. in Zusammenküniten dagegen, in denen eine Diskussion nicht zugelassen war (Richser-Fcier). oder in denen unsere Gesinnungsgenossen nicht anwesend sein durften (Mitgliederversammlung), in schürister Weise uns und unsere Bestrebungen angegriffen hat. haben wir uns erlaubt, den Vorstand der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereins in einem wohlgemeinten und sachgemässen Schreiben zur Teilnahme an der Klee-Versammlung einzuladeu. Wir hatten auf einen Erfolg dieser Einladung um so mehr gcrechnet, als das Thema dieser Versammlung beide Organisationen in gleicher Weise interessieren müsste. Trotzdem ist weder eine Vertretung des Zentralvereins in der Versammlung erschienen, noch auch nur eine Antwort erfolgt. Die Herren vom Zentralverein sind also wiederum einer sachlichen Auseinandersetzung ausgewichen. Nunmehr fühlen wir uns veranlasst, vor der breiten ()Öffentlichkeit Folgendes zu erklären: 1. Der letzte Artikel im ..Generalanzeiger für die gesamten lnteresesn des Judentums“ war von uns in keiner Weise inspiriert oder veranlasst. Trotzdem findet die in der fingierten Rede des Geheimrats Cohn enthaltene sachliche Kritik der Tätigkeit des Zentralvcreins unsere volle Billigung. II. Die hei der Besprechung dieses Artikels in der nicht öfientliehen Mitgliederversammlung des Zentralvcreins an unserer Tätigkeit geübte Kritik weissen wir mit ruhiger Würde im Bewusstsein der Güte unserer Bestrebungen und der Leistungen, die wir bereits aufzuweisen haben, zurück. Wir überlassen es zuversichtlich dem Umeil aller interessierten Kreise, zu entscheiden, welche der beiden Organisationen im Laufe der Jahre nützlichere, planmässigerc und grosszügigere Arbeit geleistet hat — die Zionistische Ortsgruppe oder die numerisch so viel stärkere Gruppe des Zentralvcreins! III. Die ver-