Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 62 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 11 leizjiidc Acusserung der Herren vom Zenttalvcreln: ״man könne mit den Zionisten nicht Zusammenarbeiten" bedarf danach keiner weiteren Beleuchtung. Wir begnügen uns mit der Zusicherung, dass wir die Herren weiter in ihrer — Beschaulichkeit ungestört lassen werden, müssen aber ersuchen, uns in unserer von Erfolgen gekrönten Arbeit nicht durch deplazierte Angriifc zu stören. IV. Sollten die Herren vom Zcntralvcrein endlich und ernstlich an das drängende Problem der Wirtschaftlichenen und sozialen, politischen und gesellschaftlichen Nöte der .ludenheit der Ostmark herantreten, so versprechen wir — trotz aller an uns begangenen Sünden —. jeder Zeit zu stiller und ernster Mitarbeit bereit zu stehen, wie wir überhaupt jede gemeinsame Tätigkeit auf dem Boden eines ehrlichen Friedens begriissen." Leipzig. In der ordentlichen General versammlung der Leipziger Zionistischen Vereinigung wurden folgende Herren in den neuen Vorstand gewählt: Rechtsanwalt M. Löffler (1. Vorsitzender). Dr. tned. B r a t c 1 (2. Vorsitzender). Dr. mc׳J. R. C11 a m i z c r (Schriftführer). Ingenieur K a!11 or o w i t sc 11 (Bibliothekar). .1. K a t 7. e 11 c 11 c n b o g c n und J. M a n d (Kassierer), .kämmt Tockel (Beisitzer). Halle a. S. 3. März. In der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe erstattete Herr Paul O. Hcpner am voreangenen Sonnabend abends über seine‘Rciseeindriickc in Palästina »inen ausführlichen Bericht. In anziehender, lebens* voller W eise fiilirtecr seine Hörer an der Hand einer Kartenskizze durch die jüdischen Kolonien des heiligen Landes. Land und Leben daselbst wie auch das Besondere der Natur, der Vegetation, der Seen usw. eingehend schildernd und namentlieh die landwirtschaftlichen üntwicklungsmöglichkcitcn des Näheren erörternd, wofür er als Landwirt sich besonders intercssicrt hatte. Auch an die heiligen Stätten Jerusalem führte der Vortrag, der auch noch dadurch fesselnd wirkte, dass man das Gefühl hatte, dass die Worte von einem jüdisch fühlenden Herzen diktiert seien, das noch in der Erinnerung die heiligen Schauer lnchempfindet. die das Bewusstsein, auf dem Boden zu stehen, auf dem die Väter gelebt, für den sie gekämpft und jr.'itten. Itervorruft. Eine lebhafte Diskussion schloss sich dem Vortraee an. ha. Nürnberg. In den letzten lagen hat die hiesige zionistisehe Ortsgruppe ein׳.* öffentliche Versa m 111 lung abgehalten, über die der FRÄNKISCHE KURIER, zun! ersten Male seit Bestehen der hiesigen Gruppe, einen Bericht veröffcntbchtc. den wir hier folgen lassen: Nürnberg. 27. Ecbr. Dieser Tage bat Herr Rechtsanwalt Dr. J. Miinz in den! vollbesetzten Saale des Hotels ..Goldener Adler“ einen Vortrag über ..Wesen und Zukunft des Juden- *tums“ gehalten. In kurzer Fassung des Hauptinhalts seiner . Ausführungen wird uns folgendes berichtet: Der Jude früherer Zeit habe sich durchaus als Angehöriger eines eigenen Stamdes gefühlt. Riefen ihm ja die Ghettomauern mit lauter Stimme zu: ..Du hist ein Jude tind gehörst nicht zu den andern.‘ Es fielen jedoch allmählich die Mauern des Ghetto, erschüttert von dom Freiheitshauch der französischen Revolution. Die Gleichberechtigung wurdo verkündet — aber nur auf dem Papier. Das Gesetz der Gleichberechtigung wurde ein Schein־, ein Hohngesetz. Fs batte dies zur Folge, dass der Jude gleichsam als Zwitter dahinlebtc. weder als voller, seines Wertes sich bewusster Jude — das wollt•' er nicht sein —. noch als gleichberechtigter Burger seines Landes — das konnte er nicht sein, da rs ihm verwehrt wurde. Vor etwa einem Dezeunium rief Theodor .Hcrzl die Bewegung des Zionismus ins Lehen. Das Judentum ist nach dieser Anschauung ein Volk, eine Nation. Redner bemerkte, dass der Begriff des Nationaljudentums den! Staatsbürgerin!!! der patriotischen Gesinnung nicht widerspreche, denn Nationalität und Staatsbiirgertuni deckten sieh nicht: er führt»■ zum Beweise hierfür mehrere Staatsrechtslebrcr au und ein Wort des Deutschen Kaisers aus dem Jahre 1902: ..Das Königreich Prcusscn setzt sich aus vielen Stämmen zusammen, die stolz sind auf ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor allem brave Prcusscn zu sein." Das Judentum sei seinem Wesen nach eine Nation. Die Znkuntt dev Judentums könne nur in de־ Begründung einer eigenen rechtlich gesicherten Heimstätte erblickt werden. Die gegenwärtige Lage des Judentums sei unhaltbar: In Russland lebten 5 Millionen Juden, die Hälfte des Gesamtjudentums. als entrechtete Bettler, die ihres nackten Lebens von heute auf morgen nicht sicher seien; selbst in den sog. Kultusländern hätten dir Juden nur theoretisch die gleichen Rechte. Der Satz Herzls sei wahr: ..Das Judentum ist eine Masscnherbcrgc des Elends mit Filialen in der ganzen Welt." Wie könne Abhilfe geschaffen werden? Die bisher geübte Methode der Wohltätigkeit, die nur erniedrigend wirke, sei hierzu nicht imstande. Das vielfach vorgeschlageuc Mittel der Asslr״!ätI011. des Untcrtauchcns in der Menge der umgebenden Völker, tauge ebenfalls nicht, da das Judentum nicht sterben, sondern leben wolle: überdies könne ein Volk in seiner Gesamtheit sein Volkstum gar nicht aufgeben. Der Rat. einfach sich zu gedulden, bis das Zeitalter der allgemeinen Aufklärung und Güte hcrangcbroclicn. könne ernstlich nicht gemeint sein, da das jüdische Volk inzwischen physisch und moralisch zugrunde gehen müsse, wenn es nur warte auf dieses ferne Zeitalter der Brüderlichkeit. Das einzige Rettungsmittel sei die Schaffung eines geistigen und wirtschaftlichen Zentrurns. um dort denjenigen luden, welche in ihren jetzigen Auicntbaltsländcrn nicht bleiben könnten oder wollten, eine rcclitlicli gesicherte Heimstätte zu bieten. Diese Heimstätte könne nur Palästina sein, auf das die Juden ein tinvcrjührbarcs Recht besessen: es sei überdies das einzige geeignete Land, da dort jetzt nur 600 000 Menschen wohnten, während es bei einer intensiven Bebauung 10 Millionen *Einwohnern :Einwohr.crn Raum und Nahrung gewähren könne. Der Glaube, eine Autonomie in Palästina zu erlangen, sei auch keinesfalls eine Utopie: der Sultan habe in mehrmaligen Unterredungen mit Hcrzl seine Sympathie mit den zionistischen Bestrebungen zum Ausdruck gebracht. Der Redner führte noch des weiteren aus. dass der Zionismus auch gegenwärtige praktische Arbeit verrichte. Er entwickele jetzt schon eine intensive Kolonisationstätigkeit in Palästina, wo er grosse Strecken Grund mul Boden ankaufe und es jüdischen Ackerbauern pachtweise überlasse. Ein weiteres Verdienst des_ Zionismus sei. dass er eine neue jüdische Kunst mul Literatur ins Leben gerufen, dass er die geistlichen und sittlichen Kräfte des Judentums neu reweckt und belebt habe. So sei der Zionismus, welcher die Devise auf seinem Banner trägt: ..Niemandem zu Trutz, den Verfolgten und Gliickscntcrhtcn zu Nutz" die bercclitigstc Bcwegung. Der Vortrag fand in der Versammlung lebhaften Beifall. (Es mag hierbei darauf aufmerksam gemacht werden, dass die weitesten Kreise des Judentums der zionistischen Bewegung in scharfer Gegnerschaft gcgciifiberstcben. D. R.) Die Schlussbcruerkimg der Redaktion des FRÄNKISCHEN KURIERS verzeihen wir ihr gern; klingt es doch fast wie eine Entschuldigung gegenüber den hiesigen liochmügenden jüdischen Kreisen und Lesern des Blattes, die gut antizionistisch sind. Und ferner stimmt die Randbemerkung auch gar nicht, besonders nicht mehr für Nürnberg. Der Vortrag des Herrn Dr. iur. Miinz. der jetzt I. Vorstand der Gruppe ist. hat allgemein Aufsehen erregt und Beifall gefunden. Man fragt sich hier schon: ..Warum sind wir denn Gegner des Zionismus?" Und man geht zur Ortsgruppe! T=ra Nationalfond «*= Sammlungen tür den Natlonilfond und andere ilonlstlicha Zwecke »Ind auitchllmllch zu!enden an den Schatzmeister de« Zentralbureaut, Herrn Max W0IUUI0»r, Berlin NW. »j, .... - Holsteiner Ufer •0. ■ ■׳ ־■■■ -׳ Der Jüdische Nationalfond ist! dazu bestimed, palästinischen Boden als G״samteigentum des Jüdischen Volkes zu erwerben und auf ewige Zeiten zu erhalten. Vom 5. Zionistenkongress 1901 gegründet, besitzt er heute bereits ein Vermögen von über 1V9 Millionen Mark. Büchsenteerung bei Wwe. Blumenfcld, Marbürg a. L. 0,20 Mk. Stud. med. Heilbronn, Gailingen, wünscht seinem I. Bbr. Eugen Salomon vergnügte Ferien . . . 0,50 » Derselbe gratuliert seinen Bundesbrüdern S t r a u s s und Grüne bäum zur glücklich bestandenen Mensur . 0,50 , KönigsbergerZionistißcheVereir.igung: Jacob Towbin Schachpartie mit Riwrawai 1.—, Erlös durch 3 Jubiläumsmarken 1,—, L. Hannemann, Memel, 3,--, Sammlung Dr. Cohn im Kaffee Jeruscholajim: Apotheker Hosent h a 1 2,—, Rechtsanwalt Grün 2,—, Stud. Eugen Cohn 1,—. Dagob. G i n zbe r g 1,— .... II,— . Ein Lebenszeichen von Bloch3, Freiburg i. Br., Albertstr. 10, für Lotte Hermann, Berlin . . . 1,50 . R• S., Memmingen, anlässlich einer freudigen Nachricht 2,— a Zur Hochzeit Paul Lis sauer, Lübeck—Frieda Nadel, Leipzig, gratulieren: Jack Schlotner, Ed. Joel und Frau, Nathan Blumenthal und Frau, Karl Camnitzer und Frau, L. Hammer* Schmidt und Familie, S. Philipp und Familie, H Prenzlau und Familie, Ad. Goldschmidt und Frau. J. Hoffmann, Hugo und Julius Meyer, Felix Prenzlau und Braut, Apotheker