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Jüdische Rundschau · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No: 11 *JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 101 der jüdischen Organisationen oder Parteien als solchen kann ja! kaum die Rede sein. Und so steht die ..geeinigte Opposition“ als ein Traumgebilde der aufgeregten Phantasie unserer Reaktionüre da. Für die offizielle Presse ist es selbstverständlich gleich, ob die von ihr beschriebene Ocfahr real ist oder nicht, bie muss die Alarmglocke schlagen, um nur ja mit Erfolg weiter hetzen zu können. Die Statuten der Jüdischen Kolonialbank Bekanntlich ist infolge der am VII. Zionistenkongress erfolgten Absplitterung eines kleinen Teiles dissentierender Elemente, unter Führung Israel Zangwills. von der zionistischen Partei ein Streit und in weiterer Folge ein Prozess entstanden um die vom VH. Kongress beschlossene Abänderung der Bank- Statuten. Während nach dein ursprünglichen Statut die Jüdische Kolonialbank (The Jewish Colonial Trust. Limited. London), das finanzielle Instrument der zionistischen Bewegung, in j :dem Teile der Welt kolonisatorische Unternehmungen betreiben kann, beschloss der VH. Kongress die bei der Gründung beabsichtigte und allein gemeinte Beschränkung dieser Tätigkeit auf Palästina. Syrien und deren Nachbarländer. Dagegen versuchten die territorialistisch gewordenen Aktionäre zu remonstrieren, indem sic bei dem englischen Gericht gegen dieso Abänderung I,rötest erhoben. Es wurde eine Abstimmung der Aktionäre angeordnet, deren Resultat min vorliegt. Es haben rund Id (MM) Aktionäre mit über -bM>1»1 Aktien für die Abänderung und etwa 201)0 Aktionäre mit zusammen 60011 Aktien dagegen gestimmt. Danach diirttc die Entscheidung des Richters, die Amarg April zu erwarten ist. kaum noch zweifelhaft sein. Bedauerlich bleibt es jedenfalls, dass erst ein langwieriger und kostspieliger Prozess geiiilirt werden musste. | um dieses vorauszusehende Resultat zu erreichen. Beide Parleien hätten ihre Energie und ilire Mittel, wie uns scheint, zweckmässiger verwerten können. der Sümpfe gewonnenen fruchtbaren Terrain wird die Hälfte zur Ansicdlung mohammedanischer Emigranten verwendet werden, während die andere Hälfte zum Verkauf gelangt. Die Erträgnisse dieses Verkaufes sollen die Kosten der Durchfithrung des Projektes vollkommen decken. Gleichwohl wird das Land noch billig genug abgegeben werden können, um aussichtsreiche Siedelungert in dieser alsdann blühenden Gegend anzulegen. Jüdische Einwanderung nach Amerika 1898—1907 Dem letzten Bericht des amerikanischen Generalkommissars für Einwanderungsangelegenheiten entnehmen wir folgende Zusammenstellung über die Zahl der aus Russland nach Awcrikif eingewanderten Juden. Es kamen aus Russland Juden nach Amerika: 1898-99 ..... Personen 1899—Oü ..... 1900- 01. 1901—02 . . . 37 846 1902-03 . ..... 04- ־1903 . . 77 541 1904-05. . . 92 38s 1905—06 . . . 125 2.34 1906—07 . . . 114 932 tl Der Bericht enthält ausserdem Angaben über die Geldsummen, die von den Emigranten mitgebracht werden. Wällicnd die Zahl der russisch-jüdischen Einwanderer durchsclmittlieh 12 Vr der Gesamtzahl der Einwanderer ausmacht. beträgt die von ihnen initgebrachte Summe nur etwas über 8 7c der Gesamtsumme der Barschaft aller Einwanderer, die zusammen über 25 Millionen Dollars mitbrachten. Die Juden allein hatten weniger als zwei Millionen, während auf sie verhältnismässig die! «Millionen Dollars entfielen. Schulreform in Konstantinopel Die offiziellen türkischen Organe unserer Stadt weisen in den letzten Wochen in zahlreichen ausführlichen Artikeln aut die Notwendigkeit einer Reorganisation der türkischen Schulen hin. Sie erklären das Unterrichts-Programm für durchaus veraltet und verlangen vor aller! Dingen grössere Berücksichtigung des Unterrichts in der deutschen, französischen und •englischen Sprache. Sie!ordern, dass die junge Generation in Zukunft mehr als bisher iür das Leben, d. h. iiir die Arbeit erzogen würde. Die Tatsache, dass die Zeitungen so offen solche Reformen verlangen dürften, zeigt an sich schon, dass die Regierung ihnen nicht abgeneigt ist, und so darf man auch erwarten, dass der Anfang zu diesen Reformen in der Tat bald gemacht wird. Reform des türkischen Gesetzbuches ln der Türkei wird cs jetzt mit allen Reformen ernst. Wie im Schulwesen, so sollen nun auch in der Gesetzgebung und in der Rechtspflege wesentliche Reformen vorgenommen werden, vor allem auf dem Gebiete des Handelsrechts, aber auch die Bodenreehts-Gesetzc sollen bald einer gründlichen Prüfung unterzogen werden. Den zwei neuen Rechtsfakultäteu in Saloniki und Konia wird sich alsbald eine dritte anschlicsscn. an der nach Beschluss der Regierung besonders das gesamte Zivilrecht gründlich gelehrt werden soll. Brückenbau im Wilajet Saloniki In der Türkei geht es auch auf wirtschaftlichem Gebiete langsam vorwärts. Drei eiserne Brücken werden jetzt in der Provinz Saloniki gebaut. Die erste ist die von Judje-kara. zwischen Saloniki. Catarina und Caraferia. Sic hat eine Länge von 130 rn. Mit der Montierung ist man jetzt bereits fertig und ist gegenwärtig mit dem Aufstcllcn des Geländers an beiden Seiten beschäftigt. Die zweite Brücke. 137 m lang und auf Mauerwerk gestützt, ist die von Langaza. Diese Brücke wird in drei Monaten dem öffentlichen Verkehr übergehen werden. Eine dritte Brücke soll über den Fluss Galak, der die Ebene von Langaza durchströmt, gebaut werden. Diese Brücke wird 230 m lang sein; das Material zum Bau ist bereits an Ort und Stelle gebracht. Der Gesamtkosten-Auiwami für die drei Brücken beläuft sich auf 20 000 türkische Pfund. Neues Siedelungsland Anschliessend au meine letzten Mitteilungen über die beabsichtigtc Trockenlegung der Sümpfe und die Schiffbarmachung der Flüsse Sihan und Djihan im Vilajet Ada na kann ich heute melden, dass diese Projekte gemäss einen! Beschluss des Ministerrates vom Sultan genehmigt wurden und nun zur Ausführung gelangen werden. Von dem durch Austrocknung Aus Marokko Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle stellt uns nachstehenden Bericht des Allianccschulleiters Pisa zur Veiiiigung: Ca s a I) 1 a n c a. 25. Februar 1905. Ich habe die schmerzliche Aufgabe, von einem Unglück zu melden, dessen Opfer unsere Glaubensgenossen von Mzab geworden sind. Am 17. d. M. kamen die Truppen des Generals d'Amade bei ihrem Zug gegen die Mdakras am Fuss der Hügel nahe bei Mzab an. Der Kaid der Kasbah Ben-Ahmed, der volksreichstcn des Mzab und die die meisten Israeliten in sich schliesst. erklärte den französischen Behörden seine Unterwerfung. Am Tage darauf übten die anderen Bewohner des Mzab Vergeltung, indem sie jene Kasbah ausraubten, die beiden Judcnviertel Stein für Stein zu Grunde richteten, eine grosse Anzahl von Israeliten umbrachten und die übrigen wie eine Herde Vieh über die Felder wegtiihrtem Diese Nachrichten sind mir amtlich bestätigt worden. Nach Auskünften von Eingeborenen haben die meisten israelitische» Einwohner jener Kasbah, einige hundert an der Zahl, sich nach Casaolanca gewendet. Eine beträchtliche Zahl soll sich auch nach anderen Kasbahs geflüchtet haben. Ich empfing gestern wieder einen aus 50 Personen bestehenden Vortrupp, von deren Eutblössung man sich eine Vorstellung machen kann, wenn man an das Elend denkt, an das die Be- Völkern!« gewohnt ist. und an die Drangsalierungen, deren Gegenstand sie ganz besonders seit einiger Zeit bildet, sowie an den langen Weg. der bis Casablanca zurückzulegen war. Ich habe iiir die Israeliten von Mzab dieselben Massnahmen ergriffen wie für die Israeliten von Settat: Unterkunft und Unterhalt für einige Wochen. Kleidung. Arbeitsbesorgung für die Männer und allmähliche Verteilung der Familien. Ein drittes Kontingent von Flüchtlingen aus Settat. das am 16. d. M. angekommen ist, brachte die Gesamtziüer auf 315. Wir haben sie alle gekleidet, ihnen Obdach und Nahrung gegeben. Vom 21. d. M. an haben wir angefangen, sie in der Siaüt zu zerstreuen, um Raum zu gewinnen für die Unglücklichen, die aus Mzab kommen sollten. Ein erster Versuch, den wir mit 10 Familien machten, bewies uns. dass sie Arbeit und Wo!!- nun« finden konnten. Auf diese Weise haben wir in 1־ Tagen über 50 Familien untergebracht. Den Rest von etwa •10 Fantilien werden wir im Laufe dieser Woche versorgt haben. nUgefähr 10 Greise, die zu keiner Arbeit fähig simJ. bleiben in der Liste für wöchentliche Unterstützungen, die von Gemeindewegen an die Armen verteilt werden. Für die Fluchtlinge von Mzab haben wir dieselben Massnahmen getroffen. Is. P t s a.

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