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Jüdische Rundschau · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ו Seite 98 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 11 Palästina-Komitee, dessen Vorsitzender zu sein ich die Ehre habe, den ersten Versuch zur Schaffung von langfristigem Agrarkredit gemacht und aut diese Weise in letzter Zeit bereits zwei neue, aus bisheriger, palästinischen Landarbeitern und kaukasischen Bergjttnden bestehende Kolonien ins Leben gcrufen: Btr-Salem in der N’iihc von Rechöböth und Fcdsche bei Pethach-Tikwah. Bei den beschränkten Mitteln unseres Komitees konnten wir hierfür nur rund 100<XK) Franken zur Verfügung stellen (dabei mussten wir noch die Hilfe des Natiotialfomls in Form eines Darlehns von 20 000 Franken in An- Spruch nehmen); wieviel wäre nun zu erreichen, wenn man für diesen Agrarkredit die verhältnismässig reichen Mittel des Nationalfonds in Bewegung setzen könnte. Dieser würde sich dann, als lebendige leistungsfähige Institution, die Sympathien der jüdischen Welt, die er in letzter Zeit leider etwas eingebiisst zu haben scheint, von neuem erobern. Aber auch das in Qrund und Boden angelegte Held des Nationalfonds wird sich dank der rapiden Preissteigerung des Bodens unvergleichlieh besser verzinsen als die englischen Konsols. Ad b) Eine zweite Hauptforderung der Palästinaarbeit ist ein gross angelegter kurzfristiger Kredit für Handel und Siiuustiie, der viele Zweige derselben ins Leben zu rufen gc־• eignet ist. Dies ist die Aufgabe der Anglo-Palestine Company. Die zionistische Organisation hat allen Grund, auf diese Institution stolz 211 sein. Im Laufe der vier Jahre ihres Be* Stehens hat die A. P. C. dem Lande ungeheuren Nutzen gc* bracht. Leider aber herrscht in der A. P. C. ein chronischer Geldmangel; auch hat sie insgesamt nur vier Filialen, während man darauf ausgeheu müsste, in sämtlichen, mehr oder weniger bedeutenden Punkten Syriens und Palästinas Boden zu fassen. Die Vermehrung der Kapitalien der A. P. C. ־wäre auf zwei Wegen zu erreichen: J. durch allmähliches Hinüber* iliessm der Kapitalien des J. C. T. in die A. P. C.; 2. noch viel wichtiger aber ist cs, den Verkauf der Aktien der A. P. C. energisch und mit allen Mitteln zu betreiben. Es ist dies ebenso möglich wie notwendig. Ad c) Die kulturelle Erziehung und Umerziehung der palästinischen Judcnhcit ist unsere dritte Aufgabe. Die fast hunderttausendköpfige Bevölkerung in ein organisches, durch ein und dieselbe, allgemein herrschende Sprache der Pro* pheten geeintes, nach ein und derselben grossen, freien Zu* ktihft strebendes Ganze zu verwandeln — das ist Sache der Kindergärten, der städtischen und ländlichen Elementar- und Mittelschulen, Gewerbelind Fortbildungsschulen, Biblio theken u. dgl. Leider aber Imt die zionistische Organisation bis jetzt diesen wichtigen Punkt ganz ausser acht gelassen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden verausgabt jährlich für Ei zichungsbediirfnlsse in Palästina 100 000 Franken, das Odcssaer Palästina-Komitee f!0 000 Franken (im laufenden Jahre hat es noch obendrein die Garantie iiir das Budget des hebräischen Gymnasiums in Jaffa übernommen), während die zionistisch. Weltorganisation für diesen Zweck sozusagen Pfennige gib! In dieser Hinsicht muss tim־ Aenderung des Kurses eintrcteii. Die englische Förderation, an deren Spitze ein Mann votr so grossen jiidisch-kuluirellen Gesichtspunkten und Aspirationen wie Oastcr steht, die Föderation, aus deren Mitte ein so edler Spender füi jüdisch-kulturelle Zwecke wie Herr Moser hervor gegangen ist, müsste die Initiative in der kulturellen Arbeit der zionistischen Organisation in Palästina ergreifen. Nehmen Sie das hebräische Gymnasium in Ihre Hände, schaffen Sie Ihm einen dauernden Fond, sichern Sie ihm die Existenz in der Zukunft! — Dies wären unsere Aufgaben in nächster Zukunft in und lim Palästina. 2. ln den Ländern der Diaspora haben wir gleichfalls einen scharf markierten Weg vor uns. Wir haben hier die Aufgabe: a) Die jüdischen Volksmasseit unter zionistischer Fahne zu einigen und zu organisieren, überall und immer laut um! stolz unsere politischen und nationalen Rechte zu verteidigen Unsere Gesinnungsgenossen in Oesterreich haben den glänzenden Beweis dafür gebracht, von welch zündender Wirkung und grossem Nutzen ein solches Auftreten ist. Diesen Weg * schlugen auch die Zionisten Russlands ein, und ich zweifle nicht daran, dass die tiefer blickenden Führer unseres Volkes in England, in den Vereinigten Staaten Nordamerikas, ja sogar in Deutschland früher oder später dem Beispiele ihrer östlichen Brüder folgen werden. b) Die Verbreitung der Kennt,ns des Judentums, der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache und Literatur ist ein unumgänglicher Faktor unserer Wiedergeburt. Die politische Renaissance allein, die nicht gleichzeitig von der kulturellen begleitet wird, genügt noch nicht. — Ihre Nachbaren und Landsleute, die Irländer, sind gleichfalls in letzter Zeit zu dieser Einsicht gelangt und haben eine spezielle Liga zur Neubelcbung der keltischen Sprache und des nationalen Geistes gegründet. Wir haben hier in Russland unter den ungünstigsten politischen und ökonomischen Bedingungen diese Arbeit keinen Augenblick vernachlässigt; ״Ibriah**-'Vereine wurden gegründet und weiter atisgebaut. ucr HASCHILOACH wurde von neuem ins Leben gerufen, mul gar manches noch wird auf diesem Gebiete versucht und unternommen. Auch Sie werden dieser Arbeit Ihre ernsteste Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. In Ihrer Mitte, in London, weilt jetzt der Vater des Kulturzionisinus. Acliad-Haam. Die Ihnen so ge* botenc Gelegenheit, mit ihm in Fühlung zu kommen, kann Ihnen in dieser Beziehung höchst förderlich sein. Suchen Sie hier etwas zu schaffen, was der englischen Juden würdig wäre! . Mein Brief ist etwas lang ausgeiallen, er wird Sie vielleicht etwas ermüdet haben. Ich hielt cs aber für geboten, auf die mich ehrende Einladung nicht mit einer üh!ichcn Begrüssung, sondern mit einer kurzgefassten Darstellung meiner Ansichten über den gegebenen Moment zu antworten. Wird doch uns kaum so bald Gelegenheit zur persönlichen Aussprache geboten sein. Mit vorzüglicher Hochachtung und brüderlichem Zionsgruss M. U S s i s c!1 k i n. Brief aus Hohensalza oder: Leber Politik und Religion, Liberalismus und O r g e I. s o w i c über allerlei andere tiefgrundige Problem e. Bitte, nicht lächeln, Herr Redakteur! Und zweitens: bitte, unterdrücken Sie die Bemerkungen, die Sic noch nie unterlassen haben, so oft Sie über irgend einen Vorgang aus Hohensalza zu berichten hatten sei es nun, dass es sich tun die Auf* fiihrung des ״emanzipierten Ehemanns im Jahre 201x1“ als geistige Wiirze einer Chamikahfeier «!der um die Gehurt des Straminen Sonntagsknabeu Arnulf Manfred David oder sonst eine intensiv jüdische Angelegenheit handelte. Im Ernst — ich bin nämlich gar nicht Ihrer Meinung, dass die Einführung des neuen Namens ein Missgritf war. So sehr der Uehereiier gerade der jüdischen Stadtverordneten l>ci der Zustimmung zu der Namensänderung zu verurteilen war — ein Eifer, der einen antisemitischen Polin zu der weiteren Umtaufung in Judensalza veranlasste ־—, und so wenig diese übermässige deutschnationale Betätigung gerade den Juden anstand, denen die Deutschen in den Ostmarken nicht minder feindlich gegen* überstellen wie die Polen, so zufrieden kann man mit der vollzogenen Tatsache sein, dass diesem Orte sein zungenverrenkender Name' genommen worden ist. Mögen Deutsche

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