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Jüdische Rundschau · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 11 JÜDISCHE RUNDSCHAU unsere!Institution zu bemerken. Da hat nämlich ein hiesiger Einwohner, dessen 3 Kinder das Gymnasium besuchen, einen südafrikanischen Verwandten veranlasst, seine beiden Knaben nach Jaffa zu schicken, damit sic das hebräische Gymnasiuni besuchen sollen. Wie gross muss die Liebe und das Vertraue« zu unserer Anstalt sein, wenn man Kinder einer englischen Schule entzieht und sich nicht scheut, sie eine so weite Reise zum Besuch einer Schule zu schicken? Nicht minder interessant ist vielleicht folgender Fall: Ein wohlhabender, orthodoxer Jude in Lodz hat testamentarisch angeordnet, dass sein Sohn das Jan'acr hebräische Gymnasium besuchen soll. Der Wunsch ward befolgt und die orthodoxen Verwandten, die dt‘11 Knaben hierher begleitet und sich hier selbst timgeselien haben, sind fiir dessen Aufnahme in unserer Schule äusserst dankbar. Auch sonst befinden sich unter unseren Schülern Söhne orthodoxer Rabbiner. Chachams etc. In diesen! Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass das Gymnasium die einzige jüdische Schule in Palästina ist, die schon jetzt ca. IttfiOt) franken jährlich an Schulgeld ein• nimmt -- ein Umstand, der um s!» bedeutsamer ist. als man liier die Bevölkerung systematisch datan gewöhnt hat, iiir Unterricht nichts oder nur recht winzige Summen zu zahlen. Würden w ir das Schulgeld wesentlich reduzieren, dann wären unsere Lokalitäten gar nicht in der Lage, den starken Zustrom der Schüler zu fassen. 2. Ein Beweis, dass unsere Lehrer bei der hiesigen Bevülkcnmg gut ungeschrieben sind, ist auch in der Tatsache zu erblicken, dass fast alle unsere Lehrer stets gebeten werden, am Sabbat!! in den Synagogen, namentlich bei den an überlieferter Sitte treu hängenden Sephardim, vor einem aiidäehtig lauschenden Publikum zu sprechen. Es ist klar, dass es nie und nimmer der Fall wäre, wenn die Lehrer irgend welche irreligiösen Tendenzen verfolgten. 3. Es ist auch ierner von Bedeutung, dass in <L*r konservativsten aller Kolonien, iu Pethach-Tikwah, andauernd das hartnäckige Bestreben besteht, das Gymnasium dorthin zu überführen (Herr Dr. R u p p i n wird wohl diese Tatsache noch in Erinnerung haben). Auch das wäre undenkbar, weilt? unser Gebahrcn die Gefühle der hiesigen Bevölkerung verletzen und Zwiespalt hervorrufen sollte. 4. Endlich verdient auch hervorgehoben zu werden, dass das Gymnasium glücklicherweise sogar vor der Belegung mit dem Chercm verschont geblieben ist — und Ihnen ist es ja wohl bekannt, dass seit Frankls Gründung der Lämclschulc bis auf die harmlosen Kindergärten unserer Tage keine moderne Schule dem Schicksal der Chercmbeleguug entgangen ist. In der Tat, wir könnten mit bestem Gewissen einerseits behaupten, dass uns irgend welche Einwirkungen auf religiösem Gebiete völlig fern liegen, und dass andererseits die hiesige Bevölkerung uns äusserst sympathisch gegenüber steht. Unsere einzige, uns stets gewärtige Aufgabe besteht darin, eine Schule zu schaffen, die neben der Erteilung des üblichen modern-wwissenschaftlichen Gynuiasiulunterrichtes, ihre Zöglinge im national-jüdischen Geiste zu stolzen, charakterfesten und jüdischen Juden erziehen soll. So einfach und sclhstvcrstündlieh dieses positiv-nationale Programm auch klingen mag, so bietet doch seine Verwirklichung genug Schwierigkeiten und es ist die ganze freudige Hingabe unserer Lehrer erforderlich, um nur einigermassen der zugewiesenen Aufgabe gerecht zu werden. Für irreligiöse Tendenzen haben unsere Lehrer weder Zeit noch Neigung oder Interesse. Unseres Erachtens entstammen alle diese Gerüchte einer einzigen gerade nicht lauteren Quelle, die wir hier nicht nennen wollen. Es mag zutreffen, dass auch gewisse Chalukah-Krcisc unserer Schule — aus politisch-wirtschaftlichen Motiven — nicht günstig gewonnen sind. Es sind dies dieselben Elemente, die beispielsweise in jeder gewöhnlichen Makkabäerfeier etwas Irreligiöses erblicken. Diesen Leuten aber werden wir nie gerecht werden können. Seite 97 Wir hoffen, hochverehrter Herr Professor, dass diese kurzen Angaben Ihnen den richtigen Tatbestand erläutern werden und danken Ihnen nochmals für Ihre gütige Mit- Wirkung. In vorzüglicher Hochachtung Die Direktion: gcz. Dr. Ch. Bogratschoff. gez. Dr. L. Met mann, gez. M. S c h e I n k i n. Schreiben Ussischkins an die J a 11 r esko 11 ie r e 11 z der En g 1 isc 11 e 11 Zionistischen Föderation.*) 11./2-I. Januar 190$. Verehrte Versammlung! Gerne beniitzc ich die mir Von der Manchester Zionist Association anlässlich Ihrer Jahrcskontersnz zugegangeue Einladung, um Sie aui diesem Wege herzlichst zu begriissen und Ihicii Verhandlungen den besten Erfolg zu wünschen. Ihre gegenwärtige Zusammenkunft wird sich wesentlich von den früheren gleichartigen Veranstaltungen unterscheiden, die sich vornehmlich mit grundsätzlichen fragen befassten. Diese Fragen sind für uns nunniehr ein für allemal, in der Praxis sowohl w ie in den Kongressbeschlüssen, abgetan. Wir erörtern nicht mehr die Frage, wohin wir wollen, nach Palästina oder nach irgend einem anderen Lande; wir beraten nicht mehr darüber, ob reale Arbeit in Palästina unverzüglich geschehen müsse oder nicht; es ist für uns kein Problem mehr, ob die Pflege national-jüdischen Lebens und national-jüdischer Kultur dringend geboten erscheint. Trotz des intensiven Kampfes, der gegen die skizzierten Prinzipien vonsciten mancher einflussreicher Elemente in unserer Partei geführt wurde, setzte sich die Wahrheit doch durch; die souveränen Forderungen des Lebens siegten, — und siegten unwiderruflich. Unsere Konferenzen und Kongresse haben sich nunmehr nur noch mit dem weiteren Ausbau dieser Grundlagen zu befassen, ihre detaillierte Anwendung und Ausgestaltung festzusetzen. — Einige Ableitungen aus diesen Grundlagen gestatte ich mir nun Ihrer Konferenz zur eingehenden Berücksichtigung angelegentlichst zu empfehlen. I. Auf dem Gebiete der realen Arbeit in Palästina sind es vor allem dreierlei dringende Bedürfnisse, die gebieterisch Befriedigung erheischen. Es sind dies: a) das Bedürfnis nach langfristigem Agrarkredit; b) das Bedürfnis nach kurzfristigem Handels- und Industriekredit; c) das Bedürfnis nach Kultur. Ad a) ״Land gegen langfristige Ratenabzahlungcn“, das ist die allgemeine dringende Forderung aller, die mit der Palüstiuaarbeit vertraut sind. Ein grosszügig organisierter Agrarkredit ist die Grundlage unserer Arbeit in Palästina; ohne einen solchen werden wir keinen Schritt vorwärts kommen. Der Nationalfond darf nur die Basis für den zu schaffenden Agrarland bilden. Dazu und für nichts anderes ist er bestimmt. Die verschiedenen geringfiigigen gesellschaftlichen Unternehmungen werden das Kolon!- sationsprohlem nicht lösen. Jedem Ansiedler muss Land, Wasser und Luft frei überlassen werden; aljcs andere muss er sich mit den eigenen Mitteln, mit dem eigenen Buckel, dc.11 eigenen Schwciss verschaffen, oder er geht zu Grunde. Der ihm überlassene Grund und Boden geht, wie die Luit, die er atmet, für das Jüdische Volk nicht verloren. Er wird immer dem Besitztum des Jüdischen Volkes angeboren. Von dieser Ueberzeugung ausgehend, hat das Odessacr *) Das obige Schreiben des langjährigen Führers der russischen Zionisten darf auf aufmerksame Leser י rechnen, auch wenn unsere Freunde in Deutschland mit uns nicht ledes Wort unterschreiben. Aber es wird geeignet sein, eine freundschaftliche und fruchtbringende Debatte unter unsern Gesinnungsgenossen zu veranlassen.

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