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Jüdische Rundschau · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 92 JÜDISCHE RUNDSCHAU No10 .׳ Epstein, Cleveland. «ingetr. durch Lcwin-Epstein. •10 Mk. No. 22 M. A. S u I k ow ich. Portland. einRetr. durch Lewiu- Epstein. 20 Mk. Zusammen 17-1.0S Mk. 3. Ratenzahlungen: Dr. Jacob Thon, Jaffa. 2. Rate 10 Mk. No. 13 Max Moritz. Clevciand. 1. Rate. 10 Mk. No. 11־ Leo» M. Miller, Buffalo 10 Mk. Zusammen 30 Mk. Rundschau Volksschulunterhaltungsgesetz Die durch das neue Preussische Schnlunterhaltungsgesetz geschaffene Lage des jüdischen Religionsunterrichts ist fortgesetzt Gegenstand der Aufmerksamkeit des D. I. G. B.. insbesondere seiner Gcineindeunterstützungskommission gewesen. Durch persönliche Rücksprache mit dem Dezernenten des Kultusministeriums hat sich der Bund über die •jeweilige Autfassung an massgebender Stelle auf dem Lausenden erhalten und seine durch Zirkulare über die von ihnen zur firlangttng eines kommunalen und staatsseitigen Zuschusses zu unternehmenden Schritte unterrichtet. Die Hauptpunkte dieses Zirkulars sind folgende: Wer die Zahl der jüdischen Kinder einer Gemeinde, die die öffentlichen, d. h. christlichen Volksschulen des Ortes besuchen, dauernd mindestens 12 beträgt, und wenn der jüdische Rc'igionsunterrieht für diese Kinder von der Svna«oge1n:c!neinde eingerichtet und unterhalten wird, so ist die Kommune gesetzlieh verpflichtet, der Synagogengemeinde eine Beihilfe zur hesoldung der von ihr bestellten Rcligionslchrcr zu!ei*teu. Wie hoch diese Beihilfe sein muss, hängt von den besonderen Verhältnissen der Gemeinde ab: 1. Von der Höhe der Komnuinalsteuern, die die jüdischen Einwohner aufbringen im Verhältnis zu den von den christlichen Mitbürgern gezahlten Steuern. 2. Von der Ersparnis, die die Kommune dadurch erzielt, dass sie den Religionsunterricht nicht selber an den christlichen Volksschulen einriclitet. 3. Von der Zahl der Stunden, die die Synagogengemeinde für notwendig erachtet. Im allgemeinen wird der Synagogenvorstand zunächst diejenige Summe fordern dürfen, die die Kommune aulbringen müsste, wenn sie selbst den Unterricht au der Volksschule unterhielte. Wenn nun. um ein Beispiel anzuführcti. durchschnitilich die Stunde mit 2 Mk. und das Schuljahr zu 40 Wochen berechnet, so würden die Kosten des Religions- Unterrichtes bei 4 wöchentlichen Stunden 320 Mk. betragen. Es Ist selbstverständlich, dass die jüdischen Gemeinden nie mehr verlangst! können, als sic selbst für den Religionsunterricht ausgeben. Da in c^en meisten Gemeinden der Rcligionslehrer auch Kultusbeamter ist. so muss sehr sorgfältig das Gehalt für den Religionsunterricht von dem Gehalt iiir seine Tätigkeit als Kultusbeamter getrennt werden. Für diejenigen Syna'gogeiigemcindcn. die selbst Icistungs* schwach sind und von den Kommunen nicht auMcickeiul unterstützt werden, hat die Staatsregierung in dem diesjährigen Etat die Summe vn!! 40 000 Mark (Resoiutionsfonds) bereit gestellt. Die Gemeinden werden sofort Schritte tun müssen, wenn sie mit einer Unterstützung aus diesem Fonds bedacht werden wollen: eine etwaige Eingabe ist an den betreffenden Regieriingspräsidenten zu richten. Auch hier ist für eine Bewilligung die Bedingung gestellt, dass in der Gemeinde mindestens 12 schulpflichtige Kinder vorhanden sind. Wo diese Zahl nicht vorhanden ist, da werden die Gemeinden gut tun. sich mit einer oder mehreren Nachbargemeinden zusammenzuschliesscn und eine Art von Schul-Sozictät für den Religionsunterricht zu bilden, sei cs. dass die Kinder an einem Orte den Unterricht empfangen, sei es. dass der Lehrer Wunderunterricht erteilt. Nach den Erklärungen des Herrn Ministcrialdirektors Schwartzkopf in der Sitzung des Abgcordnetenhauses von! 21. Februar d. J. ist es sicher, dass die Regierung einer solchen Sozietät eine Unterstützung nicht versagen w ird. Die sachverständige Auskunft des Bundes bezgl. der vorschiedcnen entstehenden Einzelfragen steht den Gemeinden zur Verfügung, wie der D.I.G.B. bereits durch mehrere seiner Mitglieder an den Arbeiten der JJberleitungskoniinission־* gemeinsam mit den Vertretern des Verbandes der deutschen Juden an der Beantwortung der sehr mannigfachen und schwierigen Fragen mitgearbeitet hat. Hebräische Kulturarbeit in Galizien unter der jüdischen Jugend Leider wird die kulturelle Arbeit, die doch den wichtigsten Teil unserer Arbeit darstellen sollte, vernachlässigt. Es wurde zwar eine Kommission zur Bearbeitung dieser Fragen eingesetzt man hat aber bis jetzt nur wenig von ihr gehört. Es bestehen in Galizien schon eine ganze Anzahl hebräischer Schulen, die von Hunderten von Schülern besticht werden. Die Schulen leiden unter dem Fehlen materieller Unterstützung und haben auch durch die Ouülcrcicn der polnischen Behörden viel auszustehen. Dank den Bemühungen des Gesinmmgsgenossen Sofcr ma n n wurde zwar ein Bund der hebräischen Lehrer in Galizien gegründet, diese Organisation entbehrt aber jeder materiellen Unterstützung und moralischen Autorität. Umsomehr wäre es Pflicht des Zentralkomitees, dieser wichtigen Frage »«.me Aufmerksamkeit zuzuwenden. Erfreulich ist die Tatsache, dass trotz der grossen Mindernisse die studierende Jugend sich mit grossem Eifer dem Studium *uer hebräischen Sprache und Literatur widmet und dass insbesondere die jüdischen jungen Mädchen bestrebt sind, sich die Kenntnisse der hebräischen Sprache zu eigen zu machen. Unter den drückendsten Verhältnissen, verfolgt vom polnischen Lehrer, lernt heute der jüdische Gvmnasialschiiler zusammen mit seinen Kollegen in den gemeinsamen Kursen, die sehr oft nur heimlich veranstaltet werden können, und auf eigene Kosten und man braucht nicht erst hinzu/utügen. dass seine Mittel nicht irgendwelche Extravaganzen gestatten seine uit-nationalc Sprache, um sich ihrer dann im täglichen Verkehr mit Freunden und Gesinnungsgenossen zu bedienen. Schon ist der Gedanke anfgetuuciit, das Or^an der zionistischen Jugend Galiziens die MORlAli. die jetzt in polnischer Sprae״v• erscheint, demnächst in hebräischer Sprache herauszugeben. Zur dudenfrage in der Duma Der Korrespondent der Warschauer NO WA GAZETA hatte eine Unterhaltung mit dem Dumadeputicrten Rechtsanwalt Nissclowitz. der sich folgcndcrmassen über die Judenfrage in der Duma äusserte: Man würde irren, wenn man die Stimmung nach der Zugehörigkeit der Deputierten zu den verschiedenen Parteien beurteilen wollte, da innerhalb der verschiedenen Fraktionen gewisse Nuancen von grosser Wichtigkeit vorhanden sind, ich arbeitete in drei Dumakommissionen und kann konstatieren, dass ich niemals irgendwelche antisemitische Tendenzen bemerken konnte, trotzdem es viele Gelegenheiten dazu gab. Man kann selbstverständlich daraus keine weitgehenden Schlüsse für die ganze Frage ziehen, aber gewisse Unterredungen. die ich hatte, zeigten deutlich.* dass viele von den Deputierten mit den gegen die Juden angewandten Repressionsmittehi keineswegs sympathisieren. Was den rechten Dumafliigel anlangt, so muss man hier die chauvinistischen Nationalisten. deren es wenige gibt, von der ganzen Rechten unterscheiden. Ich hatte bis jetzt noch keine Gelegenheit, mit diesen zu sprechen, und muss mich deswegen jeder Beurteilung ihrer Ansichten enthalten. Einige einflussreiche Deputierte aus der gemässigten Rechten haben sich in dem Sinne ausgcspil׳chen. dass sic eine sofortige und vollständige Gleichbercchtigung der luden als vorzeitig betrachten, dass s*ie aber iiir eine graduelle Besserung ihrer Lage und Abschaffung verschiedencr Beschränkungen stimmen werden. Welche Beschränkungen damit gemeint wurden, ist schwer zu erraten, doch ist Herr Nissclowitz geneigt zu behaupten, dass die Stellung der gemässigten Rechten zur Judenfrage keine feindliche sei. Seitens der Oktobristen sind viel zahlreichere und weitergellendere Konzessionen zu gunsten der Juden zu erwarten. Die Initiative zur Einbringung des Projektes der jüdisehen Gleichberechtigung muss von den jüdischen Deputierten a 11 s g e 11 e n und wird von allen progressiven Elementen der Duma unterstützt werden. Bis jetzt war noch kein geeigneter Augenblick dazu da. aber er kann jeden Tag kommen. Denn anderfalls könnte es geschelicn, dass die Regierung der Duma einen Gcsctz.entwurf über die Juden voriegen würde, für den dann vielleicht eine kleinere oder grossere Mehrheit stimmen könnte. Und es unterliegt keinem Zweifel, welche Stellung die Regierung in diesem Falle einnelimen wird. Es bleibt abzuwarten. inwieweit die ziemlich optimistischen Erwartungen des Herrn Nissclowitz sich erfüllen oder — eine grobe Enttäuschung erfahren werden. Jüdischer Ackerbau in Kalifornien Die ״Jewish Agriculiurists Aid Society 01 America* (Ge- Seilschaft zur Förderung des Ackerbaues unter den Jüdin in

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