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Jüdische Rundschau · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 93 Amerika) hat eine neue Aktion zur Förderung des Ackerbaues I unter den Juden eingeleitet. Sic kaufte in Süd-Kalifornien ein grosses Stück Land, welches sic durch Juden besiedeln will. Das Land liegt zwischen zwei grossen Eisenbahnlinien, der Santa-Fö- und der südlichen Pacific-Bahn. wodurch sein Wert jedenfalls gesteigert wird. Wie die Leitung der Gesellschaft versichert, ist der angekaufte Boden sehr fruchtbar und eignet sich sowohl zur Züchtung aller Südfrüchte, wie verschiedener Gemüse und Obstkultur. Ebenso gäbe cs da genügendes Wekfcfcld für das Vieh. Eine arbeitsame Familie könne eine Farm von 5 Acres innerhalb 3—4 Jahren abzahlen und sich einen Wohlstand! sichern. Die Gesellschaft hat die Absicht, von den Bewerbern nur die zur Bewirtschaftung einer Farm körperlich geeigneten zu berücksichtigen und sie in Gruppen •von 10 bis 40 Familien anzusicdeln. Die Aktion ist eine philanthropisclic. doch soll sie auf rein geschäftlicher Basis durchgeführt werden. Die künftigen Farmer müssen allmählich alles bezahlen. Mit den Besicdlurigs- und Einführungsarbeiten wurde ein Herr Dr. Le wy betraut, der auf eine 20jährige Erfahrung in der Gründung jüdischer Farmer-Kolonien zuüekhlicken soll. Die Lage in Marokko - Das Deutsche Bureau der Alliance Israclite Universeile stellt uns nachstehenden Bericht des Ailianccschulleiters Pisa zur Verfügung: Casablanca. 13. Februar 190$. In Ergänzung meines Schreibens vom 9. Februar teile ich Ihnen mit. dass 3t! neue Flüchtliiigsiamilien aus Senat gestern hier cingctroffcn sind. Ihr Zust.and war ebenso kläglich wie der des Zuges vom 9. Februar. Die Zahl der Flüchtlinge ist mm auf 255 gestiegen. Männer. Frauen. Kinder. Die neu angekommenen 30 Familien hatten während des Bombardements der Kasbah Settat nicht verlassen wollen. Aher aus Furcht vor einem erneuten Angriff der Araber entschlossen sie sich, den. französischen Truppen bis Casablanca zu folgen. Alle sind ciiistümnig in dankbarer Anerkennung für die hochherzige GastfrcuiKlscliait der Offiziere und Soldaten. Der Artillerie-Kom- Mandant Massenet Hess Frauen und Kinder auf die Munitions- und Proviantwägen setzen, obwohl, die Tiere recht ermüdet wäret!. Kapitän Vernier ftbcrlicss sein Pferd einer armen blinden Frau und marschierte 5 Stunden lang neben ihr zu Fuss. Noch andere ähnliche Handlungen der Nächstenliebe werden berichtet. Heut besuchte mich Scheik Bcn-Omar. der auf meine Empfehlung die Israeliten so wirksam geschützt hat. Mit ihm kam Herr Carl Ficke, der Doyen der Deutschen Kolonie. Sie bestätigten mir Punkt für Punkt den Bericht. d?n ich Ihnen ehegestern geschickt habe, und fügten einige Einzelheiten hinzu, die absolut zutreffend befunden worden sind. Bei dem Abmarsch der Franzosen nach der ersten Be- Setzung von Settat warfen sich die Araber auf den Mcllah mit der Absicht, die Juden zu vernichten, weil sie die französischen Truppen begrüsst hatten. Etwa 40 Israeliten wurden getötet,— den! Morden wurde erst ein Ende bereitet, als Scheik: Omar in Persien zum Schutze des Meüah sich dort einfand und eigenhändig einen Plünderer tötete, um offenbar zu machen, dass er die Räuberei nicht dulden wolle. Dank dieser Haltung wurde den Uebriggebliebencn das Lehen gereuet. Scheik Omar hat mir versichert, dass viele Juden jenseits Settat zurückgeblieben sind Und wahrscheinlich ,nach dem zweiten Abmarsch der Franzosen den T<td gefunden haben. Scheik Omar, der von den französischen Truppen gefangen Kcnonmten und dann wegen seiner loyalen Haltung wieder in Freiheit gesetzt worden war. ist im Begriff, nach Settat zurückzukehren. Er wird mir schreiben, ob die Rückkehr der Israeliten dorthin möglich sein wird. Is. Pisa. Während des Druckes 1 *halten wir Nachricht von neuen Judcnitiorden ung Plünderungen in Marokko. Ernesto Nathan Eine mit dem neuen Bürgermeister von Rom petsönlicli bekannte Dame schreibt Uber ihn und seine Familie: . Signor Ernesto Nathan, ijer neue Bürgermeister von Rom, ist iu England geboren und studierte in Oxford. Sein Vater war englischer Bürger, aber von deutscher Abkunft. Seine Mutter dagegen, die berühmte Signora Sara l.c vi- Nathan, war in Italien geboren und ist eine der aus dem italienischen Freiheitskampf berühmten Frauen. Sic war eine grosse Freundin von Mazziui.' der ein guter Freund der Familie und so eingenommen von Signora Nathan und ihren elf Kindern, als w׳üre es seine eigene Familie. 1111 Hause eines der Kinder von Signora Nathan.־, der Gianetta Nathan-Roselli iu Paris war cs. wo Mazziui starb. Bald nachdem die Schreiberin dieses in Florenz die Bekanntschaft dieser reizenden und interessanten Familie machte, fanden grosse Festlichkeiten in Pcsaro, dem Geburtsort von Sara Levi-Nathan. statt, da eine Strasse ihr zu Ehren benannt und eine Gedenktafel an ihrem Geburtsbause errichtet worden war. Alle Kinder der Familie waren ausserordentlich stolz auf ihre Mutter und sprachen oft von ihr. Sie war eine schöne, grosse und vornehme Frau, ״eine Mutter in Israel“ von edelster Art. — Acht Jahre später kam Signor Ernesto Nathan einmal nacli Florenz mit einem steifen Hals und einem Schmiss über den Kopf, welchen en in einem Duell mit irgend jemand erhalten hatte, der es gewagt hatte, verächtlich von seiner Mutter iu Verbindung mit Mazziui zu sprechen. Die Nathans waren immer Republikaner, und sind cs auch noch, trotz aller anderen Mitteilungen, die in den Zeitungen stehen. Natürlich, die Schwestern Ernesto Nathans sind Modedameu geworden, gehen zu Hof. zur Verzweiflung der anderen. Eine dieser Schwestern hat den Marchese Monaldi geheiratet, aber sie ist so stolz darauf, eine Nathan zu sein, dass sie sicli immer selbst Marchesa Nathan -Monaldi nennt und auch so genannt wird. Man erinnert sich, dass die Königin Marghcrita itn Jahre 1587. bei der Feier des tausendsten Jahrestages der Gründung der Universität Bologna, Carducei bestrickte und ihn zu einem Monarchisten machte. Dasselbe versuchte sic mit Signor Nathan, aber ohne Erfolg. Er w׳ar Präsident einer grossen öffentlichen Wohltätigkeits-Institution — eines Waisenhauses oder einer ähnlichen Anstalt. Die Königin besuchte diese Anstalt. und Signor Nathan musste sie empfangen und ihr alles zeigen. Die Königin liess alle ihre Künste spielen, aber Nathan ist doch ein guter Republikaner geblieben. Die Schreibend dieses glaubt, dass die Familie Nathan die Königin sehr hewundert und achtet, und sic wäre nicht überrascht, zu hören, dass zwischen dem König und Signor Nathan freundschaftliche Beziehungen bestehen. Die Familie Nathan bekleidet eine grosse gesellschaftliche Stellung: sie unterhält eine grosse Freischule in Rom f!ir arme Kinder, •genannt ..Mazzini-Schulc“. Seit ungeiähr zehn Jahren werden dort 150 Kinder unterrichtet, und im Winter erhalten diese Kinder ausser warmen Kleidern noch eine gute, warme Mahlzeit täglich. Die Marchesa Monaldi war früher Lehrerin an dieser Schule. — Signor und Signora Nathan gründeten auch ein Heim für stellenlose Mädchen, für das Nathan bereitwillig 30 000 Francs zur Gründung hergab. Die Mädchen werden dort völlig verpflegt, und man hilft ihnen, eine Stellung zu finden: sie bezahlen nur eine kleine Summe für die Mahlzeiten. Signora Nathan ist eine bemerkenswerte Frau und hat die notwendigen Fähigkeiten für ihre hohe Stellung. Sie sorgt viel für das öffentliche Wohl, und jetzt, als Gattin des Bürgermeisters von Rom. wird sie genug zu sorgen haben. Aus Vereinen und Gemeinden Anerkennung ln Anerkennung seiner sozialen Tätigkeit erhieh. der Jüdische Volks verein in Berlin von einer der bcdeutendsten amerikanischen philanthropischen Organisationen, der Hebrew Immigrant Aid Society, ein Schreiben, das win in deutscher Ucbersetzung mitteilen: Auf der Jahresversammlung der Hebrew Immigrant Aid Society, die am Sonntag, dem 2f». I. 08. abends, iin Saale der Educational Alliance. Ecke East Broadway und Jefferson Str. algehalten wurde ־ die Versammlung zählte über 1500 Teilnelinier — wurde einstimmig Ihrer werten Organisation der Dank ausgesprochen jiir die vortrefflichen Dienste, die Sie während des letzten Jahres den unglücklichen jüdischen Kmigranten geleistet haben. Weiter wurde Ihnen Dank gesagt für Ihr freundliches Zusammenarbeiten mit den Leitern unserer Gesellschaft bei der Hilfsaktion für viele Unglückliche. Es war auch der Wille der Versammlung, dass die Leitung unserer Gesellschaft die hier erwähnten Beschlüsse Ihrer werten OrganisatUm zu übermitteln und Ihnen hierbei versichern solle, dass die grosse Versammlung die Gefühle des jüdischen Volkes in Amerika ausdriieke. Mit den freundlichsten Empfehlungen von allen Leitern und Mitgliedern der Hebrew Immigrant Aid Society verbleibe ich Ihr gehorsamer Diener gez. A. Franklin. Schriftführer. ׳>״*«*!iw ־־$**, ין*’*"־?•

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