Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 10 Seite 88 nicht versteht und was es nicht angeht. Das sind die berühmten MITTEILUNGEN AUS DEM VEREIN ZUR ABWEHR DES ANTISEMITISMUS. Das:Blatt, das eist vor gar nicht so langer Zeit sich die Freiheit nahm, sich in unsere innersten;Gemeindeangelegenheiten einzumischen, das mit dem feinen Instinkt, den es hat, wenn es gilt, sich am Unrecht zu beteiligen, unberufenster Wei.;e in dem Dr. Emil Cohn-Streite der Jüdischen Gemeinde gegen den Rabbiner auftrat, weil er sich gegen die Judentaufen au«־ gesprochen, hält es für nötig, uns wegen unserer Artikel gegen die STAATsBUERGERZEITUNG und wegen unserer Ablehnung Mugdans anzurempein. Es glaubt sich offenbar, weil wir es für unserer Würde nicht entsprechend erachteten, seine Beleidigungen gegen uns vor den Strafrichter zu ziehen, dazu berechtigt, uns weiter zu beschimpfen. Es tut das in einem Ankel, den es von ״jüdischer Seite" erhalten haben will und in dem es zu erkennen gibt, dass es unsere Artikel gar nicht gelesen hat, sondern nur aus den entstellten Wiedergaben der antisemitischen Blätter kennt. Aber das Blatt hat uns Juden - von Juden wird es keineswegs redigiert - schon so oft blamiert, dass wir nunmehr an die für das Blatt verantwortliche Leitung der Freisinnigen Vereinigung die dringende Frage richten, wann sie endlich das weitere Erscheinen dieses Blättchens, das keine Existenzberechtigung mehr hat, endgütig inhibieren will, damit nicht seine Fehler auf die Rechnung der freisinnigen Vereinigung geschrieben werden. Bei den vorigen Landtagswahlen wurde, so viel wir wissen, bereits von jüdischer Seit«' die Frage an die Parte leilung gerichtet, was sie zu tun gedenke, dass das Blatt nicht mehr in jüdische innere Ange'egenheiten sich unberufen einmische •und insbesondere den Zionismus anrempele Der־ Abgeordnete Dr. Friedrich NaumannVund Dr. Barth gaben darauf eine nicht misszuverstehende Antwort Es sollte genügen, den damals anwesenden Redakteur der MITTEILUNGEN mit dem langen Namen an diese Antwort zu erinnern. Wir sind es überhaupt gewöhnt, dass die angeblich liberalen Blätter sich in unsere Gemeindeangelegenheiten hineinmengen. Aber wir wollen diesen Unfug nicht länger dulden. Wir lassen ihnen gern ihre kurzlebige Blockherrlichkeit und verbitten uns nur, in unsere Häuslichkeit hineinzureden. Da können wir keine fremden Gäste gebrauchen. Und Fremde sind die liberalen Zeitungen, die jetzt ihr liberales Herz entdeckt haben im badischen Kampfe gegen unser Jahrtausende altes Hebräisches Gebetbuch. Hätten sie einmal . ihre liberale Nase wirklich in ein hebräisches Gebetbuch gestickt, so würden sie sich wohl hüten diese selbe liberale Nase in unsere innerste Angelegenheit zu stecken, in die Frage, wie wir zu unserni Goit beten wollen. Wer an Gott wirklich glaubt und nicht bloss fromme oder liberale Phrasen drischt, hat.es nicht nötig, den andern zu uniformierten Gebetbüchern zwingen zu wollen. Die ganze liberale Presse in Süddeutschland, die jetzt Front macht gegen das hebräische Gebetbuch, das ihren getauften, und noch ungetauften Mitarbeitern so absolut unbekannt ist, mengt sich da in unsere Herzensange egenheit e'n. Da sie selbst nicht beten, mögen sie es doch:denen, die noch an• dächtig sein können, überlassen, in welcher Form sie ihre Andacht üben wollen. Wie wir uns Mugdans Eintreten für angeblich wer wei$s*wie wichtige jüdische Interessen verbeten haben, so weisen wir die Einmischung der Presse seiner deutschen politischen Partei zurück, wo wir uns darüber streiten und *verständigen, in welcher Form in unsern Gotteshäusern gebetet werden soll. ' - Judacoborussus. Badische Gebetbuchreform Die zionistischen Gruppenverbände Badens versenden soeben an alle badischen Juden folgenden Aufruf: Die Stellung der badischen Zionisten zur Gebetbuchreform des Grh. Oberrats. Ein weit lebhafteres Interesse, als cs sich hei den bisherigen Wahlen zur israelitischen Landessynode zeigte,!)ringen die badischen Juden der demnächst statt findenden Neuwahl entgegen. Schon hat sich ein Aufmarsch der Parteien vollzogen. Der Oberrat hat seit längerem eine energische Agitation eingeleitet, um für seinen der nächsten Synode vorzulegenden Plan, einer Gebetbuchreform im Lande Stimmung zu machen. Die orthodoxen Kreise, die sich durch die Reform des Gebetbuches in ihren heiligsten Empfindungen verletzt und in ihren Rechten bedroht fühle», haben sicli zu einer kräftigen Abwehr zusamniengesehlossen. Als Gegengewicht gegen die Propaganda der gesctzestrcueii Juden ist ein liberaler l.aiidesvcrcln in! Entstehen begriffen. Wir badischer! Zionisten treten hiermit zum ersten Male anlässlich einer. Sydnn.iiwalii aus unserer, religiuseu f ragen und DiiicrcMzeu gegenüber geübten Reserve heraus, um 1111 s c r e 11 A n 11 ä 11 g e r 1: und F r e 11 n d c 11 e i 11 e Dir «־ k t i v c für ihr Verhalten in de n iicvnrstc 11 e 11 d e 11 Wahlkämpfen /.u gehen. Wir stellen der ganzen Institution einer, die badische Judcnhcit einheitlich zusamtuctifassendcu Rcpräscntanz, wie sic O h c r r a t und S y n o d e darstellcn, mit voller Sympathie gegenüber. Wie wir die älteste und natürlichste Organisation der Juden in der Diaspora, die Gemeinde, als ein Mittel zur Erhaltung und Förderung jüdischen Gemeinschaftssinnes betrachten, so erblicken wir auch in der zentralen Organisation der badischen Juden eine Einrichtung, die geeignet ist, dem jüdischen Leben in Baden Kraft und Impulse zu verleihen. Wir erkennen gerne an, dass von Ober rat und Synode seit dem Beginne ihres Wirkens manches Erspriessliche nach dieser Richtung geleistet wurde; besonders begrüssen wir von unserem zionistischen Standpunkt aus d.e F'iirsorge, welche man der Hebung des Schul- und Erziehuiigswescns zugewendet hat. Die vor einigen Jahren eingeleiteten Bestrcbungcit unserer jüdischen Behörde auf sozialem Gebiete haben sogar auf der Tribüne des fünften Zimiistcnkongrcsscs laute Anerkennung gefunden. Um so peinlicher berührt uns die seit einiger Zeit unverkennbar hervortretende Erscheinung, dass die Tatkraft des Oberrats sich immer mehr einengt auf einen Gegenstand: die <i e l> c t b 11 c h r e i o r nt, und «dass die Bemühungen des Oberrats sichtlich dahin zielen, auch das Intercsse der Mitglieder der Landessynagoge aui diesen eine n Punkt icstzulegen. Wir beklagen es von imsciem zioiiisti* scheu Standpunkt aus lehhait, dass mit dem keineswegs aus ein e m starken Verl a n g e 11 der jüdisch e 11 Bevölkerung, sondern lediglich aus der subjektive n R e f n r m s uc h t. Ein z e 111 c r hervorgegaiigeuen Plane einer (» c b e t b u e 11 ä n d e r 11 u g ein Zankapfel 11 ineingeworfcii wurde in die badische Judcnhcit. und Zwietracht gesät wird, deren Folgen noch gar nicl t zu übersehen sind, die aber jedenfalls die Arbeit an den gc tu e i ״ s a m cii a u f g a l> c 11 der badischen Judcnhcit aufs schworst c gefährden muss. Wir bedauern, dass Mitglieder des Oberr a t s für die Gewissensnot gerade der treuesten Anhänger der jüdischen Religion so wenig Verständnis zeigen, dass sie die Beschwerden und die Verteidigungsmassnahmcn der sich 'bedroht fühlenden konservativen Minderheit mit schaden Augriffen beantwortet haben. r* v