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Jüdische Rundschau · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 10 jüdische Rundschau Wir wünschen sehnlichst, dass der O b e r r a t durch Zurückziehung seines Gcbetbuchrcf>rmpro|ektes den Ruf seiner Unparteilichkeit und Gerechtigkeit wieder herstellen, dass er durch das Beispiel einer solchen Entsagung das Vertrauen in seine Ericdensliebe festigen und dadurch die Bereitwilligkeit der Juden Badens, mit ihrer Behörde gemeinsam zum Wohlc des Judentums zu wirken, neu beleben möge. Sollte indes der 0 b c r r a t in Nichtachtung der Gefahren, welche er für die Einheit und den Bestand der badischen Judenheit mit seinem Rcformproickte hcraufbeschwört, den Gebetbuchsplan der Synode vorlcgen, so werden wir — unbeschadet der Freiheit, die wir unseren Anhängern in religiösen Fragen zubilligen —• sic darauf hiuweisen müssen, wie sehr auch zionistische Interescsn durch das Reformgebetbuch betroffen werden. Das bisher gebräuchliche Gebetbuch atmet n-och die ganze ursprüngliche Kraft echter Empfindung, die unserem Volke eigen war. Ein gewaltiges Pathos durchgliihtc die alten Zeiten, in denen noch der Stolz und die Würde ungebrochener Persönlichkeiten in unserem Volke lebten. Zwischen jener Zeit, in der das Gebetbuch entstand, und der unserigen liegt unser Eintritt in die europäische Kulturweit, den uns die Emanzipation vcrmiticlte. Mit der Aufnahme ,der modernen Kultur in uns vollzog sich leider eine zunehmende Missachtung jüdischer Werte ir. unseren Reihen. Die schwindende Wertschätzung des alten Gebetbuches ist nicht, wie der Ob er rat meint, auf das* Vorhandensein ungeeigneter Gebete zurfickzufähren, sondern sie ist nur eine Ausdrucksform jener betrübenden Erscheinung, dass das stolze jüdische Empfinden im Schwinden begriffen ist. Um das jüdische Bewusstsein neu zu stärken, täte eine Reform not, die dahin zielt, den Stolz auf unsere Geschichte zu wecken, das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Juden aller anderen Länder zu beleben, das Verständnis und damit die Liebe zu c r sc h 1 i esse n für die .leidende und doch so reiche, für die niedergetretene und dennoch starke Seele der jüdischen Masse. Statt dessen charakterisiert sich die geplante Gebetbuchreform als eine weitgehende Rücksichtnahme auf das krasse Assimilantentu nt. In dem neuen Oebetbuche sollen die Erinnerungen ausgemerzt werden an unsere einstige Grösse, an Zion und Jeruschalajlnt, die Hoffnungen auf unsere nationale Wiedergebürt, die Aeusscrungen des Stolzes aut uns als Volk und der Zusammengehörigkeit aller seiner Teile! Das ist uni so bedenklicher, als der Entwurf auch zur Einführung in den Unterricht bestimmt ist. Die heranwachsendc jüdische Generation soll ihre jüdische Erziehung an der Hand eines Buches erhalten, in dem ihr Steine statt Brot, dürrer R a t i o tt a l i s nt u s statt warnten Lebens dargeboten wird. Der so gestaltete Gebetbuchentwurf wirkt entgegen dem Punkt 3 des ״Basler Programm s“, das von uns fordert ״die Stärkung des Jüdischen Selbstgefühls und Volksbewusstselns“. Daraus ergibt sich, dass wir nicht ruhig die Absichten des Ober rats sich verwirklichen lassen dürfen, sondern Partei ergreifen müssen in dieser Frage. Der Entwurf verstösst aber weiter gegen unser Streben. Trennendes innerhalb der Judenheit h i n •t a tt z u - halten und das Einigende kräftig zu betonen. Etrauchcn wir heute nicht vor allem Frieden Im eigenen Hause? Aber nicht nur, dass das Werk des 0 b e r r a t s eine starke Erregung bereits in die eigenen Reihen getragen hat, die bedenkliche Folgen nach sich ziehen muss, wenn erst der Entwurf Gesetz wird; nicht nur, dass es den Unfrieden In die Gemeinden tragen tvird und nicht nur, dass keinerlei Kautelen getroffen sind für das beunruhigte Seite 89 Gewissen der religiösen Minderheiten, die man doch nicht wohl aus der Gesamtorganisation hinausdrängen will: dieser Entwurf ist nur zu geeignet, eine neue Schranke aufzurichten: die Schranke zwischen dem badischen Judentum und dem Judentum der übrigen Welt. Somit erwächst für uns die gebieterische Pflicht, dafür zu wirken, dass der Entwurf des Oberrats nicht G e s c t z w i r d. Alter nochmals sei betont: wir wissen uns frei von jeder Art von Feindseligkeit gegen die jüdische Behörde Badens. Wir wollen nur dem Frieden dienen und mithelfen, die Bahn frei zu machen zu neuer ersprlessllcher Reformarbelt: za wirklich gedeihlichem, frJcdvollem Wirken auf dem Gebiete der Förderung jüdischen Bewusstselns, jüdischen Wissens und sozialer Arbeit. Zionistischer Gruppenverband Nord-Baden. Dr. med. Julius Moses, Mannheim. Julius Sim*o!1, Mannheim. Dr. med. S i nt o n F e I s c n t h a 1, Mannheim. Dr. med. Fritz Fulda, Mannheim. Ludwig G ö t z!, Mannheim. Dr. med. Ludwig M a n n, Mannheim. A I c x a n der Hirsch, Rechtsanwalt. Heidelbc! g. Wilhelm Bahr. Karis! uhe. Dr. Moritz P i ä 1 z e r, Rechtsanwalt, Weinheini. Zionistischer Gruppenverband Süd-Baden: M. Kaufmann, prakt. Arzt, Freiburg. M o r i 17׳. Weil, Freiburg. B c r t h o I d Epstein, Riclistettcn. Dr. med. D. R u c c k , Eichstetten. Adolf Hey -,n ann, Müllheim. J 0 s e i Neub u r g e r , Fabrikant, Gailingen. Josef B e r n h e i m e r, Fabrikant, Gailingen. M. Bloch, Rechtsanwalt, Konstanz. ThePalestine Land DevelopmentCo.Ltd. Aufstallung der bis zum 20. Februar 190S für die obige Gesellschaft gezeichneten Beträge: Berlin: Prof. O. Warburg (1 Gründeraktie) S. Hcpner (1 Grunderaktie) I)r. Arthur Ruppin Dr. H. G. Heymann RentierGidc onHeymann Notar Schachtel Isidor Rosenthal Julius Busse Apotheker Mamlock Hermann Struck Dr. S. Soskin Dr. Arthur Hantke Ruven Asarclt F’höbus Sachs Hamburg: Moritz S. Wo!ft Gustav Tuch Generalkonsul Paul Ed Nölting .(christl.Philo• zionist) Dr. med. David Sally M. Mainz Ludwi״ Mainz * Hugo Mainz Cuxhaven: J. Scharfstci(1 München: Dr. Isaac Straus Dr. Eli Straus Kunstmaler Hcrmaiut Halle: Dr. Albert Straus Köln: David Wolffsohn (1 Grunderaktie) Deutschland: Freiburg L Br.: Dr. AL Kaufmann £ 50 Moritz Weil £•50 Mannheim: £ 25 Julius Simon £ 25 W ilhelm David Frankfurt a. Main: J. Haekenbroch Dr. Fcuchtwanger Fritz Sondheimer Leopold Oppenheimer Joseph S. Oppenheimc. Joseph L. Oppenheimer Dresden: Paul Tietz £ 25 S. 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