Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 84 —ך- JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 9 Aus Gemeinden Dessau. Am Dienstag, dem II. d M., wurde hier die neuerbaute Synagoge eingeweiht. Das Hatis erhebt sieh prachtvoll und ist eine Zierde der hiesigen Stadt. Die hiesige jüdische Gemeinde hat sich durch die Errichtung dieses herrliehen Gebäudes ein schönes Denkmal für die Zukunft gesetzt. Während der Feier war die Synagoge bis aui den letzten Platz gefüllt. Die staatlichen und städtischen Behörden waren anwesend. Das Erscheinen des Herzogs und des ganzen Hofes verlieh der. Feier einen weihevollen Nimbus. Die hohen Herrschaften nahmen innigen Anteil an dem Aktus. und cs . war herzbewegend, zu sehen, wie die hohe Frau, die Herzogin- Mutter, die Gebete mitsp:ach und in tiefer Ergriffenheit der Zeremonie folgte. Die Feier begann mit Gesang, vorgetragen vom Herrn Kantor W e i 11 und dem hiesigen Svnagogcn-Clior- Verein. Hierauf entzündete der Bezirks-Rabbiner Herr Dr. Saalfeld aus Mainz die ewige Lampe, wobei er mit tiefempfundenen Worten auf die Bedeutung dieses schönen Brauches hin wies. ..Es werde Licht!" ertönte bei Erschaffung der Welt. Dieser Ruf sei heute noch das Losungswort des Jüdischen Volkes. — Der Landesrabbine/ Herr Dr. Walter hielt die Festrede. Von den vielen bemerkenswerten Worten sei hier folgender Satz erwähnt: ״Das Gotteshaus.‘• so sagte er. ״soll der Gemeinde ein Sinnbild der Treue sein, der Treue gegen Gott, gegen sich selbst, gegen ihren Glauben und ihre Geschichte, gegen ihren Stamm und ihre Tradition. Solche Treue erziehe zu guten Bürgern, zu Pflichtbewusstsein und redlichen Söhnen des Vaterlandes." — Chor- und Sologesang lildeten den Schluss der Feier. Nach derselben wurde den fremden Gästen ein Festessen gegeben, bei welchem der Gemeindevorstaud und die Repräsentanten als Gastgeber anwesend waren. Wie üblich, wurden bei Tisch viele Reden gehalten; die meisten jedoch gipfelten in der Beteuerung der Liebe zum deutschen Vaterlamie. Hierdurch sah sielt Herr Rechtsanwalt Dr. Ascher veranlasst, die Fcstvcrsaminlung , auch auf die gegenwärtige grosse Bewegung im Judentum | hinzuweisen. Die Liehe zun; deutschen Vaterlandc sagte י er — brauche nicht fortwährend betont za werden. ״Das•1 Moralische" — sagt Yischer — ..verstehe sich von selbst." j Was in dieser feierlichen Stunde notwendig erscheine, sei der \ Hinweis auf das Ringen des Jüdischen Volkes, welches nach i seiner W'icdergebuit. seiner geschlossenen Einheit trachtet. Denjenigen Männern, welche für diese Ideen entstehen, sei bei ihrer Liebe zum Deutschtum das Judentum nicht eine pietätvolle Erinnerung, sondern eine .vorwärtstreibende Macht. Diesem Redner sekundierte Herr Kantor Blitz. In warmen Worten feierte er die jungjüdische Bewegung. Die deutschen Juden, die auf ihre Kultur stolz sind, haben zuerst die Pilicht, für die Gesamt-Judenheit einzutreten. ..Was wurde denn." so fragte er. ״aus der Handvoil deutscher Juden werden, wenn die ungleich grössere Mehrheit des Jüdischen Volkes moralisch und physisch verkümmern würde?" Er hob die Toleranz des hiesigen Gemeindevorstandes hervor, der die jtingjiidisclte Bewegung, die sich hier eine Pflanzstätte errichtet, nicht hemme, sondern eher fördere. ־ Solche Gespräche w iirzten das;Mahl und hohen die Stimmung der Anwesenden. So war die Feier in allen ihren Teilen gelungen. Am Sonntag soll ein Volksfest für die ganze Gemeinde den Schluss der Feierlichkeiten bilden. So möge denn die neuerbaute Synagoge ein Markstein in der Geschichte des Jüdischen Volkes in unserem Lande sein. Möge aber auch der Zustand cintretcn. wo es dem Jüdischen Volke nicht allein möglich ist. prunkvolle Häuser zu errichten, sondern diese zu wahren Pflanzstätten cclit-jiidisciieii Lehens zu ii'achen. B. Lesefrüchte Ausdauer ist es, was entscheidet! Ausdauer! Glaube! Zuversicht! Ein grosses Ziel ergeht sich nur. Erstiirzen kannst du’s nicht! Cäsar Fialscliten: Neujahrsbueh. Berlin 1907. ‘ Ein Vorschlag Die Mitteilung von einer in Tepli*t 7.- Schönau durch eine dortige sehr verdienstvolle Gesinnungsgenossin, Frau P e r u t z, erfolgte Sharc-Klub-Neugriindung veranlasst mich zu nachstehenden» Vorschlag .einer Neuorganisation aller bisherigen Share-Klubs bezw. Ncugriindung von solchen auf Grund folgender Prinzipien: I. Die Share-Klubs umfassen 1־ Kategorien von Mitgliedern, und zwar mit einem Wochenbeitrag von I) 25 Picnnig bezw. Heller bezw. Centimes usw.; 2) 5n Ih'ennig bezw. Heller usw.; 3) t Mark bezw. Krone usw.; 1־) mehr als eine Mark bezw. Krone usw. II. Nach Einzahlung von 21 Mark bezw. Kronen usw. (den Betrag von ein Pfund engl, immer um ungefähr W׳ übersteigend) haben die Mitglieder das Bezugsrecht nach eigener Wahl aut ein Share des Jewisli Colonial Trust oder der Anglo Palestine Company oder der Palestine Land Development Company oder der Palästinischen Arbciter-Heimstätten-Gcnosscnselmit oder auf ein Viertel Anteil der Pilanzmigs-Oesellseliait .,Palästina". III. Der dabei erzielte L’cberscliuss wird, so weit er nicht• durch Porti und dergl. kleine Spesen verbraucht wird, alljährlieh zu Purim unter die Mitglieder der Gesellschaft, die bereits mehr als in Mark bezw. 12 Kronen eingezahlt haben, in Anteilen der genannten Gesellschaften ausgelost. IV. Bei ei1K־r länger als 5 Monate unterbliebenen Lin־; Zahlung verfällt der früher eingezahlte Betrag nach zwei- . maliger schriftlicher Androhung der Kasse des Klubs. V. Die Klubs werden von einem dreigliedrigen Komitee geleitet, die an jedem Ort eigene, in ein Heft zn klebende; Klub-Marken ausgehen. die durch Stempel auf gummiertes; Papier, kontrolliert durch Signum zweier Komiteemitglieder. h.ergestellt werden. VI. Das Inkasso wird durch freiwillige Hilfskräfte (insbesondere junge Damen) wöchentlich besorgt, mögbehst so organisiert, dass eine Hilfskraft immer nur 5--ln Inkassos pro Woche zu besorgen hat. II11« ״Schacht e I. Kleine Mitteilungen Palästina-Bibliographie Mit de! ocarbenung einer Pa’ästina-Bibliographie ist Herr Dr. phil. P. Thomsen in Dresden-A.. Christianstrasse 37, beschäftigt. Alle Verfasser oder Verleger von Büchern über Orientfragen, über die Judm im Orient, über den Zionismus etc. werden gebeten, Herrn Dr. Thomsen die be!reifenden Werke entweder im Original einzusenden oder genaue Angaben über die Bücher zu geben. Internationaler Kinderaustausch In M a i I a n d existiert ein Komitee, das sich aui Anregung von Frl. Laura G a r s i n gebildet hat und welches bezweckt, den A u s t a u s c h v o n j ii d i s c 11 e 1r K i n d e r n z w i s c h e n Italien und den anderen Ländern zu fördern. Inzwischen ist schon mit einigen Kindern der Anfang gemacht worden, und zwar mit dem allerbesten Erfolg. Gegenwärtig liegen dem Komitee wieder eine Reihe von Anträgen vor, leider beteiligten sich bisher nur französische und Schweizer Familien, es wäre zu wünschen, dass auch deutsche und osterrcichische dem Beispiel folgten. So möchte z. B. eine florcntinische Familie ihren 9—12 Jahre alten Kindern einen deutschsprechenden, gesundet! und wohlerzogenen Knaben gerne auf einige Zeit zum Gefährten geben; eine Familie in Strcsa (Laggo Maggiore) und eine in Verona möchten ihren Knaben auf einige Zeit gegen einen dcutsclisprechcr.den tauschen. Offerten sind zu richten au Signorina Laura Garsin. Mailand. Via Lazzaretto 17.' welche auch alle gewünschten Auskünfte gibt. Feine Leute Die Gesinnungsfreunde der STAATSBÜRGER-ZEITUNG liegen einander wieder einmal in den Haaren, ln dem Einladungsschrciben zu einer Versammlung des Antisemitenblindes heisst es; Der Deutsche Antisemitenbund ist in Gefahr, a u f g e - * rieben zu werden. Durch schnöden Verrät unseres #