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Jüdische Rundschau · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I % Ho. 5 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 83 ringen Zahl haben die deutschen Einwohner einen erheblichen Ciuuuss auf das Land gewonnen, die Bauern ebenso wie die Handwerker. Geldkrisis Im Orient Aus Alexandrien gelangen Nachrichten hierher, die besagen, dass die finanzielle Lage in der Provinz immer noch höchst verworren ist, da weder die Banken noch die grösseren Kauf* leute den Landwirten und Bauern die üblichen Vorschüsse ge• währen wollen. Ueberall hört man sowohl von den Fellachen wie von Grossgrundbesitzernüber Geldmangel Klage führen, ln der Bau mwo 11 Kultur werden zwei Gruppen von Land* wirten jetzt unterschieden, diejenigen, die ihre Baumwolle ver* äussert und deren Wert noch vor der Geldkrisis realisiert hatten, und solche, die mit dem Verkauf ihrer Waren noch zögerten und besseie Zeiten abwarten wollten. Diese Hoff* nungen sin \ . un vielleicht nicht mehr unberechtigt, nachdem auch die in England und Amema entstandene Baumwollkrisis ziemlich beendet ist. Aus Syrien Der deutsche Generalkonsul in Damaskus berichtet unterm 6. d. M.; ״Hie VVittcrungsverhältnisse im Dezember 1907 waren ilir den Stand der Saaten günstig. Die Ruten Aussichten iür die nächste Ernte und die Aufrecliterlialtuug des von der türloschen Regierung erlassenen Verbots der Ausfuhr von Weizen und Gerste haben ein weiteres Sinken der Preise zur Folge Rehaht. Im Dezember stand der Preis für Weizen auf 22 Franken für den Doppelzentner, iii'r Gerste auf 16.50 Franken für den Doppelzentner. Ein jüdischer Repräsentant für Jaffa Hier wurde auf Initiative einiger hervorragender Personlichkeiten der Anfang Remacht, eine für das palästinische Judentum überaus wichtige Institution zu bCRriiuden. Die indische Bevölkerung Jaiias und der umliegenden Kolonien besitzt nämlich bis Jetzt keinen offiziellen Repräsentanten bei der RegieruiiR und bei den hiesigen Aenitern. wie ihn andere .Nationalitäten des Landes, bereits haben. Aui der zur Besprecliung dieser Frage cinberufcnen Versammlung, auf der auch Vertreter der benachbarten Kolonien anwesend waren, wurde beschlossen, einen türkisch-jüdischen Rechtsanwalt mit der dauernden Vertretung der jüdischen Bevölkerung zu beauftragen. Die notwendigen Ausgaben werden von verschiedenen sozialen Institutionen Jaffas und von den Kolonien gemeinsam gedeckt. Die Juden in Amerika Aus dem Bericht des Generalsekretärs für Einwanderungsangelegenheiten in den Vereinigten Staaten ergibt sich, dass in der Zeit vom I. Juni 1906 bis 1. Juni 1907 nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas in der Absicnt, sich dort ansässig zu machen, insgesamt 1 2853-10 Personen kamen, das heisst, 184164 mehr als im vorhergehenden Jahre. Unter dieser Gesamtzahl befinden sich 149 182 Juden, und unter diesen wieder besteht die überwiegende!Mehrzahl nämlich 114 932 aus russischen Juden. Von sämtlichen russischen Auswanderern, die nach den Vereinigten Staaten gehen, bilden die Juden 4.*o Die nächst grösste Zahl von jüdischen Auswanderern liefert sodann Oesterreich, woher 18035 Juden kanten. Aus Rumänien emigrierten 3605,Juden, von denen ein Teil vor der Ans׳edlung in den Vereinigten Staaten sich eine Zeit lang in Kanada aufgehalten hatte. Aus Grossbritanlen kamen 7033 Juden, aus der europäischen Türkei 588, aus der asiatisehen Türkei 330, aus Spanien 4, aus Portugal 24, aus Südafrika 317, aus Südamerika und aus China je 7, aus Japan 3, schliesslich aus Ostindien 12. Die grosse Mehrzahl der jüdischen Einwanderer haben sich in New York angesiedelt und überhaupt in Ostamerika. Etwas über ein Drittel der Einwanderer bestand aus gelernten Arbeitern und nur 15,8% waren in der Rubrik ,Verschiedene Berufe" eingetragen, meistenteils Feldarbeiter. Die Verhältnismassig hohe Zahl derer, die gar keine bestimmte Beschäftigung angaben, annähernd die Halite, erklärt sich aus der grossen Zahl von Frauen und Kindern. Unter den Handwerkern über* wiegen bei weitem die Schneider, die allein 21 779, also den siebenten Teil der Gesamtzahl aer jüdischen Einwanderer im Berichtsjahre ausmachen. Ein Tempelstreit in New York Ein Vorfall In der Gemeinde des Tempels .,Emamtel“. de! reichsten Jüdischen Gemeinde der Welt, macht in New York viel von sich reden. Vor einiger Zeit hielt der Rabbiner dieser Gemeinde, unser bekannter Gesinnungsgenosse. Dr. J. L. Magnes. eine Predigt, in der er sich sehr lebhaft und energiscli gegen die Mischheiraten aussprach und nachdrücklich aui den Schaden hinwics. der dem Judentum erwachse, dadurch, dass gerade die reichen Juden mit Vorliebe ihie Töchter an Christliehe Männer verheiraten. Durch diese Rede fühlte sieh einer der Vorsteher des Tempels, der bekannte Bankier und Millionär Stern getroffen, dessen Tochter kürzlich eilten schweizerisch!! Adeligen geheiratet hat. Stern reichte daher seine Demission ein. In der letzten Sitzung des Vorstandes kam es infolgedessen zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Eine Anzahl Vorstandsmitglieder war der Meinung, man solle die Resignation nicht annchmen. Bei der ersten Abstimmung wurde denn auch die Demission Sterns nur mit einer Mehrheit von zwei Stimmen angenommen. Bei einer bald darauf .stattfmdenden zweiten Abstimmung stellten sich indessen weitere sechs Vorstandsmitglieder auf die Seite derjenigen, die für die Aunähme der Demission waren, und nur zwei Stimmen sprachen sich gegen die Anuähmc der Demission und gegen Dr. Magnes «aus. Bemerkenswert ist die Haltung des zweiten Rabbiners der Gemeinde. Dr. Silbermann, der erklärte, in dieser ..unglücklichen Geschichte“ keine Meinung abgeben zu wollen. Die jüdischen Zeitungen verlangen infolgedessen, der alte Rabbiner .möge deutlicher erklären, was er mit dem Ausdruck ..tmgliick'iclie Geschichte“ habe sagen wollen, ob er damit das Verhalten des Herrn Stern oder die Predigt des Dr. Magnes habe treffen wollen. ln! übrigen ist die jüdische Presse Amerikas mit der Entscheidung des Vorstandes natürlich sein־ zufrieden und rechnet es dem Tempel Emanuel zur!ihre an. dass er auf die Tätigkeit des Herrn Stern verzichtet habe, obwohl dem Tempel erhebliche Revenuen dadurch verloren gehen. » .* Eine jüdische Gemeinde in Chartum Aus Alexandrien wird dein JEWISCH CHRONICLE gw meldet: Der Oberrabbiner von Alexandrien unternahm «an! 17. Jänner in Begleitung seines Sekretärs und eines Mohels eine Inspektionsreise nach Chartum. Zweck dieser Reise ist. in der Hauptstadt des Sudan. Chartum. eine jüdische Gemeinde zu organisieren und den ersten Rabbiner dieser neuen Gemeinde. der gleichzeitig die Funktionen eines Möbel zu versehen haben wird, zu installieren. Seit einiger Zeit haben sich eine grosse Zahl alexandrinischer Juden, sowie Juden aus anderen Teilen Egyptens im Sudan angesiedelt und daselbst grosse Handelszentren gegründet. Bald kamen auch die Familienmitglieder dieser Ansiedler nach und bildeten auf diese Weise eine recht ansehnliche jüdische Kolonie. So entstand bald eine jüdische Gemeinde. Ein Haus wurde iür Synagogenzwecke gemietet, ein Scfer Thora besorgt, allsabbathlich fand regelmässiger öffentlicher Gottesdienst statt. Es fehlte ihnen jedoch noch ein Rabbiner, an den sie sich In rituellen Fragen wenden könnten. Noch mehr jedoch machte sich der Mangel eines Mohels fühlbar. Die wohlhabenden Juden brachten ihre Neugeborenen nach Kairo, um sie innerhalb der vorgeschriebenen Frist in den Bund Abrahams auinchmcn zu lassen, diejenigen jedoch, die sich eine solche Reise aus irgendeine!!: Grunde nicht leisten konnten, mussten die Circumcision aui spatere, geeignetere Zeit aufschieben. Um diesen Ucbclstäudeit abzuhelicn. fuhr jetzt Oberrabbiaer Hazan nach Chartum. Er hat die Absicht, bei dieser Gelegenheit auch einige Tage tu der Stadt As־Su.׳tn zu verweilen, wo eine kleine . jüdische Gemeinde mit eigener, ständiger Synagoge besteht. Oberrabbir.cr Hazan will auch den Anlass wahmelimen. die Insel Elcphantine. auf welcher, wie bekannt, jetzt iür die jüdische Gemeinde äusserst wichtige Ausgrabungen und Papy׳rus!tmdo gemacht wurden, zu besuchen. Der Herr Oberrabbittcr, der bereits früher grössere hebräische Werke veröffentlicht hat. beabsichtigt, über seine interessante Reise einen Bericht ausztigeben. I i 1 I I i ) i! 1 1 * Sw J iZJlt..' * ■*" •*Sä. 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