Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 9 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 85 tisherigcn Geschäftsführers sind dem Verleger Wilh. Bruhn unsere Kasse. Bücher. Karten usw. in die Hände gespielt worden. Trotzdem, der Deutsche Antisemitenbund in der ausserordentlichen Hauptversammlung im Oktober!907 sich ganz von dem Deutschen Mittelstandsbund getrennt hat, lässt Herr Bruhn dennoch bei unseren Mitgliedern Beiträge cinkassiercn. Wir bitten Sie. hochgeehrter Bundesbruder, dringend, auf keine Quittung eine Beitragszahlung zu leisten, auf der ״Deutscher Mittelstandsbund“ steht, unterschrieben mit Bruhn und Silberstorff. Mainz. Die hiesige jüdische Hauptgemeinde hegt die Absicht, eine neue Synagoge zu erbauen. Laurahütte. Die hiesige jüdische Gemeinde wie die von Sicmiano \v i t z sind durch Uehcrnahmc der Schulunter־ haluuigskosten auf den Etat des Öesamt-Schulzweckverbandes von Gemeinde Laurahüttc, Sicmianowitz und Schloss Sicmianowitz von der Aufbringung der Schulunterhaltungskostcn befreit worden. Die Religionen in der Duma Die Duma-Kommission tiir Religions-Angelegenheiten hat einstimmig die Strafbarkeit der Beleidigung des religiösen Geiülils angenommen. Aber natürlich hat man die religiösen Get'iihle nicht gleichmässig eingeschät/.t; vielmehr wurde ein Unterschied in der Höhe der Strafe gemacht für die BeUidigmig der herrschenden Religion gegenüber den anderen. Wenn einer also den evangelischen Gott beleidigt, so wird er geringer bestraft, als w enn er den orthodoxen Gott schmälit. Lud wer stell nur am jüdischen vergreift, für den wird dann wohl bald eine Belohnung ausgesetzt werden. ' •..״1!־.־ -*"-/■־*V*־' Abermals Ausweisungen Die Ausweisungen von Juden aus den verschiedenen Orten des Gouvernements J c k a t a r i n o s I a w nehmen immer mehr überhand. So wurden in diesen Tagen wieder eine ganze Anzahl Juden, die in Doriern unseres Gouvernements bei den Eisenhütten und den Kohlenbergwerken arbeiteten, mit Ausw eisungsbeiehlcn bedacht. Trotz des strengen Winters werden ganze Familien rücksichtslos und ohne Erbarmen aus Orten, in denen sie seit Jahren Arbeit haben, einfach verwiesen und nötigenfalls mit Gewalt aiisgctrieben. Odessacr Auswanderer im Jahre 1907 Soeben ist hier der Bericht des hiesigen Iniormationsburcaus für jüdische Emigranten erschienen, im Jahre 1907 sind aus Odessa insgesamt 4507־ Juden ausgewandert, darunter ledige Männer 3€6, ledige Frauen 301. die übrigen bilden 1100 Familien. Als Ursachen der Auswanderung wurden angegeben: F'urcht. in Odessa zu wohnen (427 Falle): Einladung amerikanisclicr Verwandten (396); Arbeitslosigkeit (211); Lust, sich mit dem Ackerbau zu beschäftigen (552): die anderen gaben verschiedenartige Ursachen an. Als Ziel der Auswanderung w urde angegeben von 2913 Personen, d. h. 65 Prozent der Gesamtzahl New York, von 219 Philadelphia, von *D2 verschiedene. Städte in den Vereinigten Staaten: von 347 Argentinien, von 292 Kanada, von 167 England. Die anderen gingen ״unbekannt wohin". Diejenigen, die nach Palästina auswanderten. wandten sich direkt an das Odessacr Palüstinakomitee. Neue Beschränkungen Wie jüdische Zeitungen Russlands berichten, beabsichtigt der Kultusminister Schwarz, der Duma ein neues Projekt vorzuschlagen, das im wesentlichen eine weitere Beschränkung der Aufnahme von Juden in die höheren Schulen enthält. So Sollen in Moskau und Petersburg in Zukunft nur je 3%, in den Piovinz-Schulen 5%, und in Polen und im Ansiedlungs-Rayon 10% angenommen werden. Abgebrannte Städte Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Fiankfurter Komitee für die osteuropäischen Juden für die Geschädigten der abgebrannten russischen Städte Razelowo, Uchan, Malati und Rutzki M. 42,00überwiesen. Eine neue Kolonie In Palästina Aus Jerusalem wird uns geschrieben, dass in der Nähe der Kolonie Petach-Tikwah namens des deutschen Rabbiners Dr. Salvendi durch die Anglo Palestinc-Comnany zweitausend Dunatn Land zur Begründung einer neuen Kolonie gekauft worden seien. jüdische Lehrer Wahrscheinlich Entwicklung Jerusalems In den letzten Wochen sind in Jerusalem zweihundert neu ei baute Häuser vollendet worden, ein Zeichen von der regen und raschen Entwicklung Palästinas, die ja in manchen anderen Städten des Landes, z. B. Jaffa, noch schnellere Fortschritte luncht. Berlin. Wie die SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE m Berlin No. 4 mittcilcn. ist die jüdische sozialistische Presse in Russland, die eine kurze Zeit ein reiches Leben führte, von der Regierung fast gänzlich ausgeiottet. Als Organ des verstorben u; Bundes erscheinen zurzeit nur noch unperiodische kleine Hefte in russischer Sprache, also fast ohne Bedeutung für die jüdischen Massen. — Die Blätter sind daran gestorben, dass sie ebenso wie der Bund, nicht die Juden vertraten, sondern sic nur für die nichtiiidischc Arbeiterbevölkerung zum Teil gegen die Juden ausnetzten. Verhaftungen In Lodz In Lodz wurden am 17 F'ebruar 3יי (Mclatr.dim) verhaftet. Gründe unbekannt, sind die Gefängnisse nicht voll genug. Verein für jüdische Kur.st in Petersburg Aus Petersburg wird uns geschrieben: Hier ist ein Verein zur Förderung jüdischer Kunst im Entstehen begriffen, dessen Programm sich in grossen Zügen an das des gleichnamigen Vereins in Berlin anlehnt. An der Spitze des neuen Vereins werden eine Reihe bekannter jüdischer .Maler und Schriftsteller stellen. Die .ITO In Russland Aus Warschau wird der NEUEN JÜDISCHEN KOR- RESPONDENZ berichtet: Das hiesige Komitee der JTO (Jewish Territorial Organisation) w urde von der Regierung aufgelöst, ebenso die Komitees in Kiew und Odessa. Als Grund wird angegeben, dass Cie Persönlichkeiten der Regierung nicht vertrauenswürdig erschienen, obwohl sic anerkenne, dass die Tätigkeit der Oese!!- schalt keine revolutionäre sei. Das klingt sehr mvsteriüs. denn die leitenden Persönlichkeiten der Komitees sind gewiss noch weniger revolutionär als die Gesellschaft selbst, lieberhaupt ist nicht zu verstehen, weshalb die Regierung den nichtrevolutionären. Charakter der Komitees betont, da doch der ganze Zweck der JTO. die Regelung der Emigration aus Ost- Europa und die Forderung der Immigration nach Amerika, gar nichts mit der russischen Politik zu tun hat. Nachtraglieh wird von anderer Seite die Nachricht widerrufen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Frankfurter Komitee iür die osteuropäischen Juden für die Geschädigten der abgebrannten russischen Städte Rezolowo, Uehen. Malati und Rutzki 4250 Mark überwiesen. Jassy. Nach Ableben des Rabb F. Ta u b e s, der hier 40 Jahre amtierte, haben die Repräsentanten der Judenschaft Jassys Herrn Dr Niem iro wer, der hier seit 11 Jahren als Rabbiner und Prediger wirkt, zum alleinigen offiziellen Rabbiner ernannt. Auf Intervention des Oberrabbiners Dr. Niemirower leisteten zum erstenmale in unserer Gemeinde in der Kaserne die jüdischen Soldaten den Fahneneid unter Assistenz des Dr. Niemirower als Garnisonrabbiner. Bedeutsamer noch ist der Kampf gegen d. n barbarischen Judeneid ״Moejudaico". gegen welchen Dr. Niemirower seit Jahren in Wort und Schrift kämpft indem er die Furkiion dabei kategorisch ablehnt. Die Tagespresse beschäftigt sich viel mit der Frage, deren Lösung seitens der Behörde nicht vorauszusehen ist. mi. Zlonlstcn-Furcht Am I. Januar sollte hier bereits die Zeitung DAS JÜDISCHE VOLK wieder erscheinen. Jetzt endlich ist die F’rlaubnis erteilt worden, aber mit der Bedingung, dass der Zusatz ״Organ der zionistischen Bewegung iu Russland wegbleibt, und dass auch keine spezielle Rubrik ״Zionistische Chronik’‘ cingcfiigt wird. — Damit dürfte Russland von seinen verschiedenen Nöten definitiv erlöst sein. Es geht doch nichts über eine weise Regierung, die hei Zeiten vorsorgt! Nur nicht Jüdisch“! Das BERLINER TAGEBLATT bringt eine״ kurzen Auszug aus dem Jahresbericht des ״Jüdischen Volksvereins“ in Berlin unter der fettgedruckten Uebersehritt: Aus der Tätigkeit eines Vereins. — Was .sich der liberale Redakteur wohl dabei g׳.- dacht hat?! ff* י"י**ו^ #יי** *׳':